Türkei (leider etwas verspätet, geschrieben am 15.10.10)

Nun ja, das mit dem „wunderschönen Campingplatz auch im Regen noch“ hält sich in Grenzen, und wenn dann noch Kälte dazu kommt… Schnell weiter Richtung Süden, Richtung Türkei!

Nach einem anregenden „Ausgeh-Samstagabend“ in Alexandropoulis, wo wir im Jugendlokal eine neue Art von Speiseservice kennengelernt haben (auf Packpapier, das ist dann auch schnell wieder abgewaschen…) gings im Schnellzugstempo in die Türkei und südwärts in wärmere Gefilde. In Marmaris suchen wir ein abgelegenes Camp wieder, das wir von der letzten Reise her kennen und finden es noch ! Es nennt sich heute zwar Club Amazon, aber als wir erklären, dass wir vor 18 Jahren schon mal da waren und noch ein paar Namen kannten, haben sie eine Riesenfreude und laden uns zum campieren ein!! Obwohl der Campingplatz eigentlich nicht mehr existiert. Also geniessen wir zwei schöne Tage bei gutem Essen und Ausflügen an kleine Buchten. Wirklich eine nette Adresse wenn man in der Türkei weg vom Rummel ein paar Tage relaxen möchte:

Camp Amazone

www.clubamazon.com.tr… weil: Rummel kann man schon haben, das „kleine,herzige“ Marmaris aus unserer Erinnerung gibt‘s nicht mehr… viele Hotels und Bars und Touristen wie Sand am Meer… das Städtchen hat sich verzehnfacht und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus!

Die Türkei scheint sowieso ein starke Wirtschaft zu haben, überall wird gebaut, am meisten an den Strassen, überdimensionierte vierspurige Überlandstrassen wohin wir auch kommen! Aber es ist auch vieles teurer geworden als wir es in Erinnerung haben… -oder sind wir uns einfach das Runterhandeln des Preises noch nicht gewohnt..?!

Nachdem wieder einmal Regenwolken aufziehen fahren wir weiter ins Landesinnere nach Kappadokien, einer absolut traumhaften Märchenlandschaft aus erstarrter Lava.

Kappadokien

Wir hoffen da die ersten Überlandreisenden zu treffen um mehr Informationen zu Iran und Pakistan zu erhalten. Und wir werden nicht enttäuscht: nach einer (verregneten…!) Wanderung verbringen wir den Nachmittag mit dem Besuch der paar Campingplätze ringsherum und treffen da ein Holländerpaar auf Töffs, die nach Indien wollen, eine Schweizerfamilie mit einem Camper auf dem Weg dorthin und eine Franzosenfamilie in einem alten Saviemlaster, die über Afrika nach Indien wollen… also ist unser Nachmittag und Abend ausgefüllt mit Infos tauschen und quatschen!

Irgendwie haben wir auf dem Heimweg das Gefühl es sei jetzt aber arg kalt geworden… und täuschen uns nicht: am nächsten Morgen sind die Pfützen gefroren und es liegt Schnee auf den Hügeln ringsum!!! Und das anfangs Oktober in der Türkei auf 1500 müM …. also bekommt Kölbi schon wieder Recht mit seinem gehetzten Fahrstil Richtung Iran! Wir überqueren an dem Tag zwei Pässe von 2000 m Höhe und fahren durch Schnee(!!!); an der türkisch/iranischen Grenze wird die Passhöhe aber 2600 müM sein…

Also weiter, weiter…

Sobald wir in tiefer gelegene Gebiete kommen ist es gleich wieder angenehm warm und auch schöneres Wetter. Nach zwei Fahrtagen sind wir am Nemrut Dagi, einem Berggipfel der in vorchristlicher Zeit zum Grabmahl und Götterberg umfunktioniert wurde indem man den ganzen Berggipfel mit grobem, handgeschlagenem Schotter überzog..!! -und natürlich noch die bekannten Steinstatuen hinstellte. Sehr beeindruckend, aber in 2300 m Höhe und Starkwind auch saumässig kalt ! Wir fahren also runter an den Atatürk-Stausee und finden nach langem Suchen einen idyllischen Platz zum Übernachten direkt am Wasser. Nachdem wir bereits im Bett liegen, kriegen wir noch Besuch von zwei türkischen Soldaten in Zivil, die kaum Englisch sprechen, sich aber Sorgen um unsere Sicherheit machen… da der eine einen Cousin in Izmir (ca 1000km entfernt) hat, der Englisch kann, muss der via Telefon den Übersetzer machen und wir kriegen seine Handynummer, damit wir ihm telefonieren können, falls uns etwas zustossen sollte, dann könnte er seinen Cousin dann zu Hilfe holen…tönt ziemlich kompliziert, nicht…? Die Einzigen, die dann Hilfe brauchten, waren unsere „Beschützer“, weil sie ihr Licht am Auto solange brennen liessen, dass wir sie überbrücken mussten um den Motor wieder zu starten…..!!!

Atatürk Stausee

Wir haben nie das Gefühl von Unsicherheit hier im Kurdengebiet; im Gegensatz zur letzten Reise, wo uns die Armee gar nie in diese Gegend fahren liess wegen der vielen Aggressionen. Heute sind die Menschen viel entspannter und sehr freundlich zu uns Touristen.

Auch am Vansee, wo ich einen Bergführer nach der Sicherheit frage beim Wildcampieren… er verstand wohl nicht ganz was ich meinte und antwortete nur: ja, es gebe schon Wölfe und Bären hier in der Gegend, aber die hätten noch nie jemanden angegriffen….!

Die Landschaft um den Vansee ist umwerfend. Wir befinden uns auf einem Plateau von 1600 müM mit einem See so gross wie der Bodensee und Ebenen und Schneebergen ringsherum! Etliche sind erloschene Vulkane und zwischen 3500 und 5000m hoch. In einem riesigen Vulkankrater übernachten wir in der Nähe von heissen Quellen. Kalt ist es trotzdem… Die Fahrt der iranischen Grenze entlang über den 2600m hohen Tendürekpass nach Dogubayazit ist wieder ein Riesenerlebnis, aber auch ein Riesenärger: beim Durchfahren einer frisch geteerten, aber noch nicht gekiesten Strasse „tektielen“ wir unseren Camper voll mit Teer!!! Haben gestern und heute (Kölbis Arbeit..) das Gröbste mit Benzin und Brennsprit weggeputzt, aber jeder Mechaniker wird wohl in Zukunft fluchen, wenn er unser Fahrzeug anfassen muss!

Jetzt sitzen wir am Fuss des Bergs Ararat, wo die Arche Noah gelandet sein soll und bereiten uns auf die Einreise in den Iran vor. Ich habe heute auf dem Basar noch einen Schal gekauft, im Iran muss ich ja Kopftuch tragen. Wir sind gespannt, was uns die nächsten Wochen bringen werden; auf der letzten Reise haben wir sehr gute Erlebnisse gehabt in diesem immer als feindlich angesehenen Land… und auch jetzt haben wir von anderen Reisenden nur Positives gehört. Wir wissen auch nicht, wieviel Internet es geben wird, aber auch hier in der Türkei waren wir schon sehr überrascht wo wir überall Internetcafés sahen und auch der letzte und hinterste Hirtenmann mit Schafen und Ziegen hatte noch ein Handy dabei…! Netz überall…fast mehr als wie in der Schweiz!

Dogubayazid

– und natürlich regnet es wieder einmal… unsere Reise scheint den Wettergöttern wohl nicht gut gesinnt zu sein…- dafür grünt es so langsam zwischen all dem Gelb und Braun in der Landschaft, was ja auch schön aussieht!

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