USA: Vegas – Death Valley – Yosemite – Redwoods – SüdOregon – Utah (April 2017)

Valley of fire beim Camp

Bei immer noch bewölktem Himmel und bissig-kaltem Wind fahren wir aus Las Vegas raus zum Valley of Fire State Park, wo wir mit viel Glück gerade noch den letzten freien Campingplatz ergattern können. Er liegt wunderschön inmitten roter Sandsteinfelsen, die ich dann auch gleich zu Fuss erkunden gehe. Auch hier blüht die Wüste wieder in allen Farben und dies ergibt einen schönen Kontrast zu den orange und rot leuchtenden Felsen, die von Wind und Wetter zu wunderlichen Formen verwittert wurden.Wellenfelsen Felsformen

Da wir in den USA wohl noch öfters durch solch Wunder-Steinwelten fahren und Formen & Farbenwandern werden, will ich mich nicht allzu lange mit Beschreibungen damit aufhalten

(- und Euch damit langweilen), sondern einfach unsere Bilder sprechen lassen… wobei auch die immer nur Teilbereiche und Ausschnitte zeigen können!

Nach zwei Nächten verbringen wir einen Tag am Lake Mead, dem nahen Stausee, zur „Augenerholung“ – die vielen Formen und Farben müssen auch mal verdaut werden 😉

 am Lake Mead
Und dann geht’s zurück nach Las Vegas, wo wir mit Ruedi und Maggi abgemacht haben – Rheintalern, die wir auf unserer Reise immer wieder getroffen haben, in Indien, Nepal, Argentinien – und nun hier wieder! Noch während wir uns unsere neuesten Erlebnisse berichten, türmen sich dunkle Wolken am Himmel auf und entladen sich in einem heftigen Gewitterregen… nun regnet es für uns bereits zum zweiten Mal in dieser Stadt mitten in der Wüste!

So nasses Wetter ist wohl auch den einheimischen Nagern nicht so ganz geheuer: am nächsten Morgen entdecke ich anhand einer angefressenen Avocado, dass sich wohl eine Maus in unser Auto geflüchtet hat… 🙁 Vor dem Losfahren besorge ich mir (bzw. „ihr“) im nächsten Supermarkt noch eine Ration Giftfutter!

 im Dead Valley
Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir über einen windigen Pass ins Death Valley runter, wo wir uns bald 80 Meter unter dem Meeresspiegel(!) befinden. Ein riesiger, ausgetrockneter Salzsee bedeckt den Talgrund. Immer wieder entdecken wir Ruinen alter, aufgegebener Minen – welch entbehrungsreiches Leben in dieser trockenen Einöde muss Farbschichtungendas für die Schatzsucher und Zwangsarbeiter im vorigen Jahrhundert gewesen sein…!

Heute ist man mit dem Auto in ein paar Stunden zurück in der „Zivilisation“ – früher war es ein mehrtägiger Trek über steile Pässe…

Heute fasziniert das Tal des Todes uns Touristen vor allem durch bizarre Gesteine in schillernden Farben. Wir treffen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang beim „Artists Drive“ ein und so leuchten uns die unterschiedlichen Gesteinsmineralien in intensiven Farben entgegen.Artists Palette

Dafür sind wir dann zu spät beim eigentlich riesengroßen, aber doch schon voll besetzten Campingplatz und müssen uns so „halblegal“ irgendwo dazustellen. Und in der Nacht raubt uns dann auch noch unser blinder vierbeiniger Passagier mit seinem lauten Geknabbere an unseren Vorräten den Schlaf…!

 Zabriskies Point
Bei kühlem Wind stehen wir deshalb schon frühmorgens am Sonnenaufgangs-Aussichtspunkt und gönnen uns erst danach ein wohlverdientes Frühstück. Über eine aussichtsreiche Strasse fahren wir aus dem Tal heraus und kommen gerade rechtzeitig, um tollkühnen Militär-Trainingspiloten beim Tiefflug durch einen engen Canyon zuzuschauen. Das Spektakel lockt viele Zuschauer an – wir haben uns beim Herfahren noch gewundert, was es denn da zu sehen geben muss in dieser Einöde…

 über dem Death Valley
 der Sierra Nevada entgegenKurz darauf überqueren wir den Kamm des Bergrückens und es kommen die schneebedeckten Gipfel des Sierra Nevada Massivs in den Blick. Was für eine grandiose Aussicht! … aber eben doch auch noch etwas kühl – der Anblick lässt uns doch grad noch etwas erschauern! Der Schnee wirkt so extrem nah an uns dran…

in den Alabama Hills Felsformen Alabama HillsAm Fusse der Sierra Nevada liegt ein bekanntes Felsgebiet, das in vielen Westernfilmen als Kulisse gedient hat: die Alabama-Hills. Dort darf man wunderschön frei campieren und so verbringen wir hier zwei schöne Tage mit Wandern und Faulenzen. Einzig das Wetter will nicht so recht – zeitweilig wirbelt der starke Wind Schneeflocken um unseren Cruisie herum! Und auch die Nächte bleiben eher unruhig – mein Giftfutter scheint überhaupt nichts zu fruchten: unser Mäuslein benimmt sich immer dreister!

 FelsbogenKölbi schafft es in einer aufwendigen nächtlichen Fangaktion immerhin die Maus aus dem Auto zu jagen – doch bereits eine halbe Stunde später ist sie wieder drin und wir hören sie erneut knabbern! Also hatte ich wohl doch nicht recht mit meiner Behauptung, das arme Tierchen könne ja gar nicht mehr aus dem Auto raus… – der gefällt es richtiggehend bei uns!!! 🙁

Also nix wie los, weg von den kalten Schneebergen runter an die Küste und beim nächstbesten Supermarkt auch gleich noch eine der guten alten Holzfallen kaufen… Unterwegs realisieren wir, dass das Wetter hier momentan wohl wirklich grad ein bisschen verrückt spielt: die Strasse ist für Lastwagen gesperrt worden letzte Nacht, sie reihen sich in einer langen Kolonne entlang der Strasse auf. Zuvorderst inspiziert ein Sheriff unser Fahrzeug und gibt dann das OK zum Weiterfahren. Und nun sehen wir auch was passiert ist: der böige Wind hat in der Nacht mehrere Lastwagen umgeworfen und auch umgefallene Bäume liegen am Wegrand!

 Poppyflowerfelder
 MenschenauflaufGut, dass wir unsere Pläne diesem Wetter angepasst haben und nun erst mal unsere zwei Freundinnen Michelle & Johanna aus der Baja California besuchen wollen. Sie wohnen nördlich von Los Angeles in Ventura an der Küste. Da die beiden  Poppyflowertagsüber noch arbeiten, haben wir Zeit um unterwegs die gerade blühenden Poppy-felder im Antelope Valley zu besuchen. Wunderschön, wie intensiv das Orange in den Hügeln leuchtet. Und lustig anzusehen, welchen Trubel dieses Naturschauspiel bei den (meist asiatisch aussehenden) Amerikanern hier auslöst… zu Hunderten fahren die Leute her und fotografieren und knipsen um die Wette! Gut, dass wir an einem Freitagmittag hier sind und nicht etwa am Wochenende…

 Happening in den Blumen...
 Küste in VenturaIn Ventura werden wir dann herzlich empfangen und dürfen unseren Camper gleich vor dem Haus parken. Ich koche Rahmgeschnetzeltes und Spätzli zum Znacht – Johanna hat in Deutschland Militärdienst geleistet und liebt die europäische Küche, so kann ich ihr eine Freude machen. Und zu unserer grossen Freude und Erleichterung entdecken wir vor dem Zu-Bett-Gehen auch noch unsere Maus in der Falle! Endlich wieder ruhig schlafen…

Den nächsten Tag erkunden wir den hübschen Ort mit unseren Fahrrädern. Es findet grad ein Strassenmarkt statt und wir bestaunen all die Stände und Besucher… es scheint mir, dass hier Hunde eine noch grössere Bedeutung als Statussymbol haben als wie bei uns – grad mehrere Marktstände bieten Spezialfutter und -Ausstattung für die Vierbeiner an  bei Michelle & Johannaund Rassenhunde werden von ihren Besitzern richtiggehend zur Schau gestellt. Der neuste Schrei scheinen Wanderschuhe für Hunde(!) zu sein… – und den armen Viecher werden sie auch tatsächlich angezogen, wie wir später auf mehreren Wanderungen selber feststellen können!

Für den Abend haben Michelle und Johanna uns zu ihrem Diavortrag im hiesigen Yachtclub eingeladen. Uns wird erst im Laufe dieses Abends so richtig bewusst, welch aussergewöhnliche Charaktere wir auf unserer Reise wieder einmal kennengelernt haben: die beiden arbeiten im Gesundheitswesen und haben dabei immer wieder erlebt, wie hoffnungslos viele Frauen über fünfzig werden und wie alt und nutzlos sich viele fühlen. Und da Michelle immer schon gerne gesegelt ist, wollte sie beweisen, dass Frau auch mit über fünfzig noch Aussergewöhnliches zustande bringen kann. Also hat sie ein vierköpfiges Frauen-Segelteam Ü50 zusammengestellt (Johanna sollte eigentlich „nur“ die ganze Administration leiten) um eines der härtesten und verrücktesten Rennen der Welt zu bestreiten, das bisher noch nie ein Frauenteam beenden konnte: das R2AK (Race to Alaska (www.r2ak.com)), ein 7-10 tägiger Segeltörn in Alaska unter schwierigsten Wind- und Gezeitenbedingungen, bei dem kein Motor eingesetzt werden darf und auch kein Support unterwegs gestattet ist. Um es kurz zu machen:  das Sistership-Segelbootweil eine Seglerin krankheitshalber ausgestiegen ist, musste Johanna völlig untrainiert einspringen, die ersten vier Tage (und Nächte!) mussten sie mangels Wind schichtweise rudern(!), das Rennen dauerte elf Tage – aber sie haben es als erstes Frauenteam geschafft!!!

Wow, eindrücklich wie bescheiden sie von ihrer Riesenleistung an diesem Abend berichten und wie stolz sie auf die Teamleistung als Ganzes sind. Wir sehen die beiden in einem ganz anderen Licht – obwohl wir sie ja gleich auf Anhieb schon gut gemocht haben. Wir mögen ihnen den Erfolg von ganzem Herzen gönnen und wünschen dem Team bei ihrer erneuten Teilnahme dieses Jahr alles Gute (- und viel mehr Wind…)!
Mit einem feinen, typisch amerikanischen Frühstück mit Pancakes und gebratenen Würstchen verabschieden uns die beiden aufgestellten Frauen am nächsten Morgen. Wir fahren noch kurz der Küste entlang und nehmen dann Kurs auf einen der am häufigsten besuchten Parks dieser Gegend: den Yosemite Nationalpark. Wir wissen, dass ein Teil wegen Schnees noch gesperrt sein soll, hoffen aber gerade deshalb auf ein bisschen weniger Besucher im Park…

 Yosemite NPDen Sonntagabend verbringen wir in einem Waldgebiet etwas ausserhalb und können so am Morgen ganz früh reinfahren. Überall liegen noch Schneereste im Wald und auch die Strasse weist noch etliche eisige, rutschige Stellen auf. Aber trotz alledem sind viele Autos unterwegs und im Park wimmelt es von Touristen und Wanderern…!
Gleich zu Beginn verpassen wir den vielgepriesenen Shuttlebus, der uns zum Wanderstart bringen sollte, der Campingplatz ist auch bereits voll – ein toller Start in unseren Wandertag… 🙁 Vernal Falls

Aber glücklicherweise haben wir unsere Klappräder mit dabei, so kommen wir auch ohne Shuttle zu unserem Ausgangspunkt. Zuerst werden wir zwar noch von einem Autofahrer zusammengestaucht, weil wir uns nicht auf dem Fahrradweg befinden… sorry, aber wo ist er denn?? Nachdem wir uns auch hier unseren Platz unter all den mitbenützenden Spaziergängern erkämpft haben, steht einem tollen Wandertag nun nichts mehr im Wege… – ausser vielleicht noch die vielen Mitwanderer – ich komme mir vor wie auf einer Radiowanderung von SRF1 😉

Picknick mit FreundenIch möchte ja gar nicht erst wissen, wie das hier in der Hochsaison zu- und hergehen muss…!

Aber nach einer eher anstrengenden Kolonnenwanderung über einen eisigen Klettersteig gelangen wir zum schönen Vernal-Wasserfall, wo wir Mittagsrast machen (zusammen mit ca 100 anderen Wanderern!). Doch von da weg finden wir einen wenig begangenen Seitenweg und können das Wandern so richtig geniessen. Die Landschaft ist schon sehr eindrücklich!

 am MirrorlakeMit dem Fahrrad erkunden wir noch weitere schöne Ecken des Parks, sind dann aber froh gegen Abend rausfahren zu können. Doch oh weh – unsere geplante Ausfahrtsstrasse ist auch noch gesperrt! Also fahren wir einen weiten Umweg, immer auf der Suche nach einer geeigneten Campingmöglichkeit. Schliesslich finden wir ein schönes Seitental, wo wir diesen ereignisreichen Tag bei einem tollen Lagerfeuer ausklingen lassen.

Als Nächstes steht Stockton auf unserem Reiseprogramm. An sich kein besonderer Ort, ausser dass sich hier der (von der San Francisco-Bucht her zugängliche) am weitesten im Landesinnere gelegene Hafen befindet und – für uns viel wichtiger: eine auf Toyota Landcruiser spezialisierte Garage. Dies ist insofern aussergewöhnlich, weil dieser Autotyp bei Valley Hybrids in Stocktonhier in den USA nie verkauft wurde und wir beim offiziellen Tooyota-Händler deshalb auch weder Ersatzteile noch einen Service kriegen würden.

Georg, ein gebürtiger Österreicher, hat sich auf diese Liebhaber-Autos spezialisiert und – wie es scheint – auch reichlich zu tun… seine Halle ist vollgestellt mit Landcruisern!

Da wir grad kurz vor Ostern bei ihm vorstellig werden, schlägt er uns vor, erst in einer Woche wieder zu kommen, dann habe er Zeit und Platz für unseren Cruisie. Wir dürften dafür dann auch gleich hier in der Garage übernachten, falls wir dies möchten… ein Angebot, das wir sehr gerne annehmen – so brauchen wir nichts zu packen und sind bei allen Arbeiten dabei.

Aber erst mal haben wir noch eine Woche Zeit um eine Schlaufe Richtung Norden zu drehen. Seit wir vor vier Jahren auf den Galapagos-Inseln die Amerika-Chinesin Nikki kennen- und schätzen gelernt haben, stehen wir in Mail-Kontakt miteinander und sie hat uns immer wieder aufgefordert sie doch besuchen zu kommen. In der Zwischenzeit ist sie von Hollywood aufs Land nach Oregon gezogen und hat sich dort ein Stück Land an einem Fluss gekauft. Schon auf Galapagos hat sie mir von ihrem Wunschtraum erzählt, im Alter eine kleine Farm zu bewirtschaften – und nun ist sie daran diesen Traum zu verwirklichen…

Aber bis zu ihr sind es doch noch über 1’000km weit nach Norden – und die Wetterprognosen nicht gerade die besten. Nun ja, besser so als gar nie, jetzt passt es halt grad tiptop in unseren Reiseplan, trotz der schlechten Wetteraussichten… 😉

 Golden Gate mit San FranciscoZuerst packen wir die Gelegenheit uns die Bay und die Golden Gate-Brücke von San Francisco mal aus der Nähe anzuschauen – ein „richtiger“ Stadtbesuch reizt uns bei diesem Nieselregen-Wetter nicht unbedingt. Wir finden unweit der berühmten Golden Gate-Brücke ein ruhiges Naturschutzgebiet zum Campieren, können auch noch ein paar Fotos von der Stadt knipsen und ziehen uns  Richtung Nordendanach in den warmen und trockenen Camper zurück. Gut, dass wir die Fotos noch am Abend geschossen haben – am nächsten Morgen ist alles wolken- und nebelverhangen…! So fällt uns der Abschied leicht und wir fahren weiter Richtung Norden. Doch auch hier scheint es nicht erst seit kurzem zu regnen – etliche Strassen sind wegen Unterspülungen und Erdrutschen gesperrt  in Mendocinound wir müssen unsere Route ständig anpassen. Die Gegend ist sehr hügelig und grün, eigentlich wunderschön mit all den zur Zeit blühenden Obstbäumen – wenn denn die Sonne ein wenig scheinen würde… So können wir nicht mal das vielbesungene Mendocino richtig abfotografieren, aber dafür gönnen wir uns da einen heissen Kaffee mit Apfelstrudel!

 Redwood Bäume zwischen den BäumenUnd dann sehe ich sie endlich! – nein, nicht die Sonne, sondern die riesigen Redwood-Bäume, von denen alle immer so geschwärmt haben. Wow – mächtige Stämme, die sich endlos Richtung Himmel strecken und trotzdem vielfach ganz nahe beieinander wachsen… beeindruckend, wie klein und winzig uns daneben sogar unser Cruisie vorkommt! noch mehr Redwoods

In einem der Informationszentren wird uns viel über die Holzfäller-Geschichte dieser Region gezeigt und auch von früheren verheerenden Überschwemmungen berichtet – gut, ist es jetzt noch nicht ganz so schlimm, trotz all dem Regen! Als uns eine Park-Rangerin dann aber erzählt, dass die Freiwilligen Helfer, die seit September hier arbeiten würden, am 31. März den ersten sonnigen Tag ihres Einsatzes erlebt haben, wissen wir definitiv, dass dies wohl nicht unsere Lieblings-Ferienregion werden wird… Urwaldzauber an der Küste

Da hilft es auch nicht, dass uns ein Einheimischer vorschwärmt, dass dies nun endlich wieder mal ein richtiger Winter wie früher gewesen sei – mit Regen an jedem einzelnen Tag!

Wir versuchen unser Wetterglück zurück an der Küste, und sogar mit Erfolg! Pünktlich zum Sonnenuntergang klart der Himmel auf  Schwemmholzund wir verbringen eine windige, kühle Nacht mit dem Rauschen der Wellen im Ohr… oder höre ich da etwa schon wieder was knabbern?? Nein, das kann ja gar nicht sein!

Oh doch – am Morgen beim Einsteigen ins Auto lacht mir doch tatsächlich ein Mäuschen entgegen auf meiner Fussmatte… dann hatten wir ja nicht nur eine, sondern grad zwei Mäuse mit an Bord! Hoffentlich hat das noch keinen Nachwuchs gegeben…! viktorianische Häuser

Also stellt Kölbi am Abend wieder Fallen auf – und tatsächlich: noch während unseres Nachtessens hören wir sie zuschnappen! Mit einer grossangelegten Putz- uns Ausräumaktion am folgenden Morgen vergewissern wir uns, dass die zwei erst noch in den Flitterwochen waren und wir nun nicht auch noch Babysitten müssen… – und damit ist die Geschichte mit der Maus für uns nun endgültig zu Ende!

Unsere Einfahrt in den Bundesstaat Oregon findet standesgemäss im Schneegestöber statt – und dies über einen Pass von gerade mal 1500 müM… das kann ja heiter werden! Aber das Wetter klart tatsächlich etwas auf und als wir bei Nikki eintreffen, scheint schon fast die Sonne. Nikki

Die Wiedersehensfreude ist gross – sie ist grad mitten in einer Baubesprechung, denn ihr neues Wohnhaus steht erst im Rohbau… aber sie bricht diese Sitzung sofort ab und wir gehen zusammen Mittagessen in einem nahegelegenen Restaurant mit angeschlossener Bäckerei. Mmmh – wieder mal ein richtig feines Brot!

Nikkis FarmNach einer ausführlichen Baustellen- und Landbesichtigung fahren wir zu ihrer momentanen Bleibe im benachbarten Sutherlin. Neben ihrem Häuschen ist gerade noch Platz für unseren Cruisie, so können wir grad da übernachten. Am nächsten Tag, dem Ostersamstag, ist ausnahmsweise mal strahlend schönes Wetter angesagt und so chauffiert uns Nikki bis an die Küste in die Oregon Dunes, einem ATV- und Buggie-Paradies für die ganze Familie. Nach einem kleinen Lunch und einem Spaziergang durchs hübsche Florence führt uns die kurvige Strecke dem Siuslawfluss entlang nach Eugene und Sutherlin zurück. Mit einem leckeren Salat und bei anregender Diskussion geht dieser Tag schnell zu Ende.Ausflug zu Oregons Sanddünen

Interessant finde ich, dass sich fast die Hälfte aller Kalifornier, die wir bisher näher kennengelernt haben, zum Auswandern nach Oregon entschlossen haben. Ich denke, dass für viele Kalifornier die jahrelange Dürre wohl zu einer ziemlichen Belastung geworden ist, dazu kommen immer mehr Beschränkungen in Form von strengeren Gesetzen und hohen Steuerabgaben. Hier in Oregon dagegen fühlen sich viele noch  im Umpqua-Tal„freier“ im amerikanischen „way of life“ ohne die ganzen Regulierungen. Und vor allem hat es unendlich viele Flüsse mit Wasser in rauen Mengen… Die Kehrseite der Medaille ist dann eben das feuchtere und deutlich kühlere Klima.

Am Ostermorgen verabschieden wir uns dann von dieser liebgewonnenen, so enthusiastisch vorwärts denkenden Freundin und steuern wieder südwärts. Wir folgen dem Umpquafluss durch sein enger werdendes Tal immer höher hinauf – bis wir schliesslich beidseits der Strasse von hohen Schneewänden flankiert werden…!

 Schneewände zum Crater LakeAm kreisrunden Craterlake, einem See in einem Vulkankrater, war Kölbi auf seiner ersten Amerikareise vor 30 Jahren schon mal, damals jedoch im Hochsommer und in Shorts. So ist er jetzt doch bass erstaunt ob all dem Schnee, der hier noch meterhoch liegt! Das Besucherzentrum ist richtiggehend begraben unter den Schneemassen und am See oben bläst ein eisig-kalter Wind, so dass wir unseren Aufenthalt aufs Foto-Shooting beschränken…

 Crater Lake

 Sacramentos Old Town

Die nächsten Tage setzt wieder Dauerregen ein und wir fahren nach Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens.

Wir besuchen die „Oldtown“, eine im Westernstil wiederaufgebaute Altstadt und besichtigen danach auch das Capitol, wo wir ...und New Townvon einer engagierten Dame über dessen Geschichte und Renovation aufgeklärt werden. Sogar die Porträts von Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger dürfen wir bewundern in der Ahnengalerie der kalifornischen Bundesstaatspräsidenten…

Am Abend sind wir von zwei Amerikanern zum Nachtessen eingeladen, die wir zuvor im Death Valley kennengelernt haben. Mika ist gebürtige Japanerin und David hat jahrzehntelang in Japan gelebt – eine interessante Mischung und wir verbringen einen schönen Abend mit lebhaften Diskussionen.Capitol

Am nächsten Morgen zeigt sich die Sonne wieder einmal und wir beschliessen, dies und die ideale Lage unseres bisher teuersten Campingplatzes dieser Reise (40 US$) zu  Kuppel im Capitolnutzen und fahren mit unseren Fahrrädern die Velowege entlang des Sacramento-flusses auf und ab. Auch hier zeigen sich die Folgen des vielen Regens – der Fluss ist an mehreren Orten über die Ufer getreten. Doch glücklicherweise hat man hier dem Fluss noch genügend Raum gelassen, so dass es wunderschöne grüne Auen hat, die nun teilweise unter Wasser stehen. Was wiederum ein Obdachlosencamp am FlussProblem für die vielen Obdachlosen sein dürfte, die sich hier in freier Natur ihr eigenes Zeltlager aufgebaut haben. Wie wir nun schon öfter gehört haben, soll Kalifornien mit seinem milden Winter-Klima und den grosszügigen sozialen Hilfseinrichtungen viele Aussteiger und Gescheiterte aus ganz Amerika anziehen…

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir durch Wein- und Obstbaugebiete zurück nach Stockton, wo wir uns vor der Garage von Valley Hybrids für die Nacht einquartieren dürfen. Garagen-Camping

Die folgenden zwei Tage wird dann an unserem Cruisie geschraubt und gewerkelt, er bekommt die seit Oaxaca tropfende Dichtung ersetzt, einen neuen Zahnriemen eingebaut und etliche Filter und Bremsbeläge gewechselt. Ich erledige unterdessen die Wäsche, lade unseren letzten Bericht ins Internet und erkunde die Stadt mit dem Fahrrad. Fahrradfahren ist hier in den Städten etwas gewöhnungsbedürftig: entweder fährt man auf ausgeschilderten Velowegen, die sind allerdings dürftig und führen selten dahin wo man hin muss – oder  an der Arbeitman fährt auf den Strassen, was wiederum für den amerikanischen Autofahrer ungewohnt ist, denn er traut sich kaum mich zu überholen. Die meisten Fahrradfahrer in der City sind ohnehin Obdachlose, die sich kein Auto leisten können und sie fahren meist auf den Gehsteigen, was wegen der vielen Absätze aber auch nicht praktisch ist. Da haben wir Velofahrer es in Europa schon besser!

on the road again...Nach eineinhalb Tagen verabschieden wir uns zufrieden von unseren Mechanikerfreunden – sie haben wirklich gute Arbeit geleistet! Wir steuern die Sierra Nevada Bergkette an und übernachten in einem Waldstück kurz unterhalb der Schneegrenze. Am nächsten Morgen fahren wir dann über einen der wenigen offenen Pässe, den Carsonpass, der mit seinen 2633 müM immer noch unter einer meterhohen Schneedecke liegt – nur die Strasse ist freigeräumt worden. Durch tolle Landschaften geht’s runter in die dahinter liegenden Täler. Mittagsrast machen wir an frei zugänglichen heissen Quellen (allerdings vorausgesetzt, man hat ein Allradfahrzeug!), wo wir uns ein warmes Bad nicht entgehen lassen.

heisse Quellen

 am Mono Lake

Kurze Strecke später haben wir dann freie Sicht auf den Monolake, einen grossen, sehr salzhaltigen See, der für seine bizarren Tufa-Gebilde berühmt ist, die durch unter Wasser gelegene Quellen entstanden sind.Tufa-Insel

Wir streifen kreuz und quer durch diese Tufa-Türme, bewundern die Spiegelungen im See und übernachten auch am Seeufer. Wir sind von Schneebergen und dunklem Vulkangestein umgeben, eine irre, surreale Landschaft.

 Tufas am Monolake.jpg

Der nächste Tag führt uns Richtung Osten, wir queren riesige Einöden nördlich des Death Valley, vorbei an riesigen Militär-Trainingsgebieten (zusammengenommen fast halb so gross wie die Schweiz!) und erreichen Pub in Rachel kurz nach Mittag Rachel, ein Kaff, das hauptsächlich aus einem Pub und ein paar Häusern besteht. Berühmt wurde es durch ausserordentlich häufige UFO-Sichtungen und sonstige skurrile Vorkommnisse, so dass das Pub nun von diesem Ruhm lebt und Self-Parkplätze  Ufo-Maniafür UFOs, allerlei Souvenirs und Alien-Burgers anbietet (uns schmeckt er allerdings auch nicht viel besser als die sonst erhältlichen… 😉 – doch dafür ist das Pub an diesem Samstagmittag brechend voll! Witzig gemacht…

 Camp am Canyon Radeltour im Zion NP

Etwas nördlich von Las Vegas campieren wir direkt an der Abbruch-Kante zu einem tief ausgeschnittenen Canyon und geniessen endlich wieder einmal Shorts-Wetter. Nach einem kurzen Einkaufshalt in der nächsten Stadt fahren wir zum Zion-Nationalpark.

Nach dieser längeren Pause sind wir nun wieder voll fasziniert vom roten Gestein… aber immer noch nicht vom Rummel und dem Gedränge in den Parks. So verzichten wir dieses Mal gleich auf den Shuttle-Bus und  Narrows im Zionerkunden den Park mit unseren Fahrrädern, was wunderschön ist und unserer Fitness gut tut. Beim Retourfahren radeln wir durch den seit dem Vormittag als „besetzt“ angeschriebenen Campingplatz – und siehe da: es hat ja noch einen freien Platz…! Den reservieren wir uns gleich und kurze Zeit später wird auch der neben uns noch frei… da soll einer das System hier verstehen…!

 beim Campgroundcoole Strassenführung im ZionDer weniger bekannte Ostteil des Parks fasziniert uns noch mehr und wir unternehmen da zwei Wanderungen. Die erste führt uns an einer ganzen Herde Bighorn-Schafen vorbei (sie ähneln unseren Steinböcken) und zu einem Mountain Bighorn Sheeptollen Aussichtspunkt. Die zweite wird uns von zwei Frauen empfohlen und führt über tolle Slickrock-Felsen in ein menschenleeres Tal an vielen versteckten kleinen Wasserbecken vorbei. fast wie unsere Steinböcke...

SlickrockwanderungDie nächste Nacht verbringen wir in der Nähe von Kanab, einer Touristenhochburg, die wohl zu einem guten Teil auch von der dort täglich stattfindenden Wave-Permit-Verlosung lebt. Die Wave (Welle) ist eine besonders schön gezeichnete rot-weiss-gestreifte Felsformation, deren Zugang auf 20 Personen pro Tag beschränkt ist. Die Hälfte dieser  Wave-Verlosung Permits werden im Internet vergeben und die andere Hälfte an eben diesem täglichen „Spektakel“ im Informationscenter verlost. Als wir morgens um acht Uhr da antraben, buhlen wir mit 59 anderen Gruppen von 2-7 Personen um die zwanzig Einzeltickets… Chance gleich null, aber wir haben zumindest mal die amerikanische Show-Kunst hautnah miterlebt!
Unsere Chance war eigentlich minim grösser, weil wir uns mit Regine&Walter aus der Schweiz, die wir von Südamerika her kennen, abgesprochen haben: sie waren am Tag vorher hier und haben für uns (so wie wir heute für sie) mitgeboten… dann hätten wir nämlich die Wanderung gemeinsam gemacht. Nun aber sieht es so aus, als ob wir sie schlussendlich nicht mal mehr treffen werden… Wiedersehen mit Regine&WalterAber wie es der Zufall will: wir kreuzen uns auf einer der Pisten der Umgebung! Unser Schwatz dauert leider wegen des kalten Windes und der herumwirbelnden Schneeflocken(!) nicht allzu lange – wir beschliessen uns dann in der Schweiz mal an einem gemütlicheren Ort zu treffen!

unterhalb des Bryce-CanyonsWanderung runter

So fahren wir weiter bis zum Bryce-Canyon, der auf über 2300müM an einer Abbruchkante liegt. Die Erosion hat mit Hilfe des nächtlichen Gefrierens und tagtäglichen Wiederauftauens wunderbare Stein-gebilde, Türme und Zacken geformt – eine einzige Märchenwelt aus Formen und Farben. Zuoberst an der Kante liegt noch Schnee und wir wandern auch im Schneegestöber los – doch kurze Zeit später im tief darunter liegenden Tal können wir an der Sonne und im T-Shirt gehen und staunen! Steinskulpturen
Hier ist auch der Campingplatz nicht voll ausgebucht (kein Wunder bei den Temperaturen… – uns gefriert in der Nacht sogar die Abwasserleitung ein!)  am Frieren...und so können wir sowohl den Sonnenunter- wie den -Aufgang mitverfolgen, dick eingepackt in Mütze, Schal und Winterjacke, wohlgemerkt.

Fürs Frühstück fahren wir noch zu einem weiteren Aussichtspunkt, doch lange hält uns die Kälte nicht mehr hier oben auf diesem Plateau und wir machen uns auf zu neuen Abenteuern.

 Bryce Canyon beim Sonnenaufgang

 Slot-Canyon an der CottonwoodroadUnten im Tal lockt die Cottonwood-Road mit diversen Steinbögen, engen Schluchten und ein paar Graden mehr Wärme… wir sind nun im Grand Staircase Escalante Nationalpark angekommen, dem jüngsten und naturbelassensten, „wildesten“ aller Parks in den USA. Er hat noch viele „weisse Flecken“, sogenannte Wilderness-Areas (Wildnis-Gebiete), kaum Teerstrassen und dafür viele anspruchsvolle Pisten und Canyons zum Entdecken. Gemacht für uns!

Wir unterbrechen die Fahrt immer wieder mal um einen Steinbogen zu bewundern, einen ausgewaschenen Slot-(„Münz-Schlitz“) Canyon anzu-schauen oder gar zu durchwandern, unternehmen Abstecher zu „Stein-Pilzen“brüchige Erden (grossen Felsbrocken auf schmalem Fuss) und geniessen den Anblick toller Fels-formationen. Es hat aber nicht nur Felsen, sondern auch Hügel aus weicher Erde in allen Farben, die verschiedene Mineral-Kompositionen enthalten und so weich sind, dass auf ihnen jeder Fussabdruck für Jahre sichtbar bleibt… da muss man dann seinen Verstand einschalten und nur auf festem Untergrund gehen oder allenfalls in den Auswaschungen der sandigen, meist ausgetrockneten Flussläufe. Schnell lernen wir auch kryptobiotische Krusteden Begriff der „kryptobiotischen“ Kruste kennen: von Cyano-Bakterien und Algen durchwachsene und dadurch zusammengehaltene Sanderde, die ein bisschen an unsere Wurmhäufchen erinnert und wasserspeichernd und erosionshemmend wirkt. Es dauert in diesem trockenen Klima über zehn Jahre solche Krusten aufzubauen – und nur eine Sekunde, um sie durch unbedachtes Herumlaufen zu zerstören! Daneben lernen wir auch auf die „Potholes“ (Pfützen-Vertiefungen im Fels) acht zu geben, da sich in diesen auch in der Trockenheit noch abgelegte Eier von Insekten und Krustentieren befinden, die bei den seltenen Regenfällen dann sofort ihren Entwicklungszyklus starten… Manchmal weiss ich  kuriose Felsformen auf dem Weg zur White Pocketalso auf meinen Wanderungen querfeldein kaum mehr, wo ich denn nun noch hintreten darf… Fliegen kann ich nämlich (leider!) noch nicht 😉

In den Pariah Vermillion Cliffs unternehmen wir eine ganz speziell abenteuerliche Tour, die uns von Mitreisenden bereits in Mexiko empfohlen wurde und erstaunlicherweise (noch?) kein Permit braucht… wahrscheinlich, weil sie so abgelegen und nur auf schwierigen, sandigen Offroadpisten erreichbar ist!

 eingegraben im Sand...Und weil mir schwierig alleine ja nie genügt, finde ich für Kölbi auch noch eine „kurze“ Streckenerweiterung… wo wir dann auch prompt steckenbleiben und erst mal Luft aus den Reifen ablassen müssen um den Hang hoch zu kommen! Aber all die Felsgruppierungen und -Formationen sind jeden Umweg wert und ich komme kaum mehr nach mit Fotografieren…!

Schildkrotgestein Strasse zur White Pocketangekommen!Und was uns dann im Kerngebiet der White Pocket erwartet ist schlicht „mindblowing“, wie der Amerikaner sagen würde: einfach umwerfend! Oder wie Kölbi es ausdrückt: wer immer das erschaffen hat muss dabei einen Joint geraucht haben…

White Pocket im Wirbel...

Wir bleiben zwei Tage hier, campieren mit einer amerikanischen Familie zusammen, die hier eine ganze Woche Ferien verbringt. Der Platz liegt auf 2000 Meter Höhe, es ist windig und kalt. Und dazu ist für die nächsten Tage eine  wow...Kaltfront gemeldet worden – so verziehen wir uns so schnell wie möglich in tiefere Lagen und fahren zu Lees Ferry an den Colorado River, bevor hier die Schneeflocken zu wirbeln beginnen!

Formen und Farben

 Lichtspiele

Colorado bei Lees FerryIn Lees Ferry entstand eine der wenigen Übergänge über den wilden Fluss, der sich sein Bett tief in die Landschaft gegraben hat. Südlich hat er den Grand Canyon gebildet, nördlich befindet sich heute der Powell-Staudamm mit dem verästelten Stausee und noch weiter im Norden hat der Fluss die verzweigten Canyonlands in die Sandsteinplateaus gefräst…

Seit Jahrtausenden bildet er eine natürliche Barriere quer durchs Land – wehe denen, die sich in Unkenntnis seiner Dimensionen in dieses Gewirr von Schluchten und Abgründen begeben haben…!

Doch hier an dieser gangbaren Stelle haben die frühen Pioniere erst eine Fähre und später dann eine Brücke errichtet. Und in der heutigen Zeit wurde noch eine zweite stärkere Brücke für den Schwerverkehr daneben gestellt…

 Doppelbrücke

Wir fahren weiter Richtung Page, das durch den Powell-Stausee zu einem regionalen Zentrum gewachsen ist. Kurz davor besuchen wir eine weitere Sehenswürdigkeit des Colorado: „Horseshoebend“, eine enge Fluss-Schlaufe, die vor allem bei asiatischen Touristen beliebt sein muss… wir bewegen uns mit Bus-Ladungen voller Chinesen den Hang hinunter zum zugegebenermassen sehr eindrücklichen Aussichtspunkt. Hier kennt der Selfie-Wahn wieder einmal kaum Grenzen und wir zwei wundern uns über all die schicken Kleidungsstücke und Mode-Freaks, die sich hier in der Natur draussen so vorteilhaft wie nur möglich in Szene setzen. Irgendwie tritt die Naturschönheit der doch gewaltigen Schlucht daneben irgendwie in den Hintergrund… – oder liegt es einfach daran, dass wir jetzt grad ein paar Tage fernab der Zivilisation waren und halt nicht so ganz gestylt daherkommen…?! Und wir uns den ganzen Rummel einfach nicht mehr gewöhnt sind??Horseshoebend
Nun ja, wir gehen in Page nur kurz einkaufen und fahren dann gleich wieder raus in die Natur. Auf meiner Karte habe ich diverse Punkte gefunden, die mir interessant für Wanderungen erscheinen. Also besuchen wir erst noch den Visitor-Center um uns darüber zu informieren. Irgendwie finde ich aber den richtigen Draht nicht zum anwesenden Ranger hier und auf meine Fragen wimmelt er mich irgendwie ab mit „nein, da sei nichts Interessantes“ und „das sei viel zu weit“… komisch, meine Karte und mein Gefühl sagen da aber was ganz anderes…

Kölbi versteht mich auch nicht so recht und so fahren wir erst mal raus zu einem der Wander-Startpunkte. Obwohl es schon später Nachmittag ist, ziehe ich die Wanderschuhe an. In dem Moment kommt grad eine Vierergruppe von ihrer Wanderung zurück und wir beginnen ein Gespräch. Schnell stellt sich heraus, dass ein deutsches Paar dabei ist und sie sich extrem gut in der Gegend auskennen. Sie raten mir von meiner geplanten Wanderung ab, dafür müsse ich mindestens sechs Stunden rechnen… Dafür empfehlen sie auf meine Nachfrage hin dann das von mir zuerst angepeilte Gebiet als sehr schön, aber eher unbekannt. Schlussendlich stellt sich heraus, dass wir hier die Bekanntschaft mit dem Schreiber eines Wanderführers dieser Gegend gemacht haben – ein Volltreffer! Er kennt das ganze Escalante-Gebiet wie kaum ein anderer und weiss besser Bescheid als der dafür eigentlich zuständige Ranger…

Glücklicherweise ist Kölbi geduldig genug um mit mir noch bis zum anderen Wanderpunkt zu fahren, wo wir dann erst mal campieren wollen. Da angekommen, steht bereits ein Camperbus mit Anhänger dort, von den Besitzern jedoch keine Spur. Also stellen wir uns in die Nähe und ich unternehme eine erste kleine Erkundungstour in der Umgebung. Beim Zurückkommen sehe ich zwei Wanderer auf den Bus zugehen und zwei Tiere zuckeln hintendrein. Was sind denn das? Esel? Nein, zu klein, aber für Hunde zu Pat&Bruce mit ihren Geissböckengross, dazu haben sie Hörner… das sind ja zwei Ziegen! Also eigentlich sind’s ja Geissböcke! Ich muss laut lachen – das haben wir auf unserer ganzen Reise noch nicht gesehen: die zwei, Pat und Brice, wie sich später herausstellt, reisen mit zwei ausgewachsenen Oberhasli-Geissböcken und einem Hund umher…!!!

Überhaupt sind die zwei überaus interessante Mitmenschen und zeigen auch Wanderung im White Valleyeine gute Portion Humor. Sie erzählen uns von ihrem Wolf, den sie für ein Filmprojekt gross gezogen und zwanzig Jahre mit ihm gelebt haben, von ihrer kleinen Farm zuhause in Idaho und uns ist schnell einmal klar, dass wir die zwei, wenn irgend möglich, auf unserer weiteren Reise mal besuchen werden…Hoodoo

Als wir uns nach dem folgenden gemütlichen Morgen endlich von ihnen verabschieden, ist der halbe Vormittag schon um… aber egal, mit dem Gefühl zwei ganz besondere Menschen getroffen zu haben, begeben wir uns endlich auf meine geplante Wanderung um dieses unbekannte, interessante Terrain zu entdecken.

 im White Valley

Und werden nicht enttäuscht: durch pittoreske Erosionslandschaft erklimmen wir einen Bergrücken und dahinter windet sich ein ausgewaschener, weiss getünchter Canyon ins Tal. Zwischen steil aufragenden Felstürmen durch müssen wir uns den Weg suchen und bleiben vor immer neuen Formationen fasziniert stehen. Ab und zu sind auch ein paar Klettergriffe gefragt und zum Schluss hin muss mir Kölbi auch ein wenig helfen um wieder rauszukommen. Aber ich bin voll begeistert von „meiner“ Entdeckung… dies ist wirklich tolles Abenteuerland pur!

 Blumenmeer zum Lake Powell
Und zum Abschluss dieses tollen Tages fahren wir erst noch durch eine tief ausgewaschene Schlucht an den Powell Stausee, wo wir einen traumhaft schönen Abend am Lagerfeuer unter einem funkelnden Sternenhimmel verbringen dürfen.

Camp am Lake Powell

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für USA: Vegas – Death Valley – Yosemite – Redwoods – SüdOregon – Utah (April 2017)

Mexiko (Baja California) – USA (San Diego – Las Vegas) März 2017

Puerto agua verdeUnser Tagesziel ist ein Geheimtipp von Mitreisenden: Puerto Agua Verde: eine kleine, in sich geschlossene Bucht, die nur über eine Schotterpiste erreichbar ist und für die es die letzten paar Meter viel Bodenfreiheit brauche… wie gemacht für uns! Sierra la GigantaUnterwegs sammeln wir noch etwas Brennholz fürs Lagerfeuer und sind beeindruckt von der gewaltigen Bergwelt um uns herum. Im Licht des späten Nachmittags leuchten die Farben noch viel intensiver als sonst schon. Kaum haben wir die Asphaltstrasse verlassen, windet sich die Piste durch diese Berge, die zur Sierra la Giganta gehören, in engen Kehren dem Meer entgegen. Die Aussicht ist fantastisch!
Mit etwas Glück erwischen wir auch gleich den richtigen Abzweiger zur uns empfohlenen Bucht und werden auf der steilen Runterfahrt gehörig durchgeschüttelt – ahh, deshalb die Bodenfreiheit…

Zufahrt BeachUnten angekommen sitzt ein älterer Mann vor der einzigen Hütte und heisst uns herzlich willkommen. Er habe sich hier zur Ruhe gesetzt, weil er nach einem langen Leben auf See  Palmoaserund um die Baja diesen Ort als den Schönsten und Ruhigsten gefunden habe, wie er mir erzählt. Wir dürften gerne hier ein paar Tage campieren – wegen des angekündigten Sturmes habe es zur Zeit auch viele Segler hier in dieser geschützten Bucht.
Kaum haben wir uns eingerichtet, lernen wir auch ein paar von ihnen kennen und unternehmen tags darauf auch eine Wanderung zusammen. FelszeichnungenSie zeigen uns den Weg zum nächsten Strand, wo eine Quelle eine kleine Oase mit Palmen speist und ein kurzer Kletterpfad in eine Höhle mit Felsmalereien aus früheren Zeiten führt.  Wandern mit Michelle&Johanna

Innert kurzer Zeit freunden wir uns mit Michelle und Johanna aus Kalifornien an und unternehmen am nächsten Vormittag einen gemeinsamen Ausflug zum nahegelegenen Dorf. Danach heisst es für uns Abschied nehmen und wir fahren weiter nordwärts, wo wir nach zwei Tagen den Touristenort Loreto erreichen.

Loreto
Hier dürfen wir bei Paul und Jeff übernachten, zwei Amerikanern, die wir auf dem mexikanischen Festland kennengelernt haben. Sie besitzen eine grosse, schön eingerichtete Villa mit Pool und mehreren Gästezimmern – wir ziehen es jedoch vor in unserem geliebten Camper zu übernachten.  LoretoSie heissen uns auch so ganz herzlich willkommen und wir feiern gemeinsam eine Pizzaparty mit ihren kanadischen Nachbarn. Es ist ein schöner, ungezwungener Abend mit interessanten Gastgebern.

Wenn alle Amerikaner so nett und weltoffen sind wie die, die wir die letzten Tage kennenlernen durften, kann ich mich ja richtig auf unseren USA-Besuch freuen…!Paul&Jeff

Bisher habe ich nämlich noch nicht viel Gutes über die vorherrschende amerikanische Weltanschauung erzählt bekommen – inklusive derer ihres derzeitigen Präsidenten Trump 😉

Mission San JavierDurch eine enge Schlucht verlassen wir Loreto in Richtung Berge – unser Ziel ist die frühere Missionsstation San Javier in der Sierra la Giganta. Die Missionierung der einheimischen Indianer verlief auf der Baja California ja besonders tragisch:Olivenbaum wegen der durch die europäischen Missionare eingeschleppten Krankheiten dezimierte sich die Zahl der zu bekehrenden „Schäfchen“ nämlich innert weniger Jahrzehnte dermassen (böse Zungen würden hier von „Ausrotten“ sprechen), dass alle Missionskirchen – kaum erbaut – bereits nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurden. Das wüstenartige Klima und die Bodenbeschaffenheit der Baja gab den spanischen Kolonisten ausser dem Missionieren kaum Anreiz zum Siedeln – mal abgesehen von den Walfängern und Fischern. In dieser Mission hier sei der erste Olivenbaum der Baja gepflanzt und die ersten Weinreben gezogen worden und können heute noch besichtigt werden in dieser grünen Oase inmitten einer Fels- und Steinwüste.Zufahrt San Basilio

Nach einem feinen Burrito zum Zmittag machen wir uns auf den Weg zurück an die Küste. Wir haben so viele Tipps zu wunderschönen Buchten hier in der Gegend empfohlen bekommen, dass wir nun fast die Qual der Wahl haben…

Heute entscheiden wir uns für die abgelegene San Basilio-Bucht. Die früher schlechte Piste ist dieses Jahr frisch gemacht worden und so hat es mehr Camper und Segelboote hier als erwartet – aber die Bucht ist wirklich traumhaft schön!

San Basilio BuchtUnd wir haben schnell netten Kontakt zu einigen der Campeure bei einem gemütlichen Apero rund um ein Lagerfeuer.Zusammensitzen... Steve, ein „Singer-Songwriter“ ist auch dabei mit seiner Gitarre – es wird ein unvergesslicher Abend! Einige der Segler scheinen hier den halben Winter zu verbringen und wissen dementsprechend viel über die Gegend. So können wir am nächsten Tag mit Caleb zu einem lokalen Gemüsebauern wandern und frisch aus dem Garten gezogene Rüebli und Salat kaufen. UnterwasserweltUnd ich finde einen schönen Ort zum Schnorcheln mit vielen Seesternen, bunten Fischen und einzigartigen Korallenformen. Leider ist ein Grossteil der Bucht zur Zeit mit grünem Algengras überzogen, das es mit dem heftigen Nordwind vor ein paar Tagen hier hereingeschwemmt hat – sonst wäre der Ort geradezu perfekt! Aber dieser Nordwind hat leider nicht nur die Algen gebracht – es ist auch empfindlich kühl geworden… wer weiss, wie oft ich noch Gelegenheit (- oder Lust!) zum Schnorcheln haben werde?? Schon jetzt halte ich es nur noch mit Thermounterwäsche und Fleece-Pulli aus im Wasser.

Aussicht
Nach zwei Tagen drängt uns unser auslaufendes Visum weiter… schliesslich gibt es noch die vielgerühmte Bahia Conception zu entdecken! Dies ist eine weite, vom Meer durch eine bergige Halbinsel abgeschirmte Bucht – Bahia Conceptiondoch der Nordwind bläst uns auch hier mit voller Stärke entgegen… so lassen wir einige traumhaft wirkende Strände an uns vorbeiziehen, bis wir schliesslich an eine gegen Norden abgeschirmte Bucht gelangen. Hier ist es zwar auch ziemlich voll, doch dank unserem Vierrad-Antrieb können wir uns etwas abseits hinstellen. Gleich neben einen Laster aus Deutschland, aus dem wir Playa Escondidavon Kathrin und Hansjürgen freundlich willkommen geheissen werden. Wir freunden uns spontan an und verbringen die folgenden Tage zusammen. Innert kurzer Zeit bildet sich eine richtige „Overlander“-Clique, wir feiern Kathrins Geburtstag zusammen und dank Wiedersehen mit StefanAndreas Aufmerksamkeit finden wir auch noch Stefan, einen Berner aus Frutigen, den wir in Ushuaia (dem südlichsten Punkt Argentiniens) getroffen haben, an einem benachbarten Strand und lotsen ihn zu uns…

traumhafte Buchten
Doch schon bald zieht es uns weiter – es wird Zeit für eine der eindrücklichsten Tierbegegnungen, die wir je gehabt haben und die meines Wissens so nur in dieser Ecke unserer Erde erlebbar ist: das Streicheln von wildlebenden Grauwal-Babys!Waltour San Ignacio
Unsere erste Tour unternehmen wir in der Lagune von San Ignacio, wo es mehrere Anbieter hat bei denen wir auch gleich campieren können. Am nächsten Morgen um neun geht die Tour los und wir sind glücklicherweise nur 5 Leute in unserem Boot, so dass wir uns recht frei bewegen können. Nach nur 10 Minuten Fahrzeit erreichen wir die erlaubte „Begegnungszone“ (welche nur etwa einen Drittel dieser Meereslagune ausmacht, so dass die Tiere sich jederzeit auch zurückziehen können), wo sich auch schon andere Boote befinden – und dazwischen tauchen immer wieder Walmütter mit ihren Babys auf zum Luft holen!
Mutter mit BabyDurch leichtes Schlagen aufs Wasser lockt man sie ans Boot heran, wo sie uns immer wieder neugierig umkreisen und auch tatsächlich berühren lassen… – was für ein Erlebnis! Die Grauwale wandern jedes Jahr aus den arktischen Gewässern der amerikanischen Küste entlang bis zum Golf von Mexiko, um hier im Winterhalbjahr in geschützten Buchten ihre im Vorjahr ebenfalls hier gezeugten Babys zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Teil dieser Erziehung scheint zu sein, dass die Walmütter ihren Jungen hier den Kontakt zu Menschen nahebringen, da sie – wie wir es selbst beobachten konnten – unter ihre Babys schwimmen und sie regelrecht an den Bootsrand herauf heben. Einem solchen Riesentier direkt in die Augen schauen zu können ist etwas vom Ergreifendsten, Streicheleinheitenwas ich je erlebt habe!
Eine Weile fahren wir mit dem Boot kreuz und quer zu den Schwimmrouten dieser grossen Tiere, die aber beliebig tief abtauchen können und uns so auch immer wieder ausweichen, wenn sie sich verfolgt fühlen. Trotzdem: Kölbi und ich schauen uns nur kurz an und wissen sofort, dass dies der etwas unschönere Teil dieser Tour ist, wohl entstanden durch den Kon-kurrenzdruck der verschiedenen Oase San IgnacioAnbieter: jeder will seinen Kunden mehr bieten können als der andere…
Nach nur einem Tag gemütlichen Relaxen in der tollen Oase von San Ignacio mit einem Campingplatz direkt am breiten Fluss mit super Schwimmgelegenheiten fahren wir deshalb nach Ojo de Liebre. Dort werden die Waltouren nur von einem „Ejido“ (etwas wie eine Burger-Gemeinde) ausgeführt und mit strengen Naturschutzregeln überwacht. Wir dürfen wieder direkt am Rand der Lagune campieren, es weht allerdings ein zugiger Nordwind und der Himmel ist wie von Nebel überzogen… nichts von Lagerfeuer-Romantik, bei Sonnenuntergang verziehen wir uns schnellstens in unsere (noch) warme Camperkabine!
Waltour in Ojo de LiebreDer nächste Morgen startet glücklicherweise windstill, aber dennoch kalt. Wir schreiben uns als zweite Partei zur Tour ein – vor uns hat sich bereits ein anderer Schweizer eingeschrieben. Dieser stellt sich als der Motorradfahrer Aschi Widmer aus Bern heraus, der uns von seinen Diavorträgen her bekannt ist… daneben befinden sich zwei nette Amerikanerinnen mit an Bord, von denen die eine bereits über zehn mal(!) an dieser Waltour dabei war. Kein Wunder, erhalten wir Glückspilze bei so viel „Prominenz“ den besten Bootsführer zugeteilt… 😉

 Aug in Aug...
Er fährt einfach nur in die Lagune raus, lässt den Motor im Leergang laufen und wartet. Es dauert keine fünf Minuten, kommt eine Walmutter mit ihrem Baby heran geschwommen und schaut uns an! Und kurz darauf drückt sie ihr „Kleines“ (das sicher auch bereits sechs Meter lang ist) zu uns ans Boot herauf und lässt auch sich selbst streicheln… und die beiden bleiben die ganze Stunde über bei uns am Boot, schwimmen zwischendurch mal ein paar Meter weg und sind kurz darauf gleich wieder da! Boot-StupferUnglaubliche Momente… Raffael, unser Bootsführer, erklärt, dass nicht alle Mütter mit ihren Jungen ans Boot kommen würden, sondern nur ein paar und diese hier kenne er bereits aus mehreren Begegnungen, sie sei sehr zutraulich.

Die Tour ist viel zu schnell wieder vorbei, doch wir sind alle tief zufrieden und sitzen noch eine Weile zusammen um das gemeinsam Erlebte Revue passieren zu lassen. Ich erinnere mich an eine Geschichte vom Vortag in San Ignacio, wo ein älterer, kräftiger, mir wildfremder Amerikaner mich spontan angesprochen hat und ganz bewegt und mit leuchtenden Augen von seiner Begegnung mit den Grauwalen erzählt hat… wenn das nicht nachhaltiger Tourismus ist?!

 die Wüste blüht!
Beim Aufstocken unserer Vorräte im Cirio-Baumnahegelegenen Guerrero Negro entdecken wir Stefans Auto in einem Hotelhof und halten natürlich bei ihm – er hat uns noch unseren beim letzten Treffen vergessenen Hocker mitgebracht…! Dann starten wir zu einer unserer schönsten Fahrtouren auf der ganzen Baja California: der Regen von vor vier Wochen zeigt Wirkung und die ganze karge Wüste steht in einem grünen Kleid da mit unzähligen Farbtupfern aus Millionen von Blumen. ÜbernachtungsplatzÜber eine gute Schotterpiste fahren wir zur Mission von San Borja und weiter an die Bahia los Angeles. Unterwegs campieren wir in einem schönen Tal voll grosser Saguaro-Kakteen und bizarrer Cirio-Bäumen, wie es sie fast nur hier gibt und von denen der Regionalpark seinen Namen hat. Überall blüht und duftet es unwiderstehlich – ich fotografiere, bis die Kamera voll ist 😉

 tolle LandschaftAgavenblüteAgavenblüte nah

Alice im Wunderland
Als wir am nächsten Tag die Bahia los Angeles erreichen, steht da bereits Stefans Auto beim Aussichtspunkt – Als ob wir abgemacht hätten…

Bahia los Angeles

unterwegs mit StefanWir sitzen den ganzen Nachmittag und Abend beisammen und fahren dann am nächsten Tag gemeinsam weiter. Wir haben auf der Karte eine interessant aussehende Piste entdeckt. Sie ist allerdings bei weitem nicht so gut ausgebaut wie unsere vorherige, dafür führt sie durch einen interessanten Canyon in dem wir mehrmals den Fluss kreuzen müssen.durch den Fluss

Gut, dass Stefan auch einen Toyota Landcruiser fährt… so bewältigen wir die rauhe Strecke ohne Probleme. Und werden mit einem Meer von Blumen belohnt!Kakteenblüte

auf Tour

bei CocoDie grösste Überraschung erwartet uns am Ende dieser Strecke: da steht Coco’s Corner, ein uriges Pub mit einem Original von Besitzer – und auf wen treffen wir da?? Coco's Beiz & Schlafraum...Elvira und Ingo, mit denen wir in Bahia Concepcion gestan-den sind…

Schnell ist klar, dass wir ein paar Kilometer zurückfahren, wo wir einen wunderschönen Übernachtungsplatz zwischen roten Fels-formationen inmitten eines Camp zu drittBlumenfeldes ausgespäht haben und einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer zusammen verbringen.

Da wir alle das gleiche Fahrziel haben, nämlich die Grenze USA, bleiben wir auch den folgenden Tag zusammen und übernachten in San Felipe, wo wir uns noch ein letztes Mal mit mexikanischer Küche und (bezahlbaren) Riesencrevetten verwöhnen lassen. Dann trennen sich unsere Wege, damit jeder sein eigenes Tempo fahren kann und auch diejenige Grenze wählt, die ihm am besten passt.

toller Schlafplatz
und noch mehr BlütenWir haben uns für den kleinen Grenzübergang bei Tecate entschieden und übernachten kurz davor auf einem Weingut. Geschlafen habe ich eher schlecht – denn ich hatte einen gewaltigen Bammel vor dem ganzen Einreiseprozedere in die USA: Viele hatten uns gewarnt, dass es Stunden dauere und wie streng die Zöllner seien, dass man ja nicht widersprechen dürfe, dass sie einem ganz viele Fragen stellen würden nach dem woher, wohin und warum – und dass das Auto ganz genau gecheckt und untersucht werde auf Drogen, Waffen und unerlaubte Lebensmittel und Arzneien…
Kölbi und ich haben den Abend lang alles Mögliche in unseren Geheimfächern versteckt…

Weingut La Cetto

Ja, und dann dauert der ganze Spuk nicht mal eine halbe Stunde (wovon wir die Hälfte der Zeit erst noch mit dem Warten auf den Zöllner verbracht haben), keiner hat uns was gefragt – und unser Auto wollte auch kein Mensch sehen – weder von aussen noch von innen!!! Die ganze Büez für dKatz! Die haben uns einfach rausgewunken: „you can go now, welcome to America“ – unsere amerikanischen Freunde, denen wir dies kurz darauf erzählt haben, reiben sich verwundert die Augen und fragen sich (und uns), wo denn da die Sicherheit ihres Landes bleibe…? Wir können ja auch nichts dafür, dass wir so vertrauenswürdig aussehen, oder??! 😉

Einfahrt in San Diego Stefan und Anneliese in Safnern haben uns die Adresse ihrer Freunde Delsee und Jeff in San Diego gegeben, wir müssten sie unbedingt besuchen gehen. Da wir etwas früh dran sind, statten wir erst noch Downtown San Diego einen Besuch ab.

Krass, wie unterschiedlich der Sprung von Mexiko in die Staaten ist! GaslampquarterHier glitzern und glänzen die Hoch-hausfassaden, die Strassen sind breit und teilweise bis zu achtspurig, Yachten, Cabriolets und Sportwagen jedwelcher Grösse und Klasse – Hauptsache es sieht gut und protzig aus… wir reiben uns verwundert die Augen! Wohin wurden wir denn nun katapultiert in den letzten Stunden??
 EinkaufsweltenDer Empfang bei Delsee und Jeff ist sehr herzlich. Sie besitzen eine grosse Villa etwas ausserhalb der Stadt und da der Parkplatz vor ihrem Haus schräg ist,Delsee&Jeff nehmen wir ihr Angebot, das Gäste-zimmer zu benut-zen, gerne an. Sie laden reisebegeis-terte Freunde zu sich ein, denen wir unser Auto und Dias von unserer Reise zeigen. Gemeinsam besuchen wir auch den Biogemüse-Strassen-Jungs beim EinkaufenMarkt in San Diego, dies scheint ein grosses Ding zu sein hier – fast mehr ein Volksfest…       bisher habe ich auch kaum einen von den richtig dicken Amerikanern gesehen, von denen mir immer Wursttestererzählt wurde – es scheint zu stimmen, dass in Kalifornien und im Speziellen in San Diego die Menschen umwelt- und ernährungs-bewusster sind… oder vor allem diejenigen, die einen „organic market“ besuchen 😉

Blumenwiesen im Anza Borrego

wilde Lilien

Am Sonntagvormittag verabschieden wir uns von unseren lieb gewonnenen Gastgebern und machen uns auf den Weg zum Nationalpark Anza Borrego, einem Wüstenpark, der momentan ganz in der Frühlingsblust stehen soll. Es hat auch entsprechend viel Verkehr unterwegs – glücklicherweise kommen uns die meisten entgegen! Wir verbringen zwei Tage hier und geniessen die Blumenpracht und den Kontakt mit all den Besuchern hier – es herrscht wirklich Hochsaison und in den leicht zugänglichen Blumenwiesen wimmelt es nur so von fotografierenden Touristen.

BadlandsSchluchten und FelswändeDer Park hat aber auch ein paar tolle Pisten und Canyons zum Entdecken und wir unternehmen auch ein paar kurze Wanderungen. im SlotcanyonUnter anderem durch einen sogenannten Slotcanyon, hier wirds engeine sehr enge, ausge-waschene Schlucht, die mit ihren Formen und dem einfallenden Son-nenlicht begeistert. Und auch Spass macht zum Durch-wandern, da es teilweise wirklich eng wird und wir uns fast schon durchquetschen müssen… hat da wer was von „dick“ gesagt??

Joshua NP

JoshuatreesDurch Palm Springs und an vielen Windkrafträdern vorbei erreichen wir den Joshua-Tree-Nationalpark, wo wir zum ersten Mal die berühmten roten Felsformationen bestaunen und besteigen können… umrahmt von bizarr gewachsenen Agavenbäumen, den Joshuatrees. Die stehen auch gerade in Blüte, blühende Joshuaswie viele der Kakteen hier – und da gerade Frühlingsferien sind im nördlichen Amerika, ist der Park dementsprechend überlaufen. Wir haben keine Chance auf einen freien Campingplatz innerhalb des Parks und so fahren wir am Abend einfach ein wenig raus und übernachten auf einem freien Stück Land mit toller Aussicht… etwas, das im Westen der USA einfach möglich ist, da der Staat hier grosse Flächen von landwirtschaftlich uninteressantem Land urige und liebenswerte Amis(BLM) und die Wälder (National forests) verwaltet – alles mit der Idee, dass es möglichst vielen Leuten zu Nutzen sein solle: „land of many uses“, wie die Schilder verkünden. Da treffen wir dann schon mal grössere Camping-Gemeinden an, die dies zu ihrer Lebensform erkoren haben und einfach mit den Jahreszeiten in unterschiedliche Klimazonen ziehen – moderne Nomaden!

Mojave-Wüste

kalte WanderungWir fahren einen grossen Bogen über den Mojave-Park, wo wir beim „Hole-in-the-rock“ Camping eine tolle Schlucht erwandern und erklettern, mit wunderschön ausgewittertem Gestein, das an Feen und Geistergestalten erinnert. Kakteenwelt

Hole-in-the-rock

Dann treffen wir auf den unteren Lauf des Coloradoflusses, der weiter nördlich den Grand Colorado-BeckenCanyon durchfliesst – und geformt hat! Durch die vielen Staustufen hat er hier alle Kraft verloren und dient als Erholungsgebiet. Es reiht sich ein Campingplatz an den nächsten, dazwischen stehen Kasinos und Yachthäfen. Beim Bluewater-Kasino finden wir einen tollen Aussichtspunkt, wo wir die Nacht verbringen können. Wir haben freien Blick auf den Yachthafen davor und beobachten die Vorbereitungen zu einem Bootswettbewerb vom morgigen Sonntag. Verrückt, wie hier alles auf „Showtime“ basiert… riesige Yachten, laute Quads, aufgemotzte Offroadmobile.

Camping beim Kasino
Da ziehen wir die ruhige Natur vor und fahren weiter Richtung Sedona, das für seine tollen roten Berge und Canyons und unter Esoterikern als starker Kraftort berühmt ist. Unterwegs überqueren wir mehrere Pässe, Saloon unterwegsauf denen ein zugig-kalter Wind weht, beim Mittagshalt in Prescott werden wir von einem kräftigen Regenschauer überrascht und auf dem letzten Pass können wir auf über 2200müM sogar noch Schneereste am Strassenrand berühren! Dafür kreuzen wir da Ina & Ralf aus Deutschland, die wir von Mexiko her kennen, überraschend und stoppen für einen (der Kälte wegen) kurzen Schwatz. Sie haben sich in der Zwischenzeit einen Hund zugelegt, wie so viele Reisende, die wir unterwegs getroffen haben. Wir hoffen, uns an einem wärmeren Ort dann wieder einmal zu einem längeren gemeinsamen Aufenthalt zu sehen und verabschieden uns recht schnell wieder. Unterwegs besuchen wir das von ihnen empfohlene ehemalige Minenstädtchen Jerome, das hübsch hergerichtet und am Wochenende gut besucht ist.

Wetterstimmung bei SedonaIndianerruinenUnweit von Sedona finden wir auf BML-Land einen netten Übernachtungsplatz in freier Natur mit tollem Blick auf die roten Felswände im Hintergrund. Am nächsten Morgen können wir mit viel Glück (es ist Sonntag und hat immens viele Besucher) gerade noch auf eine geführte Tour zu einer historischen Wohnstätte Felszeichnungender Indianer mitgehen und zu tollen Felsgravuren am Aussichtspunkt über das wunderschöne Tal. Da hätte ich auch wohnen wollen…!

– Aber wahrscheinlich auch nur jetzt im Frühling, wo alles grün ist und herrlich blüht…im Sommer muss die Hitze unerträglich sein. Nachmittags wandern wir die Boyntonschlucht hoch und bewundern all die roten Felsauswaschungen. Kölbi meint zwar, ich würde die nächsten Wochen und Monate wohl noch rote Steine und Felsen bis zum Überdruss sehen können – aber hier und jetzt kann ich nicht genug davon kriegen…

Sedona

Deshalb fahren wir am folgenden Tag (fast) alle sehenswerten Punkte hier rund um Sedona an – und es hat viele, viele rote Felsen und Formationen! Nachmittags fahren wir durch den eher schattigen Oakcreek-Canyon und winden uns die engen Kurven hoch bis aufs Colorado-Plateau nach Flagstaff. Schnee im Sunsetcrater NPHier auf über 2000 Metern Höhe empfängt uns dann prompt ein Donnergrollen, das in einem quirligen Schneeflockenschauer endet. Wir erkundigen uns auf der Touristeninformation nach der Situation im Grand Canyon und fahren dann zum Übernachten raus zum Sunset-Crater-Vulkanpark. Der Sonnenuntergang wird zwar von Schneegestöber verdeckt,  tolle Farbenaber die Landschaft mit der schwarzen Vulkanerde, den Pinienbäumen und den gelb-ausgedörrten Grasbüscheln wirkt fast wie von einer anderen Welt. Das wäre toll bei Sonnenschein!

Doch die zeigt sich auch auf unserer Rundfahrt am nächsten Morgen noch nicht. Erst als wir uns von Osten her dem Grand Canyon nähern blinzelt sie uns verschlafen an.

Richtung Grand Canyon

Die ersten Aussichtspunkte haben wir bereits am „little“ (kleinen) Coloradoriver, einem Zufluss zum „grossen“ – und auch hier ist es schon spektakulär! Der Colorado hat sich hier über Jahrtausende durch eine Hochebene in die unterschiedlichsten Gesteinsschichten sein Bett gefräst und farbige Felsbänder und -Linien freigelegt.

Grand Canyon

Grand Canyon mit Sicht auf ColoradoriverDen ganzen Tag fahren wir von einem Aussichtspunkt zum nächsten, steigen aus und wandern ein Stück rauf und runter, bis ich am Abend dann vor lauter Muskelkater kaum mehr gehen kann 😉 Je näher wir dem Hauptbesucherzentrum kommen, desto mehr Autos und Menschen hat es. Irgendwann haben wir – trotz all der wunderschönen Ausblicke – genug von dem ganzen Rummel und verziehen uns ins Imaxx-Kino, wo uns die Geschichte des Canyons in grossformatigen Bildern erzählt wird. weidende HirschküheIm nahegelegenen National Forest dürfen wir gratis campieren und erwachen am nächsten Morgen mit weidenden Hirschkühen vor unserer Haustür.
Flug über den CanyonWir fahren zum nahegelegenen Flugplatz und können uns für nur 140 US$ für einen Rundflug einschreiben. Um zehn Uhr geht’s los und da wir nur vier(!) Passagiere sind, dürfen wir uns die Sitzplätze aussuchen. im Flieger

Tolle Sache – und von oben sieht man die Dimensionen und die Tiefen gleich noch viel besser!Schnee über dem Nordrim

Die fünfundvierzig Minuten Flug sind im Nu vorbei, haben sich für uns  aber ganz sicher gelohnt.

Aussicht

Coloradoriver
 in WilliamsVoller toller Bilder im Kopf fahren wir glücklich weiter. In Williams verdrücken wir unseren ersten Hamburger stilgerecht im von Jenny&Vince zuhause empfohlenen Restaurant, das ganz im amerikanischen „Diner“-Stil dekoriert ist.

Sandsturm über VegasNach einer weiteren Nacht in freier Natur, allerdings mit etwas schrägen, eher abgewrackten Nachbarn, erreichen wir schliesslich Las Vegas. Von Weitem ist allerdings nichts von der Glitzerstadt in der Wüste zu sehen – es bläst ein heftiger Wind und wirbelt den Sand und Staub hundert Meter hoch in die Luft… Auf den verwirrenden Autobahnkreuzungen und -Brücken muss Kölbi extrem aufpassen, dass unser Camper nicht etwa umgeblasen wird! Kurz darauf erreicht uns dann auch prompt ein Unwetter-Warn-SMS der Region: Sandsturm! Wir parken auf dem CircusCircus-Campingplatz in der Nähe des sogenannten „Strips“, einem Boulevard, an dem sich alle grossen Hotels Seite an Seite aufgereiht haben.

Vegas by night
Zusammen mit unseren Campnachbarn teilen wir uns ein Taxi ans andere Ende des Strips mit der Idee, gemütlich an all den Sehenswürdigkeiten entlang zurück zu wandern… Doch der Sturm macht uns einen Strich durch unsere Pläne: wie wir aus dem Mandalay raus die Hoch-Bahn nehmen wollen, hat die den Betrieb wegen zuviel Venedig lässt grüssen...Wind eingestellt und beim Kreuzen der Strasse müssen wir aufpassen, dass uns keine Plakate oder -teile um die Ohren fliegen! Dazu ist die Temperatur um etwa 15 Grad gefallen und rotsandige Tropfen fallen vom Himmel… Also nehmen wir den Bus bis in die Nähe unseres Platzes und streifen noch etwas durch diese verrückte Welt der Kasinos und Unterhaltungswelten, bevor wir uns erst mal duschen und wärmer anziehen gehen. Abends unternehmen wir nochmals einen Ausflug in die Glitzer- und Glamourwelt. Wir staunen über die Illusionswelten aus anderen Ländern wie Italien und Frankreich, die hier mit viel Aufwand nachgebaut wurden und wundern uns über all die Konsum-, Spiel- und Partysucht darin. Ist wohl definitiv nicht unsere Welt… und wir sind froh darüber!

Glitzerwelt Las Vegas

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Mexiko (Baja California) – USA (San Diego – Las Vegas) März 2017

Mexiko/ Guadalajarra – Kupfercanyon – Baja California (Februar 2017)

TapalpaSüdlich vom Guadalajarra-See liegt das Bergdorf Tapalpa auf einem Bergrücken mit Sicht auf den Vulkan Colima. Dies ist unser erstes Ziel, nachdem wir uns am Morgen schweren Herzens von Charly, Edy und allen anderen verabschiedet haben. Steil windet sich die Strasse in die Höhe nachdem wir die zu dieser Jahreszeit trockene See-Ebene der Sayula-Lagune durchquert haben. Zuoberst befindet sich der Gleitschirm-Startplatz, wo wir nach dem Rundgang durchs koloniale SteinmonolithenTapalpa und einem Ausflug zu Stein-monolithen in der Nähe dann auch campieren dürfen.Gleitschirm-Startplatz

Wir geniessen die tolle Aussicht zum Sonnenuntergang und sehen die Sterne in der klaren Nacht aufscheinen, während wir gemütlich am wärmenden Lagerfeuer sitzen… so vergeht uns die Wehmut über den morgendlichen Abschied schnell einmal und wir schmieden Pläne für unsere nächste Reise-Etappe.

Blick auf die Sayula-Lagune Guadalajarra-See

An der grossen Wirtschaftsmetropole Guadalajarra vorbei schlängelt sich die Autobahn über die abwechslungsreiche Sierra Madre, streift Tequila, die Agaven- und Schnaps-Hauptstadt und zieht dann Richtung Küste.AgavenplantageStrasse durch die Sierra

Dort erwartet uns eine üppige Dschungelstrasse den Berg hinab an einen intensiv genutzten, fruchtbaren Küsten-streifen, wo Bohnen, Reis und Wasser-melonen angebaut werden. fruchtbare GegendDoch nur 50 Kilometer weiter ist dieser „Spuk“ schon wieder vorbei und wir fahren wieder durch Trocken-wälder und eher unwirtliche Mangroven- und Lagunenlandschaften. Mexiko überrascht uns immer wieder!

Wir übernachten zweimal an der Küste – die Wassertemperatur ist merklich kühler hier und die Frage nach einem Bad im Meer stellt sich uns irgendwie gar nie… 😉
tote SchildkröteWir wundern uns auch wieder über all den Müll, der hier oft einfach in Strandnähe ausgekippt wird. Auch entdecken wir mitten auf einem der vielbesuchten Strände volles Mexikaner-Autoeine tote Riesenschildkröte, die von der Hitze schon ganz auf-gebläht ist und gleich zu platzen scheint – niemand scheint sich für deren Abtransport zuständig zu fühlen…

BergstrasseCarreterra Maz-Dur

Schon bald erreichen wir Mazatlan, von wo aus sich eine tolle Strasse über 2500 Höhenmeter den Berg hinaufwindet und in unzähligen Kurven den Blick auf tolle, nie enden wollende Bergszenerien und Felsformationen freigibt. Doch angesichts der kühlen Temperaturen in dieser Höhe sind wir uns schnell einig, dass wir noch bis Durango durchfahren wollen, wo uns eine schöne Poollandschaft mit heissem Thermalwasser erwartet!

Bergaussichten

kurz vor DurangoFilmdrehstadt

Die Gegend hier ist als Drehort für Westernfilme bekannt geworden – viele John Wayne Filme wurden hier gedreht, aber auch Kevin Costner, Antonio Banderas, Salma Hayek und Penelope Cruz wurden hier in Szene gesetzt.Westerndorf

Also steht der folgende Morgen ganz im Zeichen der rauchenden Coltsim Saloon und schummrigen Sa-loons, aber auch ein Indianerdorf und Planwagen fehlen nicht in der Kulissenstadt von „Viejo Oeste“… Pulverstore

Indianerdorf

Ich fühle mich in Kindheitszeiten zu-rückversetzt, die ich hauptsächlich mit der Lektüre von Karl May (Win-netou) Romanen und – Filmen verbrachte! (… auch wenn ich weiss, dass diese nicht hier verfilmt wurden)

Kulisse

Die ganze Landschaft Richtung Norden erinnert uns an Wildwestfilme, schnurgerade durchschneidet die Strasse die Szenerie mit imposanten Plateaubergen und weiten Ebenen.

Westernlandschaft

An einem einsamen Bahnübergang biegen wir auf Bahnübergangeine Schotterstrasse ab, die uns an den Stausee „Francisco Zarco“ führt, wo wir einen wunderbaren Barsch zum Mittagessen serviert bekommen.

Stausee
Zarga-FlussZurück führt eine Asphaltstrasse dem Rio Zarga entlang an idyllisch gelegenen Picknick- und Campingstellen vorbei.

Unter mächtigen Felswänden wachsen uralte Wasserzedern und laden uns zu einem gemütlichen Camping-Nachmittag und Abend ein. Obwohl heute Montag ist, hat es doch erstaunlich viele Familien hier, die dieses lauschige Tal ebenso geniessen wie wir… im Gespräch stellt sich dann schnell heraus, dass der (gestrige) Feiertag zwecks verlängertem Wochenende einfach auf heute verschoben wurde… so macht man das!!! Die Nacht und den folgenden Morgen verbringen wir dann allerdings mutterseelenalleine nur mit einem hier ansässigen Fischer, der sich über seinen ausbleibenden Fang beklagt – kein Wunder, wenn ihm doch all die städtischen Hobbyfischer gestern alles weggefischt haben 😉

PicknicksWir machen uns auf den Weg in diese nahe Stadt Torreon, um dort unsere Vorräte für die kommenden Tage aufzustocken. Doch noch bevor wir dieses Vorhaben in die Tat umsetzen können, werden wir von der Policia gestoppt: „Herr Kölbener, Sie haben Ihre Sicherheitsgurte nicht getragen!“ (die trägt hier eh fast keiner, aber wahrscheinlich wittert der Herr hier leichtes Touristen-Geld…) Wir versuchen es erst einmal mit freundlicher Konversation, spielen die ahnungslosen Reisenden, aber der Polizist lässt nicht locker und weist uns wortreich darauf hin, dass der Weg zur Financia (um die Busse zu bezahlen) unheimlich weit und kompliziert sei… ein sicheres Zeichen, dass er sich wohl schmieren lassen würde 😉 Jetzt wird es Zeit unsere seit langem mitgetragene (aber bisher nie ausgetestete) Waffe hervorzuholen: „Wir werden die Busse sehr gerne bezahlen gehen“ fangen wir an, aber wir hätten da noch ein Formular der mexikanischen Tourismusbehörde auszufüllen, in dem unter anderem auch die Personalien und ein Foto(!) des die Busse ausstellenden Polizisten verlangt werden – alles gut verständlich in spanischer, englischer und französischer Sprache aufgeführt… ein kurzes Räuspern, eine noch kürzere Rücksprache mit dem Kollegen und unser Beamte hier ist wie gewandelt und wünscht uns einen schönen Tag, sie würden heute ganz ausnahmsweise mal von einer Busse absehen… na, wirkt doch, unsere Waffe!

Ojuela-BrückeGutgelaunt plündern wir den nächsten Einkaufscenter (diesmal mit einer Kreditkarte als „Waffe“) und fahren weiter nordwärts, bis in die NäheZufahrt zur Mine des Ortes Mapimi, wo wir die stillgelegte Mine Santa Rita besuchen. Eine abenteuerliche Kopsteinpflast-erstrasse windet sich den Berg hinauf zu den Ruinen der Mine, wo Ende 18. Jahrhundert bis zu 8000 Arbeiter wohnten. Unvorstellbar, zu welchen Bedingungen hier gegraben und gelebt wurde… bei all der Trockenheit!

Hängebrücke mit Minenhäusern

Santa Rita MineEin tiefes Tal trennt die Häuser und Strasse vom Mineneingang, welches mit einer schwindelerregenden Hängebrücke, der berühmten „Puente de Ojuela“, überwunden wurde. Wir bewundern die Aussicht und die faszinierende Landschaft, doch die Mine zu betreten reizt uns nicht – die Sonne scheint viel zu hell, um in dieses dunkle Loch zu steigen…

ehemalige Minenstadt

Kurzentschlossen beschliessen wir, den schönen Tag zu nutzen und gleich bis zur Biosfera de Mapimi durchzufahren, wo wir in der – vor allem mich faszinierenden – „Zona de Silencio“ eine Nacht verbringen möchten.

In dieser Zone soll es absolut ruhig sein, kein Echo geben, auch die Magnetstrahlung (Kompass) soll ausser Kraft gesetzt sein – darüber hinaus hat die Nasa hier mal eine Raumsonde verloren, was für zusätzliche Spekulationen sorgte… „spooky“, würde der Amerikaner sagen – sowas wie das Bermuda-Dreieck in der Wüste, also.

Eingang zur Farm

Als wir von der Hauptstrasse abbiegen, ist der Teer bald mal zu Ende und eine üble Holperpiste fängt an. Die Sonne steht schon tief und wir beginnen uns zu sorgen, ob wir die fast sechzig Kilometer bis zu unserem angepeilten Ziel vor Einbruch der Dunkelheit überhaupt noch schaffen… da kommt uns ein Pickup entgegen und hält neben uns an. Die Fahrerin erkundigt sich nach unserem Ziel und klärt uns danach freundlich auf, dass die Zona de Silencio nur noch mit Führerin (zufällig ihr persönlich!) besucht werden könne und dass wir dazu auf der nächstgelegenen Farm (in zwanzig Kilometern Entfernung!) übernachten dürften, denn da sei sie zuhause und dies sei auch gleich das Besucherzentrum des Naturschutzgebietes. Und sie werde sich gerne persönlich um uns zwei kümmern, aber erst nachdem sie von ihrem Einkauf im Ort zurück sei…Farmgebäude
Erst mal müssen wir all diese Neuigkeiten verdauen und lassen auch den Kopf hängen, weil unsere Pläne (wieder mal) kurzerhand über den Haufen geworfen wurden, doch dann freunden wir uns mit diesem einzigartigen Campingplatz schnell an… ich meine: still und absolut ruhig ist es auch hier – wir sind im absoluten Nix draussen und die Szenerie erinnert uns an unsere Reise im Zentrum von Australien im 1993!

Zona de Silencio

Als die nette Rangerin zurückkehrt, machen wir mit ihr aus, dass sie uns morgen hier auf der Farm und im Museum herumführt und wir dann auf eine Tour verzichten (was ihr scheinbar auch ganz gelegen kommt…). Schon bald knistert ein Feuerchen und nach einem feinen Steak vom Camping Biosfera MapimiGrill geniessen wir den immensen Sternenhimmel über und die Stille um uns. Es kühlt schnell ab und schon bald schlummern wir tief und fest – gut, eine feine Flasche Rotwein war auch mit im Spiel 😉

Nach dem versprochenen Rundgang und ausführlichen Informationen zur Geschichte und der Vegetation der Gegend sind wir um halb elf bereits wieder unterwegs. Wir fahren Richtung Parral de Hidalgo und spätestens beim Durchfahren dieser Stadt wird uns klar, dass wir im „wilden Westen“ angekommen sind…

im wilden Westen

Mir kommt es vor, als könne jederzeit ein bis unter die Zähne bewaffneter Cowboy aus dem nächsten Saloon treten… So mache ich noch Spässchen, doch Kölbi beunruhigt mehr die mit fest aufgeschraubten MG-Lafetten bestens bestückten Militärjeeps – scheint, als hätten wir hier das Drogenkartell-verseuchte Gebiet Mexikos definitiv erreicht! Und so erkundigen wir uns von nun an bei all unseren Halten nach der Sicherheitslage der Region – wobei Touristen üblicherweise nicht das Ziel von Übergriffen sind, aber wir wollen ja nicht unbedachterweise zwischen die Fronten geraten!!! Alle versichern uns, dass tagsüber absolut keine Gefahr bestehe und wir einfach nachts nicht rumfahren sollen – etwas, das wir ja eh immer zu vermeiden versuchen.

Gebirgslandschaft bei Hidalgo del Parral
Durch spektakuläre Landschaft fahren wir dem Gebiet der Kupferschlucht entgegen – eines der grössten Schluchtensysteme der Welt. Die Strasse führt uns rauf und runter, die Täler sind fantastisch und wir überlegen uns schon eine zusätzliche Übernachtung hier, als wir abrupt durch immer dichtere Pinienwälder fahren, wo wir eigentlich nicht bleiben möchten.
So fahren wir dann durch bis nach Guachochi, einem grösseren Ort, wo uns der Tankwart den Tipp eines tollen Aussichtspunktes gibt. Also versuchen wir diesen zu finden, werden aber an einer Kreuzung dahin von bewaffneten Männern gestoppt. Wir fragen sie nach dem Weg und sie antworten äusserst freundlich – aber ebenso bestimmt, dass wir hier absolut falsch wären und am besten nach Guachochi zurückfahren würden. Das finde ich zwar komisch, weil unsere Karten zeigen eigentlich alle diesen Weg – aber was soll’s, dann kehren wir halt um!
In Guachochi erkundigen wir uns nach der Touristeninformation und werden zu Vater und Sohn eines Lebensmittelladens verwiesen. Die zwei kennen sich sehr gut aus in der Gegend und erklären uns den kürzesten Weg zu einem von zwei Aussichtspunkten. Als wir ihnen darauf unsere Begegnung von vorhin schildern, stutzen sie erst und werfen sich besorgte Blicke zu, der Jüngere geht gleich ans Telefon – erst aus ihren Reaktionen realisieren wir so langsam, dass wir wohl eben die Bekanntschaft mit einer der hiesigen Drogengangs gemacht haben…

Cumbre la SinfolarosaNun gut, nach weiteren zwanzig Minuten Fahrt stehen wir bei Sonnenuntergang an einem überwältigenden Aussichtspunkt in eine der Schluchten des Kupfercanyons! Der Aussichtspunkt Sinfolarosafreundliche Ranger öffnet uns trotz Feierabend noch das Eingangstor und lässt uns gegen die geringe Gebühr von 20 Pesos (=1 Sfr) auch da campieren. Wir fragen nochmals nach der hiesigen Sicherheitslage und er bestätigt unseren Verdacht, dass wir da wohl an die „Malandriños“ (Schlechten) geraten seien, die um diese frühe Uhrzeit aber so nahe am Ort noch gar nichts zu suchen gehabt hätten… Beginn der Kupferschluchtmexikanische Logik?? Wir schlafen trotzdem gut; beschliessen aber, unsere Touren in diesem Gebiet nicht allzu sehr auszuweiten.

Cusarare Wasserfall

Farbenspiel

Missionskirche CusarareAuf der Strecke nach Creel besuchen Kirchenaltarwir einen Wasserfall und eine alte Missionskirche, wirklich toll finden wir aber die gigantische Landschaft beim Durchqueren des oberen Teils der Kupferschlucht.

Camp am AnarekoseeAbends fahren wir zum Campieren an einen See in der Nähe von Creel und treffen dort auf die alleinreisende Italienerin Giuliana in ihrem Toyotamit Giuliana Land-cruiser, von der wir bereits vor über zwei Jahren in Argentinien gehört, sie aber nie getroffen hatten. Sie ist pensionierte Physikprofessorin und zeitlebens gereist, hatte viele Probleme mit ihrem Toyota – es gibt also viel zu erzählen am Lagerfeuer!

Radtour bei CreelFelsformen

In Creel, Zwischenstation fast aller Touristen, die mit der Eisenbahn die Kupferschlucht besuchen, schauen wir uns ein wenig um und erledigen unsere anfallenden Internetbdürfnisse, danach fährt Kölbi zurück an den See, um dort noch den Cruisie zu schmieren (auch das muss sein, wenn er immer gut laufen soll!) und Valle de los Monjesich entfalte mein Klapprad und unternehme eine wunderschöne Tour durch diese einmalige Landschaft mit ihren speziellen Felsformationen. Zuerst kommen die „Pilze“, danach der „Frosch“ und schliesslich Mönche oder Zähne...lande ich im „Tal der Mönche“. Dort treffe ich auf Giuliana und zusammen erwandern wir dieses tolle Tal. Nach gut drei Stunden bin ich zurück am See und total happy über meinen schönen Radausflug!

Valle de los Monjes
Abends verbringen wir einen weiteren gemütlichen Abend am Lagerfeuer mit Giuliana, es wird aber schnell mal kühl und so ziehen wir uns um etwa neun Uhr ins Auto zurück. Um zehn kommt dann noch ein PW angefahren und parkiert gleich neben Giulianas Auto… – und stellt erst mal lautstark die Musik an und danach zwei Zelte auf. Nun gut, denken wir, die werden ja auch mal wieder Ruhe geben und schlafen wollen (- wobei sie auch ein wenig weiter weg hätten zelten können – der Platz ist ja riesig!)… Glücklicherweise steht der Toyota von Giuliana zwischendrin, so dass wir – im Gegensatz zu der Ärmsten! – doch noch ein wenig schlummern können in all dem Lärm… der dann pünktlich bei Sonnenaufgang morgens um sieben Uhr(!) aufhört.
Dann aber kommt Giuliana raus und zeigt ihr italienisches Temperament… so quasi: die brauchen jetzt auch nicht mehr zu schlafen, nachdem sie mich die ganze Nacht wachgehalten haben! Sie startet den Motor, dreht ihr Radio auf und schreit lauthals herum… 😉 Tja, die Mexikaner und Nachtlärm… meine Theorie ist ja, dass die einfach Schiss haben im Dunkeln und deshalb solchen Krach veranstalten und einem dabei so nahe wie möglich kommen…

Aussichtspunkt Divisadero
Nun, wir verabschieden uns voneinander und steuern den bekanntesten Aussichtspunkt in die Kupferschlucht bei Divisadero an. Dort ist jede Menge los und es wird alles mögliche angeboten: Abseilen, Tirolesa (Zipline), Reiten, Gondelbahnfahren, Souvenirs kaufen… wir schiessen ein paar Fotos und sind dann schnell wieder weg!Strasse nach Urique

Die Fahrt nach Urique führt uns an einen viel tolleren Aussichtspunkt, den wir erst noch ganz für uns alleine haben! Wir sehen von über 2000 Metern Höhe bis ins Tal runter nach Urique, das auf 600müM liegt…

 Aussichtspunkt bei UriqueKurven ins Talund auf die unbefestigte Schotter-Strasse, die sich da runter windet! Wow, was für ein Wechsel – in der Vegetation und im Klima!

Im Dorf angekommen, überquert die hier unten asphaltierte Strasse erst mal das Flugrollfeld, das mitten in den Häusern und hangaufwärts liegt… hier möchte ich nicht Pilot sein!

Wir dürfen unser Auto bei zwei netten Amerikanern neben ihren wundervoll gepflegten Gemüsegarten stellen, „entre Amigos“ heisst ihr Campingplatz, und im Preis inbegriffenGemüsegarten im Entre Amigos ist soviel Gemüse aus dem Garten wie man essen mag. Das Paradies für mich: Spinat, Krautstiel, Radiesli, Salate, Zwiebeln, Auberginen, Bohnen, Kräuter und feine Passionsfrüchte… da kann ich gut aufs Fleisch verzichten – und Kölbi muss sich halt fügen 😉 !

Nach zwei Tagen reissen wir uns los und kurven den Berg wieder aufwärts und in einem langen, aber landschaftlich tollen Fahrtag über Schotterpisten raus aus dem Canyongebiet bis ins Tiefland runter.

Schotterstrasse nach Tubares

Bei Piedra Verde passieren wir eine Mine und es hat da viele Camions auf der Strasse, die den Belag zu feinstem Staub („Bulldust“) gefahren haben, der sich in alle Ritzen unseres Autos legt und uns selbst wie frisch gepudert aussehen lässt. TubaresBald einmal erreichen wir dann ein riesiges Flusstal, wo Tubares liegt. Früher war das ein florierender Ort, wo alle Wege zusammen kamen, doch in den siebziger Jahren begannen sich da zwei Drogenkartelle zu bekriegen, bis schliesslich alle Einwohner entweder erschossen worden waren oder weggezogen sind und heute wirkt der Ort fast wie eine Geisterstadt…

Rio Fuerte
über endlose BergkettenNach einem erfrischenden Bad im Fluss und einem Picknick geht es weiter Tal runter, Berg hoch, immer wieder und scheinbar endlos – doch nach acht Stunden Fahrt haben wir wieder Asphalt unter den Reifen. Wir verbringen die nächsten zwei Nächte in El Fuerte, einer hübschen Stadt mit einer Festung hoch über dem Fluss. Ringsherum sind bewässerte Felder, die Gegend ist äusserst fruchtbar.El Fuerte

Den 15. Februar verbringen wir tagsüber mit Einkäufen im nahen Los Mochis, wo wir auch eine neue Starterbatterie ins Auto einbauen, da die alte immer weniger Leistung zeigt und wir inzwischen fast jeden Morgen mit der Wohnbatterie überbrücken müssen um starten zu können. Wir statten Toyota Los Mochisauch Toyota einen Besuch ab, wo sie zwar eine Riesenbegeisterung für unser Fahrzeug zeigen, aber leider keinen passenden Ölfilter an Lager haben.

Danach fahren wir nach Topolobampo, auf der Fährewo wir uns vom Festland-Mexiko verabschieden und abends um neun auf die Fähre nach Baja California fahren. Wir haben uns für die TMC-Lastwagenfähre entschieden, weil wir da in unserem Auto drin übernachten dürfen und uns so die Kabine sparen können.

am Balandra-StrandNach einer absolut ruhigen, da wellenfreien Überfahrt erreichen wir die Baja bei La Paz gut erholt am nächsten Morgen früh. Hier fahren wir erst mal rauf an den Balandra-Strand, wo wir auf mehrere andere Overlander treffen und gleich mal einen ganzen Tag und schönen Abend mit Geschichten erzählen verbringen. Die Umgebung ist traumhaft schön mit einsamen Buchten und kristallklarem Wasser von einer fast unwirklichen türkisblauen Farbe. Nach einem Erkundungstag in La Paz fahren wir gleich wieder an diesen Nordzipfel raus und verbringen die Nacht am von Wohnmobilen „besetzten“ Strand von Tecolote.

einsame Buchten
Eigentlich wollen wir am nächsten Morgen losfahren Richtung Süden, doch wir plaudern so lange mit den netten Leuten hier am Strand, dass es Mittag wird und nun ist auch das angekündigte Sturmtief von Kalifornien her hier eingetroffen und es fängt an zu regnen…! Alle Einheimischen versichern uns, am Tecolote-Stranddass Regen um diese Jahreszeit absolut aussergewöhnlich sei. Nun gut, es gibt schlimmere Plätze zum ausharren!!! Vor allem können wir uns nun aufs spriessende Grün in dieser trockenen, mit dürren Büschen und unzähligen Kaktussen bestandenen Gegend freuen.

Übers windige Ventana, wo sich hunderte von Kite- Surfern im Wasser tummeln, fahren wir in die Berge nach Santiago und zu den heissen Quellen von El Chorro. Hier in heisse Quellen el Chorroder Baja sind wie auf dem Festland Mexikos viele Berge vulkanischen Ursprungs und so sprudelt hie und da warmes Wasser aus dem Boden. Hier trifft es sich grad mit einem gestauten Fluss zusammen, so dass ein angenehm lauwarmes Schwimmbecken entstanden ist. Es hat viele Fische darin, die den Badegästen überschüssige Hautpartikel weg knabbern… ein „Fisch-Peeling“ sozusagen! Mich kitzeln sie jedoch zu sehr, so dass ich mich lieber in den kühleren Teil des Beckens verziehe… wo ich dann jedoch eine Wasserschlange entdecke!

Der Fluss speist unterirdisch die Oase von Santiago, die wir am nächsten Morgen umrunden. Toll, dieses satte Grün der Palmen in der felsig-steinigen Landschaft.

Oase Santiago

Unser nächstes Ziel ist der Meeres-Nationalpark von Cabo Pulmo, wo sich das einzige grössere Korallenriff der Baja California befindet. Wir erkundigen uns nach einer Schnorchel-Tour, obwohl es zur Zeit offenkundig zu windig (und wellig!) dafür ist. So erhalten wir die Auskunft, dass übermorgen der einzige windfreie Tag dieser Woche sein soll. Also verziehen wir uns an die windgeschütztere Bucht von Los Frailes und warten ab. Hier kann ich bereits meine ersten Schnorchel-Erkundungen vom Strand aus machen. Das Wasser ist recht kühl, doch mit Leggins und Pullover ist’s für eine halbe Stunde auszuhalten. Ich entdecke viele bunte Fische und auch eine grosse Languste, die sich unter den Felsen versteckt.

Los Frailes
Doch das schönste Schauspiel bietet sich uns am späten Nachmittag vom Strand aus, als wir Wale und Mantas (Rochen) aus dem Meer springen sehen! Gerade die Mantas sehen toll aus wenn sie ihre Saltos vollführen. Leider sind sie kaum zu fotografieren, da man nie weiss wo sie als nächstes aus dem Wasser schiessen…

zurück vom SchnorchelnVon den hier ansässigen Fischern können wir jeden Tag frischen Fisch kaufen und so gehen die Tage schnell vorbei. Die Schnorcheltour mit dem Boot ist dann recht nett, jedoch trotz der Taucheranzüge sehr kühl, da man auf dem Boot zwischendurch immer wieder dem Fahrtwind ausgesetzt ist. Wir sehen schöne Korallen und grosse Fischschwärme, Seelöwenauch mehrere Schildkröten, Delfine und See-löwen. Völlig durchfroren kommen wir zurück und setzen uns erst mal eine Weile an die wärmende Sonne im nahen Restaurant. Dort treffen wir kurz darauf Jeannette und Martin mit ihrem Besuch aus der Schweiz (zufällig) wieder, nachdem wir sie bereits nach ihrer Ankunft mit der Fähre kurz gesehen haben in La Paz… Hier auf der Baja sind unheimlich viele Touristen mit ihrem Wohnmobil unterwegs, vielerorts darf man frei am Strand campieren – meist sind es Amerikaner und Kanadier, die mit ihren riesigen Campern hier den Winter verbringen. Da fallen wir „kleinen“ europäischen Mobile richtig auf…!

einsames Beachcampim Jachthafen von Cabo San Lucas

Nach einer Nacht an einem einsamen Strand umrunden wir den südlichsten Punkt der Baja, wo sich die Touristen- und Jetset-Hochburg Cabo San Lucas befindet. Wir gönnen uns einen unglaublich teuren Kaffee im Jachthafen – der könnte glatt mit Zürcher-Paradeplatz-Preisen mithalten 😉 Das sparen wir dafür beim Mittagessen wieder ein: Tacos vom Stand an der Strasse, die zusammen weniger kosten als nur einer der Kaffees! (- und erst noch besser schmecken!)Hotel California

Unser nächstes Ziel ist das sympathische Todos Santos, wo sich das „echte“ Hotel Bar im Hotel CaliforniaCalifornia vom gleichnamigen Eagles-Song befinden soll (wobei die Eagles nach eigenen Aussagen gar keinen realen Ort gemeint haben…).

Strand bei Todos Santostosender Pazifik

Die erste Nacht verbringen wir am Strand. Hier sind wir wieder am wilden Pazifik mit tosenden Wellen, nicht mehr im geschützten Cortez-Meer des Golf von Kaliforniens und dementsprechend kühl sind auch die Temperaturen.Wellen

Beim Strand-Spaziergang ent-decke ich die eine und andere Villa, die sich reiche Amerikaner hier gebaut haben – schöne Träume, die jedoch kaum belebt sind (ausser von ihren mexikanischen Hausangestellten)…

Villenträume

Die nächste Nacht stehen wir dann mitten im Ort auf dem öffentlichen Parkplatz, so dass wir wieder einmal ausgehen können. Wir finden ein Lokal mit Livemusik und geniessen einen schönen Abend und danach eine erstaunlich ruhige Nacht. Kölbi sagt zur Baja California: „das ist Mexiko-light…!“ Wir werden auch fast überall nur noch englisch angesprochen und die Mexikaner sind dann immer sehr erstaunt (und erfreut!), wenn wir spanisch antworten. Hier scheint wirklich alles fest in amerikanischer Hand zu sein – bei der Einreise von der USA in die Baja brauchen sie ja nicht mal den Pass abzustempeln – vielleicht will Trump deshalb eine Grenzmauer bauen lassen… um seine Landsleute im eigenen Land zu behalten…?? 😉

Musiktruppe
Von Todos Santos sind wir schnell zurück in La Paz, wo wir uns zwecks Wäsche waschen und Internet erst mal auf dem Campingplatz einquartieren. Das Klima ist hier so trocken, dass die Wäsche fast schneller trocken ist als dass die Maschine sie waschen kann! Hier lernen wir auch wieder nette Mitreisende kennen und treffen auch ein paar von unterwegs Schnorcheltripwieder, so dass wir schnell eine Gruppe zusammen haben um gleich ein ganzes Boot für die Walhai-Schnorcheltour am nächsten Tag buchen zu können.

Das Boot hat den Pier kaum verlassen, als schon die ersten Delphine neben uns herschwimmen. Nach einer knappen Viertelstunde sehen wir den ersten grossen dunklen Schatten im Wasser – ein Walhai! Der Motor wird ausgeschaltet und wir montieren Flossen und Taucherbrille. Sobald das vorangegangene Boot seine auf Schnorcheltour mit walhaienSchnorchler wieder an Bord hat, sind wir an der Reihe, um ins Meer zu springen und diesen weiss gepunkteten Riesenwal unter Wasser zu bestaunen. Er schwimmt direkt auf mich zu und ich halte den Atem an, als er keinen Meter entfernt an mir vorbei schwimmt. Und dann diese elegante Schwanzflosse… natürlich habe ich keine Chance mit seinem Tempo mitzuhalten! Also steigen wir wieder ins Boot, stellen uns hinten (bzw. vorne) an, um ein weiteres Mal mit ihm schnorcheln zu können. Danach fahren wir weiter bis wir einen anderen Walhai entdecken. So geht dies ein paar Mal – glücklicherweise ist das Wasser in der geschützten Bucht hier viel wärmer Abschleppdienst in den Hafenals bei unserem letzten Schnorchelausflug am Cabo Pulmo und so bleiben wir über eine Stunde hier draussen bei diesen grossartigen Säugetieren. Danach geht’s zurück zum Hafen – etwas langsamer als geplant, denn irgendetwas mit dem Bootsmotor stimmt nicht und er stirbt immer wieder ab – bis wir uns dann für die letzten paar hundert Meter schliesslich auch noch abschleppen lassen müssen!

La Paz

Wir beschliessen den erlebnisreichen Tag draussen am Strand von Tecolote mit einem feinen Glas Wein am Lagerfeuer zusammen mit unserer ganzen Schnorchel-Truppe. Danach heisst es Abschied nehmen vom südlichsten Zipfel der Baja und uns auf den Weg Richtung Norden zu begeben – schliesslich läuft unser 6-Monate-Visum für Mexiko in 24 Tagen aus und es sind immerhin noch über 1500 km bis zur Grenze in die USA…

Tecolote

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Mexiko: Pazifikküste – Acapulco – Vulkane im Westen (Januar 2017)

Stellplatz Puerto EscondidoWir verbringen die ersten Tage des Neuen Jahres in Zipolite zusammen mit den Bernern Jeannette und Martin und lernen auch die weitgereisten Walliser Charly und Monique kennen. Weil hier jetzt absolute Hochsaison ist, stellenSundowner wir unseren Cruisie etwas abseits bei einem Hotel direkt in den Strand, was uns mehr Ruhe gewährt und treffen uns mit den andern jeweils zum Sonnenuntergang bei diesem oder jenem. Eine schöne Zeit!Sonnenuntergang

Nach ein paar Tagen zieht es uns weiter nach Puerto Escondido, wo wir uns ja schon ein bisschen auskennen vom letzten Besuch her und die endlos langen Strandspaziergänge geniessen können.

MangrovenEin Besuch der Lagune Chacala rundet unseren Aufenthalt hier ab.Bootstour

Die flache Lagune ist bekannt für ihren Vogelreich-tum und die Man-grovenlandschaft, von beidem bekom-men wirStrand reichlich zu sehen und dazu noch ein feines Mittagessen an einem schönen Strand serviert.

Vogelinsel

Den Abend und die Nacht verbringen wir bei einem netten Restaurant am Strand. Mit dem Besitzer Osvaldo ergeben sich einige aufschlussreiche Gespräche übers Land, den Machismus und die Stellung von Mann und Frau hier in Mexiko. Seiner Meinung nach ist ein 13-jähriges Mädchen absolut in der Lage frei zu entscheiden ob es Sex haben möchte oder nicht (auch ein Altersunterschied von 50 Jahren spielt keine Rolle…) Bei einer allfälligen Schwangerschaft muss es dann halt selber schauen… Demgegenüber traut er seiner 45-jährigen Ehefrau aber nicht einmal zu selber entscheiden zu können, ob sie bei einer Party ein Bier trinken darf oder nicht… da soll sie dann bitte-schön ihren Ehemann fragen! Ich musste ihm da schon ein paar Mal widersprechen an diesem Abend 😉

AcapulcoAm nächsten Tag fahren wir dann gleich bis nach Acapulco durch, eine recht kurvige Strecke, die  wegen der vielen Lagunen häufig durchs hügelige Inland führt. Wir quartieren uns auf einem von französisch-sprechenden Kanadiern bevölkerten Villa mit PoolCampingplatz ein – den sogenannten „Snowbirds“: überwiegend Pensionierte, die dem strengen kanadischen Winter entfliehen wollen und hier in Mexiko überwintern (was wir ihnen auch nicht verdenken können!). Da wir es aber grad zwischen die lautesten des ganzen Riesenplatzes treffen, beschliessen wir am nächsten Morgen gleich schon weiterzufahren. Wir werfen einen kurzen Blick auf die wunderschöne Bay von Acapulco mit ihren Jet-Set-Villen und ziehen danach landeinwärts, den Bergen entgegen.Weg in die Berge

Taxco KathedraleIn der Silberstadt Taxco finden wir nach einer recht abenteuerlichen Fahrt durch die engen, steilen Kopfsteinpflaster-Gässchen einen Übernachtungsplatz auf dem Gelände einer verfallenen Hacienda, die heute als öffentlicher Parkplatz dient.Taxco Kathedrale

Sieht richtig romantisch aus und ist erst noch zentral gelegen, so dass wir das hübsche koloniale Städtchen am nächsten Tag zu Fuss erkunden können.Taxco Plaza Käfer-Taxis

– Obwohl es auch ganz hübsche Taxis hat: es sind alles weisse VW-Käfer, die in diesen steilen, verwinkelten Strassen bestens manövrieren können. Eine Kurve habe ich allerdings entdeckt, wo sogar die Chäfer alle zurücksetzen müssen um sie zu kriegen…Gassen von Taxco

Die nächste Fahrstrecke ist wieder einmal ein Experiment durch Mexikos Hinterland. Durch wunderschöne Wälder und nahe am Vulkan Toluca vorbei durch reich bepflanzte Äcker windet sich ein kleines Strässchen kreuz und quer – unser Navigationssystem zeigt da nur noch leere Flächen an… 😉 Aber unser Gefühl (oder unsere Erfahrung) täuschen uns nicht: schlussendlich kommen wir im Valle de Bravo-Tal raus und entdecken erst noch einen Ausgangspunkt zum Beobachten der Monarchschmetterlinge, der viel einfacher zu erreichen ist als der von uns ursprünglich angepeilte!

So können wir unten im Tal auf 1600müM übernachten, statt auf fast 3000m, wo es den Schmetterlingen wohl ist (weiss der Kuckuck warum sie in solcher Höhe, bzw Kälte übernachten müssen…?!)Monarch-Schmetterlingstrauben in den Bäumen

Die Monarch – Schmetterlinge fliegen jedes Jahr von Kanada durch die USA bis hierher zum überwintern – kein Mensch weiss genau warum sie das tun – oder wie sie die Route speichern… es fliegt nämlich nur ca jede 4. oder 5. Generation hierher!Baumstamm Ihr „normaler“ Lebenszyklus dauert nur etwa einen Monat, – ausser, wenn sie sich auf die Überwinterungsreise begeben: dann setzt ihre Geschlechtsreife aus bis sie Mexiko erreicht und überwintert haben. Das heisst, hier erreichen sie ein Alter von bis zu 8 Monaten! Und sie konzentrieren sich auf nur gerade 5 Standorte in Kiefernwäldern auf Vulkanbergen über 3000müM westlich von Mexiko-Stadt. Nachts gefriert es, deshalb rücken sie nahe zusammen um sich gegenseitig zu wärmen und hängen sich in riesigen Trauben an die Tannen – fliegen Schmetterlingspaarkönnen sie erst am nächsten Tag wieder, wenn die Sonne sie aufwärmt! Und dann flattern sie über die Mittagszeit zu Tausenden den Berghang hinunter zu einer Wasserquelle nahe der Strasse – die Polizei hat alle Hände voll zu tun, die Autofahrer zu langsamer Fahrweise anzuhalten, damit nicht allzu viele Schmetterlinge überfahren werden…! Ein weiteres imposantes und wundervolles Reiseerlebnis für uns!

Nach einem Auto-PutztagDampfkraftwerke (auch das muss sein!) und einer Velotour am Valle de Bravo-See fahren wir „zur Erholung“ in die nahegelegenen Thermalquellen von Los Azufres.

Der ganze (Vulkan-)Berg ist ein einziges Dampf-Kraftwerk, überall zischen weisse Druckwolken hervor und treiben Turbinen zur Stromgewinnung an.Thermalquellen Los Azufres

Bevor wir uns in die schön warmen Pools legen, gönnen wir uns noch eine wunderbare „Trucha“ aus der hiesigen Forellenzucht! So gesättigt und aufgewärmt überstehen wir auch die kalte Nacht hier oben auf 2700müM bestens…Forellenschmaus

MilCumbresÜber die tolle (Töff-!) Strecke der „Mil Cumbres“Srassen in Patzcuaro (tausend Hügeln) gelangen wir am nächsten Nachmittag ins alte Kolonial-städtchen Patzcuaro, wo wir uns gleich mit anderen Reisenden auf dem Campingplatz anfreunden. Essen in PatzcuaroZusammen erkund-en wir die nächt-liche Stadt und gehen fein essen auf der Plaza.

Patzcuaro See mit SchilfgürtelWir verbringen zwei schöne Tage hier, ich kann auch wieder mein Klappvelo gebrauchen und mache eine Radtour zum nahe gelegenen See mit der idyllischen Janitzio-Insel in seiner Mitte. Der See ist mit seinem dichten Schilfgürtel Über-winterungsgebiet für viele Brutvögel aus dem Norden. Die umliegenden Indio-Dörfer sind bekannt für ihr Kunsthandwerk.

Sonntagstrubel auf der Plaza

So gibt es denn auch vieles zu Bewundern ( – und Kaufen…) in den Märkten der Stadt. Am Sonntag ist die Plaza voll mit Touristen, Artisten und Souvenirverkäufern.

Motorradtreff auf der PlazaEin Teil der Strasse um die Plaza wird gesperrt für all die anreisenden Töffbegeisterten aus der nahen Hauptstadt, damit sie ihre schön hergerichteten Motorräder auch publikumswirksam parkieren können.Patzcuarosee mit Janitzioinsel

Vulkangegend ParicutinUnser nächstes Ziel ist der Vulkan Paricutin, der im Jahr 1943 mitten auf dem Feld eines gerade pflügenden Bauern sein Dasein begann. Der Bauer versuchte erst die aufbrechende Erde noch zuzuschütten, musste aber nach kurzer Zeit einsehen, dass er gegen diese Urgewalten keine Chance hatte und floh schliesslich vor der ausfliessenden Lava – und mit ihm die Bewohner der zwei umliegenden Dörfer! Kirche von San Juan in m Lavastrom

Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, aber nachdem der neuerstandene Vulkan sein Werk 12 Jahre später beendet hatte, war er 410m hoch gewachsen und hatte die zwei Dörfer und viele umliegende Felder unter seiner Lava begraben. Bis auf die Kirche von San Juan, von der heute noch die Kirchtürme und der Altarbereich aus der grob aufgebrochenen Lava hervorschauen!

Wanderpicknick

Mit uns sind auch Helga und Rudi (aus Deutschland) von Patzcuaro her hierhin gekommen und mit ihnen zusammen schauen wir uns diese Kirche und den erkalteten Lavastrom aus der Nähe an. Mit Rudi wandere ( – oder eher: kraxle) ich quer über diese grob am Vulkankrater aufgebrochene AA-Lava hoch bis auf den Vulkan. Schlussendlich eine Wanderung von 8 anstrengenden Stunden – aber ich bin überglücklich dies mit meinem versteiften Fussgelenk so gut hingekriegt zu haben!!! (…und erst noch ohne Muskelkater!)

Aussicht vom Vulkan

Wandmalerei ParachoParachoDer nächste Tag steht ganz im Zeichen der Gitarre: wir fahren nach Paracho, der berühmten Gitarrenhochburg Mexikos. Hier verkauft jedes zweite Geschäft GitarrenshopSaiteninstrumente, hier leben die begnadetsten Gitar-renbauer des Landes. Und da wir ja einer Freundin eine Ukulele mit in die Schweiz bringen sollen, machen wir uns auf die Suche…

Nach einer guten Stunde und etwa 5 Geschäften sind wir zwar noch keine Gitarrenmeister OsvaldoKenner, wissen aber doch schon einiges mehr über dieses viersaitige Instrument, das nur etwa halb so gross wie eine Gitarre ist. Und schliesslich landen wir in einem kleinen Handwerkerladen, wo der Meister noch persönlich hinter der Ladentheke steht – also kaufen wir die Ukulele beim Señor Maldonado persönlich!

Gutgelaunt fahren wir weiter und stoppen auf der AutobahnPannenhilfe unterwegs bei einem Pannenwagen mit Plattfuss, doch leider können wir den Pechvögeln auch nicht helfen – die Radmutter ist dermassen zugedreht und dabei abgemurkst worden, dass nicht einmal Kölbis Beil(!) sie lösen kann. Glücklicherweise erscheint bald einmal die Polizei – bevor noch ein Unfall geschieht – und organisiert einen Abschleppdienst.

Charlys RestaurantCharlyWir fahren derweil weiter nach Santa Elena bei Atotonilco – ein kleines Dorf irgendwo in einer fruchtbaren Land-wirtschaftsgegend, wo viele Getreidemühlen stehen und die ersten blauen  Agavenfelder schimmern – Grundbestandteil des weltbekannten Tequilas. Dieser ist jedoch nicht der Grund unseres Besuches hier, sondern wir haben den Tipp von unserem Reisebekannten Ruedi bekommen, dass hier ein Schweizer, der Charly aus Sevelen im Rheintal nämlich, ein feines Restaurant führt, wo man auch campen dürfe… das muss man uns nicht zweimal sagen, da müssen wir hin!

QuesArtUnd es ist tatsächlich ein Volltreffer, wir verstehen uns auf Anhieb und fühlen uns wohl in dieser kleinen Oase, die sich Charly hier in über 25 Jahren erschaffen hat. Es gibt tolles Essen hier, feines selbst gebackenes Brot und Charly fährt uns auch zu einem mexikanischen Käseproduzenten, der in der Schweiz das Käsen gelernt hat und tollen Greyerzer, Appenzeller, Raclette- und Ziegenkäse herstellt. Kurzum: wir sind im Reise-Paradies… und bleiben gleich über eine Woche!Rast unterwegs

Das Highlight ist das Angebot Charlys, dass wir von ihm eine BMW samt Ausrüstung mieten und zusammen mit ihm und seinen Töff-Freunden am Sonntag eine Tagestour bis zum Vulkan Colima fahren dürfen. Es ist ein wunderschöner Tag und wir geniessen die Kurven unter den zwei Rädern und den Wind im Gesicht… Danke noch einmal, Charly, für Deine grossherzige Gastfreundschaft!auf Töfftour

Pozole schöpfenAm Ruhetag des Restaurants dürfen wir mit zur Farm der Schwiegereltern zum Pozole-Essen – ein Ereignis für die ganze Familie!bei Charlys schwiegereltern

Und dann trudeln auch noch Rosie und Klaus ein und noch ein Schweizer Camperpaar – Myrta und Ueli bei Charlys ein, und so ergibt sich eine gut gefüllter Danke Charly!„Stammtisch“, wo wir uns viel zu erzählen haben.Papa mit Töchtern

Eine Shoppingtour mit Charlys Frau MariaElena und ein Zahnarztbesuch, beides in Atotonilco, runden unseren Besuch hier ab – wobei ersteres naturgemäss die weitaus angenehmere Erfahrung wird als letzteres… 😉

am Guadalajarrasee

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Mexiko: Peninsula Yucatan (28.11. – 3.1.2017)

Cenote KikenWas wir auf der Peninsula Yucatan in einem Monat alles erlebt haben, möchte ich an-hand einiger Höhepunkte erzählen…

Yucatan ist unterteilt in drei Bundesstaaten (Yucatan, Campeche und Quintana Roo) und ist eigentlich eine einzige riesige Ebene von der Grösse der Schweiz, deren höchste Erhebungen gerade mal knapp 250m hoch sind. Sie ist (oder besser: war) bedeckt von Dschungel, der inzwischen aber grössten-teils gerodet wurde und von Rinderweiden oder Buschland abgelöst wurde. Der Unter-grund besteht aus Kalkgestein, das alles Wasser schnell versickern lässt und in unterirdisch verlaufenden Flüssen abführt. Deren Wasser kommt nur hie und da in sogenannten Cenotes zum Vorschein, das sind kristallklare Grundwasser-Höhlen, deren cenote-suytunDecken teilweise eingebrochen sind (die sind dann oberirdisch sichtbar).

Damit sind wir bereits bei einem der Höhepunkte angelangt. Der erstmalige Besuch einer Cenote ist immer mit einem riesigen „Wow“-Effekt verbunden! Und ein Bad in dem meist superklaren Wasser erst noch sehr erfrischend und kühlend bei den heissen Temperaturen…

cenote-suytun-unterirdisch

uxmal-palastuxmal-ovale-pyramideFast das ganze Gebiet wurde bei Ankunft der Spanier von den Maya bewohnt, die aber einige ihrer Kultstätten damals schon aufgegeben hatten und welche da bereits wieder vom Urwald überwuchert wurden. Glücklicherweise,uxmal-wandrelief kann man heute sagen, denn so wurden wenigstens diese nicht von den Span-iern (und der christlichen Kirche) zerstört und können heutzutage als archäologische Welt-Kulturstätten bewundert werden…

Wir haben das schön hergerichtete Uxmal und das im tiefen Dschungel fast verborgene Calakmul besucht – das bestbekannte Chichen Itza hatte uns schlicht zu viel Rummel!calakmul-pyramide

sonnenuntergangflamingosEin weiteres Highlight waren die Flamingos in den Salzlagunen an der nördlichen Küste Yucatans – sie sind halt schon fotogen, diese rosaroten Vögel mit ihrem langen Hals und grazilen Beinen…junger-pelikan

Ein eher plumper wirkender Artge-nosse ist dagegen der Pelikan, dessen Jagdkünste jedoch nicht unterschätzt werden sollten! Wir haben ihnen manches Mal zugeschaut, wie sie sich unermüdlich immer wieder senkrecht ins Meer stürzen. Und dann meist einen zappelnden Fisch aus ihrem Schnabelbeutel schütteln und runter-schlucken!

iguanaAber auch die vielen Affen, Iguanas und Krokodile im Dschungel und in den Lagunen haben unser Interesse immer wieder auf die reichhaltige Tierwelt gelenkt.

iguanakopf

So wie auch das Schnorcheln am Korallenriff im karibischen Meer ein Augenöffner war – nicht nur im positiven, leider auch im negativen Sinn: es treibt extrem viel Plastik im Wasser! Ich bin öfters mal voll behängt mit zerrissenen Plastiksäcken, die ich unterwegs eingesammelt habe, vom Schnorcheln zurückgekommen 🙁

Denn auch hier in Mexiko ist das Thema Abfallentsorgung keinesfalls gelöst; häufig muellhaldepassieren wir Müllhalden, wo der Abfall hochoffiziell (mit Hinweistafeln!) einfach den Abhang runtergeschmissen wird – um dann beim nächsten Regen in den Fluss gespült zu werden… Tickende Zeitbomben, gepaart mit der Sorglosigkeit, mit der die Mexikaner jedwelchen Abfall einfach zum Autofenster rausschmeissen – so lieb, wie die Leute hier sind – so fassungslos machen sie uns zeitweilig!

cancun-bootshafenEin bekannter Höhepunkt ist sicherlichcancun-selfies der Touristenort Cancun mit seinen Traumstränden, deren Anblick uns meist jedoch nur aus der Ferne gewährt wird, da vieles dicht mit Hotelanlagen zugebaut ist.cancun-playa-delfin

nach punta-allanEin paar wenige schöne Ecken haben wir trotzdem noch gefunden – meist jedoch erst nach langem Suchen oder am Ende von mit Schlaglöchern übersäten Wellblechpisten 😉

bacalarbacalar-campingSuperschön finden wir hingegen die glasklare, paradiesisch anmutende Bacalar-Lagune ganz im Südosten von Mexiko. Dazu noch einen Traum-Campingplatz an diesem schmalen Süsswasser-See!

bacalar-kayaktour

Zum Abschluss unserer Yucatan-Tour fahren wir alles der Guatemala-Grenze entlang bis zu den letzten Resten ursprünglichen Urwalds, wohin sich die Lacandon-Indiander zurückgezogen haben. Ein paar wenige versuchen hier noch die letzten Überreste ihrer Kultur zu bewahren, mit langen schwarzen Haaren und in weissen Baumwollkleidern. Doch gleich wie der letzte Urwald kämpfen wohl auch sie auf verlorenem Posten gegen den stetigen Zivilisationsdruck – nicht zuletzt auch ausgelöst durch den allgegenwärtigen Tourismus, der immer extremere Reiseziele braucht, dabei aber weder aufs Handy noch aufs Internet verzichten will.lacanjah-wasserfall-im-urwald

Wir verbringen hier den Heiligabend, weil wir auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen sind, wo wir verschont sein würden vom mexikanischen Nationalsport: dem (sinnlosen) Abfeuern von Böllerschüssen und Knallraketen, das an Weihnachten und Neujahr seinen Höhepunkt haben soll. Die Medien sind ja gerade voll von den Berichten über den schrecklichen Brand in Mexikos grösstem Feuerwerksmarkt mit gegen 50 Toten…

Aber auch hier am äussersten Zipfel des Landes bleiben wir von der Knallerei nicht ganz verschont – ich bin mir fast sicher, dass genau dieselben Leute, die diese ohrenbetäubende Knallerei veranstalten, wohl am nächsten Tag eine Urwaldtour in der Hoffnung auf die Sichtung möglichst vieler Tiere gebucht haben… vorausschauendes Denken und Handeln made in Mexico 😉

fluss-in-den-bergenRichtung Westen fahrend verlassen wir nun die Peninsula: die anfangs niederen Hügel werden immer höher, die Strassen kurviger und kaum erreichen wir die ersten Berghänge, da stauen sich auch die Wolken daran und regnen sich aus. restaurants-montebello

Dafür hat es wieder Flüsse und Seen. Ein schönes Gebiet mit fast fünfzig klaren Seen und Tümpeln in den unterschiedlichsten Farben heisst „Lagos de Montebello“.lagos-de-montebello

Leider ist es zu dieser kinderJahreszeit hier meist wolkenver-hangen und reg-nerisch und so fahren wir nach einem kurzen Besuch weiter – der Sonne und dem Pazifik entgegen.

chiflon

Einen Zwischenhalt machen wir beim imposanten Chiflon-Wasserfall.

stellplatz-sepultura

FlussbadestelleAnschliessend fahren wir einen Schlenker ins Sepultura-Biosphärenreservat, einer touristisch kaum besuchten Region. Wir können an einer Brücke beim Fluss übernachten und uns im nahen Wasserfall schön abkühlen. wanderung-sepulturaAm nächsten Morgen wandern wir bis zuhinterst ins Tal – und sind bald einmal die Attraktion der überaus freundlichen Leute hier, die alle zu einem kurzen Schwatz anhalten und uns mit Limonen und Bananen aus ihrem Garten beschenken.

bucht-von-san-augustinNach zwei Tagen geht es dann zurück an die Pazifikküste, wieder durch den Windkorridor und an die hübsche kleine Bucht von San Augustin. Hier ist jetzt der Neujahrsrummel ausgebrochen und wir freuen uns an all den planschenden und fröhlichen Mexikanern im Urlaubstaumel. Spannender und unterhaltsamer als manches Fernsehprogramm! Immer ist der ganze Familienverbund dabei, von der Oma bis zum Kleinkind – und alle machen mit, auch wenn die Oma dann halt mal bis ins Wasser getragen werden muss…

koelbichrigiSo wünschen wir Euch allen einen guten Start ins Neue Jahr und viel von der Lebensfreude und Zuversicht, wie wir sie hier in Mexiko täglich erfahren dürfen!

Flamingos

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Mexiko: Peninsula Yucatan (28.11. – 3.1.2017)

Mexiko: Oaxaca – Palenque (28.10. – 27.11.2016)

Vulkan Popocatepetlcorrie&michelNach ein paar schönen Tagen in Teotihuacan, die wir mit Corrie und Michel aus Luxemburg verbringen, machen wir uns auf Richtung Oaxaca, das für seine Allerheiligen-Feierlichkeiten in ganz Mexiko bekannt ist. Die Strasse führt uns am imposanten Vulkan Popocatepetl und der Industriestadt Puebla vorbei,mina-koelbi-und-altar-fuer-die-toten durch fruchtbare Ebenen und über einsame Berge, bis wir talwärts schliesslich auf einen gewaltigen Stau auffahren…

Was ist denn hier los?? Keiner weiss so recht Bescheid, aber recht schnell realisieren wir, dass viele Autos umdrehen und sich einen anderen Weg suchen. Kirche bei TuleNichts wie hinterher, also! Über Feldwege und durch kleine Dörfer erreichen wir schliesslich die nächstgelegene Stadt, wo wir um ausgebrannte Busse und Lastwagen herumkurven müssen, bis wir endlich wieder auf die Hauptachse gelangen. Später erfahren wir dann, dass es sich um einen der Brennpunkte des Lehrerstreiks in Mexiko handelt und hier diesen Sommer bei Aufruhren mehrere Menschen ums Leben kamen. Die Lehrer verlangten mehr Lohn und bessere Anstellungs-bedingungen, worauf der Staat von ihnen Fähigkeitszeugnisse und Zertifikate für ihre Lehrer-qualifikation einforderte um ihre Stelle behalten können (was offenbar viele nicht haben, da Lehrer-stellen mitunter „vererbt“ werden konnten!) und diese wehrten sich mit umso heftigeren Streiks dagegen. Die ganze Diskussion eskalierte schliesslich, als der Staat allen streikenden Lehrern den Lohn strich und diese daraufhin an ihrer Stelle Verwandte zum Streiken schickten… Als wirkungsvollstes Streikmittel wird hier in Mexiko das Blockieren von Strassen angesehen. Als nach wochenlangen „Bloqueos“ dieser Hauptverbindung hier nach Oaxaca, dem Hauptort dieses Bundesstaates und wichtigem Touristenmagnet, schliesslich das Benzin ausging und keine Touristen mehr kamen (etliche Hotels sollen Konkurs gegangen sein, da nur 5% der sonst üblichen Besucher die Stadt erreichten) schritt schliesslich die Armee ein und räumte die Strassen 1-kloster-oaxacafrei. Darüber, wer Schuld an den Toten trägt, herrscht Uneinigkeit, je nachdem auf welcher Seite man zuhört. Sicher ist jedoch, dass viele Mexikaner die Nase voll haben von den ewigen Strassenblockaden – auch wir kamen noch öfter mal in den „Genuss“, diese dann jeweils über staubige Nebensträsschen umfahren zu dürfen (was eine Plage für die Autos wie für die betroffenen Anwohner darstellt, die dann den ganzen Tag Staub schlucken dürfen)!

2-oaxacaNach einem langen Fahrtag erreichen wir also Oaxaca und werfen einen ersten kurzen Blick auf die Stadt und die umliegenden Täler von der Umfahrung aus, da wir uns etwas ausserhalb in Tule bei Leanne und Calvin angemeldet haben. Die zwei ausgewanderten Kanadier betreiben einen kleinen Overlander-Treffpunkt und können bis zu 5 Fahrzeuge in ihrem Garten beher-bergen. bei-leannecalvin-im-hausSie sind selber mit einem alten Greyhoundbus unterwegs gewesen – der steht jetzt mitten in ihrem Haus und dient als ihr Schlafzimmer…!

Wir fühlen uns sofort wohl dort, treffen auf alte Reisebekannte und lernen viele neue Leute kennen. Wir haben uns grad für eine ganze Woche Aufenthalt entschieden, damit wir die Feierlichkeiten zum 1. November miterleben können, dem Tag, an dem die Toten in ganz Mexiko geschmuecktes-grabin ihre Häuser zurückkehren, wo die Hinterbliebenen ihnen ihre Lieblings-speisen gekocht haben, mit ihnen feiern und sie danach zurück auf den Friedhof begleiten. Dort wird auf den Gräbern mit ihnen angestossen, es wird Musik gemacht, gelacht und nicht selten auch getanzt. Ein richtiges Volksfest, das bis spät in die Nacht auf und um den Friedhof herum stattfindet und zu dem alle willkommen sind.

hierve-el-agua

Bis dahin besuchen wir einen malerischen Sonntagsmarkt sonntagsmarkt-tlaloculain der Umgebung, unternehmen einen Ausflug nach Hierve el Agua (einem versteinerten Wasserfall mit Sinterterrassen) 7-hierve-el-aguaund schauen uns die Ruinen von Mitla an.

hierve-detail

Und besuchen natürlich auch die schöne Stadt Oaxaca, die wir von Tule aus über einen 12km langen Fahrradweg(!) mit unseren Brompton-Klapprädern erreichen.Wirklich toll!

hochzeit-oaxacaKaum in der Stadt treffen wir (zufällig) gleich musikbandauf die südafrikanischen Motorradfahrer Elsebie und Michnus, die wir von Tule her kennen und machen mit ihnen und ihrem Schweizerkollegen Philipp grad eine gemeinsame Stadtbesichtigung.mexikanerinnen

Vor der Kathedrale dürfen wir einem Hochzeitsfest zuschauen mit all den traditionellen Gewändern der Männer und farbenfrohen Kleidern und Frisuren der Frauen. Hier in der Gegend sind viele alte Traditionen und Gebräuche erhalten geblieben, es gibt eine stattliche Anzahl indigener Volksgruppen, die ihre eigenen Sprachen sprechen und schöne Handwerks-arbeiten verkaufen. So kommen wir im Laufe der Tage zu einem neuen Bettüberwurf und ich kann auch einem der schönen handgewebten Teppichen nicht widerstehen… 😉

verkleidungen

musikantenAm „Dia de los Muertos“, dem 1. November, treffen wir uns dann alle wieder in der Stadt und ziehen mit all den fantasievoll kostümierten Menschenmengen durch die Gassen und zum Friedhof, dessen Wandgräber stimmungsvoll mit brennenden wandgraeberKerzen dekoriert sind. Sehr erstaunt bin ich, wie sehr die Mexikaner die Präsenz der vielen Touristen akzeptieren und tolerieren – zeitweilig habe ich das Gefühl, dass sie fast die Mehrheit ausmachen…! Und trotzdem dürfen wir frei fotografieren und es wird sogar noch in die Kameras gelächelt!! Muy amable, los mexicanos!sandbilder

monte-alban-uebersicht

Die imposanteste Ruinenstätte von Oaxaca haben wir uns für den Tag unserer Abfahrt aufgespart: Monte Alban, die grossartig angelegte Verwaltungsstadt der Zapoteken, auf dem die umliegenden Täler überblickenden und eigens dafür abgeflachten Hügel (750x250m) erbaut. Und dies fast tausend Jahre vor Christus – monte-alban-gravurohne Kenntnis des Rads, alles in Handarbeit…!? Kann das überhaupt sein – oder hat Erich von Däniken vielleicht doch recht mit seinen Theorien (dass Wissen von aussen mitgeholfen haben könnte beim Bau dieser grossartig aufeinander abgestimmten Bauwerke)… mir erscheinen seine Erklärungen und Begründungen jedenfalls häufig realistischer (und spannender!) als die „trockenen“ wissenschaftlichen Abhandlungen.

Nun, wir finden in den drei Stunden unseres Aufenthaltes weder ein Ufo noch wirklich schlüssige Erklärungen der Wissenschaft und fahren deshalb weiter Richtung Süden 😉

… doch – vielleicht ist es ein Wink von oben? Jedenfalls: kaum haben wir die Bergkette, die uns von der Küste trennt, erreicht entdeckt Kölbi bei einem Halt verdächtiges Ölgesabber an der Innenseite des Vorderrads. OelgesabberUnd es ist nicht wenig! Wo liegt die Ursache und was ist zu tun? Eben sind wir eine Woche bei Calvin, einem ehemaligen Rallyefahrer und begeistertem „Schrauber“ gestanden… also nichts wie kehrt gemacht und wieder zurück nach Oaxaca!

empfang-lei-leanncalvinDort werden wir mit offenen Armen empfangen (ich hege so den Verdacht, dass Calvin über jedwelche Autoschrauberei froh ist – solange er nur nicht Leanne’s seit ewig kaputtes Küchenfenster reparieren muss… – Männer sind doch überall gleich 😉

maenner-an-der-arbeitUnd mit den inzwischen wieder dort einquartierten Töffahrern verstehen wir uns ja eh gut und so vergeht die „Reparaturwoche“ wie im Fluge. Wir sind froh um unsere Fahrräder und den Veloweg in die Stadt rein, denn so können wir die Ersatzteilsuche21-alles-zerlegt gleich mit Bewegung verbinden und erst noch den neuerlichen Stras-senblockaden ein Schnippchen schlagen! Calvin gibt sein Bestes, er schweisst uns sogar selber die benötigte 50mm-Nuss um die Wellenmutter zu lösen und weiss natürlich auch, wo wir zu der benötigten calvins-werkzeugteilWellendichtung und den erford-erlichen Radlagern kommen. Dummerweise liegt das Wochenende dazwischen (wie immer!), aber am Dienstagnachmittag können wir zur Probefahrt auf-brechen. Wir schauen uns die (kleinen) Ruinen von Yagui an – gross ist die Enttäuschung als wir zum Parkplatz zurückkehren und die Öllache unter dem Auto entdecken…! Da es sich nicht um ein Originalteil handelt (nicht erhältlich in Mexiko – oder nur mit 2 Wochen Lieferfrist) hat es die Dichtung gleich wieder rausgedrückt 🙁in-voller-schutzkleidung

Grosse Beratung bei Calvin… mit dem Resultat, dass die zwei alles wieder ausbauen, sauber reinigen und die Dichtung dann mit Spezialkleber fix befestigen. – Und dies hält! (Wie ich beim Schreiben dieser Zeilen drei Wochen später nun bestätigen kann 🙂 )

Noch einmal verabschieden wir uns von diesen gastfreundlichen und hilfsbereiten in-die-bergeLeuten und nehmen erneut Kurs Richtung Pazifik. Wieder an der Bergkette ange-kommen kontrolliert Kölbi nochmals die Dichtung – sie hält! – dafür halten uns ein paar Kilometer weiter die Einheimischen auf: Streik, Bloqueo! Und wieder finden wir einen Weg drumherum… Nur die Stossstange eines entgegenkommenden Fahrzeugs überlebt das Ausweichmanöver leider nichtim-graben – der Fahrer fährt so dumm rückwärts in einen Graben, dass beim Rausziehen durch einen Laster diese arg beschädigt wird… wie Kölbi dies nur schon beim Zusehen von Weitem prophezeit hat… auch hier wird der Führerausweis wohl öfters einfach „gekauft“!

Mittagsrast machen wir oben auf der Bergkette bei kühlen Temperaturen, denn immerhin befinden wir uns auf über 2500müMeer. Und jetzt geht es Kurve um Kurve, rauf und runter, über mehrere Stunden bis wir schliesslich gegen Abend und nur kurz vor Sonnenuntergang in brütender Hitze den Pazifik erreichen. Phuuu – ist das heiss und schwül hier!!!am-pazifik

Die ersten Tage verbringen wir in Zipolite, einer sogenannten Nudistenbeach und doch eher die Ausnahme hier in Mexiko – die meisten Leute sind aber angezogen wie wir und die Stimmung relaxt. Die Wellen sind recht stark, auch wegen der Unterströmung muss man aufpassen beim Schwimmen – trotzdem tut die Abkühlung gut (wobei das Wasser erstaunlich warm ist – nach unseren bisherigen eher eisig-kalten Pazifikerfahrungen in Südamerika!)bucht-am-pazifik

Den nächsten Strandcamping, den wir anfahren, scheint eine ziemliche Baustelle zu sein – der Besitzer empfängt uns auf Eng-lisch mit den Worten: „sorry, we’re closed – we had an accident!“ (Entschuldigung hier ist geschlossen – wir hatten eine Unfall)… dem kann man wohl so sagen: alle Gebäude sind abgebrannt! 🙁 die Ärmsten sind nun alles wieder am Aufbauen und hoffen auf diese Weihnachtssaison hin wieder eröffnen zu können…

Also ziehen wir weiter Richtung Nordwesten, Puerto Escondido entgegen. Kurz davor besuchen wir noch eine Schildkrötenstation, doch auch hier haben wir Pech: die nächste und letzte „Arribata“ (Ankunft der Schildkröten zur Eiablage) dieser Saison wird erst Anfang Dezember erwartet – dann jedoch kommen Tausende gleichzeitig, wie wir auf den ausgehängten Fotos erkennen können… muss ein echtes Schauspiel sein!

sonnenuntergangKurz darauf folgen wir einem kleinen Schild zum Strand hinunter, alles ziemlich ruhig und einsam, das Dorf am anderen Ende der Bucht und hier nur ein kleines Restaurant mit einem Palmenhain. Schaut gut aus, denken wir uns und bestellen uns etwas zu essen. Gleich erzählt uns die freundliche Wirtin, dass wir hier gerne auch campieren dürften und auch die Hängematten brauchen… passt! So geniessen wir einen gemütlichen Nachmittag an diesem ruhigen Strand, einzig das Nachtessen müssen wir schon um halb sechs einnehmen, weil sie hier im Restaurant keinen Strom haben. Im Gegensatz zu ihnen können wir den Abend dann bei Licht im Camper verbringen… schon verkehrt unsere Welt, manchmal!

Puerto EscondidoAm nächsten Morgen sind wir nach einem Sonnenaufgangsmarsch der Playa entlang schon früh unterwegs und geniessen ein spätes Frühstück im geschäftigen Touristenort Puerto Escondido. Es ist Sonntagmorgen und doch ist schon einiges los hier, wo es eine der berühmtesten Surfwellen der ganzen Welt geben soll. Doch dafür sind wir zur falschen Jahreszeit hier – die Wellen sind kaum zwei Meter hoch und der Surfwettkampf, der gerade stattfindet, endet wohl eher in einem Zufallstreffer…

Die erste Nacht stehen wir bei einem von Freunden empfohlenen Hotel, das jedoch inzwischen die Besitzer gewechselt hat und wir fühlen uns da ein wenig fehl am Platz. Da erinnern wir uns, dass wir in Goa, Indien doch mal junge Leute kennengelernt haben, die uns von ihrem Hostel hier erzählt haben. Also suchen wir die Adresse raus und fahren erst mal mit unseren Rädern hin zum abchecken… in den fünf Jahren Zwischenzeit kann schliesslich viel geschehen, wie wir ja soeben erfahren haben!

Aber siehe da: sie sind immer noch in ihrem Hostel und erst noch äusserst erfolgreich, wie es scheint und sie uns dann auch bestätigen: 90% Auslastung übers ganze Jahr – und dies erst noch ohne eigene Homepage im Internet – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit in unserer Internetfixierten Zeit – und doch schön zu sehen, dass Mund-zu-Mund-Werbung immer noch am Besten funktioniert! Beim persönlichen Gespräch mit Pierre, einem der Besitzer, spüren wir dann auch schnell seine besonderen Begabungen für diesen Job heraus: er ist sehr interessiert an seinen Gästen, kann aber auch gut reden, ist sprachgewandt und eine Seele von einem Menschen! Unterwegs auf solche Leute zu treffen tut unheimlich gut, sie sind wie hell funkelnde Sterne am Reisehimmel…strandleben

Und gleich neben ihrem Hostel finden wir einen schönen Camping, wo wir zwar nur gerade so knapp zwischen den Bäumen reinfahren können, dafür dann schön schattig zwischen den Kokospalmen mit Sicht aufs Meer stehen können. Und die Bucht eignet sich erst noch zum Schwimmen! Hier am Pazifik wegen der starken Unterströmungen wie gesagt keine Selbstverständlichkeit; ich erkundige mich immer genau ob es sicher sei rauszugehen, habe keine Lust „Versüfferlis“ zu spielen oder weit ins Meer hinausgetragen zu werden und nicht zu wissen ob man je wieder zurückgeschwemmt wird…

restaurant-san-augustinSo geniessen wir ein paar unbeschwerte Tage hier bevor wir wieder südostwärts drehen und die Halbinsel Yucatan anpeilen. Unterwegs finden wir noch eine wunderschöne Bucht bei San Augustin, wo wir zwei Nächte auf dem Parkplatz eines der vielen Restaurants stehen. Als Gegenleistung müssen wir einfach bei ihnen konsumieren (was wir ja eh täten bei den feinen Meeresgerichten, die es hier gibt!) Die Bucht hat ein eigenes Korallenriff mit vielen Fischschwärmen – natürlich hole ich mir da auch gleich meinen ersten Sonnenbrand beim Schnorcheln 😉

Am Abend hat der Kellner dann auch Zeit Kölbi bei einem Bier ein wenig aus seinem Leben zu erzählen. Er hat – wie viele Mexikaner – einige Jahre illegal in den USA gearbeitet und wurde dann eines Tages von der Strasse weg verhaftet und in Handschellen zurück nach Mexiko-City verfrachtet (musste dabei natürlich seine sämtliche Habseligkeiten zurücklassen) und sich dann seinen Weg zurück ins Heimatdorf erbetteln, weil er ja gar nichts mehr besass… hier im Restaurant ist er jetzt recht happy, wenn er viele Gäste hat verdiene er sein Geld mit den Trinkgeldern und sonst habe er ja immerhin seine Hängematte hier und täglich zu essen(!). Ich frage noch zweimal nach – aber hier in Mexiko leben tatsächlich viele Arbeitende ausschliesslich von Trinkgeldern: Kellner, Reiseführer, Tankwarte, Parkplatzeinweiser, Einpacker an der Supermarktkasse… wir nehmen uns vor, diese in Zukunft besser zu honorieren – auch wenn wir deren „Dienste“ meist überflüssig finden.windschild

Nach einer weiteren Nacht in einer einsameren Bucht – und nachdem uns der „frisch aus dem Boden gestampfte“ Touristenmagnet „Bahias de Huatulco“ absolut nicht überzeugen konnte zu bleiben – nehmen wir die berühmt-berüchtigte Windstrecke über den Isthmus (Landenge zwischen dem Pazifik strasse-am-isthmusund dem Golf von Mexiko) in Angriff. Uns sind schon Geschichten von umgekippten Campern zu Ohren gekommen und die Hunderten von Windrädern, die hier rumstehen und fleissig Strom produzieren, sind ein deutliches Warnzeichen, dass der Wind hier Topographie-gegeben doch recht beständig am Blasen sein dürfte… Und wir wundern uns nur kurz, als zwei Lastwagen beständig nebeneinander herfahrend vor uns (die ganze Breite der Fahrbahn versperrend!) auftauchen: soll das wieder so eine Art „Bloqueo“ sein?? Nein: da „beschützt“ der schwerer beladene Laster den offenbar leer fahrenden vor dem heftigen Seitenwind und damit vor dem Umkippen…!lastwagen-windschutz

Nach fast 100 Kilometern biegen wir ab in die Berge, wo der Wind zwar immer noch bläst, aber durch das Gelände doch etwas abgemildert wird. Es wird angenehm kühler und vor uns tut sich ein wunderbar grünes Tal auf. Wir fahren Richtung Tuxtla Gutierrez, einer pulsierenden Industriestadt. Sie liegt im Talkessel auf knapp 400m Höhe und ist von Hügeln und zerklüfteten Bergen umgeben. Kurz davor übernachten wir oberhalb einer der umliegenden Schluchten – und treffen unten in der Schlucht wieder einmal auf Reisekollegen!reisende-am-wasserfall So verbringen wir einen gemütlichen Abend mit Bell und James aus London, die mit einem ziemlich vollgestopften Mitsubishi Delica Nord- und Süd- Amerika bereisen. Unsere Wege werden sich in nächster Zeit noch öfters mal kreuzen – doch das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht und wir geniessen an diesem Abend eine Flasche Rotwein zusammen und die interessanten Gespräche.

canyon-del-sumideroSchon am nächsten Tag treffen wir sie nach unserer Bootsfahrt durch die imposante Sumidero-Schlucht wieder.bootsfahrt-canyon-del-sumidero

Krokodil

Wir besuchen danach noch den sehr offen gestalteten und grossflächig angelegten Zoo der Stadt und nehmen am Spätnachmittag noch die zweitausend Höhenmeter bis nach San Cristobal de las Casas in Angriff, das wir dann prompt auch erst in der Dunkelheit erreichen – kein angenehmes Fahren bei den schlecht ausgeleuchteten Strassen hier und dem vielen Verkehr! Wenigstens kennen wir den Campingplatz „Rancho San Nicolas“ noch von unserem letzten Besuch her von vor eineinhalb Jahren…mayakreuze

Dieses Mal treffen wir hier auf die Schweizer Overländer Raymonde und Thömy aus dem Solothurner Jura! Wir schwatzen allerdings nicht lange zusammen an diesem Abend:  es ist eiskalt (in dieser Nacht wird die Temperatur bis knapp über dem Gefrierpunkt fallen  und unser Atem kondensiert beim Sprechen…webarbeit

Dafür begleiten wir sie am nächsten Tag gleich auf einer Tour zu den umliegenden Bergdörfern, wo uns einiges über die hiesige Maya-Kultur gezeigt und beigebracht wird.

kirche-von-chamulaWir dürfen auch die berühmte Kirche in Chamula besuchen – ein Kirchenraum ohne Bänke, dafür über und über voll mit brennenden Kerzen und der Boden bedeckt mit fein duftenden Piniennadeln… detail-kirchenportal Fotografieren ist hier ver-ständlicherweise absolut unerwünscht – wie sich auch die Maya selber ohne vorheriges Fragen nicht gerne „ablichten“ lassen, was wir selbstverständlich respektieren.

Den schönen Tag beschliessen wir mit einem feinen Nachtessen in dieser angenehmen Stadt. Den nächsten Abend verbringen wir dann aber mit Selbstgekochtem vor einem gemütlich prasselnden Feuerchen in der schönen Palapa (strohgedeckter Unterstand) unseres Campingplatzes – inzwischen sind ja auch Bell&James wieder zu uns gestossen!

wasserfaelle-agua-azulNur zu schnell müssen wir uns am nächsten Morgen von den Schweizern wieder verabschieden, doch wir wurden vor der folgenden Kurven- und Topes-reichen Strecke nach Palenque gewarnt und haben uns deshalb mit Bell&James für einen gemeinsamen Frühstart entschieden. Gegen Mittag (und zweihundert Topes (mexikanische Geschwindigkeitsbegrenzungen) und geschätzte tausend Kurven später…!)flusslandschaft-agua-azul erreichen wir die imposanten Wasserfälle „Agua azul“, wo wir uns in einem der Pools abkühlen und bei einem währschaften Zmittag stärken können, bevor wir die restliche Strecke in Angriff nehmen.

palenque

stelen-in-palenqueDen nächsten Tag widmen hieroglyphe-palenquewir dann ganz dieser faszinierenden Mayastätte, die vor 2100 Jahren erbaut wurde und irgendwann nach etwa 900 Jahren aufgegeben und wieder dem Urwald überlassen wurde.turm-in-palenque Ein schöner Teil wurde bereits aus-gegraben und re-stauriert, vieles lässt sich aber immer noch im Dschungel drin erahnen und wartet auf seine Entdeckung… Das Schöne an Palenque ist auch seine einmalige Lage am Berghang, von wo man in die weite, endlos flache Ebene Yucatans rausschauen kann und einen Eindruck von der Grösse dieses Landesteils kriegt.

palast-von-palenque

 

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back on the road again… : Mexikos Hochland (30.9. – 30.10.16)

chrigikoelbi

Jiipiiieeehhh !

– was für ein befreiendes Gefühl nach eineinhalb Jahren Lagerfeuerwieder im Cruisie zu sitzen und die kurvige Strecke unter den Rädern zu spüren, den Wind in den Haaren… am Abend am Lagerfeuer mit Reisefreunden alte Geschichten austauschen, ein kühles Bier in der Hand… wie ich mich darauf gefreut habe!!!

prismas-basalticos
Prismas Basalticos

 

 

 

 

 

 

Und nun ist es wieder soweit: wir sitzen mit Rosie und Klaus bei den Prismas Basalticas, einem geologischen Spezialfall aus fünfeckigen Lavasäulen, an einem prasselnden Feuerchen und erzählen uns Anekdoten von unseren Reisen…Prismas Basalticos

 

 

 

 

Prismas BasalticosAber alles schön der Reihe nach! Wie wir nach einem langen Flug und einer kurzen Nacht ueberbrueckenzum ersten Mal unseren Cruisie öffnen trauen wir unseren Augen kaum: wir haben mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem so einwandfrei sauberen Innern unseres Autos nach so langer Zeit!

erster Blick ins InnereDa habe ich ja gar nichts abzustauben… 🙂

Kölbi hingegen hat ein bisschen mehr Arbeit: Wassertanks ausbauen, Schläuche ersetzen, die Batterie wieder zum Leben erwecken, die mitgebrachten Ersatzteile einbauen, Auto waschen, und und und… Ich kümmere mich derweil um sie Versicherung, eine SIM-Karte fürs Telefon, versuche Reifen zu bestellen, muss unsere Vorräte wieder aufstocken – langweilig wird es nicht die ersten Tage!

Gross ist unsere Freude, dass wir als Ersatz für unsere zwei billigen kolumbianischen Wohnbatterien eine grosse, qualitativ gute Deep Cycle – Batterie kaufen können.neue Reifen Und unsere Wunschreifen (BF Goodrich AT) gibt es hier billig wie nirgends sonst auf unserer Reise – kein Wunder: sie werden schliesslich hier in Mexiko hergestellt…! Als wir dann auch noch unsere Versicherungspolice in den Händen haben kann es endlich losgehen und wir fahren unsere ersten Reiseziele zusammen mit den beiden deutschen Reisenden Rosie und Klaus an.

unterwegs mit Rosie und Klaus

Blick ins fruchtbare Tal

heisse Quellen von Tolantongo

Bei den heissen Quellen von Tolantongo erwartet uns warmes Wasser, das sich über einen Wasserfall und in einer riesigen Grotte über uns ergiesst. Und wir haben Glück mit dem Wetter: über eine staubige heisse Quellen von TolantongoSchotterstrasse fahren wir Freitagabends noch aus dem Tal raus und den Berg hoch… in der Nacht fängt es an zu regnen und mit den vielen Bussen, die fürs Wochenende herfahren, verwandelt sich die Strasse wohl in eine ziemliche Schlammpiste…heisse Quellen von Tolantongo

 

 

 

 

Zimapan-Stausee

 

Wir aber ändern spontan unsere Reisepläne und fahren nach einer ruhigen Nacht an einem Stausee erst mal nach Bernal, wo einer der grössten Monolithen der Welt stehen soll. Wegen des schlechten Wetters sehen wir ihn allerdings nur auf einem Poster an der Wand eines netten Restaurants, wo wir eine umso feinere, wärmende Suppe geniessen. Also nichts wie weiter gegen Westen ins Landesinnere, wo es wegen der abschirmenden Gebirgsketten kaum regnet!

San Miguel de Allende UmzugIn San Miguel de San Miguel de Allende UmzugAllende sehen wir dann dafür grad noch den San Miguel de Allendefarben-frohen Umzug einer Fiesta. Leider hört man beim Betracht-en der Bilder den ohrenbetäubenden Lärm nicht, den sie hier Musik nennen… 😉

San Miguel de Allende

Die guterhaltene Kolonialstadt gefällt uns gut, es leben viele ameri-kanische Künstler hier und wenn auch alles etwas teurer ist deswegen – wir sind uns immer noch Schweizer Preise gewöhnt und finden alles absolut bezahlbar…

Guanajato ÜbersichtNach zwei Tagen fahren wir ins nicht weit entfernte Guanajato und können uns auf einem Guanajato Strassenszenekleinen Campingplatz etwas oberhalb der Stadt einquartieren. Binnen zehn Minuten sind wir über enge, steile  Strassen unten im Zentrum – allerdings führt der Weg durch einen der vielen Autotunnels der Stadt, was zu Fuss doch ziemlich gewöhn-ungsbedürftig ist!Guanajato Häuser

Guanajato ist eine alte koloniale Minenstadt, wo Silber und Gold in riesigen Mengen abgebaut wurde und deshalb ist auch der Untergrund der Stadt komplett von Tunnels durchzogen.  Glücklicherweise hatten die Stadtplaner irgendwann mal die Idee, man könnte diese Tunnels doch auch für den stetig wachsenden Verkehr nutzen…

Guanajato FestivalIn diesen Wochen findet gerade das berühmte Cervantino – Festival statt, das Strassenkünstler und Theatermacher aus der ganzen Welt anzieht. Überall treffen wir auf Darbietungen und Variétékünstler auf den lauschigen Stadtplätzen, Musiker spiel-en, die Stimmung in den Gassen ist toll.

ZacatecasUnser nächstes Ziel ist Zacatecas, eine weitere Minenstadt im Norden. Wir können uns bei einem Hotel einquartieren, das zugleich noch als Basis für die Policia Federal gilt – die Staatspolizei – wir stehen hier also absolut sicher, umringt von bis an die Zähne bewaffneten Streitkräften 😉

Mina el EdenNicht weit vom Hotel entfernt befindet sich eine zu einem Museum umfunktionierte Mine, wo wir uns dank eines eindrücklichMina el Eden geschilderten Rund-gangs ins harte (und kurze!) Leben der früheren Mineure einfühlen können. Hier wurden in den Spitzenzeiten bis zu 30% des weltweiten Silbervorkommens abgebaut! Heute darf die Mine wegen der Nähe zur Stadt aus Sicherheitsgründen nicht mehr betrieben werden. Wir durften die drei „obersten Stockwerke“ der sieben in die Tiefe gebauten Ebenen besuchen… die unteren sind inzwischen vom Grundwasser wieder überflutet worden.

Mina el EdenNach dem Minenbesuch wollen wir noch die weitere Attraktion von Zacatecas besuchen: eine Schweizer-Seilbahn fährt von einem Berg auf den gegenüberliegenden und würde eine super Sicht auf die Stadt ermöglichen. „Würde“, denn sie ist gerade und noch für längere Zeit ausser Betrieb – und so fahren wir halt weiter. Wir haben langsam genug von all den Städten, so schön sie auch sein mögen mit ihren historischen Fassaden, den farbig bemalten Häusern und den steilen gepflasterten Strassen – wir müssen wieder mal raus in die Natur!

Sierra de Organos

Unsere Reisefreunde Brigitta & Paul haben uns noch in der Schweiz den Tipp gegeben doch den Nationalpark „Sierra de Organos“ zu besuchen, wo man schön wandern könne. Und so fahren wir noch weiter Richtung Norden. Die Landschaft verändert sich langsam, sie wird karger und trockener, immer mehr Kaktusse stehen in der Gegend. Wir sind im Bajio unterwegs, dem zentralen Hochplateau Mexikos, ständig auf einer Höhe von etwa 2200müM. Hierher schaffen es  eigentlich nur wenige Regenwolken über das Sierra de OrganosKüstengebirge. Aber wir haben Glück: es muss vor kurzer Zeit ziemlich viel Regen gefallen sein, denn alles steht in leucht-endem Grün. So kommen die speziell ge-formten roten Felsen des Parks noch viel mehr zur Geltung…

Wir wandern kreuz und quer durch die schöne Landschaft und geniessen es sehr draussen zu sitzen, den Vögeln zu lauschen, die Natur und die Tiere zu beobachten. Es gibt hier eine stattliche Herde verwilderter Esel, die aber – wohl dank des vielen Futters – sehr gut genährt aussehen. Auf alle Fälle besser, als viele der Maultiere, die wir auf den 30-abendstimmung-sierra-de-organosStrassen Mexikos als Lastesel antreffen!

 

Nach drei schönen Tagen im Park wagen wir uns an ein weiteres „Abenteuer“: querfeldein über kleine Strassen (also nicht den Überland in MexikoHauptrouten entlang) Richtung Westen. In Mexiko kann das strassen-mässig so ziemlich alles bedeuten: vom holprigen Feldweg bis zur neu geteerten Hauptstrasse… und wir kriegen auch so ziemlich alles serviert! Öfters mal müssen wir die Überland in Mexiko...Einheimischen um Rat fragen, ob wir denn hier auch noch richtig unterwegs seien 😉 und die fragen sich wohl auch mal, was um Himmels willen denn diese Touris hier raus verschlagen hat… Aber es ist eine wundervolle Strecke, die uns Mexiko auch mal von einer ganz anderen Seite zeigt: wie einsam und ent-behrungsreich das Landleben sein kann – und wie unheimlich liebenswürdig und hilfsbereit die Mexikaner überall sind, egal ob in der Stadt oder auf dem Land!Strasse nach Real de Catorce

Die Nacht verbringen wir in der Pampa draussen, inmitten von Kakteen und Rindern. Alles ist wunderbar grün – unvorstellbar, dass wir uns in einer Halbwüste befinden sollen… wie so ein Regen alles verändern kann! Es ist eine Vollmondnacht und wir hören die Kojoten heulen – eine Gänsehaut schleicht sich über unsere Arme… für solche Momente sind wir unterwegs auf Reisen.

Strasse nach Real de CatorceWir erreichen eine weitere Minenstadt, allerdings eine ziemlich spezielle: Real de Catorce liegt oben auf einem steilen Berg, erreichbar entweder durch einen 3 km langen Tunnel oder über eine extrem enge,steile gepflasterte Strasse eine Schlucht hinauf, die nur für allradgetriebene Fahrzeuge geeignet ist (was die Mexikaner ohne solches aber nicht kümmert…!)

Brücke nach Real de Catorce

Wir haben Glück und müssen kein anderes Fahrzeug kreuzen – Regine & Walter hatten uns eindrücklich von ihren diesbezüglichen Erlebnissen geschildert und wir können es jetzt beim Hinauffahren kaum glauben wie sie diese Strecke gemeistert haben…!

Oben in der Stadt angekommen fängt aber für den Fahrer (sprich: Kölbi) der Horror erst an: überall sind Marktstände in den Markt in Real de Catorcesonst schon engen Gassen und darüber auch noch Plastikplanen kreuz und quer gespannt. Es braucht seine volle Kon-zentration nirgends anzuecken oder eine Leine runter zu reissen! Immer wieder heben die Standbesitzer die Planen mit Besenstielen nach oben, damit wir unten durch passieren können. Zum grossen Parkplatz schaffen wir es nicht, zu riskant scheint uns die Möglichkeit dann schlussendlich nicht wieder raus zu kommen…in der Kircheunterwegs zur Kirche

Also können wir den Besuch dieser halb-verlassenen Geisterstadt auch gar nicht richtig geniessen und fahren nach einem kurzen Rundgang wieder runter. Hier lebten zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf dem Höhepunkt des Silberabbaus über 20’000 -real-de-catorce-fensterMenschen… heute sind es noch ein paar hundert! Viele Häuser stehen verlassen, etliche sind aber auch als Ferien-wohnungen von Aussteigern wieder restauriert worden, denn schliesslich ist der Ort durch den Film „the Mexican“ mit Brad Pitt und Julia Roberts berühmt geworden. Nun, ich habe meinen Traummann ja schon gefunden und er fährt mich auch überall hin wo ich möchte – also nichts wie weg hier 😉auf der Runterfahrt

schöner Oldtimer - täglich in Gebrauch hier!

 

 

 

 

Über eine hohe Bergkette verlassen wir die Industriestadt San Luis de Potosí und fahren Richtung Karibikküste. Sobald wir über den höchsten Berg sind, ist die Landschaft wieder saftiggrün und dicht bewaldet – aber es regnet natürlich auch wieder häufiger!Wasserlandschaft in Tamasopo

Puente de Dios

Bei Tomasopo besuchen wir den Wasserfall und die „Gottesbrücke“, eine imposante Flusslandschaft mit tollen Schwimmbecken, wo man durch eine enge Höhle fluss-aufwärts in einen Wasserkessel gelangen kann. Glücklicherweise sind Kletterseile gespannt, so dass wir uns auch wieder raushangeln können.Puente de Dios

 

 

 

 

 

 

Tamul - FälleBootstourEin weiteres Abenteuer in dieser Gegend ist eine Paddel – Kanu-fahrt zum imposanten Tamul-Wasserfall. ... gegen die Strömung!

Wir haben Glück und sind auch kräftige Paddler, so dass wir als erste die An-legestelle erreichen: eine kleine Felsinsel, die mit all den nachfolgenden Booten dann schnell mal überfüllt ist. Lustig anzusehen, wie jeder kleine Landungsinselneu Ankommende unbedingt ein Selfie von sich und dem Wasserfall will… und ein Wunder, dass niemand ins Wasser fällt dabei!... ziemlich überfüllt!

 

 

 

Am nächsten Tag besuchen wir Xilitla, ein Bergdorf, das durch die Gartenanlage „Las Polas“ des exzentrischen Engländers Edward James berühmt wurde. Kölbi nennt seine Fantasiebauten „explodierende Architektur“… ich finde sie faszinierend – aber urteilt selber!las Pozaslas Pozas

 

 

 

las Pozas

 

 

 

las Pozas

 

 

 

las Pozas

Über kurvige Bergstrassen geht’s weiter der Missionenroute entlang. Wir besuchen jedoch nur eines der Franziskaner-Kloster.Franziskanermission Landa de Matamoros Franziskanermission Landa de Matamoros

 

Kaum sind wir über die höchste Berg-kette geklettert sind wir zurück in der Halbwüste mit Kakteenlandschaften und Wasserknappheit – unglaublich bei all den Wasserfällen und Flüssen die wir die letzten Tage gesehen haben.

-higuerillasWir fahren in einen der tiefen Canyons, wo uns das GPS einen schönen Badeplatz verspricht. Die Strasse wird zusehends enger, wir müssen den Fluss zweimal durchqueren und können dann zuhinderst unter Bäumen parkieren. Nach einem zehnminütigen Spaziergang erreichen wir eine tiefe Stelle am Fluss zum Baden, wo dann auch die Schlucht immer enger wird.

Hier unten leben nur eine Handvoll Bauern, die uns aber im Lauf des Abends alle begrüssen kommen und uns willkommen heissen. Da -canon-higuerillaskommen uns dann meine Spanischkenntnisse zu Gute, teilweise sprechen sie hier schon ziemliche Dialekte… 😉 Sogar die Polizei kommt noch vorbei und will abchecken, was denn da für Fremdlinge campieren wollen. Jemand habe sie besorgt angerufen; irgendwie ist es überall auf der Welt das Gleiche, nicht…?! Aber alle sind sehr freundlich und nett sobald wir mit ihnen reden können. Wir entschuldigen Kathedrale in Tepotzotlanuns auch, dass die Polizisten den ganzen Weg bis zu uns runter fahren mussten (immerhin fast eine halbe Stunde Strecke!), aber die waren scheinbar ganz froh ein bisschen raus zu kommen!

Der nächste Tag bringt uns dann zurück in die Nähe von Mexiko-City. Ich schaue mir noch Tepotzotlan an und spätabends sind wir zurück bei Mina auf dem Camping in Teotihuacan (wo wir das Auto eingestellt hatten) – es ist fast wie ein Nach-Hause-Kommen für uns…

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für back on the road again… : Mexikos Hochland (30.9. – 30.10.16)

Zentralamerika (3.2. – 4.4.2015)

Puuhhh – wie die Zeit verfliegt… ich komme wieder einmal kaum zum Schreiben, entschuldigt mich bitte!

Also werde ich versuchen mich kurz zu halten – versprochen!Spaghetti-Festival im Colon-Hafen
Das Ein- und Ausschiffen mit der neuen „X-Press“-Fähre von Cartagena nach Colon in Panama verlief recht glatt, mal abgesehen von der unnötig langen Wartezeit im Hafen von Colon. Wir waren ja nur elf Autos und zwei Motorräder an Bord dieses Riesenschiffes (mit Kapazität für 500 Autos!) und doch wurde es Nacht bis wir unsere Zollpapiere in den Händen hatten und rausfahren durften. Was wir dann jedoch nicht machten, da Colon einen sehr unsicheren Ruf hat, sondern alle zusammen gleich auf dem Zollareal – das wir ja inzwischen bestens kannten – campierten und unsere Ankunft in Zentralamerika mit einem gemeinsamen Spagetti-Festival feierten.Einfahrt Panamakanal
Gatunschleuse am PanamakanalEin Muss in Panama ist natür-lich der Kanal, den wir gleich am nächsten Vormittag in Augenschein nehmen. Absolut beeindruckend, wie millimetergenau diese Riesenkolosse durch die engen Schleusen manövriert werden!Schleusenflutung

Wir verbringen noch zwei Nächte an der Küste, bevor wir durch die kurvenreiche Vulkangegend um Boquete Richtung Karibik fahren und das Land via (problemlosen, da sehr kleinen) Zoll nach Costa Rica verlassen.

Karibikküste Costa Rica Dieses kleine Land ohne eigene Armee wird ja viel gerühmt wegen seiner Natur und der schönen Strände – und wir können dem nur beipflichten! Und vor allem treffen wir – seit langer Zeit und vielen Ländern zum ersten Mal – auf saubere, gepflegte Strände und Anlagen… Costa Rica hat wohl erkannt, dass es mit seinen Naturschönheiten im Tourismus trotz seinem hohen Preisniveau nur punkten kann, wenn seine SchnorchelnBewohner auch entsprechend trainiert und ausgebildet werden und auch in die Infrastruktur investiert wird, z.B. eben mit einer funktionierenden Müllabfuhr. Ein weiteres Plus für uns Auto-Camper ist der Umstand, dass der Strand per Gesetz öffentliches Land Aschewolke über dem Turrialba-Vulkanist und für jedermann frei zugänglich sein muss. So gibt es meist den schönsten Traumstränden entlang noch einen kleinen Weg, neben dem man wunderbar campieren kann. Gleich vom ersten Tag an fühlen wir uns sehr sicher und verwöhnt in diesem kleinen Land mit seinen überaus freundlichen Bewohnern.intensive Landwirtschaft
Wir bleiben aber nicht nur an den absolut traumhaften Stränden hängen, sonder machen auch kurze Abstecher ins Landesinnere. Einer davon führt uns über den Vulkan Irazu (mit tollem Blick auf den gerade Asche speienden Nachbarvulkan Turrialba) zu Fredy Rihs aus Safnern, der sich mit seiner Frau ein kleines (Ferien-) Paradies mit Bungalows in Arenal, der Nähe der Hauptstadt aufgebaut hat.

Playa Herraduria Mit seinen Tipps ausgerüstet (Danke nochmals!) fahren wir erst einmal die Strände südlich der Hauptstadt San José an und kehren in einem sehrAras in den Bäumen kurvigen Bogen über den höchsten Pass Zentral-amerikas (3300m) wieder ins Landes-innere zurück. Leider drückt hier das Regenwetter der Karibik rein,Quetzalvogel in den Bergen so dass wir den Poas-Vulkan schweren Herzens aus dem Reiseplan streichen und gleich an den Arenal-See fahren. Die tropisch-üppige Vegetation ist beeindruckend, unsere „Hängebrücken-Tour“ findet dann aber auch buchstäblich im „Regen“-Wald statt…

Treffen mit Heike&Bernd
Doch die nächsten Tage lacht uns bereits wieder das Wetterglück und wir baden jeden Morgen im schönen Arenalsee. Dort treffen wir auch wieder auf Heike&Bernd, die wir kurz vor Rio de Janeiro in Brasilien kennengelernt haben. Schnell zeigt sich, dass wir in etwa den gleichen Reiseplan und -Rythmus haben, so dass wir einander im nächsten Monat immer wieder über den Weg laufen und viele gemeinsame Tage und Abende zusammen verbringen dürfen.am Arenalsee

Nicoya-HalbinselErst mal trennen sich unsere Wege aber und Kölbi und ich fahren rund um die Nicoya-Halbinsel herum.imposante Bäume

Sie ist mit ihren wunderschönen Stränden und Buchten touristisch gut erschlossen, jedoch strassenmässig nicht unbedingt zur Umrundung geplant… gut, dass wir ein robustes Allrad-Fahrzeug haben 😉schöne Strände

Leguan
Wir verbringen über eine Woche hier, kommen von einem schönen Platz zum nächsten

Schildkrötennester und -Spurenund dürfen als Höhepunkt zum Abschluss sogar noch nachts Riesenschildkröten bei der Eiablage zugucken… nur wenige Meter von unserem Auto entfernt!Schildkröteneier

Traumstrand

Aussicht
Inland unterwegsDie letzten zwei Tage in Costa Rica sind wir bei Agi&Guido, zwei Schweizer Auswandern, zu Gast auf ihrer Farm und treffen da auf die Roveda-Familie, auch Schweizern, die mit ihrem Camper und drei Kindern ganz Zentralamerika bereisen und uns viele Tipps für den weiteren Reiseverlauf geben.
Hier haben wir deshalb auch unser Rückreisedatum in die Schweiz (Ostern!) festgelegt und den Rückflug ab Mexiko-City gebucht. Wer weiss, wie gut das Internet im nächsten Land sein wird..?!Abendstimmung
So steht dem Grenzübertritt nach Nicaragua nun nichts mehr im Wege und wir wappnen uns für diesen eher langwierigen Zoll, da hier mangels Alternative der gesamte Verkehr Fähre zur Ometepe-Inselder Panamericana durch muss, also auch wir. Aber nach längeren FischerjungeWartezeiten ist auch dies geschafft und wir fahren noch am gleichen Tag auf das Fährschiff, das uns bei stürmischem Wind und schaukelnder Fahrt auf die Ometepe-Insel im Nicaragua-See bringt. Dort wird es dann allerdings schon fast dunkel, bis wir die Rovedas an ihrem Campingstandort erreichen. Dafür gibt es einen umso gemütlicheren Abend zusammen!Transportmittel
Am nächsten Tag verabschieden wir uns und umrunden die zweite dieser zusammengewachsenen Vulkan-Inseln. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wir fahren durch sorgfältig gepflegte Dörfer und werden überall freundlich gegrüsst. Es ist Sonntag und die halbe Bevölkerung ist auf dem Weg zu einem der hier so beliebten Rugby-Spiele. Auf der windgeschützten Seite des Vulkans stellen wir uns bei einem netten Restaurant an den Strand, schwimmen im seichten WäschewaschenWasser und schauen den Frauen beim anstrengenden Wäsche waschen im See zu. Ein sehr leckerer Grillfisch zum Abendessen macht den Tag perfekt – und eigentlich wären wir gerne noch einen Tag länger geblieben, doch unsere gebuchte Rückfahrt auf der Fähre lässt sich leider nicht mehr verschieben. Dafür erleben wir dieses Mal eine sehr ruhige Überfahrt ohne Wellen.unser letzter Strandaufenthalt
Doch der Wind frischt am Nachmittag wieder auf und als wir die Pazifikküste erreichen, bläst er wieder mit voller Kraft die Sandkörner über den Strand, so dass das Baden nicht wirklich Spass macht. Sogar unseren Camper müssen wir umparkieren, sonst hätten wir wohl bald einmal Sanddünen innen drin gehabt… Auch die Einheimischen beklagen diesen extremen Wind dieses Jahr, fast überall wo wir hinkommen in Zentralamerika. Ob da wohl irgendeine Grosswetterlage gedreht hat..?

Granada
AutobusAuf alle Fälle macht das am Strand parken so keine Freude mehr und wir konzentrieren uns aufs Inland. Das hat ja auch so einiges zu bieten, z.B. die alten Kolonialstädte Granada und Leon. Oder den im Vulkankrater gelegenen Apoyo-See, dem wir auf einem extrem steilen Kratersträsschen entlangfahren und abends dann in seinem leicht schwefligen Wasser baden.Apoyo-Krater
Und auf dem Weg um die Hauptstadt Managua herum machen wir schliesslich auch noch Bekanntschaft mit der hiesigen Polizei, die uns wegen Überholens bei ausgezogener Sicherheitslinie eine saftige Busse abknöpft… doch ohne Quittung, sonst wäre sie wohl noch einiges teurer geworden… 😉
Rancho los AlpesDafür stehen wir dann am Abend bei Leon auf der Rancho los Alpes auf einer wunderschönen Hacienda mit herzlichen Gastgebern und treffen da auf unsere brasilianischen Freunde von der Verschiffung (die notabene alle auch am gleichen Ort wie wir von der Polizei gebüsst wurden…) und eine weitere Schweizer Familie mit Kindern. Wir fühlen uns wie in einer grossen Familie und es wird wieder einmal ein später Abend…

Somoto-Canyon
Dank den Tipps vom Vorabend fahren wir Canyon-Tour mit Heike&Berndnicht direkt zur nahen, vielbefahrenen Grenze, sondern machen einen Schlenker durchs schöne Bergland von Nicaragua nordwärts zum Somoto-Canyon, wo wir am Eingang zum Nationalpark prompt auch wieder auf Heike&Bernd stossen. Gemeinsam machen wir die schöne Canyontour per Boot und schwimmen danach durch den inneren Teil der engen, ausgewaschenen Schlucht. Wir bleiben noch einen Tag länger an diesem hübschen Ort und fahren dafür am nächsten Morgen früh an die nahe Grenze. Innert einer guten Stunde werden wir in Honduras willkommen geheissen – wie sehr wir doch diese „kleinen“ Grenzübertritte inzwischen schätzen gelernt haben! 33durch HondurasGerade vor den zentralamerikanischen Grenzen sind wir so oft gewarnt worden von Mitreisenden, wie kompliziert und hektisch die alle seien, mit vielen Schleppern und Halsabschneidern… nun erleben wir glücklicherweise das pure Gegenteil mit freundlichen Beamten und hilfsbereiten Mitreisenden.

amYojoa-SeeWir fahren an diesem Tag quer durch Honduras und erreichen gegen Abend den schön gelegenen Yojoa-See. Dort quartieren wir uns auf dem Parkplatz einer kleinen Brauerei mit Restaurant ein, wo wegen eines Festivals allerdings grad ziemlich Hochbetrieb herrscht. Dank einigen der hausgemachten Bierchen schlafen wir nach diesem langen Fahrtag trotzdem schnell einmal ein…Siestazeit
Hauptstrasse um den SeeAm nächsten Morgen wollen wir eigentlich nur mal so eine kleine Erkundungstour rund um den See machen, was sich aber dann schnell einmal als veritable Offroad-Tour her-ausstellt. Über Wasserfallkleinste, steile Schottersträsschen geht es die umliegenden Berge rauf und runter und bringt unsere beiden Fahrer ganz schön ins Manövrieren, vor allem da der Toyota von Heike&Bernd auch einiges länger und schwerer ist als unserer. Den Abschluss unserer Tour macht ein schöner Wasserfall und wir gönnen uns danach zum Mittagessen einen gebratenen Fisch aus dem See.

Weiter geht’s durch die Berge ins hübsche Kolonialstädtchen Thermalquellen bei GarciasGarcias, wo wir an den glasklaren Thermalquellen übernachten. Beim Baden kommen wir sehr schnell ins Gespräch mit Einheimischen, viele können sogar ein wenig Englisch, etliche waren bereits in den USA oder in Kanada zum Arbeiten oder kennen zumindest jemanden, der mal dort war. Alle sind sie sehr aufgeschlossen und interessiert, unser Auto fasziniert sie jeweils sehr. Nur, dass wir ohne Kinder reisen – ja, nicht einmal welche haben! – das können sie kaum verstehen. Hier sind Familien mit bis zu 10 Kindern (und mehr) das Normalste der Welt…

Copan
Wir nähern uns nun langsam dem Siedlungsgebiet der ehemaligen Maya-Hochkulturen. Nahe an der westlichen Grenze Honduras liegt in einem üppigen Tal die ehemalige Tempelanlage von Copan, Ballspielplatz in Copanheute Teil des Weltkulturerbes. Einst Sitz einer grossen Dynastie und kulturelles und wirtschaftliches Zentrum mit bis zu 60’000 Einwohnern, wurde die Stadt um 800 n.Chr. Handwerkskunstvermutlich wegen Übernutzung der Böden und zu exzessiver Abholzung der umliegenden Wälder aufgegeben und mit der Zeit vom Urwald überwuchert. Erst nach fast tausend Jahren wiederentdeckt, fanden in den letzten Jahrzehnten intensive Ausgrabungen und Freilegungen mit teilweisem Wiederaufbau der Anlage statt. Berühmt geworden ist Copan wegen seiner kunstvoll gemeisselten Steinstelen und desel Viejo längsten Hieroglyphentextes der Maya, eingemeisselt in eine 55m lange Tempeltreppe. Deren Entschlüsselung war eine wissenschaftlich Sensation und hat viel zum Verständnis der Maya-Geschichte beigetragen.
Wir besuchen am Nachmittag das informative Museum und erst am Tag darauf die beeindruckende Ruinenstätte. Frühmorgens ist es noch angenehm kühl um die vielen Treppen rauf und runter zu kraxeln und auch der grosse Ballspielplatz der Mayas liegt noch ganz einsam und verlassen da.

So stehen wir dann um zehn Uhr bereits an der Grenze zu Guatemala und haben unsere Freude, dass wir – ausser den Lastwagenfahrern – fast die einzigen sind, die hier anstehen. Auch die Zöllner haben ihre Freude an uns und vor allem am Cruisie, so dass schlussendlich fast die halbe Zollbelegschaft zur Inspektion unseres Fahrzeugs erscheint und fleissig Fotos knipst 😉

in Antigua
Nun fahren wir runter ins tiefer gelegene, brütend-heisse Tal des Motagua-Flusses und deshalb gleich weiter wieder in die Berge hoch, an der riesigen Metropole von Guatemala-City vorbei und in die frühere Hauptstadt Antigua. Antigua sei nicht wirklich Guatemala, habe ich irgendwo gelesen, und ja, das mag sein, es ist sehr touristisch, fast kitschig schön zurechtgemacht, aber auch viel sauberer und organisierter als der Rest des Landes, mit tollen Einkaufsmöglichkeiten. Der Hauptteil der Bevölkerung ist hier eindeutig indigen, was man nur schon an all den traditionellen Kleidern erkennt.

Gassenbilder
Wir dürfen auf dem riesigen, ummauerten Kirche in AntiguaGelände der Touristenpolizei campieren und treffen dort auf mehrere Overlander aus verschiedensten Ländern. So bekommen wir wieder viele super Tipps und Infos für die weitere Reise und geniessen das Zusammensein mit Gleichgesinnten. Markt in GuatemalaTagsüber schlendern wir durch die kolonialen Gassen und durchstreifen den reichhaltigen Markt und abend gönnen wir uns traditionell guatemaltekisches Essen in einem der vielen hübsch hergerichteten Lokale.

Attitlan-SeeAls nächstes Ziel fahren wir den Attitilansee an, natürlich auf dem (kartentechnisch) kürzesten Weg via Patzun, der sich allerdings bald einmal als recht abenteuerlich entpuppt. Durch einen tief eingeschnittenen Canyon geht es in steilen Serpentinen ins Tal hinein, wo wohl bereits vor längerer Zeit die Brücke weg-geschwemmt wurde und wir deshalb durch den glücklicherweise nicht sehr tiefen Fluss fahren müssen. Gut, dass wir einen Landcruiser haben! An gewagt ausgehöhlten Minenlöchern vorbei führt die Strasse nun holprig rauf und runter, bis wir schliesslich am steil abfallenden Kraterrand des tiefblau schimmernden Sees stehen, majestätisch eingerahmt von mehreren Vulkankegeln.

Vulkane am Attitlan

Markt in Chichicastenango

Gesichter

TortillasWir verbringen die ersten zwei Tage in der Nähe von Panajacheel und nach der Visite des bunten Sonntagsmarkts von Chichi-Siestacastenango (schöne Zungenbrecher-Namen, gell?!) nochmals zwei beim Franzosen Pierre auf Pasaj Cap, einem idyllisch gelegenen Ferien-domizil mit einer atemberaubend steilen Zu-fahrtssteile Strassestrasse zu dem kleinen Ort San Marcos am See unten. Und hier treffen wir einmal mehr auf unsere Freunde Heike & Bernd, mit denen wir dann auch gemeinsam die mexikanische Grenze ansteuern.

Allein schon die letzten paar hundert Meter bis zur Grenze sind ein Abenteuer: in La Mesilla ist beidseits der Grenze Markttag und wir müssen mitten hindurch! Aber die Leute scheinen sich dies hier gewöhnt zu sein und ziehen unbesorgt die Kinder etwas zur Seite, rücken die Stände weg oder heben die Markisen in die Höhe, damit wir passieren können…

an der Grenze
Alles friedlich, bis wir schliesslich zum mexikanischen Zoll kommen, wo uns vom Banjercito-Office beschieden wird, dass sie unser Auto als „Camioneta“ klassifizieren wollen, da es für die von uns gewünschte Klassifizierung „Casa rodante“ (= Wohnwagen; nur mit dieser Klassifikation können wir das Auto bis zu 10 Jahre zollfrei in Mexiko stehen lassen) schlicht zu klein sei….! Oh je – dabei haben wir uns doch extra deswegen Mexiko als Einstellplatz für unseren Heimurlaub von 1-2 Jahren ausgesucht und sind hierher hochgedüst 🙁
Und auch Heike&Bernd wollen ihr Auto mehrere Monate hier stehen lassen, also lassen wir erst mal alle die Köpfe hängen und beratschlagen uns. Gut, dass mir unsere Overlander Freunde in Antigua eingeschärft haben, wie wichtig diese erstmalige Klassifizierung sei, da sie später nicht mehr geändert werden könne. Also legen wir uns ins Zeug und bearbeiten die Beamten, Zöllner und Polizisten hier mit allen Mitteln (nur legale!), telefonieren schlussendlich sogar mit der obersten Stelle in Mexikocity und können sie nach 5 Stunden Diskussionen (mein Bärner Gring ischt schliesslich nicht von Plaschtik!) endlich überzeugen, dass unsere Autos doch das Prädikat „Casa rodante“ verdient haben…. uff! Inzwischen ist es wieder einmal dunkel geworden und statt an der hübschen Lagune verbringen wir die Nacht halt an der nächsten Tankstelle, wo wir erleichtert mit ein paar Bierchen auf unseren „Sieg“ anstossen.

SanCristobal
Durchs „Topes“(Geschwindigkeitsbrecher)-verseuchte Mexiko (wir wurden ja gewarnt…) fahren wir in die Berge hoch nach San Cristobal de las Casas, einer weiteren Kolonialstadt mit schönen Plätzen und vielen Kirchen. Überraschenderweise ist der Campingplatz voll von Overlander-Fahrzeugen – so viele haben wir in Südamerika wohl nur in Cusco gesehen…

vor der KircheDa wir uns hier auf fast 2500 m Höhe befinden, wird es abends empfindlich kühl und wir sind froh, am gemütlichen Kaminfeuer der Rancho San Nicolas plaudern zu dürfen. Am zweiten Abend kochen wir gemeinsam mit andern Schweizer Reisenden und feiern so spontan Kölbis Geburtstag. Er hat sich zur Feier des Tages einen Haarschnitt (zu Kosten von knapp 2 SFr!) gegönnt und ich mir (ums Mehrfache…) zwei Museums- und einen Souvenir-Markt-Besuch 😉 – aber wir werden ja bald schon nach Hause fliegen!

Die erste Fahretappe des nächsten Tages führt uns erst mal einfach nur runter: wir „vernichten“ innert kürzester Zeit über 1500 Höhenmeter und durchfahren so diverse Vegetationszonen. Am Nachmittag erreichen wir den Golf von Mexiko, und campieren am dschungelgesäumten Catemacosee, ein Kratersee vulkanischen Ursprungs. Die Gegend hier soll bekannter Versammlungsort der mexikanischen Heiler und Hexer sein, aber ausser vielleicht einem Halsabschneider kriegen wir keinen zu Gesicht…
Das Wetter spielt auch nicht so richtig mit, wegen extrem hoher Luftfeuchtigkeit ist es so diesig, dass wir kaum die andere Uferseite erkennen können. Eigentlich sollte die Regensaison ja erst Ende Mai beginnen, doch überall klagen die Leute, dass es dieses Jahr viel häufiger regne als normal – es sei wohl ein Niño-Jahr unterwegs. Das gleiche Bild zeigt sich deshalb auch nördlich der Hafenstadt Veracruz, an der Costa Esmeralda: auch sie ist nebelverhangen und abends setzt sogar leichter Nieselregen ein. Nicht wirklich tolles Strandwetter! Dabei werden wir vom hierher ausgewanderten Schweizer Martin in seinem Cocoloco-Camping wirklich herzlich empfangen und wir wären gerne noch ein wenig bei ihm geblieben. Aber Nebel werden wir in der Schweiz wohl noch genug haben 😉 und so nehmen wir unsere allerletzte Fahretappe in Angriff… zurück in die Berge hoch bis aufs mexikanische Zentralplateau auf über 2000m Höhe. Kurz nach Mittag sind wir bereits in Teotihuacan, wo wir uns auf dem nett geführten Campingplatz einmieten. Zu unserer Freude steht (neben vielen anderen Fahrzeugen) auch unser Neuenburger Verschiffungs-Freund Renaud mit seinem Sohn hier auf dem Platz und wir verbringen noch ein paar schöne Tage zusammen.

Pyramiden in Teotihuacan
Teotihuacan ist berühmt für seine präkolumbianischen Pyramidenanlage, einstmals Sitz eine der grössten Städte Mesoamerikas mit bis zu 200’000 Einwohnern. Woher ihre Erbauer kamen und wie sie ihr ungeheures astronomisches Wissen erworben haben, gibt auch heute noch Rätsel auf – sogar der ursprünglicheMondpyramide Namen dieser Stadt kennt man nicht. „Teotihuacan“ haben die Azteken die Ruinen genannt, die Stadt selber war da bereits in Schutt und Asche gelegen und von Vegetation überwuchert, und dies bedeutet: „wo die Menschen zu Göttern wurden“. Die ganze Tempel- und Pyramidenanlage ist entlang einer 3km langen Strasse exakt ausgerichtet worden und darüber hinaus wurden im proportional entsprechenden Abstand aller Planeten unseres Sonnensystems jeweils Tempel oder ihre Ruinen gefunden – obwohl Neptun und Pluto mit blossem Auge nicht erkennbar sind und letzterer von unserer „modernen“ Wissenschaft erst 1930 entdeckt wurde…
Auch hat man eine Kammer und ein Rohr gefunden, die komplett mit hitzebeständigem und elektroisolierendem Glimmergestein ausgekleidet worden sind – obwohl es in ganz Zentralamerika nirgends genug grosse Glimmervorkommen hat… exakte GeometrieVoll spannend und faszinierend diese Anlage hier, finde ich und freue mich schon darauf, zuhause meine von-Däniken-Büchersammlung auszugraben und nachzulesen 😉
Hier auf dem Campingplatz stehen auch etliche Langzeitreisende und wir werden mit vielen Infos versorgt, was das Einstellen des Autos betrifft – aber auch übers Verschiffen von Veracruz nach Europa – und für eine kurze Zeit spielen wir auch mit diesem Gedanken. Aber angesichts der Kosten entscheiden wir uns doch fürs Einstellen und wegen der netten Besitzerin auch gleich für diesen Platz hier. Fast eine Woche verbringen wir mit dem Absatteln der Kabine zwecks kleinerer Reparaturen und einer gründlichen Reinigung innen und aussen – schliesslich hoffen wir unseren Cruisie nach 1-2 Jahren unversehrt und Nagetierfrei (!) wieder anzutreffen… Dazwischen bleibt aber genügend Zeit für einen Besuch von Mexikocity, das von hier aus bequem mit Bus und Metro erreichbar ist und dem netten Zusammensitzen mit Reisenden aus aller Welt.

Schlussbild

So, und das war es nun von mir und meinem Reiseblog für die nächsten 1-2 Jahre (geschätzt!). Wir kehren an Ostern 2015 heim in die Schweiz um mein Fussgelenk behandeln zu lassen und werden erst wieder zurückkehren, wenn ich wieder schmerzfrei gehen kann. Kölbi wird sein Dachdeckergeschäft wieder aufstarten – aber allem voran freuen wir uns aufs Wiedersehen und das Zusammensein mit unseren Familien und Freunden. Und natürlich sind Gäste und Reisende bei uns immer willkommen!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Zentralamerika (3.2. – 4.4.2015)

Panamericana: Chile – Kolumbien (5.12.14 – 3.2.2015)

Passo SicoAn der Grenze nach Chile werden wir von zweierlei überrascht: eine grosse Baustelle kündigt von der baldigen Asphaltstrasse durch diese wunderschöne, einsame Gegend und neuerdings gibt es die Frucht- und Gemüsekontrolle bereits hier oben und nicht erst in San Pedro wie noch letztes Jahr… was mich ein paar Zwiebeln und Tomaten kostet – aber ansonsten habe ich nun Übung im Umgang mit diesen Beamten und weiss, wie ich sie von all dem anderen „Verbotenen“ ablenken kann 😉

Wir fahren an all den grandiosen Lagunen vorbei, bis wir den windgeschützten Berg unter 3’000m Höhe erreichen, wo wir schon im Jahr zuvor gecampt haben. Kölbi leidet immer mehr unter den Höhensymptomen und ist froh, die Anden nun endlich für eine Weile hinter sich zu haben! Pucara San Pedro de Atacama

In San Pedro fahren wir nach der Passkontrolle zuerst zum Schweizer Martin, um zu sehen wie es ihm geht. Er hat bereits Besuch von Freunden und spontan laden sie uns zu einer Grillade ein.

Wir verbringen vier schöne Tage in diesem zur jetzigen Hochsaison völlig überlaufenen Touristenort, besuchen die alte Indio-Festung und das Valle de Luna. Die meiste Zeit aber verbringen wir mit Martin und seinem Sohn Diego, die beide nächstes Jahr in die Schweiz zurückkehren wollen, damit Diego seinen Schulabschluss und evt eine Lehre Valle de Lunadort machen kann. Bildung ist überall auf der Welt ein wertvolles Gut und wir Schweizer können stolz sein auf unser System. Auf alle Fälle drücken wir den beiden die Daumen für ein gutes Einleben in Solothurn und hoffen auf ein Wiedersehen bei uns zuhause!

Die nächsten zwei Wochen unserer Reise sind schnell erzählt: da wir möglichst rasch nach Kolumbien hoch möchten, Peru und Ecuador bereits beim Runterfahren vor gut einem Jahr intensiv besucht haben, fahren wir alles der Küste entlang die Panamericana hoch mit wenigen Abstechern zu Sehenswürdigkeiten entlang dieser Route.

 Chuquicamata
Die erste ist die Chuquicamata-Mine bei Calama, die grösste Tagbau-Kupfermine der Welt, die wir auf einer kostenlosen Bustour besichtigen dürfen. Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch: das gegrabene Loch ist fast 5 Kilometer lang und 3 km breit und hat inzwischen eine Tiefe von 1000 Metern erreicht! Es soll noch etwa  Minenfahrzeuge2 Jahre im Tagbau weiter-gegraben werden, danach werden weitere Kupfervorkommen in bis zu nochmals 1000 Meter Tiefe im Bergbau abgebaut werden… was auch der Umwelt zugute käme, da die schädliche Staubbelastung hier in der trockenen Wüste extrem hoch ist. Die frühere Arbeitersiedlung ist bereits geschlossen worden und wir dürfen  Geisterstadtsie nun als Geisterstadt besichtigen. Auch der hohe (Grund-) Wasserverbrauch ist in dieser Gegend natürlich problematisch und deshalb hat die Regierung die Minenbetreiber nun verpflichtet das Wasser aus dem 150km entfernten Pazifik hochzupumpen.

7 Küste
Dieser Rohrleitung folgen wir nach unserer Besichtigungstour teilweise auf der schnurgeraden Fahrt zur Panamericana runter, die entlang der Küste führt. Die Landschaft ist äusserst karg und wenig einladend zum Wohnen und trotzdem leben etliche Familien hier, die meist vom Ernten von Meeres-Algen (Kelp) leben. Sie werden getrocknet und in grossen Ballen u.a. zur Seifenherstellung Algenernte an die chemische Industrie verkauft, erklärt uns einer dieser Arbeiter. Wahrlich ein harter Job, bei diesen eiskalten(!) Wassertemperaturen die schweren Algenpflanzen von Hand an Land zu ziehen… Iquique

Iquique ist eine moderne Hochhaus-Stadt am Pazifik, von wo aus sich die Panamericana dann durchs Landesinnere zieht und nach zwei Tagen und einem problemlosen Grenzübertritt nach Peru Arequipaerreichen wir schliesslich die auf 2300m Höhe gelegene alte Kolonialstadt Arequipa.

Eine eindrückliche Kathedrale dominiert die schöne Plaza, die wirkliche Sehenswürdigkeit aber ist das Santa Catalina Kloster, ein  Santa Catalinaehemaliges Nonnenkloster für reiche Damen, das sich abge-schirmt durch hohe Mauern inmitten der Stadt immer weiter ausdehnte, bis es ganze Stadtquartiere „verschluckte“. Jede Nonne hatte ihr  Klosterwohnungeigenes Wohnhaus mit mehreren Bediensteten und eigenem „Geschäft“, wo Backwaren, Stickereien und anderes Kunsthandwerk produziert wurden. Mangels Neueintritte wurde das  BackstubeKloster in den siebziger Jahren geschlossen und zu einem eindrücklichen Museum umfunktioniert.

 Colca CanyonZwischen den imposanten Vulkanen Misti (5822) und Chachani (6057m)  Felderdurch windet sich die Strasse zum Colca-Canyon, einer der tiefsten Schluchten Amerikas. Wir verbringen die Nacht am  KondorKondor-Aussichtspunkt und haben das Glück diese  Cruz del CondorRiesenvögel bei einem ihrer Ausflüge nachmittags aus der Nähe beobachten zu können – normalerweise sieht man sie eher morgens, doch dieses Mal haben all die extra hergefahrenen Touristen Pech, denn am folgenden Morgen erspähen wir sie nur noch von Weitem…

 Reifenflicker

Über eine extrem steinige, holprige Piste verlassen wir das Tal wieder und fahren zurück zur Panamericana, die sich wieder der Küste zuwendet. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir uns irgendwie einen Vierfach-Platten ein, den wir nur mit Hilfe eines Reifenflickers und einem Schlauch beheben können. Ziemlich müde und genervt finden wir dann doch noch einen hübschen Platz auf den Dünen am Pazifik. Panamericana Trucks
 PanamericanaDie folgenden Tage fahren wir der depressiven Küste entlang, oft ist sie nebelverhangen, grau und öd (obwohl dies die „Sommermonate“ sein sollen…!) und die Menschen hier leben in primitiven Hütten voller Staub und mitten im Müll. Der einzige Lichtblick sind jeweils nur grössere Flussmündungen, wo das Land bewässert werden kann und die Täler knallgrün mit ihren Reisfeldern leuchten.

 Reisfelder

Wir übernachten im Moloch Lima mit seinem Verkehrschaos und besuchen auf dem Weg nach Norden das eindrückliche „Señor de Sipan“-Museum, in dem die Ausgrabungen und Fundstücke eines Mocha-Herrschers (100-700 nChr) gezeigt werden. Was für ein Prunk in dieser sonst so trostlosen Umgebung!

Schliesslich erreichen wir den nördlichsten Küstenzipfel Perus, wo wir ein paar Tage Pause am Strand einlegen. Via Internet haben wir Kontakt mit unseren Reisefreunden Susann&Claudio aufgenommen, um uns mit ihnen an Weihnachten in Ecuador zu treffen. So fahren wir am Morgen des 24. Dezembers gut gelaunt zur ecuadorianischen Grenze – nicht wissend, dass wir sie erst 8 ½ Stunden später wieder verlassen werden…

Was ist passiert? Beim Registrieren unseres Autos bemerkt der Zöllner, dass unser Fahrzeug seit Juni letzten Jahres im Computersystem als im Lande befindlich aufgeführt sei, was dann summasummarum in einer Busse wegen Überziehens der Aufenthaltsdauer so etwa 40’000 US$ Busse mache… 🙁 Zuerst lachen wir ja noch darüber, für uns ist der Irrtum offensichtlich – doch unser Zöllner hier stellt auf stur, da könne man nichts machen! Offenbar ist unser Auto bei der letztjährigen Ausreise im kleinen Grenzort „La Balsa“ mangels Computer dort nicht aus dem System genommen worden und obwohl ich mit Hilfe des peruanischen Zoll-Computers (glücklicherweise liegen diese Gebäude hier nicht weit entfernt!) beweisen kann, dass wir an besagtem Datum ausgereist sind, braucht es doch etliche Stunden, viele Telefonate, noch mehr Nerven und die Hilfe des Zollchefs, bis wir gegen Abend endlich zu einem weiter weg gelegenen Zolloffice begleitet werden und unsere Einreisepapiere erstellen können. Dass all dies ausgerechnet an Heiligabend so kurz vor den Feiertagen stattfindet, scheint das ganze Prozedere erst noch zu erschweren, da viele Vorgesetzte bereits nicht mehr erreichbar sind. Am Witzigsten finden wir ja die Frage nach dem Aussehen und der Farbe der Uniform des Zöllners, dem wir die Papiere bei der Ausreise vor eineinhalb Jahren gegeben hätten…?!! Wahrscheinlich werden wir in Zukunft eine fotografische Zöllner-Kartei erstellen müssen…!

 Marcel in Baños
Mit einem kleinen Riss in unserem bisher so positiven Bild von Ecuador fahren wir am nächsten Morgen (wir haben dann gleich auf dem Zollparkplatz geschlafen) die wunderschöne Bergstrecke nach Baños hoch. Und feiern das Wiedersehen mit Susann&Claudio umso mehr… Auch unseren kanadisch-schweizerischen Freund Marcel besuchen wir, der hierher ausgewandert ist, weil ihm in Kanada die Winter zu lang und kalt wurden.
 mit Susann&Claudio auf BootstourMit Susann&Claudio fahren wir über Mishuahalli, wo wir eine Bootstour machen und den Thermen von Papallacta bis nach Otavalo, wo wir gemeinsam ins Neue Jahr starten. Es ist schön mit guten Freunden unterwegs zu sein und wir geniessen die gemeinsame Zeit sehr. Sylvestermenu

Doch dann heisst es Abschied nehmen  Sylvesterwein...und nach einem gemütlichen Neujahrstag im Sommerwind-Camp bei Ibarra reisen wir nach Kolumbien ein. Zusammen mit Hunderten von Ecuadorianern, die alle die Feiertage nutzen um ins Nachbarland zu reisen… aber nach 5 Stunden Stau und Schlangestehen ist auch dies geschafft und wir sind zurück im Land mit den freundlichsten Bewohnern Südamerikas!Stau an der Grenze
Die grenznahe Stadt Pasto rüstet sich für den morgen beginnenden landesweit berühmten Karneval, aber wir verzichten auf noch mehr Menschenmassen und fahren weiter zum Hostal Kundur in Chachagui, einem Tipp von Hans, dem Besitzer vom Sommerwind-Camp, der an diesem Abend auch zu einem Besuch da sein will. Gemeinsam stellen wir dann schnell mal fest, dass dieses Hostal für grössere Overlander-Fahrzeuge nicht so geeignet ist: enge Zufahrtsgassen und ein Tor, unter dessen Dach wir nicht durchpassen… aber Ersatz ist schnell gefunden: etwas weiter unten dürfen wir im Garten des  Panamericana durch die CanyonsKirchgemeindezentrums parken – mit toller Aussicht über einen tiefen Canyon!

Die Landschaft hier ist geprägt von zerklüfteten Bergen mit tief ein-geschnittenen Tälern, die Streckenführung der Panamericana ist wirklich spektakulär. Wir besuchen die „weisse Stadt“ Popayan und die Thermen im Hinterland.Popayan Der Großstadt Cali können wir nichts abgewinnen, dafür gefällt es uns am nahen Calima-Stausee umso besser. Die sattgrüne, hügelige Gegend erinnert uns an die Schweiz, – nur dass die Badetemperaturen hier viel angenehmer sind…Calima Stausee

 bei SalentoIn Salento, mitten in der Kaffeeregion Kolumbiens gelegen, Salento verbringen Corcora-Tal wir ein paar gemütliche Tage, unter an-derem auch mit einer kurzen Wan-derung im hüb-schen, auf Wanderungwegen der Festtage aber ziemlich überlau-fenen Corcora-Tal mit seinen vielen  Filandiahochgeschossenen Wachs-Palmen und einem Besuch des Bergortes Filandia.

Wachspalmen auch Kolumbien trinkt Bier

Diese Gegend hier gefällt uns sehr gut; man merkt, dass es den Menschen hier wirtschaftlich besser geht als in anderen Landesteilen, die Häuser und Strassen wirken gepflegt und aufgeräumt.

 Berglandschaft
Auf der Weiterfahrt Richtung Medellin wagen wir uns an eine „Abkürzung“, die uns über eine sehr steile, enge Strasse in die Berge nach Abejorral führt. enge Bergstrasse Wir glauben uns als einzige auf dieser wirklich schmalen, schlech-ten Strasse un-terwegs – doch nein: wir müssen auch noch mit einem Viehlaster kreuzen!

 ReittrekkingWeiter oben treffen wir auf eine Gruppe von sechzig(!) Reitern, die das verlängerte Wochenende für  Columbianos..diesen mehrtägigen Reitausflug nutzen. Sie sind alle gut drauf – wohl auch dank den vielen kreisenden  FahrzeugtauschAguardiente Fahrzeugbesichtigung(Zuckerrohrschnaps) Flaschen – und laden uns ein mitzureiten… wir aber fühlen uns in unserem motorisierten Gefährt doch sicherer und verzichten dankend auf ihr Angebot 😉

 Richtung Abejorral
Abejorral ist eine abgelegene Kleinstadt mit einer erstaunlich Weihnachtsdeko Abejorralaufwendigen Weihnachtsdekoration an der Plaza, wo wir aber über Nacht nicht parkieren dürfen. Der Wirt einer Bar gibt uns einen Tipp, wo wir am Ende einer Strasse hoch über der Stadt ruhig stehen können und kaum dort angekommen, stattet uns die Polizei einen Besuch ab und verspricht unser Auto die Nacht durch im Auge zu behalten, so dass wir sicher schlafen könnten…

 Guatepe
So fahren wir am nächsten Tag frisch ausgeruht nach Guatepé und weiter nach San Andres, wo es entlang eines klaren Flusses mehrere Campingplätze hat. Irgendwie erscheint uns die Gegend extrem stark besucht zu sein – wir finden erst im Laufe der folgenden Tage heraus, dass kolumbianisches Camping... mit diesem verlängerten Wochenende der Höhepunkt und Abschluss der Ferienzeit da ist und wirklich fast jeder Kolumbianer unterwegs ist… so sind wir innert kurzer Zeit umzingelt von Zelten und können teilhaben an einer typisch kolumbianischen Fiesta! Die Leute sind alle unheimlich nett und wir werden zum Essen und Mitfeiern eingeladen. Nicht nur der Alkohol fliesst in Strömen, es sind auch diverse andere Rauschmittel im Spiel – schliesslich sind wir hier in Kolumbien 😉 doch alle bleiben friedlich und kein einziger verhält sich aggressiv! Nur die Musik-Lautstärke sprengt alle Grenzen und an Schlaf ist bis in die  Lagerfeuerfrühen Morgenstunden nicht zu denken.
Den zweiten Abend verbringen wir im nahen Ort an der örtlichen Missenwahl, wiederum ein ohrenbetäubendes Spektakel, das wir glücklicherweise dank einsetzendem Regen und total betrunkenen Begleitern frühzeitig abbrechen können… auch auf dem Campingplatz hat der Regen für wohltuende Ruhe gesorgt, so dass wir am nächsten Morgen halbwegs ausgeschlafen durch ein verlassenes Medellin nach Santa Fé de Antioquia fahren können. Unterwegs halten wir an einem Restaurant für eine der feinen Fisch-Suppen, die eine vollständige Mahlzeit abgeben. Mittagessen spendiert!Als wir an der Kasse bezahlen wollen, erklärt uns der Wirt spontan als eingeladen: ihm gefällt unser Auto und dass wir schon so viele Länder dieser Welt besucht haben…! Wie gesagt: die Kolumbianer sind die nettesten und aufgeschlossensten Leute auf diesem Kontinent!

 Hängebrücke am CaucaIm Kolonialstädtchen Santa Fé können  moderne Gauchos in Santa Féwir uns bereits ein erstes Mal an die Hitze gewöhnen, da es auf nur 500m Höhe liegt. Alleine schon die Besichtigung der fast 300m langen Hängebrücke über den Cauca-Fluss lässt uns in Schweiss ausbrechen – rein klimatisch bedingt!

 Lastenschlepper

Die Panamericana klettert danach ein letztes Mal über die Berge, auf 2500m ist es wieder angenehm frisch, bevor sie sich kurvig der Karibikküste nähert. In dieser Gegend leben noch etliche indigene Stämme in selbstverwalteten Reservaten, entlang der Karibikküste aber auch viele afrikanisch-stämmige Menschen, Nachfahren des kolonialen Sklavenhandels.

Via Turbo verlassen wir die Panamericana, die dereinst über das Darien-Gap führen wird, der Land-Verbindung zwischen Nord- und Südamerika. Zur Zeit existiert diese Strasse jedoch (wohl auch aus politischen Gründen) noch nicht und deshalb spekulieren wir auf die erst kürzlich etablierte XPress-Fähre von Cartagena, Kolumbien nach Colon in Panama. Leider haben wir übers Internet erfahren, dass die Fähre momentan aber ausser Motorrädern keine Fahrzeuge transportiert, da ein geeignetes Auffahr-Dock in Colon erst noch gebaut werden müsse… also bliebe uns nur das traditionelle Verschiffen mit Container oder RoRo, was wiederum viel komplizierter, aufwändiger und extrem viel teurer wäre, nebst dem zusätzlichen Zeitverlust und den uns inzwischen zur Genüge bekannten Unwägbarkeiten im internationalen Schiffsgüterverkehr!
Aber wir wären nicht in Südamerika – wo auch Unmögliches manchmal möglich wird – wenn nicht ab und zu manchmal doch Autos transportiert wurden… es weiss nur nie keiner wann und warum es dann doch möglich ist! Also verfolgen wir die News seit längerem im Internet und hoffen auf ein günstiges Omen – und verlangsamen unsere Reisegeschwindigkeit, je näher wir an Cartagena kommen 😉

 Schlammbad
So tuckern wir gemütlich der Küste entlang, Schlammfiguren besuchen einen Schlammvulkan bei Arboletes (komisches Gefühl!) und sind auf der Suche nach einem schönen karibischen Strand. Wir finden ihn schliesslich an der Playa Blanca bei San Antero. Wir können direkt auf einem ruhigen Strandabschnitt parken, halten täglich einen Schwatz mit den Strandverkäufern und geniessen das schön warme, klare Wasser zum Baden. Innert kurzer Zeit fühlen wir uns ganz heimisch hier und sogar die andernorts meist laute Samstagnacht lässt uns ruhig schlafen… Playa Blanca
Aber wir können ja nicht ewig hier bleiben, sonst wird das nie vorwärtsgehen mit der Verschifferei. So buchen wir in Tolu zum Abschluss noch einen Boots-Ausflug zu den San Bernardo Islas San Bernardo Inseln, die wirkliches Karibik-Feeling aufkommen lassen mit ihrem kristallklaren Wasser und den weissen Stränden. Faszinierend finde ich die von Häusern fast überquellende Hauptinsel, wo die meisten Inselbewohner auf engstem Raum leben. Ihre Lebensgrundlage ist die Fischerei und heutzutage vor allem der Tourismus.  Wohninsel San BernardoBeim Schnorcheln entdecke ich die Artenvielfalt der Fische am umliegenden Riff, das leider infolge gestiegener Wassertemperaturen grösstenteils bereits abgestorben ist.

Am nächsten Morgen machen wir uns dann endgültig auf nach Cartagena, lassen unterwegs noch das Salz vom Autoboden waschen und quartieren uns danach auf dem Parkplatz des Hotels Bellavista gegenüber vom Meer ein. Das beschert uns zwar eine angenehme Brise, aber auch einen Haufen Sand und Salzluft in unser frisch geputztes Auto 🙁 Aber da wissen wir ja noch nicht, dass wir schlussendlich zwei volle Wochen hier stehen werden…

 Cartagena
Wir empfinden Cartagenas Klima um einiges angenehmer als bei unserem letzten Besuch, mit viel weniger Luftfeuchtigkeit ist die Hitze doch besser zu ertragen. Im Bellavista stehen etliche Overlander, mit denen wir uns gerne zusammentun, da fast alle das gleiche Ziel haben: Panama. Und mit unseren Klappfahrrädern lässt sich die wunderschöne Stadt gut und schnell erkunden, vor allem da wir auch mal gegen die Einbahn radeln können 😉

 Playa BlancaNach fünf Tagen ergebnislosem Fähre-Recherchierens gönnen wir uns eine kurze Auszeit an der Playa Blanca auf der nahen Halbinsel Baru. Das Wasser dort ist wunderschön und klar, auch Schnorcheln ist toll (ich entdecke sogar Muränen und einen Steinfisch!), aber sobald man sich vom schneeweissen Strand Richtung Auto-parkplatz bewegt, muss man an einer fürchterlich stinkenden Lagune und allem Müll vorbei – mir vergeht bei diesem Anblick jeweils jegliche Ferienstimmung…
So sind wir schnell wieder zurück in Cartagena, besprechen die Lage mit unseren Verschiffungs- Leidensgenossen und beschliessen gemeinsam die Containerverschiffung zu organisieren. Die Agentur „Enlace Caribe“ hat uns das grosszügige Angebot gemacht, dass sie uns den Container reservieren werden, sobald aber die Fähre doch noch fährt, wir alles annullieren dürfen.
So starten wir den ganzen Papierkram, erkundigen uns über mögliche Arten wie wir selber die Zeit bis zur Ankunft des Containers in Panama (5Tage) sinnvoll nutzen – und dorthin gelangen – können, bis plötzlich Alfred und Marion, zwei deutsche „Mit-Verschiffer“, mit der Neuigkeit ins Bellavista kommen, dass wir Fähr-Tickets kaufen könnten! Also raffen wir unsere Dokumente zusammen und radeln zu viert schnellstens in diese Agentur. Wir können unser Glück kaum glauben und fragen die nette Señorita mehrmals nach dem Grund… sie aber weiss von nichts und ist selber begeistert, denn dies seien ihre ersten Fahrzeugtickets, die sie verkaufe… das kommt uns nun doch sehr spanisch vor… doch sie fragt telefonisch noch mal bei ihrem Chef nach und kriegt ein ok… also kaufen, solange es diese Tickets gibt!
Wie sich am nächsten Tag herausstellt, war es gar nicht ok die Tickets zu verkaufen, die Señorita ist nicht mehr so happy wie tags zuvor, denn nun hat sie einen Rüffel von ganz oben gekriegt – aber oh Wunder: sie werden „ausnahmsweise“ Fahrzeuge auf die Fähre lassen – aber nur nächsten Dienstag! Wir trauen dieser Sache noch nicht so ganz, doch in den letzten Tagen verdichten sich die Anzeichen immer mehr, dass es tatsächlich klappen könnte mit unserer Fährüberfahrt… Auf alle Fälle haben wir die erforderlichen Papiere abgestempelt und warten nun gespannt, wie das morgen ablaufen wird am Hafen mit der XPressFerry!

 Sonnenuntergang

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für Panamericana: Chile – Kolumbien (5.12.14 – 3.2.2015)

Argentinien (8.11. – 5.12.2014)

 grün und flach- Entre RiosNach einem kurzen Stopp in der nächstgelegenen Stadt (Concordia) zum Geldwechseln nehmen wir die einförmige Strecke quer durch die argentinische Ebene des „Zweistromlandes“ Entre Rios in Angriff. Wir schaffen es, sogar ohne eine der berühmt-berüchtigten Polizeikontrollen passieren zu müssen, am Abend in Santa Fé anzukommen. Dort geniessen wir ein erfrischendes Bad im breiten am Rio ParanaRio Parana und beschliessen, gleich hier am Flussstrand gegenüber der Stadt stehen zu bleiben. Dummerweise ist grad Wochenende und viele junge Leute hier scheinen nichts Spannenderes zu kennen als den Abend mit brummenden Motoren und laut aufgedrehter Musik durch die Strassen zu kurven… Schlaf gibt’s erst in den frühen Morgenstunden 😉
Nach einem weiteren Fahrtag durch immense Felder sichten wir in der Ferne die ersten Hügel der Sierras de Cordoba… welch Erlösung für uns „Bergler“, die sich in den schier endlosen Ebenen immer ein wenig verloren fühlen! Über eine kurvenreiche Strecke fahren wir nach Carlos Paz und quartieren uns in der Hoffnung auf eine erholsame Nacht in einem grosszügigen Campingplatz gleich am Stausee ein… – doch weit gefehlt: wir haben übersehen, dass sich das kleine Strässchen zwischen See und Campingplatz am Abend in die hiesige Flanier- und Autopromenade verwandelt mit brummenden Motoren und laut aufgedrehter Musik… Für unsere müden Nerven eine arge Tortur, vor allem als ein Kathedrale von Cordobaparkiertes Auto (wohl unbewusst) seinen Lautstärker auch noch gleich in unserer Richtung über Stunden voll aufdreht! Wummm Wummm Wummm Tuff Tuff Tuff… – wir fühlen uns älter als gedacht… 😉
Am nächsten Morgen statten wir der grosszügig angelegten Universitäts- und Klosterstadt Cordoba einen Besuch ab. Als wir uns im Zentrum nach einem Parkplatz erkundigen, meint der gefragte Polizist nur, heute dürften wir überall parken, da die Strafzettelverteilenden Ordnungshüter gerade am streiken seien… Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und parken direkt an der Plaza unter einem Parkverbotsschild!
Nachmittags fahren wir ins südlich gelegene Villa Belgrano, wo wir uns bei Bettina&Ralf,- endlich a gscheite Brotzeit! zwei ausgewanderten Hamburgern, in deren Campingplatz „La Florida“ einquartieren. Diese Gegend ist bekannt für die vielen deutsch- und schweizstämmigen Auswanderer, die hier leben, die auch solche Fahrzeuge gibts!Häuser sind mit Geranien geschmückt und überall treffen wir auf deutsch klingende Namen, gute Hausmannskost und selbstgebrautes Bier. Auf dem Camping steht auch ein himmelblauer Duro mit Schweizer Kennzeichen – er gehört einem netten Paar aus Hongkong mit englischen Wurzeln und einer Schweizer Ferienwohnung in Grächen… sie sind beide weit gereist und wir verstehen uns auf Anhieb super miteinander. So vergehen die nächsten beiden Tage wie im Fluge, erst nach ihrer Abreise erkunden wir die nähere Umgebung.fast wie in der Schweiz

 Häuser wie daheim! auch die Anschriften...In Cumbrecita fühlen wir uns in einen Schweizer Bergort versetzt und im nördlich gelegenen Stausee geniessen wir ein erfrischendes Bad. Und bei Bettina & Ralf noch ein richtig feines argentinisches Asado – mit deutscher Sorgfalt zubereitet, das unsere Mägen für mindestens zwei Tage füllt…! bei Bettina&Ralfmmmhh fein!

Danach verabschieden wir uns von diesen netten Gastgebern und fahren in die Bergwelt der Sierras.

 in den Bergen CordobasEine längere Wanderung zu einem Kondoren-Aussichtspunkt müssen schöner Campingplatz wir wegen meines Fusses leider ab-brechen, doch dafür entschädigt uns die alte Pass-Strecke mit tollen Fels-formationen und einem aussichtsreichen, wenn auch windigen Übernachtungsplatz. toller Platz am Fluss
Und am nächsten Tag entdecken wir ein wunderbares Plätzchen an einem Fluss, wo wir baden können…Heiligenverehrung überall

Danach ist es leider wieder vorbei mit dem schönen und warmen Wetter und so fahren wir weiter in die nördlichen Sierras nach La Cumbre, wo der Argentinien-Schweizer Gleitschirm-Weltmeister Andy Hediger sein Flugcenter hat. Leider ist er nicht da, so dass nichts wird  Gesteinsformationen bei Cumbreaus Kölbis langgehegtem Wunsch vom Ultraleichtfliegen…
Durch einsame Berglandschaften fahren wir von nahem weiter nordwärts, die Berge flachen langsam ab bis wir schliesslich den immensen Salzsee Salinas Grande erreichen. Da es auch hier vor Kurzem geregnet hat, empfiehlt sich aber dessen Befahren wegen der Gefahr des Steckenbleibens im Salzmatsch grad gar nicht…Salinas Grandes

also fahren wir nochmals weiter und kommen über eine toll ausgebaute Pass-Strasse wieder in die Berge und in die Region von Catamarca. Oben an der Tal-Abbruchkante finden wir einen windgeschützten Übernachtungsplatz – leider ist die Sicht zu diesig für wirklich tolle Fotos.hoch über Catamarca

Der nächste Morgen gehört ganz der Abfahrt des spektakulären Bergpasses der „Cuesta del Portozuelo“. Nach einem kurzen Einkauf in der Stadt geht’s weiter nordwärts wieder ein schönes Tal hinauf.Cuesta del Portozuelo

Wir erreichen nun langsam den Nordwesten Argentiniens – meist trockene, gebirgige Andenlandschaft – einzig unterbrochen von den Flussläufen, deren Wasser mit Hilfe von Bewässerungskanälen grüne Oasen schafft. Für uns eine der allerschönsten – manchmal aber auch einsamsten – Gegenden Argentiniens…!
erste Andenriesen

Cuesta de ChilcaEin weiterer spektakulärer Passübergang ist die Cuesta de las Chilcas: eine fast senkrechte Steilwand hinunter schlängelt sich das Schottersträsschen nach Andalgala runter und nordwärts fast ebenso atemberaubend die Chuyo-Berge wieder hoch. Kaktusblüten

Cuesta de ChuyoNochmals finden wir einen traumhaften Aussichtsplatz zum Übernachten. Abendstimmung

Den Besuch der Mine Capillas schenken wir uns, dafür entdeckt Kölbi einen kleinen Schotterweg, der hoch bis zu Funkmasten auf über 4’000müMeer führt… hier sind auch wieder Vikuñas Vikuna zuhause – die Urform der Alpakas und wegen ihres seidenen Fells jahrhundertelang gesucht und bejagt, heute aber geschützt. Ein Kilo ihrer Wolle soll bis zu 500 US$ kosten!ganz oben

An diesem Abend erreichen wir (nach vielen mühseligen Holperkilometern) endlich Cafayate, wo wir mit einem feinen Glas Wein an der Plaza auf die letzten Tage anstossen. Leider ist unser Lieblingscampingplatz noch geschlossen, so wie auch das öffentliche Schwimmbad nebenan – die Saison fängt erst um die Weihnachtszeit an.

 Quebrada de FlechasWir überdenken unsere Reisepläne neu, machen uns bereits nach zwei Tagen auf Richtung Cachi. Wir sind fasziniert von der beeindruckenden Flecha-Schlucht und legen spontan eine Nacht in den Gesteinsformationen ein. Ich wandere ein wenig durch das Schluchtensystem – jetzt wüstenähnlich trocken, ist es doch offensichtlich durch  la puertaWassererosion geformt worden! Wehe, wenn es hier einmal regnet, da muss der Himmel wohl seine Schleusen öffnen als ob der Weltuntergang nahe wäre…
Am Lagerfeuer diskutieren wir wieder einmal unsere Reise und die Situation mit meinem Fuss – und beschliessen eine komplette Neuausrichtung: wir werden nicht wie geplant im März nach Uruguay (und für ein halbes Jahr in die Schweiz) zurückkehren, sondern direkt bis nach Mexiko hochfahren, denn dort dürfen Wohnmobile bis zu 10 Jahre im Land bleiben ohne Importsteuern zu bezahlen (eine seltene Ausnahmeregelung auf dieser Welt). Das eröffnet Cachiuns die Möglichkeit für so lange in die Schweiz zurück zu kehren bis mein Fuss so weit hergerichtet ist, dass ich auch wieder Wanderungen ohne Schmerzen unternehmen kann – hoffentlich!
In Cachi treffen wir auf dem Campingplatz eine nette Schweizer Familie, mit denen wir eine gute Zeit verbringen. Wir besuchen das hübsche Städtchen und ich mache auch einen Ausflug zu einem kleinen Freilicht-Ethno-Museum,die Schule wo Gebäude aus unterschiedlichen Zeiten und von unterschiedlichen Bevölkerungen zu besichtigen sind. Obwohl es zur Zeit geschlossen sein soll, ist es frei zugänglich und sehr liebevoll mit vielen Antiquitäten eingerichtet. im Freilicht-Museum

Über den Obispo-Pass, diesmal bei strahlendem Sonnenschein (nachdem wir bei unserem letzten Besuch hier durch dicksten Nebel gefahren sind) verlassen wir die Berge und wollen in Salta unseren Reisefreunden Regine&Walter einen Besuch abstatten. Dort im öffentlichen Schwimmbad, das zugleich als Campingplatz fungiert, treffen wir gleich auf mehrere Overlander und verbringen einen gemütlichen Grillabend. Weg zurück nach CafayateDie Stadt Salta gefällt uns immer noch nicht besonders und so machen wir uns schon am nächsten Tag wieder auf zurück nach Cafayate – mit Aussicht auf die schöne Fahrstrecke fällt uns der Abschied auch nicht allzu schwer…

bei Hualfin
In Cafayate stocken wir unsere Vorräte noch einmal auf und verlassen das Städtchen nach wenigen Tagen Richtung Antofagasta. Wir haben bereits viele Reisende von dieser Andengegend schwärmen gehört, es soll eine Fortsetzung der bolivianischen Lagunenroute sein – und wir werden nicht enttäuscht! Blick nach VilaVil

Den ersten Abend verbringen wir einsam bei der heissen Thermalquelle bei VilaVil mit schöner Sicht aufs Tal.Sanddünen am Weg Danach schraubt sich die Strasse durch imposante Felsen und durch Sanddünen (!) immer weiter in die Höhe, bis wir schon bald auf Vikuñas treffen, denen hier oben ein Schutzgebiet errichtet wurde.

 Salargebiet mit VikuñasWeite Täler und Ebenen tauchen auf, umringt von schneebedeckten Andenbergen, in den Senken schimmern Salzseen… die dünne Höhenluft lässt alles flimmern und schimmern, die Farben sind intensiv und der Himmel scheint weit weg zu sein. Piedra Gomez
Wir nehmen den steinigen Holperweg nach Piedra Gomez, Felsformationenvorbei an einem schwarzen Vulkankegel erreichen wir nach fast einer Stunde dieses Bimssteingebiet, das uns weiss blendet. Hier ist der Wind für die Erosionsspuren verantwortlich und wir wandern fasziniert in dieser menschen- und tierverlassenen Gegend zwischen riesigen Felsformationen herum. Kölbi meint trocken: „so könnten mir weisse Weihnachten gefallen…“ 😉
 VulkankegelAn imposanten Vulkankegeln und erstarrten Lavaströmen vorbei schlängelt sich die Strasse. Kurz vor dem Ort Antofagasta de la Sierra halten wir an einer tiefblauen Lagune – ein perfekter Lagerplatz!Lagune vor Antofagasta

Alpacas grasen, Wildenten schwimmen im Wasser, in der Ferne erspähen wir ein paar Flamingos – es könnte schöner nicht sein!

 AndenfuchsNur wenige Gehminuten entfernt erstreckt sich ein gewaltiger Lavastrom aus erstarrtem schwarzem Gestein. Beim genaueren Erkunden entdecke ich, dass sich darin die Überreste einer alten Indigena-Festung befinden. Fasziniert wandere ich umher und mache immer Pucara-Ruinenmehr interessante Mauern und Hüttenruinen, Plätze und Wege aus. Sogar ein scheuer Andenfuchs kreuzt meinen Weg in diesem einst sicherlich vielen Menschen Zuflucht gewährendem Ort. Der wie üblich in den Anden abends auffrischende Wind lässt diesen ereignisreichen Tag ausklingen und uns früh in unser „Häuschen“ gehen, kaum dass die letzten Sonnenstrahlen verschwunden sind.

HöhentälerKaum haben wir den hübschen Ort Antofagasta verlassen, schlängelt sich die Strasse durch ein vom Fluss bewässertes grünes Tal mit vereinzelten Höfen, bis wir über einen Pass die menschenleere, wüstenähnliche Hochebene erreichen, umgeben von kargen Hügelzügen und mit weissglitzernden Salaren (ausgetrockneten Salzseen) durchzogen. karges Leben

Salar del hombre muertoGoldmine IncahuasiEine kleine unscheinbare Abzweigung führt uns zu einer alten Inka-Goldmine am Rand eines riesigen Salars, die auch von den spanischen Kolonisten weiter ausgebeutet wurde. Heute in der Nähe werden immer noch fleissig Bodenschätze ausgebeutet: riesige Lastzüge zeugen kurz darauf von einer in der Nähe gelegenen Lithiummine. Was für ein entbehrungsreiches Leben muss das – früher, aber auch heute noch – sein in dieser unwirtlichen Gegend und auf einer Höhe von über 4’000 müM ?!Gold-Mine

Über diverse Pässe nähern wir uns schliesslich dem Minen-Bergort San Antonio de los Cobres, in das wir nur zum Auftanken rein- und gleich wieder rausfahren – aber erst nachdem wir über eine Stunde auf den Tankwart warten mussten (da er der einzige weit und breit ist, darf er sich dies wohl erlauben…)!

 tren en las nubesNun geht’s zuerst den gleichen Weg zurück und dann endgültig Richtung Grenze nach Chile. Wir wollen über den Passo de Sico ausreisen, in dessen Gegend wir auf der chilenischen Seite ja schon vor einem Jahr mal rumgekurvt sind. Vorher aber beschert uns die Reise wieder einmal eine unglaubliche Begegnung der Art, wie man sie nicht für möglich halten würde: auf dieser einsamen Bergstrasse kreuzen wir einen Toyota, der wie ein Reisemobil recht abenteuerlich aussieht – wir halten an und trauen unseren Augen nicht: Jonni&Stephenmit Jonni & Stephen sind wir vor vier Jahren im Pamirgebirge an einer geschlossenen Militärschranke gestanden (die wir Frauen dann nach einer halben Stunde Warten dummerweise eigenmächtig öffneten, was beim Militär jedoch gar nicht gut ankam…) – und jetzt treffen wir sie wieder an einem verlassenen Ort mitten in den Bergen auf einem anderen Kontinent! Und zur Krönung unseres Wiedersehens rattert auch gleich noch einer der seltenen „Tren en los nubes“ auf den Gleisen über unseren Köpfen vorbei…
Schnell sind wir danach an der Grenze und verabschieden uns etwas wehmütig von diesem facettenreichen und liebgewonnenen Argentinien – nun wohl endgültig zum letzten Mal! an der Grenze

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