Zentralamerika (3.2. – 4.4.2015)

Puuhhh – wie die Zeit verfliegt… ich komme wieder einmal kaum zum Schreiben, entschuldigt mich bitte!

Also werde ich versuchen mich kurz zu halten – versprochen!Spaghetti-Festival im Colon-Hafen
Das Ein- und Ausschiffen mit der neuen „X-Press“-Fähre von Cartagena nach Colon in Panama verlief recht glatt, mal abgesehen von der unnötig langen Wartezeit im Hafen von Colon. Wir waren ja nur elf Autos und zwei Motorräder an Bord dieses Riesenschiffes (mit Kapazität für 500 Autos!) und doch wurde es Nacht bis wir unsere Zollpapiere in den Händen hatten und rausfahren durften. Was wir dann jedoch nicht machten, da Colon einen sehr unsicheren Ruf hat, sondern alle zusammen gleich auf dem Zollareal – das wir ja inzwischen bestens kannten – campierten und unsere Ankunft in Zentralamerika mit einem gemeinsamen Spagetti-Festival feierten.Einfahrt Panamakanal
Gatunschleuse am PanamakanalEin Muss in Panama ist natür-lich der Kanal, den wir gleich am nächsten Vormittag in Augenschein nehmen. Absolut beeindruckend, wie millimetergenau diese Riesenkolosse durch die engen Schleusen manövriert werden!Schleusenflutung

Wir verbringen noch zwei Nächte an der Küste, bevor wir durch die kurvenreiche Vulkangegend um Boquete Richtung Karibik fahren und das Land via (problemlosen, da sehr kleinen) Zoll nach Costa Rica verlassen.

Karibikküste Costa Rica Dieses kleine Land ohne eigene Armee wird ja viel gerühmt wegen seiner Natur und der schönen Strände – und wir können dem nur beipflichten! Und vor allem treffen wir – seit langer Zeit und vielen Ländern zum ersten Mal – auf saubere, gepflegte Strände und Anlagen… Costa Rica hat wohl erkannt, dass es mit seinen Naturschönheiten im Tourismus trotz seinem hohen Preisniveau nur punkten kann, wenn seine SchnorchelnBewohner auch entsprechend trainiert und ausgebildet werden und auch in die Infrastruktur investiert wird, z.B. eben mit einer funktionierenden Müllabfuhr. Ein weiteres Plus für uns Auto-Camper ist der Umstand, dass der Strand per Gesetz öffentliches Land Aschewolke über dem Turrialba-Vulkanist und für jedermann frei zugänglich sein muss. So gibt es meist den schönsten Traumstränden entlang noch einen kleinen Weg, neben dem man wunderbar campieren kann. Gleich vom ersten Tag an fühlen wir uns sehr sicher und verwöhnt in diesem kleinen Land mit seinen überaus freundlichen Bewohnern.intensive Landwirtschaft
Wir bleiben aber nicht nur an den absolut traumhaften Stränden hängen, sonder machen auch kurze Abstecher ins Landesinnere. Einer davon führt uns über den Vulkan Irazu (mit tollem Blick auf den gerade Asche speienden Nachbarvulkan Turrialba) zu Fredy Rihs aus Safnern, der sich mit seiner Frau ein kleines (Ferien-) Paradies mit Bungalows in Arenal, der Nähe der Hauptstadt aufgebaut hat.

Playa Herraduria Mit seinen Tipps ausgerüstet (Danke nochmals!) fahren wir erst einmal die Strände südlich der Hauptstadt San José an und kehren in einem sehrAras in den Bäumen kurvigen Bogen über den höchsten Pass Zentral-amerikas (3300m) wieder ins Landes-innere zurück. Leider drückt hier das Regenwetter der Karibik rein,Quetzalvogel in den Bergen so dass wir den Poas-Vulkan schweren Herzens aus dem Reiseplan streichen und gleich an den Arenal-See fahren. Die tropisch-üppige Vegetation ist beeindruckend, unsere „Hängebrücken-Tour“ findet dann aber auch buchstäblich im „Regen“-Wald statt…

Treffen mit Heike&Bernd
Doch die nächsten Tage lacht uns bereits wieder das Wetterglück und wir baden jeden Morgen im schönen Arenalsee. Dort treffen wir auch wieder auf Heike&Bernd, die wir kurz vor Rio de Janeiro in Brasilien kennengelernt haben. Schnell zeigt sich, dass wir in etwa den gleichen Reiseplan und -Rythmus haben, so dass wir einander im nächsten Monat immer wieder über den Weg laufen und viele gemeinsame Tage und Abende zusammen verbringen dürfen.am Arenalsee

Nicoya-HalbinselErst mal trennen sich unsere Wege aber und Kölbi und ich fahren rund um die Nicoya-Halbinsel herum.imposante Bäume

Sie ist mit ihren wunderschönen Stränden und Buchten touristisch gut erschlossen, jedoch strassenmässig nicht unbedingt zur Umrundung geplant… gut, dass wir ein robustes Allrad-Fahrzeug haben 😉schöne Strände

Leguan
Wir verbringen über eine Woche hier, kommen von einem schönen Platz zum nächsten

Schildkrötennester und -Spurenund dürfen als Höhepunkt zum Abschluss sogar noch nachts Riesenschildkröten bei der Eiablage zugucken… nur wenige Meter von unserem Auto entfernt!Schildkröteneier

Traumstrand

Aussicht
Inland unterwegsDie letzten zwei Tage in Costa Rica sind wir bei Agi&Guido, zwei Schweizer Auswandern, zu Gast auf ihrer Farm und treffen da auf die Roveda-Familie, auch Schweizern, die mit ihrem Camper und drei Kindern ganz Zentralamerika bereisen und uns viele Tipps für den weiteren Reiseverlauf geben.
Hier haben wir deshalb auch unser Rückreisedatum in die Schweiz (Ostern!) festgelegt und den Rückflug ab Mexiko-City gebucht. Wer weiss, wie gut das Internet im nächsten Land sein wird..?!Abendstimmung
So steht dem Grenzübertritt nach Nicaragua nun nichts mehr im Wege und wir wappnen uns für diesen eher langwierigen Zoll, da hier mangels Alternative der gesamte Verkehr Fähre zur Ometepe-Inselder Panamericana durch muss, also auch wir. Aber nach längeren FischerjungeWartezeiten ist auch dies geschafft und wir fahren noch am gleichen Tag auf das Fährschiff, das uns bei stürmischem Wind und schaukelnder Fahrt auf die Ometepe-Insel im Nicaragua-See bringt. Dort wird es dann allerdings schon fast dunkel, bis wir die Rovedas an ihrem Campingstandort erreichen. Dafür gibt es einen umso gemütlicheren Abend zusammen!Transportmittel
Am nächsten Tag verabschieden wir uns und umrunden die zweite dieser zusammengewachsenen Vulkan-Inseln. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wir fahren durch sorgfältig gepflegte Dörfer und werden überall freundlich gegrüsst. Es ist Sonntag und die halbe Bevölkerung ist auf dem Weg zu einem der hier so beliebten Rugby-Spiele. Auf der windgeschützten Seite des Vulkans stellen wir uns bei einem netten Restaurant an den Strand, schwimmen im seichten WäschewaschenWasser und schauen den Frauen beim anstrengenden Wäsche waschen im See zu. Ein sehr leckerer Grillfisch zum Abendessen macht den Tag perfekt – und eigentlich wären wir gerne noch einen Tag länger geblieben, doch unsere gebuchte Rückfahrt auf der Fähre lässt sich leider nicht mehr verschieben. Dafür erleben wir dieses Mal eine sehr ruhige Überfahrt ohne Wellen.unser letzter Strandaufenthalt
Doch der Wind frischt am Nachmittag wieder auf und als wir die Pazifikküste erreichen, bläst er wieder mit voller Kraft die Sandkörner über den Strand, so dass das Baden nicht wirklich Spass macht. Sogar unseren Camper müssen wir umparkieren, sonst hätten wir wohl bald einmal Sanddünen innen drin gehabt… Auch die Einheimischen beklagen diesen extremen Wind dieses Jahr, fast überall wo wir hinkommen in Zentralamerika. Ob da wohl irgendeine Grosswetterlage gedreht hat..?

Granada
AutobusAuf alle Fälle macht das am Strand parken so keine Freude mehr und wir konzentrieren uns aufs Inland. Das hat ja auch so einiges zu bieten, z.B. die alten Kolonialstädte Granada und Leon. Oder den im Vulkankrater gelegenen Apoyo-See, dem wir auf einem extrem steilen Kratersträsschen entlangfahren und abends dann in seinem leicht schwefligen Wasser baden.Apoyo-Krater
Und auf dem Weg um die Hauptstadt Managua herum machen wir schliesslich auch noch Bekanntschaft mit der hiesigen Polizei, die uns wegen Überholens bei ausgezogener Sicherheitslinie eine saftige Busse abknöpft… doch ohne Quittung, sonst wäre sie wohl noch einiges teurer geworden… 😉
Rancho los AlpesDafür stehen wir dann am Abend bei Leon auf der Rancho los Alpes auf einer wunderschönen Hacienda mit herzlichen Gastgebern und treffen da auf unsere brasilianischen Freunde von der Verschiffung (die notabene alle auch am gleichen Ort wie wir von der Polizei gebüsst wurden…) und eine weitere Schweizer Familie mit Kindern. Wir fühlen uns wie in einer grossen Familie und es wird wieder einmal ein später Abend…

Somoto-Canyon
Dank den Tipps vom Vorabend fahren wir Canyon-Tour mit Heike&Berndnicht direkt zur nahen, vielbefahrenen Grenze, sondern machen einen Schlenker durchs schöne Bergland von Nicaragua nordwärts zum Somoto-Canyon, wo wir am Eingang zum Nationalpark prompt auch wieder auf Heike&Bernd stossen. Gemeinsam machen wir die schöne Canyontour per Boot und schwimmen danach durch den inneren Teil der engen, ausgewaschenen Schlucht. Wir bleiben noch einen Tag länger an diesem hübschen Ort und fahren dafür am nächsten Morgen früh an die nahe Grenze. Innert einer guten Stunde werden wir in Honduras willkommen geheissen – wie sehr wir doch diese „kleinen“ Grenzübertritte inzwischen schätzen gelernt haben! 33durch HondurasGerade vor den zentralamerikanischen Grenzen sind wir so oft gewarnt worden von Mitreisenden, wie kompliziert und hektisch die alle seien, mit vielen Schleppern und Halsabschneidern… nun erleben wir glücklicherweise das pure Gegenteil mit freundlichen Beamten und hilfsbereiten Mitreisenden.

amYojoa-SeeWir fahren an diesem Tag quer durch Honduras und erreichen gegen Abend den schön gelegenen Yojoa-See. Dort quartieren wir uns auf dem Parkplatz einer kleinen Brauerei mit Restaurant ein, wo wegen eines Festivals allerdings grad ziemlich Hochbetrieb herrscht. Dank einigen der hausgemachten Bierchen schlafen wir nach diesem langen Fahrtag trotzdem schnell einmal ein…Siestazeit
Hauptstrasse um den SeeAm nächsten Morgen wollen wir eigentlich nur mal so eine kleine Erkundungstour rund um den See machen, was sich aber dann schnell einmal als veritable Offroad-Tour her-ausstellt. Über Wasserfallkleinste, steile Schottersträsschen geht es die umliegenden Berge rauf und runter und bringt unsere beiden Fahrer ganz schön ins Manövrieren, vor allem da der Toyota von Heike&Bernd auch einiges länger und schwerer ist als unserer. Den Abschluss unserer Tour macht ein schöner Wasserfall und wir gönnen uns danach zum Mittagessen einen gebratenen Fisch aus dem See.

Weiter geht’s durch die Berge ins hübsche Kolonialstädtchen Thermalquellen bei GarciasGarcias, wo wir an den glasklaren Thermalquellen übernachten. Beim Baden kommen wir sehr schnell ins Gespräch mit Einheimischen, viele können sogar ein wenig Englisch, etliche waren bereits in den USA oder in Kanada zum Arbeiten oder kennen zumindest jemanden, der mal dort war. Alle sind sie sehr aufgeschlossen und interessiert, unser Auto fasziniert sie jeweils sehr. Nur, dass wir ohne Kinder reisen – ja, nicht einmal welche haben! – das können sie kaum verstehen. Hier sind Familien mit bis zu 10 Kindern (und mehr) das Normalste der Welt…

Copan
Wir nähern uns nun langsam dem Siedlungsgebiet der ehemaligen Maya-Hochkulturen. Nahe an der westlichen Grenze Honduras liegt in einem üppigen Tal die ehemalige Tempelanlage von Copan, Ballspielplatz in Copanheute Teil des Weltkulturerbes. Einst Sitz einer grossen Dynastie und kulturelles und wirtschaftliches Zentrum mit bis zu 60’000 Einwohnern, wurde die Stadt um 800 n.Chr. Handwerkskunstvermutlich wegen Übernutzung der Böden und zu exzessiver Abholzung der umliegenden Wälder aufgegeben und mit der Zeit vom Urwald überwuchert. Erst nach fast tausend Jahren wiederentdeckt, fanden in den letzten Jahrzehnten intensive Ausgrabungen und Freilegungen mit teilweisem Wiederaufbau der Anlage statt. Berühmt geworden ist Copan wegen seiner kunstvoll gemeisselten Steinstelen und desel Viejo längsten Hieroglyphentextes der Maya, eingemeisselt in eine 55m lange Tempeltreppe. Deren Entschlüsselung war eine wissenschaftlich Sensation und hat viel zum Verständnis der Maya-Geschichte beigetragen.
Wir besuchen am Nachmittag das informative Museum und erst am Tag darauf die beeindruckende Ruinenstätte. Frühmorgens ist es noch angenehm kühl um die vielen Treppen rauf und runter zu kraxeln und auch der grosse Ballspielplatz der Mayas liegt noch ganz einsam und verlassen da.

So stehen wir dann um zehn Uhr bereits an der Grenze zu Guatemala und haben unsere Freude, dass wir – ausser den Lastwagenfahrern – fast die einzigen sind, die hier anstehen. Auch die Zöllner haben ihre Freude an uns und vor allem am Cruisie, so dass schlussendlich fast die halbe Zollbelegschaft zur Inspektion unseres Fahrzeugs erscheint und fleissig Fotos knipst 😉

in Antigua
Nun fahren wir runter ins tiefer gelegene, brütend-heisse Tal des Motagua-Flusses und deshalb gleich weiter wieder in die Berge hoch, an der riesigen Metropole von Guatemala-City vorbei und in die frühere Hauptstadt Antigua. Antigua sei nicht wirklich Guatemala, habe ich irgendwo gelesen, und ja, das mag sein, es ist sehr touristisch, fast kitschig schön zurechtgemacht, aber auch viel sauberer und organisierter als der Rest des Landes, mit tollen Einkaufsmöglichkeiten. Der Hauptteil der Bevölkerung ist hier eindeutig indigen, was man nur schon an all den traditionellen Kleidern erkennt.

Gassenbilder
Wir dürfen auf dem riesigen, ummauerten Kirche in AntiguaGelände der Touristenpolizei campieren und treffen dort auf mehrere Overlander aus verschiedensten Ländern. So bekommen wir wieder viele super Tipps und Infos für die weitere Reise und geniessen das Zusammensein mit Gleichgesinnten. Markt in GuatemalaTagsüber schlendern wir durch die kolonialen Gassen und durchstreifen den reichhaltigen Markt und abend gönnen wir uns traditionell guatemaltekisches Essen in einem der vielen hübsch hergerichteten Lokale.

Attitlan-SeeAls nächstes Ziel fahren wir den Attitilansee an, natürlich auf dem (kartentechnisch) kürzesten Weg via Patzun, der sich allerdings bald einmal als recht abenteuerlich entpuppt. Durch einen tief eingeschnittenen Canyon geht es in steilen Serpentinen ins Tal hinein, wo wohl bereits vor längerer Zeit die Brücke weg-geschwemmt wurde und wir deshalb durch den glücklicherweise nicht sehr tiefen Fluss fahren müssen. Gut, dass wir einen Landcruiser haben! An gewagt ausgehöhlten Minenlöchern vorbei führt die Strasse nun holprig rauf und runter, bis wir schliesslich am steil abfallenden Kraterrand des tiefblau schimmernden Sees stehen, majestätisch eingerahmt von mehreren Vulkankegeln.

Vulkane am Attitlan

Markt in Chichicastenango

Gesichter

TortillasWir verbringen die ersten zwei Tage in der Nähe von Panajacheel und nach der Visite des bunten Sonntagsmarkts von Chichi-Siestacastenango (schöne Zungenbrecher-Namen, gell?!) nochmals zwei beim Franzosen Pierre auf Pasaj Cap, einem idyllisch gelegenen Ferien-domizil mit einer atemberaubend steilen Zu-fahrtssteile Strassestrasse zu dem kleinen Ort San Marcos am See unten. Und hier treffen wir einmal mehr auf unsere Freunde Heike & Bernd, mit denen wir dann auch gemeinsam die mexikanische Grenze ansteuern.

Allein schon die letzten paar hundert Meter bis zur Grenze sind ein Abenteuer: in La Mesilla ist beidseits der Grenze Markttag und wir müssen mitten hindurch! Aber die Leute scheinen sich dies hier gewöhnt zu sein und ziehen unbesorgt die Kinder etwas zur Seite, rücken die Stände weg oder heben die Markisen in die Höhe, damit wir passieren können…

an der Grenze
Alles friedlich, bis wir schliesslich zum mexikanischen Zoll kommen, wo uns vom Banjercito-Office beschieden wird, dass sie unser Auto als „Camioneta“ klassifizieren wollen, da es für die von uns gewünschte Klassifizierung „Casa rodante“ (= Wohnwagen; nur mit dieser Klassifikation können wir das Auto bis zu 10 Jahre zollfrei in Mexiko stehen lassen) schlicht zu klein sei….! Oh je – dabei haben wir uns doch extra deswegen Mexiko als Einstellplatz für unseren Heimurlaub von 1-2 Jahren ausgesucht und sind hierher hochgedüst :-(
Und auch Heike&Bernd wollen ihr Auto mehrere Monate hier stehen lassen, also lassen wir erst mal alle die Köpfe hängen und beratschlagen uns. Gut, dass mir unsere Overlander Freunde in Antigua eingeschärft haben, wie wichtig diese erstmalige Klassifizierung sei, da sie später nicht mehr geändert werden könne. Also legen wir uns ins Zeug und bearbeiten die Beamten, Zöllner und Polizisten hier mit allen Mitteln (nur legale!), telefonieren schlussendlich sogar mit der obersten Stelle in Mexikocity und können sie nach 5 Stunden Diskussionen (mein Bärner Gring ischt schliesslich nicht von Plaschtik!) endlich überzeugen, dass unsere Autos doch das Prädikat „Casa rodante“ verdient haben…. uff! Inzwischen ist es wieder einmal dunkel geworden und statt an der hübschen Lagune verbringen wir die Nacht halt an der nächsten Tankstelle, wo wir erleichtert mit ein paar Bierchen auf unseren „Sieg“ anstossen.

SanCristobal
Durchs „Topes“(Geschwindigkeitsbrecher)-verseuchte Mexiko (wir wurden ja gewarnt…) fahren wir in die Berge hoch nach San Cristobal de las Casas, einer weiteren Kolonialstadt mit schönen Plätzen und vielen Kirchen. Überraschenderweise ist der Campingplatz voll von Overlander-Fahrzeugen – so viele haben wir in Südamerika wohl nur in Cusco gesehen…

vor der KircheDa wir uns hier auf fast 2500 m Höhe befinden, wird es abends empfindlich kühl und wir sind froh, am gemütlichen Kaminfeuer der Rancho San Nicolas plaudern zu dürfen. Am zweiten Abend kochen wir gemeinsam mit andern Schweizer Reisenden und feiern so spontan Kölbis Geburtstag. Er hat sich zur Feier des Tages einen Haarschnitt (zu Kosten von knapp 2 SFr!) gegönnt und ich mir (ums Mehrfache…) zwei Museums- und einen Souvenir-Markt-Besuch 😉 – aber wir werden ja bald schon nach Hause fliegen!

Die erste Fahretappe des nächsten Tages führt uns erst mal einfach nur runter: wir „vernichten“ innert kürzester Zeit über 1500 Höhenmeter und durchfahren so diverse Vegetationszonen. Am Nachmittag erreichen wir den Golf von Mexiko, und campieren am dschungelgesäumten Catemacosee, ein Kratersee vulkanischen Ursprungs. Die Gegend hier soll bekannter Versammlungsort der mexikanischen Heiler und Hexer sein, aber ausser vielleicht einem Halsabschneider kriegen wir keinen zu Gesicht…
Das Wetter spielt auch nicht so richtig mit, wegen extrem hoher Luftfeuchtigkeit ist es so diesig, dass wir kaum die andere Uferseite erkennen können. Eigentlich sollte die Regensaison ja erst Ende Mai beginnen, doch überall klagen die Leute, dass es dieses Jahr viel häufiger regne als normal – es sei wohl ein Niño-Jahr unterwegs. Das gleiche Bild zeigt sich deshalb auch nördlich der Hafenstadt Veracruz, an der Costa Esmeralda: auch sie ist nebelverhangen und abends setzt sogar leichter Nieselregen ein. Nicht wirklich tolles Strandwetter! Dabei werden wir vom hierher ausgewanderten Schweizer Martin in seinem Cocoloco-Camping wirklich herzlich empfangen und wir wären gerne noch ein wenig bei ihm geblieben. Aber Nebel werden wir in der Schweiz wohl noch genug haben 😉 und so nehmen wir unsere allerletzte Fahretappe in Angriff… zurück in die Berge hoch bis aufs mexikanische Zentralplateau auf über 2000m Höhe. Kurz nach Mittag sind wir bereits in Teotihuacan, wo wir uns auf dem nett geführten Campingplatz einmieten. Zu unserer Freude steht (neben vielen anderen Fahrzeugen) auch unser Neuenburger Verschiffungs-Freund Renaud mit seinem Sohn hier auf dem Platz und wir verbringen noch ein paar schöne Tage zusammen.

Pyramiden in Teotihuacan
Teotihuacan ist berühmt für seine präkolumbianischen Pyramidenanlage, einstmals Sitz eine der grössten Städte Mesoamerikas mit bis zu 200’000 Einwohnern. Woher ihre Erbauer kamen und wie sie ihr ungeheures astronomisches Wissen erworben haben, gibt auch heute noch Rätsel auf – sogar der ursprünglicheMondpyramide Namen dieser Stadt kennt man nicht. „Teotihuacan“ haben die Azteken die Ruinen genannt, die Stadt selber war da bereits in Schutt und Asche gelegen und von Vegetation überwuchert, und dies bedeutet: „wo die Menschen zu Göttern wurden“. Die ganze Tempel- und Pyramidenanlage ist entlang einer 3km langen Strasse exakt ausgerichtet worden und darüber hinaus wurden im proportional entsprechenden Abstand aller Planeten unseres Sonnensystems jeweils Tempel oder ihre Ruinen gefunden – obwohl Neptun und Pluto mit blossem Auge nicht erkennbar sind und letzterer von unserer „modernen“ Wissenschaft erst 1930 entdeckt wurde…
Auch hat man eine Kammer und ein Rohr gefunden, die komplett mit hitzebeständigem und elektroisolierendem Glimmergestein ausgekleidet worden sind – obwohl es in ganz Zentralamerika nirgends genug grosse Glimmervorkommen hat… exakte GeometrieVoll spannend und faszinierend diese Anlage hier, finde ich und freue mich schon darauf, zuhause meine von-Däniken-Büchersammlung auszugraben und nachzulesen 😉
Hier auf dem Campingplatz stehen auch etliche Langzeitreisende und wir werden mit vielen Infos versorgt, was das Einstellen des Autos betrifft – aber auch übers Verschiffen von Veracruz nach Europa – und für eine kurze Zeit spielen wir auch mit diesem Gedanken. Aber angesichts der Kosten entscheiden wir uns doch fürs Einstellen und wegen der netten Besitzerin auch gleich für diesen Platz hier. Fast eine Woche verbringen wir mit dem Absatteln der Kabine zwecks kleinerer Reparaturen und einer gründlichen Reinigung innen und aussen – schliesslich hoffen wir unseren Cruisie nach 1-2 Jahren unversehrt und Nagetierfrei (!) wieder anzutreffen… Dazwischen bleibt aber genügend Zeit für einen Besuch von Mexikocity, das von hier aus bequem mit Bus und Metro erreichbar ist und dem netten Zusammensitzen mit Reisenden aus aller Welt.

Schlussbild

So, und das war es nun von mir und meinem Reiseblog für die nächsten 1-2 Jahre (geschätzt!). Wir kehren an Ostern 2015 heim in die Schweiz um mein Fussgelenk behandeln zu lassen und werden erst wieder zurückkehren, wenn ich wieder schmerzfrei gehen kann. Kölbi wird sein Dachdeckergeschäft wieder aufstarten – aber allem voran freuen wir uns aufs Wiedersehen und das Zusammensein mit unseren Familien und Freunden. Und natürlich sind Gäste und Reisende bei uns immer willkommen!

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Panamericana: Chile – Kolumbien (5.12.14 – 3.2.2015)

Passo SicoAn der Grenze nach Chile werden wir von zweierlei überrascht: eine grosse Baustelle kündigt von der baldigen Asphaltstrasse durch diese wunderschöne, einsame Gegend und neuerdings gibt es die Frucht- und Gemüsekontrolle bereits hier oben und nicht erst in San Pedro wie noch letztes Jahr… was mich ein paar Zwiebeln und Tomaten kostet – aber ansonsten habe ich nun Übung im Umgang mit diesen Beamten und weiss, wie ich sie von all dem anderen „Verbotenen“ ablenken kann 😉

Wir fahren an all den grandiosen Lagunen vorbei, bis wir den windgeschützten Berg unter 3’000m Höhe erreichen, wo wir schon im Jahr zuvor gecampt haben. Kölbi leidet immer mehr unter den Höhensymptomen und ist froh, die Anden nun endlich für eine Weile hinter sich zu haben! Pucara San Pedro de Atacama

In San Pedro fahren wir nach der Passkontrolle zuerst zum Schweizer Martin, um zu sehen wie es ihm geht. Er hat bereits Besuch von Freunden und spontan laden sie uns zu einer Grillade ein.

Wir verbringen vier schöne Tage in diesem zur jetzigen Hochsaison völlig überlaufenen Touristenort, besuchen die alte Indio-Festung und das Valle de Luna. Die meiste Zeit aber verbringen wir mit Martin und seinem Sohn Diego, die beide nächstes Jahr in die Schweiz zurückkehren wollen, damit Diego seinen Schulabschluss und evt eine Lehre Valle de Lunadort machen kann. Bildung ist überall auf der Welt ein wertvolles Gut und wir Schweizer können stolz sein auf unser System. Auf alle Fälle drücken wir den beiden die Daumen für ein gutes Einleben in Solothurn und hoffen auf ein Wiedersehen bei uns zuhause!

Die nächsten zwei Wochen unserer Reise sind schnell erzählt: da wir möglichst rasch nach Kolumbien hoch möchten, Peru und Ecuador bereits beim Runterfahren vor gut einem Jahr intensiv besucht haben, fahren wir alles der Küste entlang die Panamericana hoch mit wenigen Abstechern zu Sehenswürdigkeiten entlang dieser Route.

 Chuquicamata
Die erste ist die Chuquicamata-Mine bei Calama, die grösste Tagbau-Kupfermine der Welt, die wir auf einer kostenlosen Bustour besichtigen dürfen. Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch: das gegrabene Loch ist fast 5 Kilometer lang und 3 km breit und hat inzwischen eine Tiefe von 1000 Metern erreicht! Es soll noch etwa  Minenfahrzeuge2 Jahre im Tagbau weiter-gegraben werden, danach werden weitere Kupfervorkommen in bis zu nochmals 1000 Meter Tiefe im Bergbau abgebaut werden… was auch der Umwelt zugute käme, da die schädliche Staubbelastung hier in der trockenen Wüste extrem hoch ist. Die frühere Arbeitersiedlung ist bereits geschlossen worden und wir dürfen  Geisterstadtsie nun als Geisterstadt besichtigen. Auch der hohe (Grund-) Wasserverbrauch ist in dieser Gegend natürlich problematisch und deshalb hat die Regierung die Minenbetreiber nun verpflichtet das Wasser aus dem 150km entfernten Pazifik hochzupumpen.

7 Küste
Dieser Rohrleitung folgen wir nach unserer Besichtigungstour teilweise auf der schnurgeraden Fahrt zur Panamericana runter, die entlang der Küste führt. Die Landschaft ist äusserst karg und wenig einladend zum Wohnen und trotzdem leben etliche Familien hier, die meist vom Ernten von Meeres-Algen (Kelp) leben. Sie werden getrocknet und in grossen Ballen u.a. zur Seifenherstellung Algenernte an die chemische Industrie verkauft, erklärt uns einer dieser Arbeiter. Wahrlich ein harter Job, bei diesen eiskalten(!) Wassertemperaturen die schweren Algenpflanzen von Hand an Land zu ziehen… Iquique

Iquique ist eine moderne Hochhaus-Stadt am Pazifik, von wo aus sich die Panamericana dann durchs Landesinnere zieht und nach zwei Tagen und einem problemlosen Grenzübertritt nach Peru Arequipaerreichen wir schliesslich die auf 2300m Höhe gelegene alte Kolonialstadt Arequipa.

Eine eindrückliche Kathedrale dominiert die schöne Plaza, die wirkliche Sehenswürdigkeit aber ist das Santa Catalina Kloster, ein  Santa Catalinaehemaliges Nonnenkloster für reiche Damen, das sich abge-schirmt durch hohe Mauern inmitten der Stadt immer weiter ausdehnte, bis es ganze Stadtquartiere „verschluckte“. Jede Nonne hatte ihr  Klosterwohnungeigenes Wohnhaus mit mehreren Bediensteten und eigenem „Geschäft“, wo Backwaren, Stickereien und anderes Kunsthandwerk produziert wurden. Mangels Neueintritte wurde das  BackstubeKloster in den siebziger Jahren geschlossen und zu einem eindrücklichen Museum umfunktioniert.

 Colca CanyonZwischen den imposanten Vulkanen Misti (5822) und Chachani (6057m)  Felderdurch windet sich die Strasse zum Colca-Canyon, einer der tiefsten Schluchten Amerikas. Wir verbringen die Nacht am  KondorKondor-Aussichtspunkt und haben das Glück diese  Cruz del CondorRiesenvögel bei einem ihrer Ausflüge nachmittags aus der Nähe beobachten zu können – normalerweise sieht man sie eher morgens, doch dieses Mal haben all die extra hergefahrenen Touristen Pech, denn am folgenden Morgen erspähen wir sie nur noch von Weitem…

 Reifenflicker

Über eine extrem steinige, holprige Piste verlassen wir das Tal wieder und fahren zurück zur Panamericana, die sich wieder der Küste zuwendet. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir uns irgendwie einen Vierfach-Platten ein, den wir nur mit Hilfe eines Reifenflickers und einem Schlauch beheben können. Ziemlich müde und genervt finden wir dann doch noch einen hübschen Platz auf den Dünen am Pazifik. Panamericana Trucks
 PanamericanaDie folgenden Tage fahren wir der depressiven Küste entlang, oft ist sie nebelverhangen, grau und öd (obwohl dies die „Sommermonate“ sein sollen…!) und die Menschen hier leben in primitiven Hütten voller Staub und mitten im Müll. Der einzige Lichtblick sind jeweils nur grössere Flussmündungen, wo das Land bewässert werden kann und die Täler knallgrün mit ihren Reisfeldern leuchten.

 Reisfelder

Wir übernachten im Moloch Lima mit seinem Verkehrschaos und besuchen auf dem Weg nach Norden das eindrückliche „Señor de Sipan“-Museum, in dem die Ausgrabungen und Fundstücke eines Mocha-Herrschers (100-700 nChr) gezeigt werden. Was für ein Prunk in dieser sonst so trostlosen Umgebung!

Schliesslich erreichen wir den nördlichsten Küstenzipfel Perus, wo wir ein paar Tage Pause am Strand einlegen. Via Internet haben wir Kontakt mit unseren Reisefreunden Susann&Claudio aufgenommen, um uns mit ihnen an Weihnachten in Ecuador zu treffen. So fahren wir am Morgen des 24. Dezembers gut gelaunt zur ecuadorianischen Grenze – nicht wissend, dass wir sie erst 8 ½ Stunden später wieder verlassen werden…

Was ist passiert? Beim Registrieren unseres Autos bemerkt der Zöllner, dass unser Fahrzeug seit Juni letzten Jahres im Computersystem als im Lande befindlich aufgeführt sei, was dann summasummarum in einer Busse wegen Überziehens der Aufenthaltsdauer so etwa 40’000 US$ Busse mache… :-( Zuerst lachen wir ja noch darüber, für uns ist der Irrtum offensichtlich – doch unser Zöllner hier stellt auf stur, da könne man nichts machen! Offenbar ist unser Auto bei der letztjährigen Ausreise im kleinen Grenzort „La Balsa“ mangels Computer dort nicht aus dem System genommen worden und obwohl ich mit Hilfe des peruanischen Zoll-Computers (glücklicherweise liegen diese Gebäude hier nicht weit entfernt!) beweisen kann, dass wir an besagtem Datum ausgereist sind, braucht es doch etliche Stunden, viele Telefonate, noch mehr Nerven und die Hilfe des Zollchefs, bis wir gegen Abend endlich zu einem weiter weg gelegenen Zolloffice begleitet werden und unsere Einreisepapiere erstellen können. Dass all dies ausgerechnet an Heiligabend so kurz vor den Feiertagen stattfindet, scheint das ganze Prozedere erst noch zu erschweren, da viele Vorgesetzte bereits nicht mehr erreichbar sind. Am Witzigsten finden wir ja die Frage nach dem Aussehen und der Farbe der Uniform des Zöllners, dem wir die Papiere bei der Ausreise vor eineinhalb Jahren gegeben hätten…?!! Wahrscheinlich werden wir in Zukunft eine fotografische Zöllner-Kartei erstellen müssen…!

 Marcel in Baños
Mit einem kleinen Riss in unserem bisher so positiven Bild von Ecuador fahren wir am nächsten Morgen (wir haben dann gleich auf dem Zollparkplatz geschlafen) die wunderschöne Bergstrecke nach Baños hoch. Und feiern das Wiedersehen mit Susann&Claudio umso mehr… Auch unseren kanadisch-schweizerischen Freund Marcel besuchen wir, der hierher ausgewandert ist, weil ihm in Kanada die Winter zu lang und kalt wurden.
 mit Susann&Claudio auf BootstourMit Susann&Claudio fahren wir über Mishuahalli, wo wir eine Bootstour machen und den Thermen von Papallacta bis nach Otavalo, wo wir gemeinsam ins Neue Jahr starten. Es ist schön mit guten Freunden unterwegs zu sein und wir geniessen die gemeinsame Zeit sehr. Sylvestermenu

Doch dann heisst es Abschied nehmen  Sylvesterwein...und nach einem gemütlichen Neujahrstag im Sommerwind-Camp bei Ibarra reisen wir nach Kolumbien ein. Zusammen mit Hunderten von Ecuadorianern, die alle die Feiertage nutzen um ins Nachbarland zu reisen… aber nach 5 Stunden Stau und Schlangestehen ist auch dies geschafft und wir sind zurück im Land mit den freundlichsten Bewohnern Südamerikas!Stau an der Grenze
Die grenznahe Stadt Pasto rüstet sich für den morgen beginnenden landesweit berühmten Karneval, aber wir verzichten auf noch mehr Menschenmassen und fahren weiter zum Hostal Kundur in Chachagui, einem Tipp von Hans, dem Besitzer vom Sommerwind-Camp, der an diesem Abend auch zu einem Besuch da sein will. Gemeinsam stellen wir dann schnell mal fest, dass dieses Hostal für grössere Overlander-Fahrzeuge nicht so geeignet ist: enge Zufahrtsgassen und ein Tor, unter dessen Dach wir nicht durchpassen… aber Ersatz ist schnell gefunden: etwas weiter unten dürfen wir im Garten des  Panamericana durch die CanyonsKirchgemeindezentrums parken – mit toller Aussicht über einen tiefen Canyon!

Die Landschaft hier ist geprägt von zerklüfteten Bergen mit tief ein-geschnittenen Tälern, die Streckenführung der Panamericana ist wirklich spektakulär. Wir besuchen die „weisse Stadt“ Popayan und die Thermen im Hinterland.Popayan Der Großstadt Cali können wir nichts abgewinnen, dafür gefällt es uns am nahen Calima-Stausee umso besser. Die sattgrüne, hügelige Gegend erinnert uns an die Schweiz, – nur dass die Badetemperaturen hier viel angenehmer sind…Calima Stausee

 bei SalentoIn Salento, mitten in der Kaffeeregion Kolumbiens gelegen, Salento verbringen Corcora-Tal wir ein paar gemütliche Tage, unter an-derem auch mit einer kurzen Wan-derung im hüb-schen, auf Wanderungwegen der Festtage aber ziemlich überlau-fenen Corcora-Tal mit seinen vielen  Filandiahochgeschossenen Wachs-Palmen und einem Besuch des Bergortes Filandia.

Wachspalmen auch Kolumbien trinkt Bier

Diese Gegend hier gefällt uns sehr gut; man merkt, dass es den Menschen hier wirtschaftlich besser geht als in anderen Landesteilen, die Häuser und Strassen wirken gepflegt und aufgeräumt.

 Berglandschaft
Auf der Weiterfahrt Richtung Medellin wagen wir uns an eine „Abkürzung“, die uns über eine sehr steile, enge Strasse in die Berge nach Abejorral führt. enge Bergstrasse Wir glauben uns als einzige auf dieser wirklich schmalen, schlech-ten Strasse un-terwegs – doch nein: wir müssen auch noch mit einem Viehlaster kreuzen!

 ReittrekkingWeiter oben treffen wir auf eine Gruppe von sechzig(!) Reitern, die das verlängerte Wochenende für  Columbianos..diesen mehrtägigen Reitausflug nutzen. Sie sind alle gut drauf – wohl auch dank den vielen kreisenden  FahrzeugtauschAguardiente Fahrzeugbesichtigung(Zuckerrohrschnaps) Flaschen – und laden uns ein mitzureiten… wir aber fühlen uns in unserem motorisierten Gefährt doch sicherer und verzichten dankend auf ihr Angebot 😉

 Richtung Abejorral
Abejorral ist eine abgelegene Kleinstadt mit einer erstaunlich Weihnachtsdeko Abejorralaufwendigen Weihnachtsdekoration an der Plaza, wo wir aber über Nacht nicht parkieren dürfen. Der Wirt einer Bar gibt uns einen Tipp, wo wir am Ende einer Strasse hoch über der Stadt ruhig stehen können und kaum dort angekommen, stattet uns die Polizei einen Besuch ab und verspricht unser Auto die Nacht durch im Auge zu behalten, so dass wir sicher schlafen könnten…

 Guatepe
So fahren wir am nächsten Tag frisch ausgeruht nach Guatepé und weiter nach San Andres, wo es entlang eines klaren Flusses mehrere Campingplätze hat. Irgendwie erscheint uns die Gegend extrem stark besucht zu sein – wir finden erst im Laufe der folgenden Tage heraus, dass kolumbianisches Camping... mit diesem verlängerten Wochenende der Höhepunkt und Abschluss der Ferienzeit da ist und wirklich fast jeder Kolumbianer unterwegs ist… so sind wir innert kurzer Zeit umzingelt von Zelten und können teilhaben an einer typisch kolumbianischen Fiesta! Die Leute sind alle unheimlich nett und wir werden zum Essen und Mitfeiern eingeladen. Nicht nur der Alkohol fliesst in Strömen, es sind auch diverse andere Rauschmittel im Spiel – schliesslich sind wir hier in Kolumbien 😉 doch alle bleiben friedlich und kein einziger verhält sich aggressiv! Nur die Musik-Lautstärke sprengt alle Grenzen und an Schlaf ist bis in die  Lagerfeuerfrühen Morgenstunden nicht zu denken.
Den zweiten Abend verbringen wir im nahen Ort an der örtlichen Missenwahl, wiederum ein ohrenbetäubendes Spektakel, das wir glücklicherweise dank einsetzendem Regen und total betrunkenen Begleitern frühzeitig abbrechen können… auch auf dem Campingplatz hat der Regen für wohltuende Ruhe gesorgt, so dass wir am nächsten Morgen halbwegs ausgeschlafen durch ein verlassenes Medellin nach Santa Fé de Antioquia fahren können. Unterwegs halten wir an einem Restaurant für eine der feinen Fisch-Suppen, die eine vollständige Mahlzeit abgeben. Mittagessen spendiert!Als wir an der Kasse bezahlen wollen, erklärt uns der Wirt spontan als eingeladen: ihm gefällt unser Auto und dass wir schon so viele Länder dieser Welt besucht haben…! Wie gesagt: die Kolumbianer sind die nettesten und aufgeschlossensten Leute auf diesem Kontinent!

 Hängebrücke am CaucaIm Kolonialstädtchen Santa Fé können  moderne Gauchos in Santa Féwir uns bereits ein erstes Mal an die Hitze gewöhnen, da es auf nur 500m Höhe liegt. Alleine schon die Besichtigung der fast 300m langen Hängebrücke über den Cauca-Fluss lässt uns in Schweiss ausbrechen – rein klimatisch bedingt!

 Lastenschlepper

Die Panamericana klettert danach ein letztes Mal über die Berge, auf 2500m ist es wieder angenehm frisch, bevor sie sich kurvig der Karibikküste nähert. In dieser Gegend leben noch etliche indigene Stämme in selbstverwalteten Reservaten, entlang der Karibikküste aber auch viele afrikanisch-stämmige Menschen, Nachfahren des kolonialen Sklavenhandels.

Via Turbo verlassen wir die Panamericana, die dereinst über das Darien-Gap führen wird, der Land-Verbindung zwischen Nord- und Südamerika. Zur Zeit existiert diese Strasse jedoch (wohl auch aus politischen Gründen) noch nicht und deshalb spekulieren wir auf die erst kürzlich etablierte XPress-Fähre von Cartagena, Kolumbien nach Colon in Panama. Leider haben wir übers Internet erfahren, dass die Fähre momentan aber ausser Motorrädern keine Fahrzeuge transportiert, da ein geeignetes Auffahr-Dock in Colon erst noch gebaut werden müsse… also bliebe uns nur das traditionelle Verschiffen mit Container oder RoRo, was wiederum viel komplizierter, aufwändiger und extrem viel teurer wäre, nebst dem zusätzlichen Zeitverlust und den uns inzwischen zur Genüge bekannten Unwägbarkeiten im internationalen Schiffsgüterverkehr!
Aber wir wären nicht in Südamerika – wo auch Unmögliches manchmal möglich wird – wenn nicht ab und zu manchmal doch Autos transportiert wurden… es weiss nur nie keiner wann und warum es dann doch möglich ist! Also verfolgen wir die News seit längerem im Internet und hoffen auf ein günstiges Omen – und verlangsamen unsere Reisegeschwindigkeit, je näher wir an Cartagena kommen 😉

 Schlammbad
So tuckern wir gemütlich der Küste entlang, Schlammfiguren besuchen einen Schlammvulkan bei Arboletes (komisches Gefühl!) und sind auf der Suche nach einem schönen karibischen Strand. Wir finden ihn schliesslich an der Playa Blanca bei San Antero. Wir können direkt auf einem ruhigen Strandabschnitt parken, halten täglich einen Schwatz mit den Strandverkäufern und geniessen das schön warme, klare Wasser zum Baden. Innert kurzer Zeit fühlen wir uns ganz heimisch hier und sogar die andernorts meist laute Samstagnacht lässt uns ruhig schlafen… Playa Blanca
Aber wir können ja nicht ewig hier bleiben, sonst wird das nie vorwärtsgehen mit der Verschifferei. So buchen wir in Tolu zum Abschluss noch einen Boots-Ausflug zu den San Bernardo Islas San Bernardo Inseln, die wirkliches Karibik-Feeling aufkommen lassen mit ihrem kristallklaren Wasser und den weissen Stränden. Faszinierend finde ich die von Häusern fast überquellende Hauptinsel, wo die meisten Inselbewohner auf engstem Raum leben. Ihre Lebensgrundlage ist die Fischerei und heutzutage vor allem der Tourismus.  Wohninsel San BernardoBeim Schnorcheln entdecke ich die Artenvielfalt der Fische am umliegenden Riff, das leider infolge gestiegener Wassertemperaturen grösstenteils bereits abgestorben ist.

Am nächsten Morgen machen wir uns dann endgültig auf nach Cartagena, lassen unterwegs noch das Salz vom Autoboden waschen und quartieren uns danach auf dem Parkplatz des Hotels Bellavista gegenüber vom Meer ein. Das beschert uns zwar eine angenehme Brise, aber auch einen Haufen Sand und Salzluft in unser frisch geputztes Auto :-( Aber da wissen wir ja noch nicht, dass wir schlussendlich zwei volle Wochen hier stehen werden…

 Cartagena
Wir empfinden Cartagenas Klima um einiges angenehmer als bei unserem letzten Besuch, mit viel weniger Luftfeuchtigkeit ist die Hitze doch besser zu ertragen. Im Bellavista stehen etliche Overlander, mit denen wir uns gerne zusammentun, da fast alle das gleiche Ziel haben: Panama. Und mit unseren Klappfahrrädern lässt sich die wunderschöne Stadt gut und schnell erkunden, vor allem da wir auch mal gegen die Einbahn radeln können 😉

 Playa BlancaNach fünf Tagen ergebnislosem Fähre-Recherchierens gönnen wir uns eine kurze Auszeit an der Playa Blanca auf der nahen Halbinsel Baru. Das Wasser dort ist wunderschön und klar, auch Schnorcheln ist toll (ich entdecke sogar Muränen und einen Steinfisch!), aber sobald man sich vom schneeweissen Strand Richtung Auto-parkplatz bewegt, muss man an einer fürchterlich stinkenden Lagune und allem Müll vorbei – mir vergeht bei diesem Anblick jeweils jegliche Ferienstimmung…
So sind wir schnell wieder zurück in Cartagena, besprechen die Lage mit unseren Verschiffungs- Leidensgenossen und beschliessen gemeinsam die Containerverschiffung zu organisieren. Die Agentur „Enlace Caribe“ hat uns das grosszügige Angebot gemacht, dass sie uns den Container reservieren werden, sobald aber die Fähre doch noch fährt, wir alles annullieren dürfen.
So starten wir den ganzen Papierkram, erkundigen uns über mögliche Arten wie wir selber die Zeit bis zur Ankunft des Containers in Panama (5Tage) sinnvoll nutzen – und dorthin gelangen – können, bis plötzlich Alfred und Marion, zwei deutsche „Mit-Verschiffer“, mit der Neuigkeit ins Bellavista kommen, dass wir Fähr-Tickets kaufen könnten! Also raffen wir unsere Dokumente zusammen und radeln zu viert schnellstens in diese Agentur. Wir können unser Glück kaum glauben und fragen die nette Señorita mehrmals nach dem Grund… sie aber weiss von nichts und ist selber begeistert, denn dies seien ihre ersten Fahrzeugtickets, die sie verkaufe… das kommt uns nun doch sehr spanisch vor… doch sie fragt telefonisch noch mal bei ihrem Chef nach und kriegt ein ok… also kaufen, solange es diese Tickets gibt!
Wie sich am nächsten Tag herausstellt, war es gar nicht ok die Tickets zu verkaufen, die Señorita ist nicht mehr so happy wie tags zuvor, denn nun hat sie einen Rüffel von ganz oben gekriegt – aber oh Wunder: sie werden „ausnahmsweise“ Fahrzeuge auf die Fähre lassen – aber nur nächsten Dienstag! Wir trauen dieser Sache noch nicht so ganz, doch in den letzten Tagen verdichten sich die Anzeichen immer mehr, dass es tatsächlich klappen könnte mit unserer Fährüberfahrt… Auf alle Fälle haben wir die erforderlichen Papiere abgestempelt und warten nun gespannt, wie das morgen ablaufen wird am Hafen mit der XPressFerry!

 Sonnenuntergang

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Argentinien (8.11. – 5.12.2014)

 grün und flach- Entre RiosNach einem kurzen Stopp in der nächstgelegenen Stadt (Concordia) zum Geldwechseln nehmen wir die einförmige Strecke quer durch die argentinische Ebene des „Zweistromlandes“ Entre Rios in Angriff. Wir schaffen es, sogar ohne eine der berühmt-berüchtigten Polizeikontrollen passieren zu müssen, am Abend in Santa Fé anzukommen. Dort geniessen wir ein erfrischendes Bad im breiten am Rio ParanaRio Parana und beschliessen, gleich hier am Flussstrand gegenüber der Stadt stehen zu bleiben. Dummerweise ist grad Wochenende und viele junge Leute hier scheinen nichts Spannenderes zu kennen als den Abend mit brummenden Motoren und laut aufgedrehter Musik durch die Strassen zu kurven… Schlaf gibt’s erst in den frühen Morgenstunden 😉
Nach einem weiteren Fahrtag durch immense Felder sichten wir in der Ferne die ersten Hügel der Sierras de Cordoba… welch Erlösung für uns „Bergler“, die sich in den schier endlosen Ebenen immer ein wenig verloren fühlen! Über eine kurvenreiche Strecke fahren wir nach Carlos Paz und quartieren uns in der Hoffnung auf eine erholsame Nacht in einem grosszügigen Campingplatz gleich am Stausee ein… – doch weit gefehlt: wir haben übersehen, dass sich das kleine Strässchen zwischen See und Campingplatz am Abend in die hiesige Flanier- und Autopromenade verwandelt mit brummenden Motoren und laut aufgedrehter Musik… Für unsere müden Nerven eine arge Tortur, vor allem als ein Kathedrale von Cordobaparkiertes Auto (wohl unbewusst) seinen Lautstärker auch noch gleich in unserer Richtung über Stunden voll aufdreht! Wummm Wummm Wummm Tuff Tuff Tuff… – wir fühlen uns älter als gedacht… 😉
Am nächsten Morgen statten wir der grosszügig angelegten Universitäts- und Klosterstadt Cordoba einen Besuch ab. Als wir uns im Zentrum nach einem Parkplatz erkundigen, meint der gefragte Polizist nur, heute dürften wir überall parken, da die Strafzettelverteilenden Ordnungshüter gerade am streiken seien… Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und parken direkt an der Plaza unter einem Parkverbotsschild!
Nachmittags fahren wir ins südlich gelegene Villa Belgrano, wo wir uns bei Bettina&Ralf,- endlich a gscheite Brotzeit! zwei ausgewanderten Hamburgern, in deren Campingplatz „La Florida“ einquartieren. Diese Gegend ist bekannt für die vielen deutsch- und schweizstämmigen Auswanderer, die hier leben, die auch solche Fahrzeuge gibts!Häuser sind mit Geranien geschmückt und überall treffen wir auf deutsch klingende Namen, gute Hausmannskost und selbstgebrautes Bier. Auf dem Camping steht auch ein himmelblauer Duro mit Schweizer Kennzeichen – er gehört einem netten Paar aus Hongkong mit englischen Wurzeln und einer Schweizer Ferienwohnung in Grächen… sie sind beide weit gereist und wir verstehen uns auf Anhieb super miteinander. So vergehen die nächsten beiden Tage wie im Fluge, erst nach ihrer Abreise erkunden wir die nähere Umgebung.fast wie in der Schweiz

 Häuser wie daheim! auch die Anschriften...In Cumbrecita fühlen wir uns in einen Schweizer Bergort versetzt und im nördlich gelegenen Stausee geniessen wir ein erfrischendes Bad. Und bei Bettina & Ralf noch ein richtig feines argentinisches Asado – mit deutscher Sorgfalt zubereitet, das unsere Mägen für mindestens zwei Tage füllt…! bei Bettina&Ralfmmmhh fein!

Danach verabschieden wir uns von diesen netten Gastgebern und fahren in die Bergwelt der Sierras.

 in den Bergen CordobasEine längere Wanderung zu einem Kondoren-Aussichtspunkt müssen schöner Campingplatz wir wegen meines Fusses leider ab-brechen, doch dafür entschädigt uns die alte Pass-Strecke mit tollen Fels-formationen und einem aussichtsreichen, wenn auch windigen Übernachtungsplatz. toller Platz am Fluss
Und am nächsten Tag entdecken wir ein wunderbares Plätzchen an einem Fluss, wo wir baden können…Heiligenverehrung überall

Danach ist es leider wieder vorbei mit dem schönen und warmen Wetter und so fahren wir weiter in die nördlichen Sierras nach La Cumbre, wo der Argentinien-Schweizer Gleitschirm-Weltmeister Andy Hediger sein Flugcenter hat. Leider ist er nicht da, so dass nichts wird  Gesteinsformationen bei Cumbreaus Kölbis langgehegtem Wunsch vom Ultraleichtfliegen…
Durch einsame Berglandschaften fahren wir von nahem weiter nordwärts, die Berge flachen langsam ab bis wir schliesslich den immensen Salzsee Salinas Grande erreichen. Da es auch hier vor Kurzem geregnet hat, empfiehlt sich aber dessen Befahren wegen der Gefahr des Steckenbleibens im Salzmatsch grad gar nicht…Salinas Grandes

also fahren wir nochmals weiter und kommen über eine toll ausgebaute Pass-Strasse wieder in die Berge und in die Region von Catamarca. Oben an der Tal-Abbruchkante finden wir einen windgeschützten Übernachtungsplatz – leider ist die Sicht zu diesig für wirklich tolle Fotos.hoch über Catamarca

Der nächste Morgen gehört ganz der Abfahrt des spektakulären Bergpasses der „Cuesta del Portozuelo“. Nach einem kurzen Einkauf in der Stadt geht’s weiter nordwärts wieder ein schönes Tal hinauf.Cuesta del Portozuelo

Wir erreichen nun langsam den Nordwesten Argentiniens – meist trockene, gebirgige Andenlandschaft – einzig unterbrochen von den Flussläufen, deren Wasser mit Hilfe von Bewässerungskanälen grüne Oasen schafft. Für uns eine der allerschönsten – manchmal aber auch einsamsten – Gegenden Argentiniens…!
erste Andenriesen

Cuesta de ChilcaEin weiterer spektakulärer Passübergang ist die Cuesta de las Chilcas: eine fast senkrechte Steilwand hinunter schlängelt sich das Schottersträsschen nach Andalgala runter und nordwärts fast ebenso atemberaubend die Chuyo-Berge wieder hoch. Kaktusblüten

Cuesta de ChuyoNochmals finden wir einen traumhaften Aussichtsplatz zum Übernachten. Abendstimmung

Den Besuch der Mine Capillas schenken wir uns, dafür entdeckt Kölbi einen kleinen Schotterweg, der hoch bis zu Funkmasten auf über 4’000müMeer führt… hier sind auch wieder Vikuñas Vikuna zuhause – die Urform der Alpakas und wegen ihres seidenen Fells jahrhundertelang gesucht und bejagt, heute aber geschützt. Ein Kilo ihrer Wolle soll bis zu 500 US$ kosten!ganz oben

An diesem Abend erreichen wir (nach vielen mühseligen Holperkilometern) endlich Cafayate, wo wir mit einem feinen Glas Wein an der Plaza auf die letzten Tage anstossen. Leider ist unser Lieblingscampingplatz noch geschlossen, so wie auch das öffentliche Schwimmbad nebenan – die Saison fängt erst um die Weihnachtszeit an.

 Quebrada de FlechasWir überdenken unsere Reisepläne neu, machen uns bereits nach zwei Tagen auf Richtung Cachi. Wir sind fasziniert von der beeindruckenden Flecha-Schlucht und legen spontan eine Nacht in den Gesteinsformationen ein. Ich wandere ein wenig durch das Schluchtensystem – jetzt wüstenähnlich trocken, ist es doch offensichtlich durch  la puertaWassererosion geformt worden! Wehe, wenn es hier einmal regnet, da muss der Himmel wohl seine Schleusen öffnen als ob der Weltuntergang nahe wäre…
Am Lagerfeuer diskutieren wir wieder einmal unsere Reise und die Situation mit meinem Fuss – und beschliessen eine komplette Neuausrichtung: wir werden nicht wie geplant im März nach Uruguay (und für ein halbes Jahr in die Schweiz) zurückkehren, sondern direkt bis nach Mexiko hochfahren, denn dort dürfen Wohnmobile bis zu 10 Jahre im Land bleiben ohne Importsteuern zu bezahlen (eine seltene Ausnahmeregelung auf dieser Welt). Das eröffnet Cachiuns die Möglichkeit für so lange in die Schweiz zurück zu kehren bis mein Fuss so weit hergerichtet ist, dass ich auch wieder Wanderungen ohne Schmerzen unternehmen kann – hoffentlich!
In Cachi treffen wir auf dem Campingplatz eine nette Schweizer Familie, mit denen wir eine gute Zeit verbringen. Wir besuchen das hübsche Städtchen und ich mache auch einen Ausflug zu einem kleinen Freilicht-Ethno-Museum,die Schule wo Gebäude aus unterschiedlichen Zeiten und von unterschiedlichen Bevölkerungen zu besichtigen sind. Obwohl es zur Zeit geschlossen sein soll, ist es frei zugänglich und sehr liebevoll mit vielen Antiquitäten eingerichtet. im Freilicht-Museum

Über den Obispo-Pass, diesmal bei strahlendem Sonnenschein (nachdem wir bei unserem letzten Besuch hier durch dicksten Nebel gefahren sind) verlassen wir die Berge und wollen in Salta unseren Reisefreunden Regine&Walter einen Besuch abstatten. Dort im öffentlichen Schwimmbad, das zugleich als Campingplatz fungiert, treffen wir gleich auf mehrere Overlander und verbringen einen gemütlichen Grillabend. Weg zurück nach CafayateDie Stadt Salta gefällt uns immer noch nicht besonders und so machen wir uns schon am nächsten Tag wieder auf zurück nach Cafayate – mit Aussicht auf die schöne Fahrstrecke fällt uns der Abschied auch nicht allzu schwer…

bei Hualfin
In Cafayate stocken wir unsere Vorräte noch einmal auf und verlassen das Städtchen nach wenigen Tagen Richtung Antofagasta. Wir haben bereits viele Reisende von dieser Andengegend schwärmen gehört, es soll eine Fortsetzung der bolivianischen Lagunenroute sein – und wir werden nicht enttäuscht! Blick nach VilaVil

Den ersten Abend verbringen wir einsam bei der heissen Thermalquelle bei VilaVil mit schöner Sicht aufs Tal.Sanddünen am Weg Danach schraubt sich die Strasse durch imposante Felsen und durch Sanddünen (!) immer weiter in die Höhe, bis wir schon bald auf Vikuñas treffen, denen hier oben ein Schutzgebiet errichtet wurde.

 Salargebiet mit VikuñasWeite Täler und Ebenen tauchen auf, umringt von schneebedeckten Andenbergen, in den Senken schimmern Salzseen… die dünne Höhenluft lässt alles flimmern und schimmern, die Farben sind intensiv und der Himmel scheint weit weg zu sein. Piedra Gomez
Wir nehmen den steinigen Holperweg nach Piedra Gomez, Felsformationenvorbei an einem schwarzen Vulkankegel erreichen wir nach fast einer Stunde dieses Bimssteingebiet, das uns weiss blendet. Hier ist der Wind für die Erosionsspuren verantwortlich und wir wandern fasziniert in dieser menschen- und tierverlassenen Gegend zwischen riesigen Felsformationen herum. Kölbi meint trocken: „so könnten mir weisse Weihnachten gefallen…“ 😉
 VulkankegelAn imposanten Vulkankegeln und erstarrten Lavaströmen vorbei schlängelt sich die Strasse. Kurz vor dem Ort Antofagasta de la Sierra halten wir an einer tiefblauen Lagune – ein perfekter Lagerplatz!Lagune vor Antofagasta

Alpacas grasen, Wildenten schwimmen im Wasser, in der Ferne erspähen wir ein paar Flamingos – es könnte schöner nicht sein!

 AndenfuchsNur wenige Gehminuten entfernt erstreckt sich ein gewaltiger Lavastrom aus erstarrtem schwarzem Gestein. Beim genaueren Erkunden entdecke ich, dass sich darin die Überreste einer alten Indigena-Festung befinden. Fasziniert wandere ich umher und mache immer Pucara-Ruinenmehr interessante Mauern und Hüttenruinen, Plätze und Wege aus. Sogar ein scheuer Andenfuchs kreuzt meinen Weg in diesem einst sicherlich vielen Menschen Zuflucht gewährendem Ort. Der wie üblich in den Anden abends auffrischende Wind lässt diesen ereignisreichen Tag ausklingen und uns früh in unser „Häuschen“ gehen, kaum dass die letzten Sonnenstrahlen verschwunden sind.

HöhentälerKaum haben wir den hübschen Ort Antofagasta verlassen, schlängelt sich die Strasse durch ein vom Fluss bewässertes grünes Tal mit vereinzelten Höfen, bis wir über einen Pass die menschenleere, wüstenähnliche Hochebene erreichen, umgeben von kargen Hügelzügen und mit weissglitzernden Salaren (ausgetrockneten Salzseen) durchzogen. karges Leben

Salar del hombre muertoGoldmine IncahuasiEine kleine unscheinbare Abzweigung führt uns zu einer alten Inka-Goldmine am Rand eines riesigen Salars, die auch von den spanischen Kolonisten weiter ausgebeutet wurde. Heute in der Nähe werden immer noch fleissig Bodenschätze ausgebeutet: riesige Lastzüge zeugen kurz darauf von einer in der Nähe gelegenen Lithiummine. Was für ein entbehrungsreiches Leben muss das – früher, aber auch heute noch – sein in dieser unwirtlichen Gegend und auf einer Höhe von über 4’000 müM ?!Gold-Mine

Über diverse Pässe nähern wir uns schliesslich dem Minen-Bergort San Antonio de los Cobres, in das wir nur zum Auftanken rein- und gleich wieder rausfahren – aber erst nachdem wir über eine Stunde auf den Tankwart warten mussten (da er der einzige weit und breit ist, darf er sich dies wohl erlauben…)!

 tren en las nubesNun geht’s zuerst den gleichen Weg zurück und dann endgültig Richtung Grenze nach Chile. Wir wollen über den Passo de Sico ausreisen, in dessen Gegend wir auf der chilenischen Seite ja schon vor einem Jahr mal rumgekurvt sind. Vorher aber beschert uns die Reise wieder einmal eine unglaubliche Begegnung der Art, wie man sie nicht für möglich halten würde: auf dieser einsamen Bergstrasse kreuzen wir einen Toyota, der wie ein Reisemobil recht abenteuerlich aussieht – wir halten an und trauen unseren Augen nicht: Jonni&Stephenmit Jonni & Stephen sind wir vor vier Jahren im Pamirgebirge an einer geschlossenen Militärschranke gestanden (die wir Frauen dann nach einer halben Stunde Warten dummerweise eigenmächtig öffneten, was beim Militär jedoch gar nicht gut ankam…) – und jetzt treffen wir sie wieder an einem verlassenen Ort mitten in den Bergen auf einem anderen Kontinent! Und zur Krönung unseres Wiedersehens rattert auch gleich noch einer der seltenen „Tren en los nubes“ auf den Gleisen über unseren Köpfen vorbei…
Schnell sind wir danach an der Grenze und verabschieden uns etwas wehmütig von diesem facettenreichen und liebgewonnenen Argentinien – nun wohl endgültig zum letzten Mal! an der Grenze

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Uruguay (16.5. – 30.5. und 24.10. – 8.11.2014)

Wir werden an der Grenze in Chuy äusserst freundlich empfangen und mit vielen Touristenbroschüren versorgt, was immer sehr praktisch ist. Überall wo wir in den nächsten Tagen hinkommen, fällt uns diese ruhige, zuvorkommende Art der Uruguayos auf – man muss sich hier einfach wohlfühlen!

 Fort Santa TeresaAls erstes besuchen wir das Fort von Santa Teresa, mit dem sich die Portugiesen im 18. Jahrhundert gegen die Spanier in Buenos Aires abgrenzen wollten. Die gesamte Küste wurde hart umkämpft und immer wieder trifft man auf Befestigungsanlagen – die meist von der einen Seite auf- und von der gegnerischen schliesslich fertiggebaut wurde, so wie auch diese hier. Uruguays Geschichte ist geprägt von den wechselnden Machteinflüssen der Spanier, Briten und Portugiesen; heute dient es quasi als Pufferstaat zwischen Argentinien und Brasilien und hat sich nach einer düsteren Diktaturperiode Mitte – Ende letzten Jahrhunderts zu einem souveränen Einwanderungsland entwickelt mit einem starken Agrar- und Bankensektor (die Schweiz lässt grüssen…). Leuchtturm
Wir übernachten gleich hier in diesem zu einem riesigen – jetzt aber leeren – Campingplatz umfunktionierten Nationalpark am Meer. Und treffen bei den Verwaltungsbüros auch gleich auf unsere ersten Overland-Reisenden seit vielen Wochen… es ist ein deutsches Ehepaar mit einem MAN-Laster, gerade frisch angekommen mit dem letzten Grimaldi-Fähr-Schiff und wir verbringen einen gemütlichen Muscheln und SchildkröteneierAbend zusammen.
Die nächsten Tage tuckern wir gemütlich der urugayischen Küste entlang Richtung Süden, machen immer wieder Abstecher in die kleinen Strandorte, die jetzt im Winter fast völlig verlassen sind. Es bläst ein eisiger Wind und trägt uns immer wieder schwere Wolken entgegen – eher eine ungemütliche Jahreszeit an der Küste! Punta del Este
Am Trostlosesten erscheint uns dann der berühmte Schicki-Badeort Punta del Este, wo die vielen leerstehenden und  Fingerverschlossenen Villen und Hochhäuser auch nicht gerade zum Bleiben einladen. Schnell haben wir die wichtigsten „Sehenswürdigkeiten“ ab Casapuelogehakt und fahren weiter zur nächsten Landzunge „Punta Ballena“, wo der Künstler Carlos Paez Vilaro das sehr eigenwillige Ferienhotel Casapuelo erbaut hat, das zugleich als Museum dient. Sein Stil beeindruckt mich sehr und erinnert mich an die verschiedenen Hundertwasserhäuser in Europa.

Von hier ist es nun nicht mehr weit bis zum „Paraiso Suizo“ von Sylvia und Heinz, wo wir unser Auto während unserem mehrmonatigen Schweiz-Aufenthalt ein-stellen wollen. Die zwei kommen aus dem Seeland und haben früher in Grenchen die Flugschule geführt, waren Stammgäste in unserem Nachbarort – da haben wir natürlich viele gemeinsame Bekannte und viel zu erzählen…! Aber all dies kristallisiert sich erst nach und nach heraus – erst mal werden wir ganz einfach sehr herzlich auf ihrem  Sylvia&Heinz vom Paraiso SuizoCampingplatz empfangen und verbringen etliche gemeinsame Abende zusammen. Für uns umso schöner als wir fast die einzigen Gäste sind und das Wetter definitiv nicht mehr zum Draussensitzen ist.
Als sich wieder eine Regen-Kaltfront ankündet, können wir uns doch noch mal losreissen und fahren quer durchs regennasse Land zu den heissen Thermen von Arapey, ganz im Nordwesten gelegen. Unterwegs treffen wir an einem Übernachtungsplatz bei Paso de los Toros zufällig auch noch auf die französische Camperfamilie, mit denen wir in Brasilien vor drei Monaten ein paar Tage zusammengestanden sind… die Welt ist ein Dorf!
Der Nordwesten Uruguays ist reines Agrarland, riesig und menschenleer und auch die kleinen und grösseren Städte sind nicht auf Touristen eingestellt. Mehrmals versuchen wir vergeblich ein gemütliches Beizli oder Cafe zu finden, doch dies scheint es hier nicht zu geben. Ob die Einheimischen kein Bedürfnis dafür haben?? Thermen
Über ziemlich aufgeweichte Schlammpisten erreichen wir schliesslich die Arapey-Thermen quasi durch den Hintereingang. Sie überzeugen uns nicht sonderlich, vielleicht liegt’s auch am scheusslich nass-kalten Wetter, aber uns ist es sogar im Thermalwasser noch zu kühl!
Nach zwei Tagen zeigt sich dann endlich die Sonne wieder und wir fahren nach Salto, wo die Dayman-Thermen wärmer sein sollen. Und wirklich: hier lässt sich’s aushalten!
Die nächsten zwei Tage fahren wir dem Rio Uruguay (der die Grenze zu Argentinien bildet) entlang Richtung Süden und passieren mehrere hübsche kleine Ortschaften und Kühlhaus von Fray BentosWeinanbaugebiete. Hier wird ein feiner Tannat gekeltert, der uns gut mundet.
In Fray Bentos besuchen wir das Industrie-Museum von Dr. Liebig und der Anglo-Company. Der deutsche Ingenieur Liebig hat hier Anfang 1900 die erste industrielle Bouillonfabrik aufgebaut, um damit die Heerscharen des ersten Weltkriegs zu ernähren. Diese wurde dann im zweiten Weltkrieg von der englischen Anglo-Fabrik übernommen und weiter ausgebaut. Hier befand sich eines der weltweit grössten Kühlhäuser und es wurden täglich(!) über 2’000 Tiere, vor allem Rinder und Schafe, geschlachtet und zu Brühe und Fleischkonserven eingekocht… Produktionshalle
In den siebziger Jahren rentierte der Betrieb (mangels Kriegen??) nicht mehr und wurde einfach eingestellt. So leerte sich die Fabrik, die 4’000 Arbeiter zogen aus den eigens für sie erstellten Wohnquartieren weg und übrig blieben all die Maschinen, Büros und Gebäude, bis sie schliesslich Anfang dieses Jahrhunderts zu einem schauerlich-faszinierenden Museum umfunktioniert wurden.Schaltzentrale Hier stehen wir also quasi vor den Anfängen unserer heutigen Nahrungsmittelindustrie und ihrer Konzerne wie Nestlé, Kraft und Unilever… Wie gesagt: schauerlich – faszinierend!

Ganz im Südwesten des Landes, dort wo der Rio Uruguay ins Meer fliesst und das Mar del Plata – mit Buenos  ColoniaAires auf der gegenüberliegenden Seite – bildet, liegt Colonia del Sacramento. Früher eine von Portugiesen, Spaniern, Briten und Piraten heiss umkämpfte Stadt, konnte sie sich ihren historischen Kern bewahren und ist heute eines der attraktivsten Touristenziele des Landes. Schön hergerichtete Oldtimer zieren die Strassen und dienen als Aushängeschilder für gemütliche Beizli und Restaurants.  OldtimerVom Leuchtturm hat man eine Sicht, die an klaren Tagen bis zu den ersten Wolkenkratzern von Buenos Aires reicht.

Wir geniessen den Tag in diesem urigen Städtchen, entscheiden uns dann aber doch den Abend in Nueva Rest Suizo Helvecia zu verbringen, einer Schweizer Kolonie auf halbem Weg nach Montevideo. Da Sonntagabend ist, hoffen wir auf eine gesellige Runde im Restaurante Suizo, wo wir mit unserem Auto auch campieren dürfen. Doch oh je – ausgerechnet am Sonntagabend ist das Restaurant geschlossen…  alte KutscheSo bleibt uns nur die Rundfahrt durch den Ort, Kaffee und Kuchen in der Cafeteria und ein kleiner Käse- und Wursteinkauf.

Am nächsten Tag besuchen wir noch Montevideo, die Hauptstadt des Landes, die uns aber nicht sonderlich beeindruckt.  MontevideoAm Interessantesten finden wir das Gaucho-Museum in einem von aussen her unscheinbaren Stadthaus, das sich innen aber voller Prunk präsentiert. Auch gibt es uns eine Ahnung der traditionellen Gaucho – Kultur, die eigentlich die früheren Viehtreiber oder Cowboys waren. Über Land Gauchomuseum sind wir noch ab und zu solchen „Caballeros“ hoch zu Ross begegnet, doch scheint es sich eher um eine aussterbende Rasse zu handeln…
Das Mittagessen gönnen wir uns dann in dem hübsch hergerichteten alten Markt im Hafengelände, wo gegrillt wird was das Herz begehrt. Feine Sache! Asado im Markt

 Hafenmarkt
Schon bald sind wir wieder zurück im Paraiso Suizo, wo wir unser Auto fürs Überwintern hier noch ein wenig herrichten wollen. An einem schönen, aber eiskalten Morgen nehmen wir die Kabine vom Auto runter, reinigen es vom ganzen Staub und Dreck und montieren sie wieder, frisch abgedichtet. Kabine putzen
Am 1. Juni fliegen wir für knapp 5 Monate zurück in die Schweiz, wo Kölbi seinen Dachdeckerbetrieb erfolgreich wieder aufstartet und ich mein Fussgelenk richten lasse, – leider bisher nur mit mässigem Erfolg, da ich weiterhin Schmerzen beim Belasten des Fusses habe.

Ende Oktober sind wir wieder zurück und freuen uns, dem Winter in Europa ein Schnippchen zu schlagen, da hier in Südamerika gerade der Frühling beginnt… hier in Uruguay herrschen sogar schon hochsommerliche Temperaturen über 30°C!
Wir richten uns wieder häuslich ein, werden von Sylvia&Heinz verwöhnt und lernen neue Mitreisende kennen. Nach dem Service am Auto im nahen Piriapolis, das sehr schön zwischen Hügeln am Meer liegt, wollen wir am darauffolgenden Morgen eigentlich losfahren. Doch – oh Schreck – unsere Engel-Kühlbox kühlt nicht mehr richtig… das kann ja nichts Gravierendes sein, denke ich, jetzt hat sie ja die letzten vier Tage einwandfrei funktioniert… Sylvia organisiert uns einen Termin beim örtlichen Kühltechniker, wir tippen alle auf fehlende Kühlflüssigkeit, doch er gibt uns den niederschmetternden Bescheid, dass es am Kompressor liegen müsse. Und so einen gibt’s hier natürlich nicht. Piriapolis Er gibt uns die Adresse von einem weiteren Kühlspezialisten in Montevideo, den wir am folgenden Tag gleich aufsuchen (leider auch erfolglos). Gleichzeitig mailen wir alle möglichen Leute an, um einen Ersatz zu bekommen, aber etwas wirklich Brauchbares, das unseren Anforderungen nur annähernd standhalten würde, scheint es erst in Bolivien oder Brasilien zu geben… also finden wir uns langsam mit dem Gedanken ab, in naher Zukunft halt mit gekauftem Eis zu reisen, als uns am Freitagabend (natürlich, denn übers Wochenende ist ja alles zu!) jemand den Tipp einer Firma in Montevideo gibt.
Da jetzt auch noch eine Regen-Kaltfront mit Sturm aufzieht, beschliessen wir halt noch ein paar gemütliche Tage hier im Paraiso Suizo anzuhängen. Zum Glück – denn so lernen wir die Luzerner Natascha & Michi kennen, die uns freundlicherweise ihre Waeco-Kühlbox verkaufen, da sie in drei Wochen ihren Landy nach Hause verschiffen werden. Danke!
So sind nun endlich all unsere Probleme gelöst (denken wir) und verabschieden uns endgültig vom Platz – oder zumindest bis nächsten März…
Unser erstes Etappenziel ist Colonia del Sacramento, von wo wir die Auto-Fähre nach Buenos Aires nehmen wollen. Doch im Hafen kriegen wir den Bescheid, dass diese momentan gerade nicht fahre, da sie beim letzten Sturm beschädigt wurde… also wieder einmal Planänderungen! Wir beschliessen uns nach Norden zu wenden, noch die Salzwasser-Thermen von Almidon zu besuchen und dann bei Salto über die Grenze nach Argentinien zu reisen. Durch schöne Gegenden fahren wir querbeet und bleiben zwei Nächte in Almidon, da ich mir wohl einen „Käfer“ eingefangen habe und gesundheitlich angeschlagen bin. Auf der Fahrt zu den Dayman-Thermen passieren wir eine landschaftlich sehr reizvolle Strecke mit alten Palmenbeständen, auf der ein Marktfahrer wohl seine Orangen nach und nach verloren hat – denken wir, denn alle paar Meter liegen die runden, leuchtend gelben Früchte an der Strasse… bis wir schliesslich all die Orangenplantagen sehen und einen dieser hochbeladenen Orangenlaster passieren, die in jeder Kurve ein paar der Dinger verlieren – worauf wir uns natürlich ein paar der süssen Früchte einstecken! Richtung Norden
In den Dayman-Thermen ist es uns bei inzwischen fast 30°C Aussentemperatur in dem heissen Wasser schon zu warm, doch wir halten vergeblich nach den Kaltwasserbecken Ausschau… die sind nicht in Betrieb. Also baden wir nur kurz und machen uns am nächsten Tag auf zur Grenze, die – fast – reibungslos zu queren ist. Offensichtlich hat irgend ein Zöllner in Fray Bentos nämlich unser Autopapier bereits im September als ausgereist im Computer eingetragen… doch glücklicherweise beschliessen die hiesigen Zollbeamten nach einigem Hin und Her dies zu ignorieren, so dass wir trotzdem ausreisen dürfen!

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Brasilien III: Chapada Diamantina-Recife-zurück in den Süden (9.4. – 18.5.14)

1 Chapada DiamantinaVon der Küste bis zu den imposanten Tafelbergen der Chapada Diamantina schaffen wir es in einem Tag, obwohl wir wieder einmal eine „Abkürzung“ nehmen, die über ein kleines Schottersträsschen querfeldein führt, Bachquerungen inklusive. Für uns sind solche kleine Abenteuerwege immer viel interessanter und bieten Abwechslung von den – speziell hier im riesig grossen Brasilien – eintönigen und anstrengenden Überlandstrassen,  Colabraune Flüssedie oft vollgepackt sind mit Lastwagen.
Die Chapada Diamantina ist nicht nur für ihre Tafelberge, sondern auch für ihre (durch organische Substanzen wie Coca-Cola braungefärbten) Flüsse, unzählige Wasserfälle, Tropfsteinhöhlen  Orchideenund mit glasklarem Wasser gefüllten Grotten bekannt. Ein Grossteil dieser ursprünglichen Wildnis wird durch einen Nationalpark geschützt, nachdem Mitte 18. Jahrhundert die Gegend durch Diamanten- und Goldfunde überrannt wurde, danach aber in Vergessenheit geraten ist.
KakteenIn Ibicoara heuern wir einen der für den Nationalpark vorgeschriebenen Führer an um mit ihm den Buracao-Wasserfall zu besuchen. Nach einer Stunde Hinfahrt wandern wir noch eine halbe Stunde dem Fluss entlang, bis wir mit dem Abstieg zum imposanten Wasserfall beginnen.  Abstieg zum WasserfallDer Führer erzählt, dass es die letzten fünf Tage viel geregnet habe und so sei er umso spektakulärer. Dies ist er schon allein deswegen, da wir hier durch einen engen Canyon gegen die Strömung bis in den tobenden Fels-Kessel des Falles schwimmen können! Canyon Wegen der starken Gischt nehmen wir auch unsere Kamera nicht mit, können deshalb „nur“ Fotos von oben her machen. da unten waren wir...Aber dies ist definitiv der spektakulärste Weg, den wir auf unserer Reise je zu einem Wasserfall genommen haben! Später sehen wir dann Bilder, die den Fall bei normalem Wasserstand zeigen… – schaut recht harmlos aus gegen das Wasserinferno, das wir im Kessel unten miterleben durften 😉

8 Strasse nach IgatuDa es bei unserer Rückkehr noch früher Nachmittag ist, fahren wir weiter nordwärts bis in die kleine Ortschaft Igatu. Igatu war einst das Zentrum des Diamantenbooms und hatte bis zu fünftausend Einwohner, heute nur noch knapp einen Zehntel. 9 Bar IgatuDie vielen Steinhaus-Ruinen seiner früheren Bewohner haben ihm denn auch den Beinamen „Macchu Picchu Brasiliens“ eingetragen. Viel interessanter finde ich aber die Geschichte, dass sich  IgatuSteven Spielberg die Inspiration zum Film „Indiana Jones“ hier geholt habe! Bereits die 7 km lange kurvige Zufahrtstrasse über vor langer Zeit von Sklaven gelegte Steinplatten erinnert mich an gewisse Filmszenen… Hausruine Igatu

Oben angekommen werden wir herzlich willkommen geheissen  unser Campingplatzund können unseren Camper gleich bei der Plaza parkieren. Nach den ersten paar Bierchen in der Dorfbar fühlen wir uns schnell heimisch hier und bleiben gleich zwei Tage.  BarbesitzerVor allem das abendliche Zusammensitzen von Jung und Alt auf dem Dorfplatz hat es uns angetan, auch die freundliche Aufnahme durch die Dorfbewohner hier und dass wir gleich auf Anhieb das netteste Restaurant im Ort ausfindig gemacht haben 😉 Diamanten

In der näheren Umgebung gibt es einiges zu entdecken. Wir besuchen eine stillgelegte

15 DiamantenmineDiamantenmine, die zu einem Künstlerprojekt wurde, klettern auf den Aussichtspunkt mit einem weiten Blick auf die versteckte CanyonsSand-Dünen von Andarai weit unten im Tal und entdecken zwischen den alten Häuser-Ruinen einen 16 Künstlerprojektversteckten kleinen Wasser-canyon mit Badeplatz.

 mystischer BrauchDank unserem Kontakt mit einem Film-Künstler dürfen wir Freitag-Nacht einem alten Brauch beiwohnen, wo die Frauen des Dorfes in weisse Tücher gehüllt an unterschiedlichen Orten Kirchenlieder singen und Kerzen entzünden…

Neugierig auf weitere  MarimbusAbenteuer verlassen wir diesen speziellen Ort in den Bergen und fahren runter in die Marimbus-Sumpfgegend. Von der Kanutour sind wir eher enttäuscht – es zeigen sich keine Tiere hier, obwohl das weitverzweigte Flussgebiet als Mini-Pantanal gepriesen wird…

 LencoisDafür überzeugt uns das hübsche Städtchen Lençois und der dortige Campingplatz Lumiar  Lencois am Abendumso mehr. Jeden Abend werden im Ort die Restauranttische auf die Kopfstein-gepflasterten Gassen gestellt und es herrscht eine relaxte Stimmung unter den Touristen.

Auf dem Campingplatz haben wir  unsere FreundeBekanntschaft mit einem gehörlosen Brasilianer-Paar gemacht und wir verbringen den Abend zusammen. Dies ist ein ziemlicher Härte-Test für unsere rudimentären  Gebärdensprache für grosses BierPortugiesisch-Kenntnis-se… doch wenigstens lernt Kölbi ein wichtiges Gebärdenzeichen auf Brasilianisch kennen: das für ein grosses Bier… 😉 Als sich schliesslich noch ein Freund zu ihnen gesellt, können wir staunend zusehen wie intensiv – und doch lautlos – ein Gebärden-Gespräch sein kann!

 ChapadaNach einem gemütlichen Putz- und Waschtag fühlen wir uns fit  Pai de Ignaciogenug für weitere Abenteuer in der Chapada.  blaue GrotteWir buchen eine Tagestour und werden nicht enttäuscht. Erst führt uns eine kurze Wanderung zum Wasserfall des Teufelsbrunnens, danach erklimmen wir den Aussichtsberg „Pai do Ignacio“, fahren zur blauen Höhle mit kristallklarem  Pozo azulWasser und besuchen zum Abschluss noch eine faszinierendeTropfsteinhöhle Tropfsteinhöhle. Dazwischen können wir zweimal schwimmen gehen und kriegen noch ein feines Mittagessen serviert. Fast ein bisschen viel  Formationfür nur einen Tag…!

 Pools von Lencois

Da ist die die kurze Wanderung tags darauf zu den wunderschönen Wasserfällen von Lençois und das erfrischende Bad in seinen Steinmühle-Wasserbecken geradezu erholsam 😉 sooo schööön!

 Stadtstrand MaceioNur mit Mühe können wir uns von der schönen Chapada Diamantina losreissen, doch wir möchten noch der Küste entlang bis nach Sao Luis, nahe der Amazonasmündung – und unser Visa ist auf nur 3 Monate begrenzt…

 SträndeNach zwei Tagen erreichen wir den tollen Stadtstrand von Maceio, darauf folgen weitere schöne Strände die Küste rauf weiter nordwärts. Camping...

Wir befinden uns nun im Zuckerrohr – Hauptanbaugebiet Zuckerrohrladung Brasiliens. Wohin man schaut wogen grüne Felder dieser Zuckerstengel, noch der steilste Hügel wird bearbeitet. Die entgegenkommenden Camions sind gefährlich hoch beladen mit der süssen Stengel-Fracht. Dörfer

 Olinda PanoramaSicht auf Recife

 Kirchen auf jedem Hügel Olindas GassenNördlich der Hochhaus-Kulisse von Recife be-suchen wir Olinda, berühmt für seine antiken Kirchen und Klöster verteilt auf die vielen Hügel dieser alten Kolonialstadt. Schwindelerregend steile Kopfsteingassen führen rauf und runter, gesäumt von hübsch bemalten Häuserreihen.

Wir  Innenansichtnähern uns langsam dem Osterwochenende, für das wir mit Gilvania (eine meiner ehemaligen Rössli-Mitarbeiterinnen) ein Treffen mit der Familie ihrer Schwester Wanda verabredet haben.

 östlichster Punkt BrasiliensDoch zuerst statten wir bei der Stadt Joao Pessoa dem östlichsten Festlandpunkt Brasiliens einen Besuch ab. Zu unserer Enttäuschung ist er überhaupt nicht speziell gekennzeichnet – ausser einem Restaurantschild deutet nichts auf diesen für uns geographisch bedeutsamen Ort hin…

Wir haben nämlich nach den letzten drei Fahrtagen beschlossen, dass wir nicht mehr weiter nordwärts ziehen mögen und dies also der nördliche Wendepunkt unserer Brasilienreise sein würde.  Besuch bei WandaDie Distanzen sind in diesem Land einfach zu riesig und die „Quebra Molas“ (Federbrecher) zu nervig als dass wir nochmals über tausend Kilometer anhängen wollen!
 ParillaUnd so freuen wir uns umso mehr auf den Besuch bei Wanda und ihren Töchtern Joelma und Rita samt Familien.  mmmh fein!

Wir finden die Strasse (fast) auf Anhieb und werden herzlichst willkommen geheissen. Die Frauen haben für den heutigen Ostertag ein Churrasco (Grillade) für die ganze Familie vorbereitet und auch Dominospielan Beilagen und Desserts nicht gespart…

Als dann noch der Nachbar und Freund von Gilvanias Mann Kurt vorbeikommt und mit Kölbi gleich einen kleinen Sambakurs absolviert sind der Tag und die Stimmung perfekt!  SambakursDen Abend lassen wir mit einem Besuch der gut besuchten Plaza und einer feinen Pizza ausklingen.
Kein Wunder fällt uns der Abschied schwer am nächsten Morgen… innert kürzester Zeit sind uns diese herzlichen Menschen ans Herz gewachsen und zu Freunden geworden! Aber die Strasse ruft – wir haben noch knapp einen Monat Zeit um wieder ganz in den Süden Brasiliens zu gelangen… zurück in der Chapada

Unser erster mehrtägiger Zwischenhalt auf dem langen Weg nach Süden ist dann nochmals die Chapada Diamantina – diese Gegend ist für uns eine der schönsten Brasiliens! Und erstmals seit Rio treffen wir auf andere Overlander:  Abstieg zum Pozo Azulein spanisches Journalistenpaar mit ihrem VW-Bus. Wir geniessen nochmals die tollen Aussichten auf die charakteristischen Tafelberge, schwimmen im Cola-braunen Wasser bei tollen Wasserfällen, besuchen die blaue  blaues WasserGrotte mit ihrem glasklaren Wasser und statten auch Igatu nochmals einen Besuch ab. Dieses Mal sind die Dorfbewohner jedoch sichtlich bedrückt und aufgewühlt: vor wenigen Tagen sei ein französischer Tourist betrunken gestürzt und kurz darauf verstorben, wie uns von mehreren Leuten schockiert erzählt wird. – Uns zeigt diese Geschichte wieder einmal deutlich wo die wirklichen Gefahren für einen Touristen im als extrem kriminell verschrieenen Brasilien liegen…!

 Stadt in den HügelnOuro PretoNach zwei weiteren Fahrtagen erreichen wir das hügelige Minas Gerais, wo die wichtigsten Gold- und Bodenschätze des Landes gemacht wurden. Noch heute ist die Landschaft von Minen geprägt, ganze Berge scheinen umgeschichtet zu werden. Wir besuchen Ouro Preto, die „Goldkammer“ der Portugiesen, die hier auf mehrere steile Hügel verteilt die einstige Hauptstadt  Kirchenkunsterrichtet haben. Es ist Sonntag und in der Stadt wimmelt es nur so von Besuchern. Wir schlendern durch die steilen Gassen und besuchen einige der wirklich sehenswerten Kirchen und Museen.
Für die Nacht hat Kölbi einen zentral gelegenen Parkplatz im Hof der Jugendherberge erkundschaftet. Doch erst nach einigem Hin-und Her dürfen wir – gegen Bezahlung – unser Auto dort hinparken. Kaum haben wir geduscht und uns ausgehfertig gemacht, klopft die Leiterin an der Tür, gibt unser Geld zurück und meint, sie brauche den Platz nun doch selber… also stellen wir den Cruisie einfach in eine der inzwischen ruhiger gewordenen Seitengassen und gehen was Feines essen. Unsere „ruhige Seitengasse“ entpuppt sich in der Nacht dann allerdings eher als „Hauptumgehungsstrasse“ – aber was solls, das gehört zum freien Camperleben dazu 😉

 Tiradentes
Nicht ganz ausgeschlafen fahren wir also am nächsten Morgen weiter durch die wunderschöne hügelige Landschaft des Minas Gerais, bis wir am Nachmittag Tiradentes, eine weitere alte Goldgräberstadt, erreichen. Montags geht es hier  steile Gassenangenehm ruhig zu und so habe ich ausgiebig Zeit mir das hübsche Städtchen und seine Kirchen anzusehen, währenddessen Kölbi den verpassten Schlaf nachholen kann.

Für den nächsten Nachmittag haben bei Marcia&Klauswir uns für einen Besuch bei Marcia&Klaus in der Nähe von Sao Paulo verabredet. Wir haben die zwei freundlichen Brasilianer letztes Jahr im Pantanal kennengelernt, wo sie mit ihrem ausgebauten Mercedes-Bus unter-wegs waren. Nun wollen sie auch grad wieder verreisen, so dass wir uns beeilen müssen falls wir sie noch zuhause antreffen wollen. Extra wegen uns verschieben sie ihre Abreise um einen Tag!
Die zwei haben eine schöne Villa mitten im Kakifrucht-Anbaugebiet und sie sind sehr grosszügige Gastgeber… und Marcia eine gute Köchin! Am ersten Abend gibts feine PizzaabendChorizos und ein butterzartes Picanha vom Grill, dazu bereitet Klaus uns Frauen je einen Bierhumpen voll köstlicher Caipirinha zu… (nun ja, den nächsten Tag verbringe ich dann eher liegend 😉 Für den nächsten Abend hat Marcia Freunde zu einem Pizzaabend eingeladen, die sie ganz professionell im Holzofen zubereitet – mmhh, man merkt ihr ihre italienischen Wurzeln gut an…
Wir umfahren die Grossstädte Sao Paulo und Curitiba in tolle Aussichtgrossem Bogen und übernachten irgendwo unterwegs auf einem Feld. Tags darauf erreichen wir die Gegend von Blumenau, ein ehemals deutsches Einwanderungsgebiet, hier in Süd-Brasilien auch unter der Bezeichnung „Vale Europeu“ (europäisches Tal) bekannt. Der Unterschied zum ärmeren, einfacheren Norden von Brasilien ist frappant. Hier brummt der Wirtschaftsmotor des Landes, hier wirkt alles aufgeräumter, sauberer, hektischer.
 Einfahrt PomerodeWir entdecken einen markanten Hügel voller Antennen und suchen, bis wir die Strasse hinauf finden – von dort oben bietet sich uns eine grandiose Aussicht bis ans Meer hinunter. Darauf fahren wir die Umgebung von Pomerode ab, das bekannt ist für seine vielen Fachwerkhäuser aus der Zeit der deutschen Einwanderungen. Fachwerkhäuser
Jemand hat uns von einem weiteren Aussichtsberg, dem „Morro Azul“ erzählt und den steuern wir nun für unser Nachtlager an. Die Schotterstrasse führt durch ein weltentrücktes Tal vorbei an unzähligen Bauernheimetli fast wie aus einem Gotthelf-Film…  BauernhöfeOben auf dem Berg werden wir auf Deutsch(!) vom Parkaufseher begrüsst und willkommen geheissen. Wir fahren noch das letzte Stück bis zum Aussichtspunkt, wo wir gerade noch dem letzten Gleitschirmschüler beim Start zusehen können – der ihm aber schrecklich missglückt und er stürzt vor unseren Augen den steilen Bambushang runter! Glücklicherweise bleibt er unverletzt, nur die Bergung seines Schirms wird in diesem steilen Gelände zu einem schwierigen Unterfangen… Kölbi holt sein Feuerwehrseil und gemeinsam können die beiden den Schirm schliesslich kurz vor dem Eindunkeln bergen. Eine ziemlich schweisstreibende Arbeit, für die der „Bruchpilot“ auch sehr dankbar ist! Nur gut, dass nichts passiert ist!!!Blumenau

Nach einer ruhigen Nacht besuchen wir Blumenau, die „deutscheste“ Stadt Brasiliens, wo in der Einkaufsstrasse die Musikband in Lederhosen spielt und „Herzilein“ singt… nun ja, eigentlich nicht wirklich das, wonach wir hier in Brasilien gesucht haben – mehr Freude würde uns ein knuspriges Schwarzbrot bereiten, aber so was finden wir hier nirgends :-(
 schöne BuchtenUnd so fahren wir halt weiter, kommen durch ein Dorf mit lauter Lingerie-Geschäften, so dass uns fast die Augen kaputtgehen 😉 fahren am mondänen, mit Hochhäusern zugebauten  Sicht auf Sta CatarinaCamboriu vorbei und bleiben im kleineren Bombinhas stehen – direkt am Strand und vor dem Campingplatz, der jedoch geschlossen ist. Die Halbinsel gefällt uns gut und wir bummeln von einem Strand zum nächsten und übernachten schliesslich nur drei Buchten weiter südlich in einem netten Fischerdorf – direkt gegenüber der Insel Santa Catarina.

 SträndeDiese Insel ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden, ihr Hauptort ist Florianopolis und eine bekannte Feriendestination im Sommer. Nun aber ist Nachsaison, viele der wirklich traumhaft schönen Strände sind verwaist und gehören wieder den Fischern und Anwohnern. – Nur sind leider auch viele der hübschen Restaurants und Bars nun geschlossen. Wir  Dünen von Sta Catarinaquartieren uns für vier Tage auf einem zentralen Campingplatz ein und unternehmen von hier aus Ausflüge mit dem Auto, zu Fuss und mit unseren Klapprädern. Gleich hinter dem Camping beginnen die Dünen, die sich bis zum Strand hinziehen. Und vor dem Camp liegt eine grosse Lagune mit einer netten Promenade und kleinen Restaurants. Auch  Fischerbootemit unserem Wanderausflug haben wir Glück: zwei Stunden wandern wir der Lagune entlang bis zu einem kleinen Fischerdorf, das ansonsten nur auf dem Wasserweg erreichbar ist. Kaum haben wir das Fährboot für die Rückkehr bestiegen, zieht ein heftiges Gewitter über die Lagune… vom trockenen Innern des Bootes aus schön anzusehen 😉 … bei der Arbeit
AusternschmausNach einer Tour mit unserem Cruisie in den Süden der Insel und dem obligaten Austernschmaus (sie werden direkt vor unseren Augen aus dem Meer gezogen!) fahren wir zurück aufs Festland und besuchen weitere schöne Badebuchten und Surferstrände – nur, dass es zum Baden leider zu kühl ist… nur die Surfer sind unermüdlich, aber sie tragen ja auch Spezialanzüge!

Südlich von Imbituba mit Sergio am Strandbesuchen wir Sergio, einen brasilianischen Oelplattform-Kommandanten, der uns in Itacare weit im Norden oben mal angesprochen und uns hier zu sich nach Hause eingeladen hatte. Wir werden herzlich empfangen und mit einer reichhaltigen Parrilla verwöhnt. Danach zeigt uns Sergio in seinem Pickup seine bevorzugten Surferstrände und  der Beach entlangbegleitet uns am nächsten Tag damit gleich bis nach Farol Santa Marta. Er kennt viele versteckte Buchten und Strände und weiss auch, wo wir der Beach entlang fahren dürfen mit den Autos und wo wir zurück zur Strasse müssen. Wir verbringen eine sehr schöne Zeit zusammen und sind ein bisschen wehmütig, als er nach dem Mittagessen wieder nach Hause zurückfährt. Farol Sta Marta

Dafür gefällt es uns in Santa Marta so gut, dass wir gleich zwei Tage hier verbringen. Muscheln in den DünenWir machen lange Spaziergänge dem Strand entlang und in die umliegenden Hügel und Dünen. Ich überwinde mich sogar und gehe noch ein letztes Mal im Meer schwimmen.

 traumhafte Strände
Die Gegend hier ist traumhaft, auch wenn die Temperaturen etliche Grade kühler sind, als wir es eigentlich erwartet haben. Aber nun beginnt die Winterzeit und mit jedem Kilometer Richtung Süden macht sich das bemerkbar. Deshalb „verbummeln“ wir hier etliche Tage – unser Flug in die Schweiz ist erst in knapp drei Wochen ab Uruguay, welches nochmals gut 1000 km südlicher (=kälter) liegt!
Ausgerechnet jetzt steht auch noch der Besuch einer speziellen Bergregion auf unserem Programm, die hier in Brasilien bekannt ist als der einzige Ort, wo im Winter Schnee fallen kann… Küstengebirge
Fast senkrecht ragt das Bergplateau ins flache Küstenland hinein, einzig die Bergbäche und -Flüsse haben tiefe Canyons in die Kalkfelsen gegraben. Die Strasse windet sich in steilen Kehren den Berg hinauf und ist bald nur noch eine holprige Schotterstrasse. Canyon de Itambezinho Oben angekommen steuern wir den Nationalpark der „Serra dos Aparados“ an, wo wir eine schöne Wanderung zur Kante des Itambezinho-Canyons machen können. Hier spielt das Wetter noch mit, doch schon beim nächsten Canyon wird uns die Sicht durch aufsteigenden Nebel verwehrt und kühler Wind pfeift uns um die Ohren. Kein Wunder, befinden wir uns hier auf dem Plateau doch auf knapp 1000m über Meer…! Schakal

Dafür besuchen uns hungrige, offensichtlich an den Menschen gewohnte Schakale auf dem Parkplatz. Erst ist es nur einer, dann kommt noch einer – am Schluss stehen fünf um uns rum und betteln für Futter (das sie von den allermeisten Touristen Schakalrudel wohl auch bekommen – nur leider ist dies nicht zum Wohle des Tieres und der Natur). Da freut uns die Vogelspinne, die wir kurz darauf auf der Strasse entdecken, doch mehr und wir Vogelspinnebugsieren sie vorsichtig von der Fahrbahn.

Nun ist es aber höchste Zeit um vom Berg runter zu kommen, wenn wir nicht eine bitterkalte Nacht hier oben verbringen wollen. Unser Weg führt durch eine wunderschöne Landschaft im Abendlicht, die uns sehr an unseren geliebten Jura zuhause erinnert… mit Steinmauern entlang der Weiden, Kühen und Tannen, kleinen Bauernhöfen. Unten im Tal dürfen wir dann sogar bei so einem Hof mitten in der Kuhweide campieren und werden die ganze Nacht über vom Hofhund treu bewacht und gegen die grasenden Kühe „verteidigt“ 😉 durchs südliche Gaucholand

Nun folgen noch zwei Fahrtage ganz bis zum südlichsten Punkt Brasiliens, über flaches landwirtschaftlich intensiv genutztes Land entlang der Landzunge zwischen Atlantik und der Lagune „dos Patos“ – der riesengrossen Entenlagune. Als uns mittags um zwei Uhr die Fähre nach Rio Grande mangels Platz nicht mehr mitnehmen kann, sind wir noch unbesorgt – bis wir rausfinden, dass die nächste erst zwei Stunden später ablegen wird! So ein Pech, denn die Überfahrt dauert dann nochmals eine Stunde und so erreichen wir die Stadt erst beim Eindunkeln. Eigentlich wollten wir in unserer letzte Nacht in Brasilien ja am Strand campieren, aber so wird das nichts und wir stellen uns schlussendlich auf einen Campingplatz gleich neben einer vielbefahrenen Hauptstrasse :-(

 Reiche TierweltDafür führt die Fahrt zum Grenzort Chuy durch ein herrlich tierreiches Naturreservat, das uns nochmals ans Pantanal erinnert mit seinen Wasserschweinen, Kaimanen und all den Wasservögeln und Störchen. So verabschiedet sich Brasilien von uns mit einer seiner vielen Facetten an grossartigen Naturschönheiten… Wir lieben dieses Land aber auch wegen seinen warmherzigen und spontanen Menschen, die uns ihre Begeisterung für unser Gefährt und unsere Reise immer wieder offen zeigten. Wir haben uns immer und überall sehr willkommen und sicher gefühlt in diesem riesigen Land, für dessen Besuch unser 3-Monatevisum eindeutig zu kurz ist!Farol Sta Marta

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Brasilien II von Iguazu bis Bahia (25.2. – 8.4.2014)

1 Iguazu PanoramaDie imposanten Wasserfälle von Iguazu besuchen wir erst auf der argentinischen und danach von der brasilianischen Seite her. Dazwischen verbringen wir ein paar Tage im gut geführten Camping des Paudimar-Hostels. Schliesslich braucht unser Auto2 Iguazu Brasilien dringendst eine gründliche Reinigung um die Schlammkruste der letzten Tage runterzuspülen. Es wiegt sicher grad 20 Kilo weniger danach und glänzt wie neu… und auch wir geniessen die Nähe zur Stadt zum Einkaufen und Wäsche erledigen.3 nach der Wagenwäsche

Nach fünf Tagen fahren wir weiter Richtung Osten. Nach zwei intensiven Fahrtagen erreichen wir schliesslich die Küste bei Curitiba. Wir sind erstaunt, wie modern Brasilien hier ist. Die Strassenränder sind sauber gemäht, es liegt kaum Abfall herum, die Tankstellen sind topmodern eingerichtet.

5 Barreado-EssenWir besuchen Morretes, ein kleiner Ausflugsort mit einer kulinarischen Spezialität, die wir natürlich auch gleich probieren: Barreado, ein Eintopf in dem gepökeltes Fleisch mit Zwiebeln, Tomaten und Gewürzen stundenlang gekocht wird, bis es faserig zerfällt. Der Sud wird mit geröstetem Maniokmehl im Teller angerührt, bis die Masse im Teller kleben bleibt 4 Morretes(siehe Foto) und mit dem Fleisch und frischen Bananenscheiben vermischt. Eine nahrhafte Sache – und für die Restaurants ein Verkaufsschlager mit geringem Aufwand, da nachmittags um vier alle Gäste bereits wieder über die kurvige Graciosa-Aussichtsstrasse nach Hause fahren und im Städtchen wieder Ruhe einkehrt. Deshalb beschliessen wir gleich dort an der Promenade am Fluss zu übernachten (leider haben wir die Disco im 6 Estrada GraciosaHaus nebenan übersehen, so dass dann doch nichts wurde mit der ruhigen Nacht…).

Die nächsten Tage fahren wir entlang der bergigen Regenwaldküste „Serra do mar“ und besuchen immer wieder neue Buchten und Strände. Die erste Nacht verbringen wir auf der langgezogenen und über eine Brücke erreichbare „Ilha Comprida“, eine Insel die mit einem 70 Kilometer langen Sandstrand lockt. In den wenigen Ortschaften dieser Ferien-Insel ist toll was los – irgendwann finden wir heraus, dass gerade Karnevalszeit ist und viele Brasilianer diese Kurz-Ferien für einen Strandaufenthalt nutzen…7 Strand bei Boicucanga

Zwischen Sao Paulo und Rio werden die Buchten immer kleiner, aber auch schöner, das Wasser hat tolle Badetemperatur; nur leider ist alles rammelvoll und erinnert uns öfter mal ans italienische Rimini in der Hochsaison!

Im kleinen, herzigen Ort „ToqueToque Grande“ finden wir mit viel Glück einen Parkplatz gleich bei der Kirche an der winzigen Plaza – und dahinter fängt grad der Strand an. Es hat ein paar Strandbars, wo ich mir dann auch meinen ersten Caipirinha genehmige 😉 Abends wollen wir noch irgendwo was 8 Toque Toque GrandeEssen gehen, aber da ist alles schon geschlossen und ausser ein paar Jugendlichen, die sich vor der Kirche zum Quatschen treffen, scheint hier nichts mehr los zu sein. Also kochen wir selber und gehen auch bereits früh zu Bett. Nachts um halb elf weckt uns dann ohrenbetäubende Discomusik… schliesslich ist Karneval und da treffen sich die paar Einheimischen zum Tanzen auf der Plaza! Selber schuld, dass wir ausgerechnet da parkiert haben…

9 Geburtstagsfest bei MarkDafür lernt Kölbi da die beiden Marks, zwei nach Brasilien ausgewanderte Deutsche, kennen und sie laden uns für den nächsten Abend zu einer Grillade ein. Die Tochter von Mark feiert ihren 16.Geburtstag, ein sehr wichtiges Ereignis hierzulande. Es wird ein sehr netter Abend mit tollem Essen und vielen guten Reisetipps für unsere drei Monate hier in Brasilien.

10 PicinguabaEiner davon führt uns nach Picinguaba, einem kleinen Fischerort, wo wir unser Auto vor der Schule parkieren können, grad neben dem Camper einer französischen Familie. Der Platz ist genial, gleich am Strand und nahe beim Dorf. Für den nächsten Abend lotsen wir dann via Mail auch noch Iris&Wolfram hierher…11 Fischerdorf Picinguaba

Abends regnet es fast immer ein wenig, aber es bleibt schön warm und tagsüber geniessen wir das Schwimmen im klaren Wasser und das Faulenzen. Das ist genau das Leben, das wir so lange vermisst haben hier in Südamerika… da verschmerzen wir auch12 Camping mit Iris&Wolfram die teilweise recht gepfefferten Restaurantpreise hier etwas leichter: wenn man dafür an so einer paradiesischen Küste leben darf…

13 ParatiGemeinsam mit Iris&Wolfram besuchen wir das Kolonialstädtchen Parati mit seinen unebenen Kopfsteingassen. Es ist bekannt für seinen15 Spezialität- Cachaça Cachaça (Zuckerrohrschnaps), steht unter Heimatschutz und soll eines der Lieblingsorte Mick Jaggers sein… 16 beim Caipirinha...ihm sind wir dort allerdings nicht begegnet 😉 Dafür unzähligen anderen Touristen, die wie wir vom Charme der alten Kolonialhäuser und – Kirchen vor einer traumhaften Strandkulisse verzaubert wurden.17 Parati am Fluss

19 üppige Vegetation

18 Traumbuchten

Leider müssen wir schon Tags darauf weiter, da wir zusammen mit Iris&Wolfram in Rio de Janeiro für vier Tage ein Hotel gebucht haben…

Kurz vor Rio quartieren wir uns auf dem Campingplatz von Recreio ein und treffen zu unserer Überraschung auf noch zwei Reisemobile, beide aus Deutschland. 20 Strandmusik kurz vor Rio…So ergibt sich ein kurzweiliger Abend mit vielen Reise-stories, untermalt von Musikfetzen, die aus der nahen Strandbar herüber tönen… die richtige Einstimmung auf die Traumstadt Rio de Janeiro!24 Zuckerhut

22 Copacabana22 Fahrt nach RioÜber die Küsten-strasse, wo sich der Verkehr wie üblich endlos staut, er23 Copacabana-Bilderreichen wir die berühmte Copa-cabana mit ihren Hochhäusern, be-staunen den Zuckerhut und die Cristo-Statue über der Stadt und fahren schliesslich durch enge kurvige Strässchen hoch ins Santa Teresa-Viertel, wo das Casa Aurea, unser Hotel, liegt.26 Regina vom Casa Aurea

Wir werden herzlichst aufgenommen von Regina und Cornelius, den Hotelbesitzern. Sie versichern uns, dass unser Cruisie draussen auf der Strasse absolut sicher geparkt 25 Parking Santa Teresasei, da dies ein Künstlerviertel sei, wo jeder dem anderen helfe und ausserdem ein Nacht-wächter gleich nebenan sein Kabäuschen habe… wir vertrauen ihnen und tatsächlich besteht die einzige Gefahr für unseren Camper in den Lastwagen, die täglich auf der schmalen Gasse millimeterknapp an unserer Kabine vorbeischrammen!27 urige Kneipen

29 Strassenparty in RioBei der Wahl unseres Hotels haben wir einen Glückstreffer gelandet: innert kurzer Zeit fühlen wir uns als Freunde hier, nicht nur wie Hotelgäste. Wir kriegen viele wertvolle Tipps und landen so bereits am ersten Abend auf einer Strassenparty mitten irgendwo in der grossen Stadt…

31 im Tijuca ParkDer nächste Tag ist ausgefüllt mit der Jeeptour von Roberto,30 Robertos Jeeptour die uns den Regenwaldpark Tijuca zeigt, der gleich 10 Minuten von unserem Hotel entfernt beginnt… so nah an der Metropole und doch fühlen wir uns gleich wie im Dschungel!

33 Rio de Janeiro Panorama32 beim Fotografieren34 Touristas...

35 FavelasWir besuchen Wasserfälle und Aussichtspunkte und zum Abschluss fährt uns Fabrizio noch in eine „sichere“ Favela, wo wir diesen ereignisvollen Tag bei Bier und gebratenem Fisch ausklingen lassen.Iris mit Kids

36 …mit Traumblick auf Rio

Mit Iris&Wolfram fahren wir am dritten Tag ins Geschäftszentrum runter, um Shoppen zu gehen. Kölbi kommt mit mir mit und sogar noch durch den Markt (wo es alles mögliche ausser Gemüse zu kaufen gibt) – wohl das erste Mal seit unserer Beziehung, dass wir so etwas (friedlich) gemeinsam unternehmen können… 😉 Am Abend grilliert Cornelius Picanha und Regina kocht uns traditionelle Beilagen – ein Festessen! Am 37 Lapanächsten Morgen verabschieden sich Iris&Wolfram – wer weiss, wo und wann wir uns wiedersehen werden??38 Kacheltreppe

Kölbi und ich gehen zu Fuss durchs Santa Teresa Quartier und über 39 …mit Fotoshootingdie berühmte Kach-eltreppe runter bis nach Lapa, dem Ausgehviertel der Stadt.40 coole Graffitis

Gegen Abend machen wir dann die obligate Seilbahnfahrt auf den Zuckerhut inklusive toller Sonnenuntergangsstimmung. Die Aussicht über diese ins Meer und die felsigen Hügeln eingebettete Stadt ist wunderschön und wir bleiben, bis sie in einem Lichtermeer aus Sternen und Strassenlaternen zu funkeln beginnt.41 Rio vom Zuckerhut by night

Leichten Herzens fahren wir nach vier Tagen in dieser tollen Stadt raus über die unendlich lange Brücke quer durch die Meeresbucht Richtung Norden. Jetzt freuen wir 42 Arraial do Cabo Friouns auf ein paar Tage entspanntes Strandleben! Regina und Cornelius haben uns Arraial del Cabo Frio empfohlen. Die Aussicht auf diesen endlos weissen Strand mit dem glasklaren Wasser verlockt uns zu einem sofortigen Bad im Meer. Doch oh Schreck: das Wasser ist ja eiskalt!!! Wir hätten wohl dem Ortsnamen doch etwas mehr Beachtung schenken sollen: „Cabo frio“ bedeutet „kaltes Kap“…44 volle Strände

Ganz in der Nähe ist auch die Halbinsel Buzios,43 Buchten von Buzios Brasiliens schickste Ferien-destination, die einst durch Brigitte Bardots Aufenthalt hier berühmt wurde. Auch uns gefällt es hier, obwohl es an den Wochenenden 45 - und einsame…in den kleinen Buchten schon extrem voll werden kann (vor allem, wenn die ansteigende Flut dann die Strandfläche auch noch zur Hälfte verkleinert!). Möchte nicht wissen, wie das hier in der Hochsaison zugeht… Aber es gibt auch Strände, die kaum besucht werden und wo wir nachts ganz für uns alleine sind.

Nach einer Woche fahren wir zurück ins Hinterland von Rio, wo uns 46 in den BergenBergdörfer und alt-koloniale Sommerresidenzen zu einem Besuch locken. Im kleinen Bergort Lumiar werden wir von einem frisch zugewanderten ungarischen Gastwirt zum Campieren auf seinem Grundstück eingeladen. Er ist offensichtlich sehr erfreut über die Abwechslung, die unser Besuch bringt und redet unablässig auf uns ein. Er schwärmt von den grossartigen Geschäfts-möglichkeiten hier, versucht uns aber gleichzeitig einzureden, wie gefährlich dass Brasilien eigentlich sei… Irgendwie hat er Angst vor allem und jedem… den Schlangen, den Menschen, den Terroristen, dem Verkehr… mir gehen solche Menschen immer öfter auf den Geist, die mir Angst und Unsicherheit einzureden versuchen, so dass wir am 47 Tere-Fri-Routenächsten Tag bereits wieder weiterfahren.

Durch sattgrüne Hügellandschaft schlängelt sich die Strasse und wir fühlen uns öfters mal ans Emmental oder Greyerzerland erinnert. Das muss auch den frühen Schweizer Auswanderern so ergangen sein, denn hier sollen sich viele von ihnen niedergelassen haben. Auch die Namen wie „Novo Friburgo“ zeugen davon. Wir sind erstaunt, wie oft wir Schweizer Gesichtszüge wieder zu erkennen glauben, wenn wir den Menschen hier begegnen. Was macht einen Schweizer so unverkennlich?? Was ist so typisch schweizerisch? 47 Casa Suiza in Nova FriburgoKeine Ahnung, manchmal ist es auch nur der Gang oder die Körperhaltung… Wir fragen keinen hier nach seiner Herkunft, Deutsch oder Französisch spricht eh kaum jemand mehr. Dafür besuchen wir das Schweizer Haus mit dem Auswanderer-Museum und der Schaukäserei. Nachmittags fahren wir durch eine intensiv bewirtschaftete Hügellandschaft, die uns sehr ans Greyerzerland erinnert, sie heisst „Tere-Fri“.

49 Dos Frades WasserfallSpontan folgen wir einem Wegweiser zu einem Wasserfall. Die Naturstrasse schlängelt sich immer weiter in ein enges Tal, bis wir nach vielen Kilometern endlich den wunderschönen Wasserfall dos Frades erreichen. Schnell sind die Kleider gewechselt und wir baden in dem erfrischenden Wasser. 50 Kölbis 50An diesem schönen Platz bleiben wir gleich über Nacht. Schliesslich ist heute Kölbis 50. Geburtstag und ganz nach seinem Wunsch feiern wir ihn mit Cervelat, Brot und einem St.Gallen-Bier, das wir in Nuovo Friburgo entdeckt haben…

51 Kaiser-Residenz in PetropolisBei regnerischem Wetter besuchen wir noch die alte kaiserliche Sommerfrische Petropolis, die proppenvoll mit Touristen ist. Wir finden kaum einen Parkplatz… Der Rummel ist nicht unser Ding und so fahren wir nach einem kurzen Besuch im Sommerpalast gleich wieder zurück in die Berge.52 einsame Strände in Bahia Der Regen hört nicht auf, so nutzen wir die drei folgenden Tage zum Fahren. Wir übernachten jeweils an der Küste, aber weder das Wetter noch die Badetemperaturen überzeugen uns zum Bleiben.53 Verwöhnküche

54 StrandpanoramaSchliesslich erreichen wir Bahia, wo wir bei Trancoso an einem schönen Strand übernachten. Von hier an nördlich folgt ein Traumstrand dem anderen und wir drosseln unser Tempo auf 15-20 km/Tag 😉 55 Kirche in ArraialKlares, angenehm warmes Meerwasser und schöne Strände unter Sandsteinklippen oder mit angrenzendem Dschungel und Palmen, feiner weisser Sand… was will man mehr?!

56 in Pedros KücheIn Arraial d‘Ajuda lernen wir den ausgewanderten Schweizer Pedro kennen, der selber lange Zeit mit seinem Bus unterwegs war. Jetzt steht das Fahrzeug im Garten und wird je nach Bedarf als Wohnung oder Reisemobil genutzt. Seine Freundin Gracia organisiert56 Pizzaabend einen Pizza-Abend, zu dem wir auch willkommen sind. Es kommen noch andere Brasilien-Schweizer hinzu und es wird ein geselliger, kurzweiliger Abend, wie wir ihn mögen.

57 Fähre nach Porto SeguroSpontan verschie-ben wir unsere Weiterfahrt um noch einen Tag und kommen auch an dem dann nicht viel weiter als 30 km, wenig nördlich von Porto Seguro (Fussballfans dürfte dieser Ort als WM-Standplatz unserer Nati geläufig sein/werden…).62 Nati-Team

61 Aussicht auf Porto SeguroDie Küstenstrasse quert viele Flüsse und wo es noch keine Brücken hat gibt es Fähren, immer eine nette Abwechslung zum „Fahralltag“. 58 Menschen auf der FähreHier von diesem Küstenstreifen aus wurde Brasilien von den Portu-giesen in Besitz genommen, sprich: 59 Indigenahier wurde die erste Messe gelesen und es finden sich noch viele koloniale Gebäude und Kirchen aus dieser Epoche. So auch die auf einem Hügel gelegene Altstadt von Porto Seguro, die wir uns anschauen. Nachdenklich stimmen uns allerdings die im Museum ausgestellten Bilder und Berichte über die Sklaverei; 60 Altstadt von Porto Segurounvorstellbar, wie grausam die Herrscherschicht damals mit ihren Mitmenschen umgegangen ist! Der gesamte Reichtum und die allermeiste Infrastruktur der Kolonien resultierte aus Sklavenarbeit. Noch heute fahren wir häufig über Kopfstein gepflasterte Strassen (vor allem in den Dörfern und Städten), die aus der Sklavenzeit stammen. Das Gerüttel und Ächzen der Federung beim Darüberfahren sind wie der Nachhall all des Leids und Stöhnens ihrer Entstehung in meinen Ohren….

Nach einer Woche in dieser schönen63 Nördlich von Ilheus Gegend vertrauen wir der Empfehlung unseres Reiseführers (und vieler Brasilianer), dass nämlich die Strände in Bahia je nördlicher, desto schöner werden sollen und ziehen weiter.64 Willkommensdrink von Roberto Nach einem halben Fahrtag erreichen wir bei Ilheus die Küste wieder und können bestätigen, dass es sich gelohnt hat! Wir biegen bei irgendeinem „Praia“ (Strand)-Schild von der Hauptstrasse weg und bleiben gleich über Nacht da. Roberto, der Hausmeister eines66 Fischerboote Anwesens, lädt uns ein bei ihm auf dem Rasen zu stehen und versorgt uns gleich noch mit frischen Kokosnüssen zur Erfrischung. Beim Strandspaziergang entdecken wir dann noch sehr originelle, nicht wirklich seetauglich aussehende Fischerboote – doch Roberto versichert und glaubhaft, dass diese Vehikel die hiesige Fischerflotte darstellten… oh Graus: damit würde ich mich nie durch die hohen Wellen getrauen!67 Camping bei Itacare

Im Surferort Itacare finden wir dann eine wunderschöne Bucht zum Campieren, nachdem68 Flechtkünstler alle örtlichen Camping-plätze wieder mal zu tiefe Einfahrts-tore haben für unseren Cruisie. Eigentlich 69 Kölbi's Fischfangmöchten wir uns ja gerne wieder mal die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes gönnen, aber leider sind die meisten Plätze nur für Zelte eingerichtet. Nun ja, wenn‘s dafür solche Stellplätze wie diesen hier gratis gibt… 😉

70 Taipus de ForaNach zwei ge-mütlichen Tagen zieht es uns dann (trotz schlechter Sandpiste) auf die Halbinsel Marau nach Taipus de Fora,71 Strandradeln der bereits zum schönsten Traum-strand Brasiliens gewählt wurde. Er ist durch ein Korallenriff wellen-geschützt und man kann in dem glasklaren Wasser schnorcheln. Ein Platz zum Bleiben – da wir nur drei Monate Visum haben,  müssen wir uns mit vier herrlichen Tagen begnügen…72 Ciao Bahia...

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Nordargentinien II (20.1. – 25.2.2014)

Zum zweiten Mal in El Bolson fühlen wir uns auf dem Campingplatz nun schon fast wie1 Bier in Bolson zuhause – ausser dass es extrem viel mehr Touristen hat als bei unserem ersten Besuch hier. Die Feriensaison ist definitiv angebrochen! So lernen wir auch Jacqueline&Christian kennen, denn sie haben ihr rotes CH-Gigathlon-Zelt ganz in unserer Nähe aufgestellt. Wir treffen uns beim Nachtessen im Dorf wieder und verstehen uns sofort sehr gut. Wir haben grössten Respekt und Bewunderung für ihre Art zu reisen: mit Auto, Zelt und Liegevelo, obwohl Christian seit einem Unfall im Rollstuhl ist – aber lähmen lässt er sich dadurch überhaupt nicht – im Gegenteil: jemanden mit soviel Energie und Enthusiasmus haben wir auf unserer Reise noch selten getroffen!

Und da wir uns für den nächsten Abend eh schon mit Susann&Claudio in der Colonia Suiza bei Bariloche verabredet haben und die zwei auch dorthin wollen, verabreden wir uns gleich zu einem gemeinsamen Grillabend. Zuerst fahren Kölbi und ich aber noch zu einem Aussichtspunkt über el Bolson hoch mit anschliessender Wanderung zum „Refugio“ (Schutzhütte). Schliesslich müssen wir trainieren, da wir mit Susann&Claudio eine zweitägige Wandertour unternehmen wollen… Die Aussicht übers Tal ist toll und das schön warme Wetter hebt unsere Laune beträchtlich.Aussicht

Am späten Nachmittag treffen wir die zwei auf dem Campingplatz in Colonia Suiza und wir springen gleich für ein erfrischendes Bad in den angrenzenden See. Danach steigen wir sofort ins Apero, zu dem uns wildfremde Argentinier ein zart gegrilltes Stück Fleisch (fast ein Kilo schwer!) spendieren, das sie zuviel gemacht hätten… sowas kann auch nur in Argentinien passieren – dem Land der Fleischliebhaber! Und dabei jammert die Regierung, dass in Folge der Krise der pro-Kopf-Jahres-Verbrauch von über 60 Kilo auf fast 40 Kilo gesunken sei…Wir dürfen auch gleich die restliche Glut übernehmen und so grillieren wir unsere Lammkeule für das Nachtessen auch ganz Asado-mässig auf kleiner Hitze – so bleibt länger Zeit fürs Apero… 😉

Und die brauchen wir auch, denn Jacqueline&Christian trudeln erst um neun Uhr auf dem Camp ein: grad richtig fürs Abendessen mit uns, doch für argentinische Verhältnisse immer noch zwei Stunden zu früh, denn hier wird extrem spät gegessen! Mit reichlich Wein wird es ein lustiger Abend – und dabei sollten wir doch am nächsten Morgen früh los zur Wanderung… Aber glücklicherweise führt der grosse Teil durch schattigen Wald, sodass es nichts macht, dass wir etwas später aufbrechen als geplant. Christian ist nämlich nicht nur Hochleistungssportler, sondern auch Arzt und er gibt mir am Morgen noch ein paar wertvolle Tipps für meinen Fuss mit auf den Weg.steiler Aufstieg

So verabschieden wir uns vier Wandervögel von den zwei lieb gewonnenen Kameraden und machen uns auf die schöne Tour zum Refugio Italia. Lange Zeit geht‘s sanft bergan durch schattigen Wald einem glasklaren Bach entlang. Kurz nach der Mittagsrast erreichen wir den Talkessel und nun geht‘s steil bergauf an einem Wasserfall vorbei und immer weiter im zigzag hoch. Gut, dass die sengende Sonne durch einen zugigen Wind gekühlt wird! Trotzdem müssen wir immer öfter Rast einlegen und vor allem Claudio leidet sehr, denn ihn hat auch grad noch eine Darmgrippe erwischt :-(

Refugio ItaliaOben beim Refugio bläst der Wind dann heftig quer über den Bergsee und wir sind froh im geschützten Refugio ein Bett im Massenlager gebucht zu haben. Viele junge Argentinier kommen nämlich mit dem Zelt hier hoch – und das stelle ich mir nicht sehr gemütlich vor bei den Sturmwindstärken hier… für den nächsten Abend ist hier oben ausserdem eine vielgerühmte Vollmond-party mit viel Musik angesagt und wir wundern uns, wo denn die alle hier ihr Zelt aufschlagen wollen? Und da es nur eine Toilette gibt, trinken wir ab sofort auch kein Wasser aus dem Hauptbach mehr, glasklares Wasser hin- oder her!!!Gipfelfoto

Da sich Claudio gleich zurückzieht, geniessen wir das angebotene „Gourmethüttenmenü“ (Quicksuppe, Teigwaren mit Champi-gnonsauce und Büchsenfruchtsalat mit Caramelsauce) nur zu dritt… dabei ergötzen wir uns beim Beobachten des ewigen Hin und Hers der verschiedenen jungen Leute auf der Hütte hier. Ich hätte nie gedacht, dass so viele jugendliche Argentinier wandern gehen in ihren Ferien… meist noch mit Gitarre oder Trommel im Gepäck! Und am nächsten Tag auf dem Rückweg kommen uns endlos immer mehr junge Leute entgegen… da scheint wirklich was los zu sein an dieser Vollmondparty! Für die dazugehörenden sanitären Verhältnisse fühlen wir uns zwar schon etwas zu alt – aber so kurz mal darübergeblickt und hingehört hätten wir ja gerne 😉Abendstimmung

Nach einer erholsamen Nacht im Camp zeigt uns Claudio einen schönen Strand, den er entdeckt hat. Für die Zufahrt müssen wir mit unserer Kabine zwar etwas ausholzen, aber der Platz ist wirklich schön und mit einem Lagerfeuer klingt ein weiterer schöner Tag mit unseren Freunden aus. Danach aber heisst es Abschied nehmen; sie wollen Richtung Chile und wir müssen erst noch zum guten Autoelektriker hier in Bariloche, gleichzeitig aber auch die gemeldete Kaltfront hier im Petunia-Camp aussitzen, und dabei Einkäufe, Internet, Wäsche, etc erledigen. Von den wunderschönen 32°C Autoelektrikergeht‘s in einem Tag runter auf noch knapp 10°C, rundherum sind die Berge wieder weiss verschneit und wir frieren wieder mal erbärmlich. Nach eineinhalb Regentagen hält uns hier nichts mehr!

Da wir wissen, dass knapp 50 Kilometer östlich von Bariloche knochentrockene Landschaft ist, fahren wir in einem weiten Bogen um die Seengegend nordostwärts, um da besseres Wetter abzuwarten. Aber auch hier ist es bewölkt und dazu bläst ein sturmartiger Wind, vor dem es kaum Schutz gibt. Was nun? Also doch wieder westwärts zu den Seen – irgendwann wird die blöde Front ja wohl wieder abziehen… Einen ganzen Nachmittag, Abend und die Nacht verbringen wir bei strömendem Regen, der nicht ein einziges Mal aufhört, im Auto mit lesen und Karten spielen. Eigentlich müssten wir ja über den See hinweg direkt auf den angeblich wunderschönen Lanin-Vulkankegel sehen können, aber wir bekommen ihn nicht ein Mal zu Gesicht! Nach fast 20 Stunden Dauerregen haben wir genug, geben frustriert auf und packen unsere Sachen…

Neue Strategie: wir fahren der Front Richtung Norden davon! Dummerweise ist dies auch gerade die Zugrichtung der Front und so erklärt uns der Tankwart in Chos Malal, wo wir nach einem vollen (Regen-) Fahrtag Halt machen: „oh, bis gestern war es heiss, schön und trocken hier; dann kam das langersehnte Gewitter und nun regnet es endlich wieder mal und ist schön kühl…“ Nun gut, von Kölbi erhält er mit dieser Aussage sicher kein Trinkgeld mehr 😉

Nachdem auf uns der Campingplatz den gleich trostlosen Eindruck macht wie der Platz gegenüber am Fluss, stellen wir uns dorthin wo es wenigstens nichts kostet und lassen unserem Frust erst mal freien Lauf. Um die Situation etwas zu entspannen, gehe ich auf einen Spaziergang entlang der neuerstellten Promenade hier und siehe da: die Sonne schaut zwischen den Wolken hervor und bescheint Traumwetterdie weissverschneiten Berge und Hügel rundherum…!

Am nächsten Morgen begrüsst uns ein strahlend schöner Tag und wir machen uns auf zu einer unserer schönsten Rundtouren hier in Argentinien. Erst fahren wir westwärts Richtung chilenischer Grenze, biegen dann nordwärts ab an Andacollo vorbei ins Varvarco-Tal, das bizarr erodierte Gesteinsformen hat und weit hinten auch noch die heissen Quellen von Aguas Varcaro-TalCalientes, wo wir erst noch gratis übernachten dürfen. Diese Naturthermen sind bekannt für ihre Algenkultur, die heilende Wirkung auf die Haut haben soll und zugleich Nistplatz für Millionen von Fliegenlarven… speziell!

Gesteinserosionenalte Häuser

Ich wandere dem heiss sprudelnden Bach entlang den Berg hinauf bis an den Ort wo die ersten kleinen Quellen zutage treten und geniesse die wunderbare Luft hier oben. Nach dem Morgenbad dürfen wir einem Einheimischen zuschauen, wir er die Sonntagsgrillade für die Familie – ein Zicklein aus eigener ZuchtBrücke – fachgerecht am nächstbesten Baum tötet, sein Fell abzieht und es ausnimmt. Wir spüren wieder einmal, wie nah diese Menschen noch am wirklichen tolle StrasseLeben sind – und wie weit weg wir uns in unserer sogenannten zivilisierten Welt davon wegbewegt haben…! Wer von uns könnte dies noch auf so natürliche, routinierte Art bewerkstelligen?! Obwohl wir eingeladen werden, an diesem Festmahl teilzunehmen, zieht es uns weiter – wir möchten das gute Wetter ausnutzen…

 WildwestWeil wir höchst unterschiedliche Beurteilungen von der vor uns liegenden Strecke bekommen haben, fahren wir sicherheitshalber bis nach las Ovejas zurück, um nochmals aufzutanken (falls wir umdrehen müssten).

Dann geht es – mehrere kleine Bäche kreuzend – alles dem Neuquenfluss entlang Vulkan Domuyonordwärts bis an seine Quelle und da weiter über einen wenig befahrenen Pass hoch auf 4000 müM um schliesslich dem Barrancasfluss entlang wieder runter auf Bergseendie Ruta 40 zu kommen. Einfacher ausgedrückt: wir fahren in 4 Tagen rund um den 4700 Meter hohen, schneebedeckten Vulkan Domuyo herum. Eine tolle Tour, die jedoch wirklich nur mit einem Auto mit genügend Bodenfreiheit zu bewältigen ist!

Varvarco-Pass

Hochmoor

HochtalHöhlentourZurück auf der „Hauptstrasse“, statten wir den „Cavernas de las brujas“, den Hexenhöhlen einen Besuch ab. Wir dürfen in einer geführten Tour durch die Höhle klettern – das einzig Interessante ist eigentlich nur das argentinische Brimborium drumherum, denn die meisten Tropfsteine Caverna de las Brujassind bereits abgeschlagen worden und auch die ursprünglich in-stallierte Solarbeleuchtung funktioniert nicht mehr, was die doch recht anspruchsvolle Kletterei zuweilen aben-teuerlich macht… trotz Stirnlampen (die auch nicht alle funktionieren…)!

Kurz vor Malargue campen wir am Fluss und können einem imposanten Gewitter um uns herum zuschauen. Das Wetter ist immer noch recht kühl und dies ändert sich erst, als wir für ein paar Tage nach San Rafael fahren. WeingebieteUnd sofort fühlt sich mein Fuss viel lockerer und gelöster an… Wir nutzen unseren Aufenthalt hier, um unseren Schweizbesuch zu organisieren und buchen auch unsere Flüge von hier aus. Die paar Tage hier ohne jede „Sightseeing-Tour“ tun uns gut und waren dringend nötig.Trauben

Durch das ausgedehnte Weinan-baugebiet des Valle de Uco erreichen wir das Manzano-Tal, wo wir nach einer kurzen Wanderung auf einen Aussichtspunkt am Bergbach übernachten können.

 im ManzanotalJa, und dann sind wir bereits in der Nähe von Mendoza… weil wir wieder mal Geld wechseln müssen, checken wir erst mal die Colonia Suiza ab, ob jemand Schweizerfranken brauchen könnte. Diese Suche verläuft erfolglos, dafür lernen wir jede Menge interessante Leute und die Geschichte dieser kleinen, bereits wieder zerfallenden „Schweizerkolonie“ kennen.

Nach dem Geldwechsel in Mendoza fahren wir auf den uns bereits bekannten Camping „Suizo“ – nur, dass wir ihn dieses Mal kaum wieder erkennen, so proppenvoll ist er! Doch dies ist auch unser Glück: so werden wir nämlich im schön grünen Privatgarten des Besitzers einquartiert! Und am nächsten Nachmittag kommen zufällig noch Iris&Wolfram dazu und ein weiteres deutsches Reisepaar, die auch unsere Freunde Susanna&Peter von ihrer früheren Südamerikareise her kennen… So verschieben wir unsere Weiterreise um einen weiteren Tag und profitieren noch etwas von der guten Internetverbindung hier zum Telefonieren und um die Termine in der Schweiz zu fixieren.am Stausee

Einen Tag gönnen wir uns noch am neuen Stausee bei Mendoza, wo das kristallklare Wasser ideale Badetemperatur bietet. Dann geht‘s los Richtung Norden alles entlang der Vorkordillere der Anden. Vielfarbige Gesteinsschichten wurden hier vor Jahrmillionen aufgefaltet und von Wasser und Wind bizarr erodiert. Heute ist diese Hügelzone fast wüstenartig trocken, einzig entlang der Andenflüsse kann mit Hilfe Calingasta-Talausgeklügelter Bewässerungssysteme Landwirtschaft betrieben werden.

KordillereWir durchfahren grandiose Landschaften und können uns kaum sattsehen an all den Farben und Formen.Wanderung

VorkordillereAber wehe, wenn es dann mal regnet… nichts hält die Gesteins- und Schlammmassen Wassermassenzurück und viele Strassen werden unpassierbar. Und jetzt beginnt die Regenzeit…Schlammbach

So werden auch wir nach einer Gewit-ternacht zu einem Papstwahlalte KircheUmweg von mehreren hundert Kilometern gezwungen.

Doch nach fünf Fahrtagen haben wir Cafayate erreicht.endlose Strassen

In diesem sympathischen Kolonialstädtchen bleiben wir gleich vier Tage. Tagsüber kurven wir mit unseren Fahrrädern durch die Gassen, trinken auf der Plaza ein Glas Wein und profitieren vom Schwimmbad Gewitterstimmunggleich neben un-serem Campingplatz. Und wir probieren natürlich auch all die kulinarischen Spezialitäten dieser Gegend: Ziegenkäse im Fladenbrot gebacken, grilliertes „Chivito“ (Ziegenfleisch), getrocknete Feigen, fruchtiger Torrontéswein…

Hier ist die Indio-Kultur noch sehr lebendig. Wir besuchen das PachamamaPachamama-Museum in Amaicha und auch ein Gauch0-Pachamama-MuseumReiterfest in der Gegend.Gaucho

Gaucho-ReiterTraditionenQuebrada de CafayateNur mit Mühe können wir uns von hier losreissen, aber uns lockt eine der tollsten Schlu-chten auf den Weg Richtung Salta: die Quebrada de Cafa-yate mit ihren gigantischen braun-roten Erosionsformen.beiCafayate

Quebrada

Quebrada

Quebrada

45QuebradaJe weiter runter wir kommen, desto bewölkter ist der Himmel, umso grüner wird aber auch die Umgebung… meterhohes, sattgrünes Gras säumt den Strassenrand, üppige Vegetation mitQuebrada hohen Bäumen und Büschen, Tabak- und Zuckerrohrplantagen – all dies haben wir schon seit langem nicht mehr gesehen!

Dafür lässt aber auch der Regen nicht lange auf sich warten… 😉

Wir verbringen die Nacht an einem Stausee und fahren am nächsten Morgen in die Bezirkshauptstadt Salta rein. Sie gilt als Saltaeine der schönsten, elegantesten Städte Argentiniens, doch wir können ihr nicht soviel abgewinnen und sind schon nach ein paar Stunden wieder auf dem Weg raus in Richtung Berge.zum Obispo-Pass

Leider erwischen wir einen schlechten Tag um den spektakulären Obispo-Pass zu fahren, denn stockdichter Nebel verhindert jede Aussicht und macht das Fahren zu einem gefährlichen Abenteuer… teilweise sehen wir kaum in welche Richtung die nächste Kurve dreht! Vielleicht gut, dass wir auch nicht sehen, wie tief der Abgrund gleich neben der Strasse ist.

Kakteen im NebelOben über den Pass lacht uns dann schon bald die Sonne entgegen: typisches Tessinerwetter… Wir durchqueren den „Los Cardones“-Nationalpark, der nach den hier unzählig wachsenden mehrarmigen Kandelaber-Kakteen benannt ist. los Cardones NPUns faszinieren aber auch wieder die erodierten rotleuchtenden Lehmcanyons und spontan biegen wir in eines der ausgetrockneten Flusstäler ein und fahren hoch bis wir einen geeigneten, Blumen im Canyongeschützten Platz zum Campieren finden.toller Campingplatz... Von da aus erkunden wir die tolle Umgebung zu Fuss, backen Colomeein feines Brot und lassen den ereignisreichen Tag am Lagerfeuer ausklingen.

Für den nächsten Mittag haben wir uns im ColomeColomé-Weingut des Schweizers Donald Hess angemeldet. Wir sind etwas früh dran und haben nach der Führung noch Zeit uns dieses schöne ColomeColomeGut und das zugehörige Hotel etwas genauer anzusehen.

Nach einem feinen Zmittag dürfen wir dann das eigens dafür gebaute Turrell-MuseumMuseum des Lichtinstallationskünstlers James Turrell ansehen. Na ja, wahr-scheinlich sind wir zu sehr Kultur-banausen, dass wir die Grossartigkeit dieses Künstlers weniger zu wür-digen wissen, als all die ausserordentlich faszinierenden Skulpturen, die die Natur hier um uns herum geschaffen hat… Aber der Besuch auf dem Weingut ist absolut empfehlenswert; umso mehr, als dass all dieser Luxus nur über eine bei Regen schlecht – gar nicht zu befahrende Erdstrasse erreichbar ist!Friedhof in den Bergen

Weiter fahren wir über die kurvige Bergstrasse bis wir gegen Abend dann Cachi erreichen, wo wir neben einem Schweizer Kirche in den BergenPaar aus dem Berner Oberland campieren. Weiter geht‘s nordwärts die Ruta 40 hoch über den Abra del Acay, einen (fast) 5000er Pass hoch an schneebedeckten Bergen vorbei. Da es in den letzten Tagen auch  Richtung Abra del Acayhier geregnet hat, ist die Strasse streckenweise in schlechtem Zustand, mehrmals müssen wir recht tiefe Bäche durchqueren.Bachquerungen

Bei einem dieser Wasserdurchfahrten laden wir auch einen jungen argentinischen Fahrradfahrer samt Abra del AcayVelo in unser Auto, um ihm die nass-kalten Füsse zu ersparen. Scheinbar hat er so wenig wie wir mit diesem hohen Pass gerechnet, so dass er ganz glücklich ist, dass wir ihn bis in die Ortschaft nach dem Pass mitnehmen. 61Abra-SchildFür die Strecke hätte er sonst sicher noch mindestens zwei Tage gebraucht…

und hatte nicht mal gescheit Essen dabei!

SalinasWir tanken und fahren noch weitere 60 Kilometer bis zum Salar „Salina Grande“, wo seit Urzeiten Salz abgebaut wird. Wir stellen unseren Cruisie unten auf eine Sanddüne um von der tollen Aussicht zu profitieren. Ich klettere sie bis ganz hoch und geniesse den tollen Rundblick – …mit Schlangeund entdecke eine Schlange, die sich vor mir im Sand in Sicherheit bringt…

Als ich von meinem Spaziergang zurückkomme, hat der Abendwind dermassen zu blasen begonnen, dass wir unsere exponierte Lage aufgeben und im Windschatten der Düne Schutz suchen müssen. Am nächsten Morgen grasen dann Vikuñas um unser Auto herum… wohl die letzten, die wir für lange Zeit sehen werden!

Denn die heutige Pass – Strecke wird die letzte in der Andengegend sein, danach geht‘s runter ins Flachland und quer durch den Kontinent Brasilien entgegen! Richtung HumahuacaAber erst einmal steht uns noch diese abenteuerliche Strecke bevor… Wir haben diese „Abkürzung“ ins Humahuaca-Tal auf einer unserer diversen Karten entdeckt – aber eben auch NUR auf dieser, was uns verdächtig vorkommt 😉 Ein einheimischer Mopedfahrer, Kakteenblüteder uns entgegenkommt, weiss auch nichts von diesem Weg und schickt uns weiter die Hauptroute entlang. Aber als wir den Abzweiger entdecken, zwar nur eine kleine Piste, aber mit Hinweisschild ins Humahuaca-Tal, ist es uns den Versuch wert. Wieder müssen wir Bäche queren, die Piste ist ausgeschwemmt und ein paar Mal etwas abgebrochen und schlammig, aber nach vielen Kurven, toller und teils völlig abgeschiedener Landschaft mit blühenden Essen in HumahuacaKandelaber-Kakteen erreichen wir am Mittag schliesslich Humahuaca.

Nach einem traditionellen HumahuacaMittagessen bummeln wir noch durch das hübsche Städtchen um uns anschliessend im tiefer gelegenen Tilcara auf dem recht heruntergekommenen Campingplatz einzuquartieren. Der Ort ansonsten ist ganz Pucara bei Tilcarahübsch.

Haus-InnenansichtAm Morgen früh besuchen wir die teilweise rekonstruierte präkolumbianische Ausgrabungsstätte Pucarà. Von dort oben bietet sich ein weiter Blick über die erodierten Gesteinsformen, die in allen Farben leuchten und für die die Quebrada de Humahuaca berühmt ist.

Kakteenholz

PurmamarcaSo auch in Purmamarca, wo wir uns nach der Wanderung Gesteinformationdurch die Gesteins-formationen ein Bierchen auf der Plaza gönnen und dabei dem bunten Markttreiben Markt in Purmamarcazuschauen können.

Purmamarca

Kurz darauf fahren wir aus dem Tal heraus und kommen ins Tiefland runter. Fast auf einen Schlag ist alles üppig grün und es dauert nicht lange, tröpfelt auch schon wieder der Regen gegen die Autoscheiben… genau das richtige Wetter um die heissen Quellen von Reyes zu besuchen! Den Abend entspannen wir im heissen Pool, um am nächsten Morgen früh fit zu sein für die lange Fahrt Richtung Osten, quer durch Argentinien.Sumpfhirsch

Nach drei Tagen erreichen wir das Sumpfgebiet „Estero del Iberà“, das uns Mitreisende empfohlen haben. Da es die letzten Tage geregnet hat, rechnen wir mit einer schlimmen Piste, Schlammpisteaber richtig schlammig ist es nur auf den ersten paar Kilometern, wo die Strasse neu gebaut wird. Unterwegs sehen wir schon nach kurzer Zeit die ersten Tiere: Störche und Ibisse, Kaimane,im Sumpf Caipibarras und Sumpfhirsche, die überhaupt keine Scheu zeigen. Schon bald haben wir die Lagune erreicht und Estero del Iberanach einem kurzen Besuch im Informationszentrum rattern wir über den Verbindungssteg und auf den wunderschön gepflegten Campingplatz. Wirklich der schönste, den wir hier in Argentinien angetroffen Blütenhaben in all den Monaten! (Gut, ist auch nicht ganz so schwierig, bei allKaiman den abgewirtschafteten Plätzen, die es hier gibt…)

Wegen einem heftigen Gewitter müssen wir die gebuchte Bootstour zwar auf den nächsten Morgen Parkplatz?verschieben, aber das lohnt sich: bei strahlendem Sonnenschein …wohl doch nicht!entdecken wir ganz viele Tiere und sehen so innert kürzester Zeit die ganze Artenvielfalt für die das Sumpfgebiet berühmt ist.

Der Gewitterregen hat natürlich auch die Piste völlig aufgeweicht und die Weiterfahrt wird zur Schleuder- und Drecktour… Kölbi ist voll in seinem Strasse nach dem GewitterElement und geniesst das „dräckelen“ wie ein kleiner Junge 😉 und unser Auto Sliding...wiegt wohl grad 20 Kilogramm mehr vor lauter Schlamm…

Unser letztes Mal in Argentinien übernachten wir in San Ignacio, einer historischen Jesuiten-Missionsstation, von denen wir ja bereits in Bolivien welche besucht haben. Hier bieten sie jeden Abend eine Licht- und Tonshow, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Am Eindrücklichsten für uns sind jedoch all die Indiokinder, die uns im Restaurant um unsere Essensreste anbetteln… keine „Show“, sondern traurige Wirklichkeit!Dreckauto

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Patagonien&Feuerland, Argentinien&Chile (20.12.13 – 20.1.2014)

1Richtung El BolsonBei strahlendem Sonnenschein fahren wir nach El Bolson, Grenze zu Patagonien und berühmter Hippieort, wo dreimal die Woche ein Handwerksmarkt stattfindet, so wie auch heute. Wir decken uns allerdings „nur“ gerade mit Empenadas, gefüllten Fleischtaschen, ein für den Zmittag und installieren uns dann auf einem der vielen Campingplätze im Ort.

Ins Auge gestochen sind uns die vielen Bier-Kleinbrauereien im Dorf und seiner Umgebung – kein Wunder, sind wir hier doch in Argentiniens Hopfen-Hauptanbaugebiet! Nach einer kleineren Degustation durch die diversen Biersorten greifen wir 1 Bolson-Bierjedoch sowohl aus Preis- wie auch Geschmacksgründen recht schnell wieder aufs bewährte „Quilmes“-Bier zurück, Argentiniens bekannteste Marke. Und – eine weitere Besonderheit in dieser Ecke Südamerikas (zusammen mit Brasilien, Uruguay und Paraguay) – verkauft wird es vornehmlich in Literflaschen… das muss ja Durst geben 😉

2 am Puelo-SeeDen nächsten Tag verbringen wir sportlich. Mit unseren bisher in Südamerika noch kaum benutzten Klappfahrrädern radeln wir bis an den Puelo-See, wo ein kühlendes Bad erfrischt. Den Rückweg verkürzen sowohl ein Glace-Stopp sowie der – gnädigerweise einmal aus der „richtigen“ Richtung wehende – Patagonien-Wind.

Wir ziehen am nächsten Tag weiter (jetzt mit Gegenwind) und besuchen den Alerces-Nationalpark. Alerces sind sehr langsam wachsende Tannen-ähnliche Riesenbäume, die wegen ihres Hartholzes sehr gesucht sind. Zu ihrem Schutz wurde dieser Park errichtet – leider wohl etwas spät, denn wir bekommen nur noch einen „Jungbaum“ von ca 3003 Alerces NP Jahren zu sehen… Mehr von diesen Alercen stehen auf der gegenüberliegenden Seeseite und sind nur per Boot erreichbar, welches aber ausserhalb der Saison (jetzt also) wochentags nicht fährt, wie wir nach einer halbstündigen Wanderung zum Hafen erst da herausfinden. Pech gehabt! Dafür geniessen wir einen schönen Nachmittag und Abend ganz alleine auf einem kleinen Campingplatz direkt am See in einer lauschigen Bucht. Überall blühen die wilden 4 Alerces NPBuschrosen, sie überwuchern das Land richtiggehend und erschweren oder verunmöglichen jegliche Wanderversuche ohne ausgehauene Pfade – wie ich schmerzlich an meinen Dornen-zerkratzten Armen und Beinen feststellen muss 😉5 Camp mit Susann&Claudio

Für die folgenden Tage haben wir mit Susann&Claudio abgemacht, die von Süden her kommen. Wir treffen sie zufällig bereits einen Tag früher als ausgemacht und die Wiedersehensfreude ist umso riesiger! So können wir zwei Tage in dieser schönen 6 EssenUmgebung zusam-men verbringen…

Danach starten wir zu unserer „grossen, langen Fahrt 7 Fahrt nach Südennach Süden“, nach Ushu-aia runter, um wie abgemacht Over-lander-Freunde an Sylvester dort unten zu treffen. Schnell runter und dann gemütlich wieder hochfahren und die Sehens-würdigkeiten und Parks unterwegs geniessen, das ist eigentlich der Plan.

8 Magellan-Fähre-Schild

Der erste Teil klappt wunderbar, nach dreieinhalb intensiven Fahrtagen haben wir die Magellanstrasse bei stürmischem Wellengang per Fähre überquert und sind auf Feuerland angekommen.

 

9 Feuerland

10 Flüsse auf Feuerland11 Feuerland11 UshuaiaAm 25. Dezember fahren wir bei dichtem Schneetreiben(!) über den letzten Pass nach Ushuaia runter… womit wir noch leben können, denn kurz darauf lacht uns schon wieder die Sonne entgegen.

Wir fahren direkt auf den Municipal-Camping 6 Kilometer ausserhalb der Ortschaft, wo wir wie abgemacht auf Petra&Stefan und Ruedi&Maagi treffen. Wir verbringen den Abend in Ruedis Camper, da es fürs Draussensitzen zu kalt und windig ist.12 Ushuaia-Camp Municipal

– Und da liegt genau unser Problem: wir haben uns soo auf Ushuaia gefreut, um mit gleichgesinnten Reisenden zusammensitzen und Erfahrungen austauschen zu können… andere Reisende hat es viele da, aber meist sitzt wegen dem kalten Wetter abends jeder alleine in seinem Auto drinnen…!

Dann möchten wir doch zumindest etwas von den Kneipen in Ushuaia profitieren können, also zügeln wir am nächsten Tag auf den Club-Andino-Campingplatz, der etwas oberhalb der Stadt liegt und wenigstens einen geheizten Aufenthaltsraum hat.17 Ushuaia-Kneipe

Ich wandere am Nachmittag in die Stadt runter und schaue mir das interessante Museum über die Geschichte und Lebensweise der inzwischen praktisch ausgerotteten UrbevölkerungUshuaia von Feuer-land an.

Nachdenklich und in Gedanken ver-sunken hinke ich zurück zum Camping. Meinem Arthrose-Gelenk tut dieses nass-kalte wechselhafte Wetter definitiv nicht gut und ich wünschte Schnee...mir, die Goldbehandlung würde bereits Wirkung zeigen… so schlimme Schmerzen wie hier im Süden hatte ich bisher noch nie und mir wird endgültig klar, dass wir unsere Reise wohl für eine Zeitlang werden unterbrechen müssen 13 verschneites Ushuaiafür eine Behandlung in der Schweiz im kommenden Jahr.

Nun, meine wetterfühliger Fuss hat sich nicht geirrt: am nächsten Morgen erwachen wir unter einer weissen Schneedecke!!! Glücklicherweise schmilzt die (Hoch-sommer?!-)Sonne ihn schnell weg, aber natürlich versinkt der Campingplatz nun im 14 SchneemannMatsch und Morast…

Kölbis Laune ist endgültig an einem Tiefpunkt 15 Kneipeangelangt, der einzige Lichtblick sind die Ankunft von Iris&Wolfram und Tina&Marco. Wir gehen alle zusammen zu Fuss nach Ushuaia runter zum Apero in eine gemütliche Kneipe und einem feinen Nachtessen in einem schicken Restaurant. „Seelenfutter“!16 Bier-Apero

Aber wir mögen nicht mehr bis Sylvester hier ausharren…18 frisch verschneite Berge

Wir fahren über den Pass zurück bis Tolhuin, wo wir beim genialen Roberto auf seinem clever eingerichteten Campingplatz herzlich aufgenommen werden. Im 19 Bucht von Tolhuinkleinen Gemein-schafts-Häuschen bringt Kölbi den Eisenofen zum Glühen und als zufällig auch noch alte Bekannte von Roberto auftauchen und ihre Instrumente auspacken, wird dies einer unserer schönsten Abende hier in Argentinien…!

Doch das miese Wetter 20 Punta Arenastreibt uns weiter, zurück über die Magellanstrasse und bis nach Punta Arenas, wo wir am nächsten Tag in der Zollfrei-Zone Motorenöl für den Ölwechsel kaufen und, nach einer kurzen Stadtrundfahrt, noch bis Puerto Natales weiterfahren, wo uns das erste Mal seit drei Tagen Regen die Sonne wieder entgegen lacht.

21 Puerto NatalesZu unserer Freude sehen wir Regine&Walther im kleinen Campingplatz stehen und gehen zusammen essen. Zu unserer Überraschung fährt am Mittag auch noch die Bieler Familie, neben denen wir in Cusco auf dem Camping gestanden sind, hier auf den Camping.

Wir mailen unseren Reisefreunden, dass wir Sylvester hier verbringen werden und – obwohl der Platz eigentlich winzig klein ist für viele Fahrzeuge – kommen sie schlussendlich alle von Ushuaia hierher.22 Campin Puerto Natales

Als am späten Abend sogar noch Ruedi&Maagi mit ihrem Carthago reinfahren, bleibt kein Zentimeter Parkfläche mehr frei… 😉

23 SylvesterzeltDie Jungs ziehen eine Regenplane über den Feuerplatz, denn – obwohl die Sonne laut Wetterbericht spätestens abends um acht wieder scheinen sollte – hält sie sich ganz nach südamerikanischer Lebensweise nicht an die abgemachten Zeiten. Wir feiern trotzdem draussen und können um Mitternacht am Lagerfeuer mit vielen Freunden auf‘s Neue Jahr anstossen.25 Lagerfeuer24 Lagerfeuer26 Ruedi

 

Da wir uns am nächsten Tag doch noch etwas verkatert fühlen, gönnen wir uns einen weiteren Tag im angenehm unspektakulären Puerto Natales, einer typisch süd-chilenischen Ortschaft mit kleinen Holzhäusern und hohen Umgebungszäunen.

27 Laguna azul

Dann aber fahren wir bei aufklarendem Himmel raus Richtung Torres-del-Paine-Nationalpark. Von Susann&Claudio haben wir den Tipp mit der Laguna Azul bekommen, direkt an den Park angrenzend und mit tollem Blick auf die Torres.

28 Camp Laguna Azul

Und wir können dank Sonnenschein sogar mittags und abends draussen sitzen zum Essen! Kölbi und ich klettern etwas in der Gegend herum und lernen auch den netten Campingbetreiber Victor kennen, der uns von seinem mit Calafate-Beeren verfeinerten Pisco Sour und selbst gemachten Meeresfrüchte-Empenadas zu probieren gibt.

29 Sonnenaufgang TorresDie Krönung aber ist der tolle Sonnenaufgang am nächsten Morgen früh, welcher die Torres-Gipfel in den schönsten Farben leuchten lässt. Die Fotos davon können wir – ganz faul – im Bett liegend von unserem Schlafzimmerfenster aus schiessen 😉

Zu unserer Überraschung und Enttäuschung ist der Himmel nur eine halbe Stunde später bereits wieder wolkenverhangen. Wir zwei machen uns nach dem Frühstück dann doch noch auf eine Wanderung dem See entlang, drehen nach einer Stunde aber um weil das Wetter sich nicht bessern will.30 Guanakos

31 kämpfende GuanakosAuf der Weiterfahrt können wir wie schon tags zuvor einer wildlebender Herde Guanakos (die Urform der Lamas) zuschauen, deren Männchen sich die typischen Rangkämpfe liefern, wobei sie mit ihren Hälsen gegen einander schlagen. Sieht sehr speziell aus!

21 Bäume im WindKurze Zeit darauf sind wir bereits über der Grenze und wieder in Argentinien. Durch öde, verregnete und windgepeitschte Pampa-Landschaft fahren wir durch bis nach El Calafate.

32 Ovejero-GrillDort stellen wir uns in den ebenso trostlosen Ovejero-Camping, dessen einziger Lichtblick das Asado-Restaurant ist, wo wir uns die Bäuche mit (zu) viel fein gegrilltem Fleisch voll schlagen.33 Fleisch!

34 Perito MorenoAm nächsten Morgen fahren wir ganz früh los um die Morgensonne auf dem berühmten Perito Moreno Gletscher zu sehen. Dieser riesige Gletscher wächst täglich um 2 Meter(!) und stösst auf einer Länge von 6 Kilometern in den angrenzenden See, wo er kalbt (abbricht).35 Perito Moreno

Und wirklich: kaum sind wir da, bricht bereits ein haushoher Eckpfeiler mit lautem Getöse in sich zusammen und taucht als Eisschollen kurz darauf aus dem See wieder 37 Eisschollenauf. Natürlich haben wir die Fotokamera noch nicht parat…

Am Eindrücklichs- ten ist der Knall, den die Abbrüche jeweils verursachen.36 Gletscher

Fasziniert schauen wir dem Gletscher zu, können uns an seinem kristallklaren Blau kaum sattsehen. Wir verbringen mehrere 36 EisStunden da, spazieren die aufwendig angelegten Gehwege auf und ab und picknicken zwischendurch. Dabei lernen wir auch viele nette Leute kennen; Touristen hat es schliesslich ganz viele hier jetzt in der Hochsaison.

Am Nachmittag fahren wir aus dem Lago RocaPark raus und suchen uns einen Über-nachtungsplatz in der Umgebung. Leider kalkulieren wir den Wind zuwenig mit ein, sodass wir die ganze Nacht das Gefühl haben auf einem schaukelnden Boot zu sein und nur sehr wenig schlafen. Aber auch da wird es mal Morgen und für kurze Zeit profitieren wir dann sogar vom Rückenwind auf der Weiterfahrt.

38 Fahrt nach ChaltenErst als wir wieder gegen Westen nach El Chalten zum Mt.Fitzroy abbiegen, muss der Chruisie wieder voll gegen den unglaublich starken Wind ankämpfen. Dort besuchen wir als erstes die Touristeninformation, da uns Tina&Marco vom hiesigen Wandergebiet vorgeschwärmt haben. Leider dämpfen sie da unsere Wanderlust grad wieder aufgrund der Wetterprognosen. Morgen sei es kalt mit Regen und übermorgen gebe es Starkwind… auf meine Frage was denn zum Wandern besser sei, empfiehlt uns die nette Rangerfrau den Regentag, denn beim hiesigen Starkwind könne es schnell mal gefährlich werden (sie sprach von Windstärken bis 120kmh)! Und da – kaum dass wir uns auf dem Campingplatz eingenistet haben – auch schon die ersten Schneeflocken durch die Luft tanzen, ist das Wanderprogramm schnell mal begraben. Dafür gönnen wir uns nun den nächtlichen Ausgang in eine Tangobar… Wahnsinn, wie die Tänzer mit ihren Beinen herumjonglieren!!!

Der nächste Morgen ist so grau wie vorausgesagt, so dass uns der Abschied von hier ganz leicht fällt. An der Ortsausfahrt steht Sascha, ein holländischer Abenteurer, den wir bereits von Puerto Natales her kennen und macht Autostopp. Den nehmen wir doch 41 mit Saschagerne mit bis zur nächsten Kreuzung, denken wir und laden ihn ein. Das war ein bisschen kurzsichtig gedacht, denn die nächste Kreuzung (nach 89km!) ist im absoluten Nichts draussen, da steht noch nicht mal ein Haus… da können wir ihn wohl schlecht stehen lassen! Also weiter bis zur nächsten Tankstelle (nochmals 135km): da stehen bereits sechs Leute, die verzweifelt eine Mitfahrgelegenheit suchen! Da realisieren wir wieder einmal, wie leer und unbewohnt dieses Patagonien ja eigentlich ist.39 Estancia La Angosturs

Sascha fährt dann die nächsten zweieinhalb Tage bei uns im Auto mit… gut, dass er wenigstens ein Zelt dabei hat! Die erste Nacht verbringen wir auf einer Estancia, einem Bauerngut, das an einem Fluss liegt. Der Kontrast zur trostlosen Pampa rundherum ist extrem: das Blau des Wassers wetteifert mit dem Grün der Gräser, dazwischen tummeln sich Schafe, Rinder, Pferde, Enten, Gänse und sogar Flamingos40 Estancia. Glücklicherweise legt sich abends dann der konstant blasende Wind etwas, so dass wir im Schutz des Hofes und des Gartens doch noch ein Lagerfeuer starten können. Wie hat es uns die nette Besitzerin doch erklärt: ein Tag ohne Wind ist kein patagonischer Tag…

42 Passo Roballos44 Grenze RoballosKurz nach der Estancia biegen wir schon bald mal von der Ruta 40 westwärts ab und fahren durch schöne Bergwelt über den Passo Roballo nach Chile rüber. Wir campieren am Fluss zwischen Büschen, wo der Wind erträglicher ist.

45 Roballos-ChileDer gibt am nächsten Morgen ab, dafür ist es wie meistens auf chilenischer Seite: der Regen setzt ein!

Also fahren wir bis nach Cochrane, der nächsten Ortschaft und verabschieden uns da von Sascha, kaufen ein und suchen uns ein ruhiges Plätzchen am nächsten See, wo wir den Regentag aussitzen können. Weiterfahren wäre schade für die tolle Landschaft hier…

46 Carretera AustralUnd wirklich werden wir am nächsten Morgen mit Sonnenschein belohnt! Dann ist die 48 alter FriedhofCarretera Austral ein Genuss zu fahren!47 Lago Gral Carrera

49 CarreteraLeider ziehen schon allzu bald wieder Wolken auf, es ist kühl und windig, und da wir zufälligerweise grad über Mittag einen kleinen Ort passieren, suchen wir – nach schlechten Erfahrungen wieder einmal nach langem – ein Restaurant zum Essen auf. Es ist klein und heimelig, im Ofen knistert ein wärmendes Feuer und ausser uns sitzt nur eine ältere Dame da vor ihrem Mittagessen. Wir bestellen zwei Kaffee und eine Portion Pommes; die Dame erklärt uns, sie hätten jetzt grad eine lange trockene Wärmeperiode gehabt, gut, dass es nun regne und etwas kühler sei… nun ja, dem können wir uns nicht unbedingt anschliessen, aber was solls?!49 Strassenbild

Der jugendliche Kellner bringt uns zwei Tassen, eine Kanne heisses Wasser und eine Dose Nescafe (!), als nochmals zwei Gäste das Lokal betreten und was zu Essen bestellen. Da geht der Kellner schnurstracks zur Tür, zieht den Vorhang zu und kehrt das „cerrado“-Schild nach aussen: geschlossen! Vier Gäste aufs Mal sind wohl zuviel… Nervös tippt er auf seinem Handy herum und wirklich taucht nach etwa 10 Minuten ein weiterer Jugendlicher auf, der sich in der Küche zu schaffen macht. 50 PassstrasseUnsere chilenischen Gastronomie-Erfahrungen sind inzwischen schon so ausgereift, dass wir sofort zum Kellner gehen und unsere Portion Pommes abbestellen, was dieser prompt erleichtert (!) zur Kenntnis nimmt… 😉

Also verpflegen wir uns wieder selber oder kaufen Empenadas am Strassenrand, was wir dann auch in diesem Fall in Coyhaique, unserem nächsten Übernachtungs-Stopp machen.51 Strassenrand

Weiter nordwärts schlängelt sich die Strasse durch urtümliche Buchenurwälder, riesige Farne und Rhabarberstauden säumen die Strasse. Wieder einmal haben wir Erbarmen mit zwei der unzähligen Autostöppler am Wegesrand; es sind junge Frauen aus Israel, wie die meisten Tramper, die wir hier treffen. Bei 52 hängender Gletscherregnerischem Wetter fahren wir über die enge, kurvenreiche Schotterstrasse über den nur knapp 600m hohen Pass und folgen danach den Schildern zum hängenden Gletscher. Die zwei Mädels sind wohl froh, mit uns die zweistündige Wanderung dahin machen zu können, denn hinten in unserem Auto zu sitzen ist nur etwas für einen starken Magen…54 Märchenwald

Der Weg führt durch einen richtigen Märchenwald hinauf zum Aussichtspunkt, von wo wir den Gletscher und seine tosenden Abbrüche gut sehen und hören können.53 Märchenwald

55 Aussichtspunkt

Kurz darauf trifft die Strasse bereits wieder auf einen Meeresarm, einen der weit verzweigten Fijorde hier…

In Puyuguapi, einem hübschen Fischerort mit deutschen Wurzeln, wollen wir eigentlich nur unsere Autostöppler rauslassen, entdecken dann einen Toyota mit CH-Kennzeichen und bleiben schlussendlich 56 Puyuhuapiauch gleich hier im Ort stehen über Nacht.

Dann aber fahren wir zu den Thermen von La Junta und gönnen uns da das langersehnte warme Bad in den schön angelegten Naturbassins.57 Thermalbad

Auf der Weiterfahrt nach Raul Marin Balmaceda, einem Abstecher ans Meer, haben wir ein junges deutsches Studenten-Paar im Auto mit dabei, die hier ihren Urlaub von der chilenischen Gast-Universität verbringen.

58 Fähre

Bei strahlendem Sonnenschein bringt uns die Gratis-Fähre auf die Halbinsel und die nette Dame von der Touristeninformation verrät uns sogar noch einen wunderschön gelegenen Stellplatz in den nahen Dünen.59 Raul Marin Balmaceda

61 FaulenzenSo schön ist es hier, inklusive Wetter, dass wir gleich zwei Nächte bleiben! 60 Erdbeeren…und es wachsen erst noch wilde Erdbeeren hier…

62 MeerDa macht es nichts, dass der Himmel tags darauf wieder bewölkt ist, die folgende Carretera-Strecke ist eh voller Baustellen. Wieder stehen viele Autostöppler am Wegrand, doch heute wollen wir mal alleine fahren… kaum beschlossen, sehen wir „unseren“ Sascha den Daumen raushalten – da können wir dann doch nicht durchfahren! Doch oh je: kaum im Auto drin, merken wir, dass er wohl ein paar Tage nicht geduscht hat… Wir kurbeln die Fenster runter, doch es nützt nichts! Wir beschliessen ihn an der nächsten Kreuzung abzusetzen. Doch wie immer in solchen Fällen zieht sich die Strecke wegen der Baustellen scheinbar endlos dahin… Nun ja, damit hat sich für uns das Thema Autostöppler für die nächste Zeit wohl erledigt 😉

Kurz vor der argentinischen Grenze entdecken wir einen schönen Platz an einem Fluss und verbringen da einen schönen Nachmittag mit Baden und Autolüften und -putzen. Unser letzter Grenzübertritt Chile-Argentinien verläuft reibungslos, auf argentinischer Seite werden wir vom Zöllner sogar auf Deutsch begrüsst! Seine Grosseltern sind aus Deutschland eingewandert und er selbst ging auf die deutsche Schule… Zügig geht‘s nun über die Ruta 40 weiter, bis wir am Nachmittag zurück in El Bolson sind, von wo wir vor exakt einem Monat zu unserer Patagonien-Reise aufgebrochen sind.63 nach Bolson

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Zentral-Argentinien und -Chile (10.11. – 20.12.2013)

1Traful mit GinsterEndlich ist der Frühsommer angekommen in der Seenregion! Abends und nachts wird es zwar immer noch empfindlich kühl, aber dafür haben wir ein paar Tage Sonnenschein… und überall blühen die gelben Ginsterbüsche entlang der 2blühender GinsterbuschStrasse und ganze Lupinen-felder strecken ihre rosa- und lila-farbenen Köpfe der Sonne entgegen. Mit Iris&Wolfram zusammen fahren wir nochmals durchs schöne Trafultal, campieren am See und lassen es uns gutgehen.

3Gaucho im TrafulWeiter die Seenroute hoch, ein Platz ist schöner als der andere – und wir treffen auch auf andere Overlander, so dass sich immer wieder mal ein Schwatz am Strassenrand ergibt. In San Martin de los Andes bläst uns nachmittags der Wind fast um, so dass wir schnell weiterziehen 4Fellstiefeldem Lacar-See entlang in Richtung chilenischer Grenze. Vorher übernachten wir noch in einer hübschen Bucht und machen am nächsten Morgen eine kurze Wanderung zu einem Wasserfall.

5WasserfallDer Grenzübertritt verläuft problemlos, ausser dass mir die chilenische Inspektorin alle meine Körner und Kernen fürs Brotbacken konfisziert. Dummerweise habe ich sie vor der Grenze nicht „weggepackt“ (sprich: versteckt)… aber diese Dame kontrolliert auch wirklich streng, sogar meine gekochten Eier schlägt sie noch auf um sicherzugehen, dass ich nicht bescheisse (rohe Eier sind verboten einzuführen)…. :-(

Danach müssen wir zwei Stunden auf die Fähre warten, die uns in eineinhalb Stunden6Fähre nach Puy über den See bis zur Strasse bringt. Für einmal eine neue Art der Andenquerung! Sogar Kühe werden mit der Fähre transportiert…7Kuhtransport

Nach einer kühlen Nacht geht‘s entlang toller Seen-landschaft nach Panguipulli, einem charmanten kleinen Städtchen zum Einkauf und nach einem feinen Empenada (gefüllte Teigtaschen) weiter zu einem Schweizer Campingplatz.

Der Ort erweist sich allerdings als ziemliche Enttäuschung und so fahren9in Panguipulli wir am folgenden Tag gleich wieder zurück nach Panguipulli und campieren dort frei am See, geniessen die wärmende Sonne und machen noch Bekanntschaft mit einem deutschstämmigen Ehepaar, das in Chile einen Rindermastbetrieb aufgebaut hat. Sie wissen viel Interessantes zu erzählen und bei ein paar Bier, Wurst und selbstgebackenem Brot vergeht die Zeit wie im Fluge.

8Vulkanlandschaft Unser nächstes Ziel ist Pucon, eine touristische Feriendestination erster Güte. Sie liegt in traumhafter Landschaft, dominiert vom Villarica- und Laninvulkan. Leider bekommen wir diese zwei nur spärlich zu Gesicht, denn der Himmel ist wieder mal wolkenverhangen. Also entschliessen wir uns zu einem Besuch in den Thermalquellen zuhinterst im Tal, wo wir den halben Tag im warmen Wasser entspannen können. Nicht weit entfernt liegt ein kleiner Campingplatz, rührend gepflegt von einem älteren Ehepaar, bei denen wir 10 Pucon-Thermengleich zwei Nächte bleiben. Schliesslich wollen wir dem „Tirol“-Restaurant in der Nähe noch einen Besuch abstatten, was wir mit einer Wanderung dahin verbinden. Und wir haben Glück: der Wolkenbruch kommt erst, als wir gerade wieder bei unseren Wohnmobilen zurück sind…!

11Wiedersehen in PuconNun ja, den Rest des Nachmittags und Abends verbringen wir dann drinnen. Es giesst wie aus Kübeln und unsere Schönwetterlaune landet auch gleich im Eimer 😉 Gut, dass wir Nachricht von Tina&Marco gekriegt haben, sie seien auf dem Pucon-Camping zusammen mit Katja&Florian, die mit einem Pinzgauer unterwegs sind. Also nichts wie hin und wir verbringen alle zusammen einen gemütlichen Tag und Abend. Sie12Vulkanlandschaft bei Pucon erzählen uns von weiter weg gelegenen heissen Quellen und so machen wir eine Rundfahrt bis dahin.

13Araukarie14Araukarie-Ast

Auf der bekommen wir – endlich! – unsere ersten Araukarien, die speziellen chilenischen Tannen-bäume, zu sehen. Und die Thermalquellen gefallen uns auch sehr gut; zur Abkühlung können wir zwischendurch immer wieder in den eiskalten Fluss springen…15Thermalquelle RioBlanco

Wir legen einen Tag Pause ein und machen eine kleine Wanderung in dieser schön bewaldeten Berggegend, wo immer wieder kleine Bäche den Weg kreuzen – die trockenen Fusses jedoch nicht immer leicht zu queren sind 😉

16Conguillo-NationalparkGut geruht, leider aber bei bewölktem Himmel, fahren wir weiter nordwärts in den Conguillo Nationalpark, bekannt für seine Vulkane und tiefblau schimmernden Seen in den schwarzen 17Seenerkalteten Lavaströmen. Weil er auch recht hoch liegt (hier sind 1200 müM schon wieder hoch gelegen…), wachsen ganze Araukarienwälder, die mit ihrem zerzausten Wipfeln und moosbewachsenen Stämmen einen schönen Kontrast abgeben.18durch Araukarienwald

Und wir haben wieder einmal Glück: da die Ranger streiken, müssen wir keinen Eintritt bezahlen – und weil sie die Barriere zum 21Gratis-Camp am See(teuren) Camping-platz für unsere Wohnmobile zu niedrig gebaut haben, dürfen wir gratis auf dem Besucherparkplatz mit wunderschöner Seesicht campieren…19Conguillo-Laguna azul20Conguillo-Vulkan

Hier treffen wir 23Wandergruppeauch die deutschen Radfahrer wieder, denen wir auf der Lagunenroute mal eine Tafel Schokolade zugesteckt haben, und alle zusammen unternehmen wir eine tolle Wanderung auf die Sierra Nevada.

Oben blockieren uns zwar Schneefelder das Weiterkommen, aber wir geniessen 26Vogelspinnedie schöne Aussicht und die interessanten Tierbeobachtungen. Es kreuzen mehrere 24RothaubenspechtVogelspinnen unseren Weg, auf einem hohen Baum sitzt ein Kondor und zwei Rothaubenspechte fliegen im Wald umher.25Kondor

22WanderaussichtMüde, aber zufrieden kommen wir nachmittags ins Camp zurück. Obwohl es recht kühl ist, entscheiden wir uns noch eine weitere Nacht zu bleiben und fahren erst am nächsten Tag weiter durch blühende Frühlingswiesen und über glasklare Bäche weiteren Vulkanen entgegen. Wir campieren noch ein letztes Mal mit Iris&Wolfram, bevor es für uns dann Zeit wird die lange Fahr-Strecke nach Santiago in Angriff zu nehmen. Ich muss ja am 4. Dezember dort am Flughafen sein.

Auf der mautpflichtigen Autobahn kommen wir zügig voran und weil wir wegen Chiles vielen Zäunen lange keinen passenden Stellplatz finden (wir sind wohl schon etwas zu wählerisch geworden…), sind wir bereits mitten im Weingebiet südlich von Santiago, als wir endlich einen schönen, ruhigen Platz am Fluss entdecken. Die Zufahrt hat allerdings eine Barriere – und obwohl sie geöffnet ist, fragen wir beim Haus daneben nach: ja, ja, da dürfe man sicher campieren… am nächsten Morgen ist diese Barriere dann aber abgeschlossen :-( Glücklicherweise finden wir ein Stück weiter den Fluss runter eine offene Ausfahrt!

27PichilemuWir schauen uns den bekannten Surfort Pichilemu an, aber wie immer, wenn wir uns der Westküste Südamerikas nähern, empfängt uns kühler Nebel hier unten – und nur 20 Kilometer landeinwärts schien noch die Sonne und versprach uns einen heiss-warmen Sommertag…

28Dean JonesUnser einziger Lichtblick hier ist das Wiedersehen mit Dean Jones und seiner Frau Vivian, die wir von Cartagena her kennen – er hat uns damals zum Hafen rausgeschleppt. Die beiden haben in der Zwischenzeit ihren Toyota gegen den weitaus geräumigeren Rundhauber einer holländischen Familie getauscht und sind happy damit. Wir verquatschen zwei Stunden bei ihnen „zuhause“ und fahren danach weiter, zurück an die Sonne!

29verbaute KüsteEigentlich sind wir ja auf der Suche nach einem Platz, wo Kölbi fünf gemütliche Tage alleine verbringen kann, während derer ich für meine Goldbehandlung (siehe letzter Blogbeitrag) nach Dänemark fliege… aber irgendwie ist unsere Suche nicht sonderlich erfolgreich! Wir fahren auch die Küstenregion um Valparaiso ab, aber da ist inzwischen schon fast alles überbaut worden und (gemütliche) Campingplätze haben wir keine gefunden.

30Badi-Camping MaipuSchlussendlich landen wir in Isla de Maipo auf einem Camp mit grossem Schwimmbecken – bei uns in der Schweiz würde man dem „Badi“ sagen – wo wir unter der Woche fast alleine sind, herzlich umsorgt von der schweizstämmigen Besitzerfamilie (sie sprechen allerdings nur noch Spanisch und ein paar Brocken Englisch). Während meiner Abwesenheit verbringt Kölbi da dann ein Wochenende und erlebt den ganzen Badi-Rummel mit den 31Kölbi als Hahn im Korbgrillierfreudigen chilenischen Familien-ausflüglern mit 😉 Teilweise reisen ganze Busladungen an… Das Camp ist dann so berstend voll, dass er frühmorgens unseren Cruisie rausparken muss, damit er mich am späten Sonntag-Nachmittag am Flughafen abholen kann!

Nach einer erholsamen Nacht zurück im eigenen Bett ( 😉 ) sind wir am nächsten Mittag schon wieder südwärts unterwegs, denn schliesslich möchten wir Neujahr (in drei Wochen) in Ushuaia verbringen – 4000 km südlich von hier…!32Lajas-Wasserfall

Die erste Nacht verbringen wir am Laja-Wasserfall, wo wir im glasklaren Fluss schwimmen können. Kurz darauf biegen wir ins BioBio-Tal ein, dessen Lauf wir bergaufwärts folgen. Auf unserer Karte ist oben in den Bergen ein Übergang ins südliche Lonquimay-Tal eingezeichnet – nur leider 33BioBio-Talhaben die Chilenen den BioBio-Fluss zwischenzeitlich mehrfach gestaut, so dass diese Strasse vom See verschluckt wurde.

34Stausee-Camp Nichtsahnend ver-bringen wir noch einen gemütlichen Badetag an einem dieser Stauseen und geniessen das erfrischende Bad im eiskalten Wasser.

35VulkaneDie Strasse führt uns am nächsten Morgen kurvig weiter durch tolle Landschaften entlang weiterer Stauseen. Unterwegs laden wir noch eine Mutter mit ihrem Kleinen ein, die ins nächste Dorf möchte. Wir fragen sie nach der Abzweigung ins Lonquimay-Tal, doch sie schüttelt nur den Kopf und meint, diese Strasse führe definitiv in den See…?! 36VulkankraterAlso bringen wir sie zum Dorf und stoppen dann den nächsten Autofahrer – der wird es ja wohl besser wissen! Glücklicherweise ist es auch gleich ein Mann von der Conaf, der hiesigen Nationalparkbehörde, der uns gerne Auskunft gibt. Aber auch er bestätigt uns, was die Mama vorhin schon erklärt hat: die Strasse sei vom Stausee verschluckt worden, wir müssten das ganze Tal wieder retour fahren – was einem Umweg von über 200 km entspricht! Ausser – es gebe da noch die Möglichkeit, eventuell durch eine private Estancia zu fahren, aber da müssten wir auch noch einen Fluss queren… Sofort werden wir hellhörig, das reizt uns natürlich! Er habe den Weg selber nur teilweise vor ein paar Jahren gefahren, aber mit unserem Auto sollte es gehen, das Ganze sei allerdings abhängig vom Einverständnis der Estancia… er erklärt uns den Weg und dass wir uns kurz vor dem Abzweiger auch bei der Polizeistation 37bei den Carabineroserkundigen sollen. Das ist genau die Art von Abenteuer, die wir lieben – also nichts wie los!

Über eine ruppige Bergstrasse geht es zur Polizeistation, sehr einsam im Nichts draussen gelegen. Die Carabineros heissen uns herzlich willkommen und laden uns sogar auf einen Kaffee in ihre Küche ein! Sie haben jährlich fünf Wochen Dienst hier draussen in der Wildnis, den Rest vom Jahr leben und arbeiten sie in der Stadt. Dies sei das ideale „Entschleunigungsprogramm“ für jeden Stadtmenschen, meint einer von ihnen. Kein Wunder – haben sie doch nicht mal ein motorisiertes Gefährt, sondern bewegen sich hier draussen nur zu Fuss oder mit dem Pferd von einem Ort zum andern…38Strasse zum Fluss

Auch sie erklären uns nochmals den Weg durch den Fluss und dass auf der anderen Seite ein Gaucho von der Estancia stationiert sei, den wir um Erlaubnis zur Durchfahrt bitten müssen. Der Fluss ist dann auch schnell durchfahren und wir fragen den älteren Gaucho um Erlaubnis zur Durchfahrt; doch der schüttelt nur ganz bestimmt den Kopf und meint wir kämen ja nicht 38vor der Flussquerungdurch den Tunnel mit unserem hohen Auto… Tunnel?!? Bisher hat nie jemand von einem Tunnel gesprochen. Aber er ist ganz bestimmt – und so kehren wir schliesslich mit hängenden Köpfen wieder um.

Auch die Carabineros haben noch nie etwas von einem Tunnel gehört, sind die Strecke selber aber auch noch nie gefahren. Dafür geben sie uns noch einen Tipp für den Rückweg zu einer Lagune. 39StauseenDieser Tipp erweist sich dann als ziemlicher Umweg, denn wir müssen ja auch noch die ganze kurvige Strecke entlang der Stauseen wieder zurück…

Kölbi gibt mächtig Gas, denn wir sind schon ein wenig enttäuscht, dass es mit der Strecke nicht geklappt hat. Als wir dann weiter unten im Tal auch noch keinen passenden Stellplatz finden, fahren wir gleich durch bis ins Lonquimay-Tal und gleich hoch bis zu einem Schweizer Hostel, von wo wir uns damals von Iris&Wolfram verabschiedet hatten.40Lonquimay-Tal

Todmüde erreichen wir es spätabends und es kommt, wie es kommen muss an solchen Tagen: „geschlossenen Gesellschaft heute abend“… Glücklicherweise erklärt uns der nette Besitzer dann aber den Weg zu einem wunderschönen Platz in einem nahen Araukarien-Wald, wo wir neben einem Bach frei campieren können. Bei einem kurzen Abend-Spaziergang treffe ich auch noch auf zwei Deutsche und ihren Toyota und wir verabreden uns für ein gemeinsames Frühstück.

41Raices-PassNach einem gemütlichen Start in einen weiteren sonnigen Tag überqueren wir den Raices-Pass und geniessen die Aussicht auf die umliegenden Vulkane. Wirklich schöne Gegend hier!

Unten im Dorf Lonquimay kaufen wir ein und fahren dann weiter nach Icalma Richtung argentinische Grenze. Eine 42Icalmawunderschöne, wilde Vulkanlandschaft mit verstreut eingebetteten Seen hier! Im Grenzdorf übernachten wir am Seeufer und treffen dort auch unsere Frühstücks-Freunde wieder.

43Alumine-SeenAuch die argentinische Seenregion ist toll und besonders um den Aluminé-See herum hat es recht wenige Touristen und wir verbringen zwei schöne Tage hier mit wandern und grillen. Im Dorfladen wollte ich tags zuvor ein Stück Fleisch kaufen, aber die Kühlvitrine war leider leer. „Oh, gibt es hier kein Fleisch zu kaufen?“ will 44Lammgigotich vom Ladenbesitzer wissen. „Doch, doch, Lamm haben wir“ sagt er und holt gleich ein ganzes Schaf aus dem Kühler…! Das ist dann doch etwas viel nur für uns zwei und so schneidet er mir halt das Hinterbein (Gigot) ab 😉 Kölbi brummelt was von „endlich wieder mal ein rechtes Stück Fleisch“ – grad so, als ob wir hier in Argentinien nie was Rechtes auf den Grill legen würden… Bei einem Entrecote-Kilopreis von acht Franken braucht man nämlich nicht am Fleisch zu sparen! Und schmecken tut es auch ganz fein, egal ob Lamm oder Rind…

45SeenregionEine weitere Nacht verbringen wir am Meliquina-See. So langsam aber sicher erreichen die Gewässer hier Bade-temperaturen und auch das Wetter ist ganz schön und warm. An diesem Sonntag spüre ich zum ersten Mal seit langem überhaupt keine Schmerzen in meinem Fuss und ich frohlocke schon, dass die Goldtherapie zu wirken beginnt. Bereits am nächsten Tag ist dies jedoch wieder vorbei und ich muss den schmerzfreien Tag wohl dem wunderbaren Sommerwetter zuschreiben…

Ein weiteres Mal kommen wir nach Bariloche, wir fühlen uns schon fast 46Melinquinapasswie zuhause hier… Als erstes besuchen wir jemanden vom hiesigen Schweizer-Club, mit dem wir beim letzten Besuch abgemacht haben, dass er unsere Schweizer Franken gegen heimische Währung tauschen möchte, da er immer noch jedes Jahr Heimaturlaub macht. Wir sind natürlich froh darüber, denn Franken kann man hier in Südamerika fast nirgends tauschen, nur US-Dollars oder Euro. Und für ihn ist es auch ein Glücksfall Bargeld zu bekommen, denn inzwischen erhebt die argentinische Regierung auf alle mit der Kreditkarte getätigten Käufe im Ausland 35% Luxussteuer…! Was für ein Wahnsinn in einem Land, wo man legal fast nicht an Devisen herankommt und das seinen Bürgern schon mehr als einmal sämtliche Bankguthaben einfach beschlagnahmt hat – weil es sonst Bankrott gegangen wäre… man stelle sich dies mal in der Schweiz vor!!! Unser Bekannter hier hatte das letzte Mal unsägliches Glück, da er just 3 Wochen vorher noch mit fast seinem gesamten Bankguthaben ein Grundstück gekauft hatte – der Verkäufer des Grundstücks hatte damals das Nachsehen und all sein Geld verloren…

Auf dem Petunia-Campinplatz werden wir schon fast als Stammgäste willkommen geheissen. Aber dieses Mal staunen wir beim Reinfahren nicht schlecht, als wir so viele deutsche und schweizerische Wohnmobile parkiert sehen. Das Rätsel ist schnell gelöst, 47Wiedersehen mit Gaby&Karldenn es handelt sich um eine organisierte Camperreise von Seabridge; einer Firma, deren Touren wir bereits im Iran und in Sibirien begegnet sind. Sofort freunden wir uns mit den Teilnehmern an und gross ist die Überraschung und Freude, als Gaby&Karl uns begrüssen kommen: mit den zwein haben wir vor zwei Jahren bereits einen Abend am Baikalsee in Sibirien am Lagerfeuer verbracht! Was wir heute doch glatt wiederholen…

😉 So klein ist unsere Welt manchmal…

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Argentinien I: Mendoza-Valdes-Bariloche (9.10. – 10.11.2013)

Wüsten-LandschaftDie Strasse – auf argentinischer Seite mit einem Top-Teerbelag versehen – schlängelt sich in weiten Kehren durch die wüstenartige Berglandschaft vom Passo San Francisco in die Ebene herunter. Wir können uns kaum sattsehen an all den Formen und Farben. Und als sich auch noch ein von uns aufgescheuchter Kondor von der Strasse in die Lüfte schwingt ist dies die Krönung eines weiteren wunderschönen Reisetages!

1Camp Passo San FranciscoWir campieren an einem Wildbach, backen wieder einmal ein feines Brot auf dem Holzfeuer und sind wegen dem eiskalten Abendwind schon früh drinnen im warmen Bett. Der nächste Tag bringt uns zu den Thermen von Fiambala, wo wir einen entspannten Nachmittag und Abend in den schön warmen Bassins verbringen. Zuerst müssen wir allerdings noch Geld wechseln, was hier in Argentinien mit einer Besonderheit verbunden ist: wegen der starken Inflation gibt es einen offiziellen und einen „blauen“ Wechselkurs, der dem glücklichen Touristen – so er denn viele Cash-Dollars bei sich trägt – den Besuch des Landes fast zur Hälfte günstiger werden lässt! Auf unsere Anfragen diesbezüglich werden wir zur Touristeninformation verwiesen, in Geschäfte oder auch ins Casino – sie alle sind froh, der galoppierenden Inflation ein Schnäppchen schlagen zu können und wechseln gerne mit uns.

Cuesta de MirandaEin weiteres Merkmal von Argentinien sind die strengen Quarantänekontrollen innerhalb des Landes – innerhalb von nur drei Tagen werden wir drei mal kontrolliert und jedes Mal werden mir meine jeweilen frisch gekauften Früchte gleich wieder abgenommen… Bis ich dann rausfinde, 4Kaktusdass dies jedes Mal geschieht, wenn wir die Provinzgrenzen von Nord nach Süd passieren, was in den ersten paar Tagen wegen unserer weiten Fahretappen recht häufig geschehen ist!

Die Höhepunkte dieser Strecke bis nach Mendoza sind die „Cuesta de Miranda“, einer tollen Schlucht (die wir glücklicherweise gerade am Wochenende passieren, denn 5Cuesta de Mirandaunter der Woche ist sie wegen Bauarbeiten gesperrt), das „Valle de la Luna“ des Ischigualasto Nationalparks und der Wallfahrtsort der „Difunta Correa“, der Schutzpatronin der Fernfahrer, deren Baby lebend an ihrer Brust stillend aufgefunden wurde als sie 7Ischigualasto-Valle de la Luna8 Valle de la Lunaselber in der kargen Wüstenlandschaft verdurstete. Obwohl von der Kirche nicht heilig gesprochen, hat sich ein riesiger Difunta-Kult über das ganze Land verbreitet, leicht erkennbar an den bereitgestellten SteinkugelWasser-Petflaschen nahebei kleinen Altären entlang der Strassen Argentiniens. Überhaupt ist es sehr eindrücklich, wie reich geschmückt und zu richtigen Kultstätten ausgebaut gewisse „Gräber“ entlang der Strassen in Chile und Argentinien sind…!Difunta Correa

In Mendoza lernen wir auf dem Campingplatz Susanne und Claudio kennen, eine Deutschland-Schweiz-Verbindung, mit der wir uns gleich auf Anhieb anfreunden. Da Claudio von Beruf Winzer ist, bietet sich eine gemeinsame Weintour rund um Mendoza natürlich an und ab diesem Tag sind wir bis nach Valdes gemeinsam unterwegs.Weinkellerei Don Bosco

Erst besuchen wir Don Bosco, die älteste Weinkellerei in 12alte FlaschenMaipu, danach die sehr nette kleine Familienkellerei von Cecchin, die sich dem organischen Weinanbau ver-schrieben hat und in deren schön gelegenem Garten wir zu Mittag essen.Mittagessen im WeinbergCecchin

 

organische Rebpflege

 

 

 

 

 

Gleich ums Eck steht eine Olivenölfabrik, die wir anschliessend besuchen und deren Führung der eigentliche Höhepunkt dieses interessanten Tages ist.Olivenpresse16Olivenölfabrik

Wir suchen uns einen schön gelegenen Stellplatz am nahen Mendoza-Fluss. Auf dem Weg dorthin entdecke ein Hinweisschild zum Altavista-Weingut, dessen Wein ich im Rössli selber verkauft habe… also muss ich am nächsten Tag unbedingt dort hin!

Alta VistaSchon bei der Einfahrt realisieren wir, dass es sich um ein Gut der höheren Preisklasse handeln muss… alles nur vom Feinsten und mit eigenem Profi-Degustationsraum! Nun ja, Degustieren wollen wir ja am Morgen eines Fahrtages eh nicht und die in die DegustationsraumHand gedrückte Preisliste hält uns auch vor einem allzu ausuferndem Kaufrausch ab 😉 Da habe ich ja einen ganz edlen Tropfen verkauft im Rössli…Aconcagua

Durch weite Weingebiete fahren wir der Andenkette entlang südwärts, erhaschen noch einen wolkenfreien Blick auf den Aconcagua, Südamerikas höchsten Berg-gipfel, und erreichen am Nachmittag San Rafael, wo wir in den Autel-Canyon hinein fahren.

Einfahrt zum Autel-Canyon

Die 70 Kilometer lange Fahrt durch diese faszinierende Schlucht ist wunderschön und spontan übernachten wir gleich an zwei Stellen darin, um all die Eindrücke, Farben und Formen in uns aufnehmen zu Autel-Canyonkönnen.

Hier realisieren wir auch zum ersten Mal, wie stark und nervtötend der berüchtigte patagonische 24Autel-FarbenWind sein kann, wenn er (meist um den Mittag) loslegt und alles mit sich reisst, was nicht niet- und nagelfest ist, Staub und Sand aufwirbelt und ein Draussensitzen verunmöglicht – und dabei sind wir noch nicht mal in Patagonien angekommen! Doch der Wind wird fortan zu unserem treuen Begleiter – Autel-Canyonund jeder windfreie Tag ein Geschenk… mehr als einmal sitzen wir mittags und abends päärchenweise windgeschützt in unseren Autos ohne miteinander quatschen zu können – aber der kalt pfeifende Wind lässt nichts anderes zu!Autel-Formen

26Richtung Süden

 Payunia NPEin weiterer Höhepunkt ist die surreale Landschaft des Payunia Nationalparks, einem Gebiet mit über 800 Vulkankegeln und schwarz leuchtenden erkalteten Lavaströmen. Guanakos, die Wildform der Lamas, ziehen durch diese einsame Gegend, GürteltierKölbi entdeckt unser erstes Gürteltier und ab und zu Guanako-Payuniakreuzen wir Bohrtürme und Leitungen – hier wird fleissig Erdöl gefördert.

Entlang eines erkalteten Lava-stroms fahren wir über eine 4X4 Strecke südlich aus dem Park raus, Claudio meistert die Strecke mit seinem  Payunia NPVW-Bus problemlos. Zurück auf der „normalen“ Strasse entpuppt sich diese dann allerdings als grausame Wellblech-Strecke, die sich scheinbar endlos dahinzieht.Pampa

Irgendwo mittendrin übernachten wir an einem windgepeit-schten Platz direkt an der wenig befahrenen Piste und sind froh, als wir am nächsten Tag wieder Teer erreichen.Lihue Calel NP

Nach einem Tank- und Einkaufsstopp und einer weiteren Übernachtung an einem neu erbauten Stausee fahren wir zum Lihue Calel Nationalpark, zwar etwas abseits mit Susanne&Claudiounserer Route gelegen, dafür gut geeignet für einen Tag Pause, den wir mit Wandern, Brot backen, Wäsche Felsmalereien im Lihue Calel NPmachen und Relaxen ausfüllen.

endlose WeitenWir durchfahren auf dieser Strecke einen Teil der argentinischen Pampa: relativ flaches, trockenes Buschland, auf dem die berühmten argentinischen Rinder und Schafe zur Fleischproduktion weiden. Sie ist nur schwach besiedelt, kaum ein Haus und auch von den Tieren kriegen wir kaum welche zu sehen. Dafür weht ein konstanter Wind…

35am MeerNach einem weiteren Fahrtag erreichen wir schliesslich den Atlantik. Wir suchen uns einen Stellplatz in den Dünen und können beim Strandspaziergang einer ganzen Familie von Delfinen beim Spielen im Wasser zuschauen. Sie bleiben lange Zeit an der gleichen Stelle, springen hoch und jagen einander – einfach toll!

Nach weiteren 200 km Fahrt ist dann endlich Puerto Madryn, der Ausgangspunkt zur Peninsula Valdes erreicht. Wir tanken Diesel, füllen unsere Wasserbehälter voll und kaufen für die nächsten Tage Proviant ein. Spätnachmittags fahren wir dann los, unterwegs schalte ich noch die Warmwasserpumpe ein – achte mich allerdings nicht, dass sie falsch herum eingestellt ist und pumpe somit das Wasser von einem (vollen) Tank in den anderen (bereits vollen!) Tank… bis ich den Fehler bemerke, ist die Bescherung schon passiert: ca 40 Liter Wasser sind via Überlauf ins Auto rein gepumpt worden! Oh je!

Piramides, ValdesAls Kölbi bremst, flutscht uns bereits Wasser unter den Schuhen durch… Sofort räumen wir alles hinter und unter den Sitzen hervor, auch unser „Geheimfach“ mit den Dollars steht soweit unter Wasser, dass ich es mit einem Becher rausschöpfen muss :-( Wir lassen das Wasser so gut wie möglich ablaufen, verstauen alles hinten im Auto und fahren dann in gedrückter Stimmung zum Campingplatz in Piramides. Dort wird alles nochmals ausgeräumt, gesäubert und zum Trocknen aufgehängt, wir lassen alle Kästen offen zum Durchlüften, putzen und trocknen sie so gut es geht – und sind froh, dass Claudio und Susanne uns zu einem feinen Nachtessen einladen…!Wale

Nach einer eher ungemütlichen Nacht räumen wir am nächsten Morgen alles wieder ein und Kölbi und Claudio nutzen den Tag um die Autos auch unterhaltsmässig auf Vordermann zu bringen. Da haben Susanne und ich Zeit bei einer Wanderung Ausschau nach den Tieren zu halten, deretwegen wir ja überhaupt hergekommen sind: die Wale mit ihren Jungen!

WalkopfUnd tatsächlich sehen wir sie weit unter uns im tiefblauen Meer schwimmen, hören sie prusten beim Luft holen und sehen in weiter Ferne sogar einen aus dem Wasser springen…. wir sind begeistert!

Beim Aussichtspunkt siedelt auch noch eine Seelöwen-Kolonie, doch finden wir die weit weniger interessant als die majestätischen „Südlichen Glattwale“, wie sie offiziell heissen. Jedes Jahr zwischen Juni und Anfang Dezember kommen sie aus der Antarktis hierher um in diesen geschützten Buchten ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen.Seelöwen

Zurück zum Camping nimmt uns glücklicherweise ein Auto mit, so dass wir noch Zeit haben um vor der in Argentinien fast „heiligen“ Siesta von 13 – 17 Uhr im kleinen Supermarkt einzukaufen – und vor allem nach Stefan&Petra und ihrem „Hermann“, dem 6×6 MAN-Laster, zu fragen. Wir haben die zwei bereits in Goa und in Thailand getroffen und wissen dank Mail-Kontakt, dass sie hier irgendwo sein müssten. Der überaus nette Carlos vom Supermarkt kann uns weiterhelfen und erklärt tote Walbabiesuns den Weg zu der Bucht wo sie zur Zeit stehen.

Erst aber wollen wir Mädels noch nach Pardelas fahren, wo man direkt am Meer auf der Riffplatte campieren darf und die Wale aus nächster Nähe beobachten kann. Dort draussen bläst der Wind dann zwar dermassen, dass wir die meiste Zeit im Auto verbringen müssen, aber Wale sehen wir trotzdem. Zuerst allerdings erst mal zwei tote, halb verweste Wal-Babies, die es an Land gespült hat. Das sei ein absolut normaler Vorgang, der alljährlich mehrere Dutzend Babies treffe, wird uns dann später von Carlos erklärt. Wir aber versuchen vor allem mal unsere Autos nicht gerade in die Windrichtung dieses Gestanks zu stellen…mit Herrman

Am nächsten Tag fahren wir raus in die Bucht wo Petra&Stefan stehen und natürlich ist die Wiedersehensfreude gross. Wir haben uns viel zu erzählen, schliesslich ist es über eineinhalb Jahre her, seit wir uns in Malaysia das letzte Mal getroffen haben.

Wir erzählen ihnen auch von unserem Plan den nächsten Sommer in der Schweiz zu verbringen, weil die Arthrose in meinem kurz vor der Reise gebrochenen Fuss immer schmerzhafter wird. Daraufhin erzählt mir Stefan von ihren Erfahrungen mit ihrem Hund, der unter Huft-Arthrose litt und kaum mehr aufstehen konnte. Ein Tierarzt habe ihm Goldstücke ums Gelenk herum implantiert und bereits kurze Zeit später sei ihr Bello wieder herumgesprungen wie ein junger Hund… so was gebe es doch sicher auch beim Menschen. In den folgenden Tagen sitze ich häufig im Internetcafé und recherchiere dem Thema nach!

WaleAber dazwischen halten wir immer wieder Ausschau nach den Walen. Leider zieht jedoch eine Schlechtwetterfront auf und so begeben wir uns wieder auf den windgeschützteren Campingplatz in Piramides.See-Elefanten

Nach zwei kühlen Tagen bessert sich das Wetter wieder und so fahren wir mit Susanne&Claudio um die Halbinsel, halten erfolglos Ausschau nach Orcas, bekommen aber „nur“ Pinguine und „faule“ See-Elefanten zu Gesicht und Pardelas-Autos&Waleübernachten noch einmal auf der Riffplatte bei Pardelas. Und jetzt ist der Platz perfekt!40Pardelas

Wir gehen (trotz dem eisig-kalten) Wasser schwim-men, geniessen das Draussensitzen und schauen den Walen zu, die ein paar Metern vor unseren Autos vorbei ziehen. Wir bleiben noch einen Tag länger als geplant, so schön ist es jetzt. Am letzten Morgen zieht ein Gewitter über die Bucht, das eine Stimmung hervorruft, die mir wohl für immer in Erinnerung bleiben wird…!Walflosse41Pardelas

Wir nehmen Abschied von unseren zwei lieb gewonnenen Reise-partnern und machen uns auf die lange Fahrt nach Bariloche, zurück auf die Westseite von Argentinien.

Wir wählen den direktesten Weg über kleine Schotterstrassen, streifen dabei die „Mesetadurch die Meseta de Somuncura“, die mit ihren Hügelzügen etwas Abwechslung in die sonst recht langweilige Pampa-Landschaft bringt. Am zweiten Tag kämpfen wir mit Gegenwind der übelsten Sorte, die Sicht ist durch den aufgewirbelten Staub bei wenigen Metern und der Spritverbrauch verdoppelt sich beinahe! Wir fahren bis spätabends durch – was will man sonst tun bei dem Wind?? Glücklicherweise finden wir in einem aufgegebenen Steinbruch eine halbwegs windstille Ecke, wo wir die Nacht verbringen.Wildwest-Landschaft

Der nächste Morgen empfängt uns ruhig und klar; das letzte Stück bis nach Bariloche führt durch faszinierende „Wildwest“-Landschaft. Je mehr wir uns den Anden nähern, desto grüner wird es, Bäume und Tannen tauchen auf, ganze Wälder sogar…! Wie lange es wohl her ist, dass wir Tannenwald gesehen haben…?!Wald

Nahuel Huapi-SeeSchliesslich liegt der Nahuel Huapi-See vor uns, dahinter die schneebedeckte Andenkette – schade, dass der Himmel bewölkt ist!

Bariloches Umgebung

Aber wir kommen in den darauffolgenden Tagen dann doch noch in den Genuss von strahlendem Sonnenschein in Bariloches Umgebung… dann ist die Gegend ein Traum – schöner noch als unsere vielgerühmte Schweiz, muss ich neidlos zugeben!Bariloche Umgebung

Aber leider ist das Wetter momentan noch sehr wechselhaft und die Nächte eisig kalt, was uns in unseren Plänen bestärkt, noch einen Schlenker weit nach Norden zu machen um den Sommeranfang in wärmeren Gegenden abzuwarten. Dies fällt zusammen mit meinem Entschluss, die Goldimplantation bei meinem Fuss zu versuchen und so – da es in der Schweiz keinen Arzt dafür gibt – entschliesse ich mich für kurze Zeit nach Dänemark zu fliegen und dies in Aarhus beim Pionier dieser Therapie machen zu lassen. Deshalb planen wir die fast 1000km bis in Chiles Hauptstadt Santiago hoch zu fahren…Trafulsee

Aber erst wollen wir uns noch mit Iris&Wolfram treffen, zwei deutschen Reisefreunden, die wir in Namibia kennengelernt haben und die in ein paar Tagen auch hier eintreffen sollten. Also machen wir eine Rundtour durchs wunderschöne Trafultal und kehren wieder nach Bariloche zurück.Trafultal

Und siehe da: die zwei fahren grad gleichzeitig mit uns in den Campingplatz ein! Dort stehen auch schon Regine&Walter, ein Schweizer Paar, mit denen wir zwei Tage zuvor campiert haben. So feiern wir denn ein gemütliches Wiedersehen – und dabei müssen ein paar feine Flaschen argentinischen Rotweins das Zeitliche segnen… 😉 Weil unsere Reisepläne gut zusammen passen, sind wir die folgenden zwei Wochen mit Iris&Wolfram unterwegs – ein Teamwork, das für schöne Gespräche und feines Essen sorgt!51mit Iris&Wolfram

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