Botswana (12.6. – 4.7.2012)

Wir halten uns nicht sehr lange in Kapstadt und Südafrika auf: der Winter beginnt und nach zwei Tagen Dauerregen, währenddem unser Cruisie im Service ist und endlich Luftfedern eingebaut bekommt, kehren wir Kapstadt und dem Süden den Rücken… – hier unten heisst es „nordwärts ziehen“ um an die Wärme zu kommen! Zuerst besuchen wir aber noch den netten Weinbauern, dessen Wagen wir beim Rausparkieren „getütscht“ hatten, um unsere Schuld zu be-gleichen und bei der Gelegenheit stocken wir natürlich gleich noch unsere Wein-vorräte auf. Der Hausherr persönlich führt uns dabei durch die Produktionsanlagen. Alles ist sehr neu und modern eingerichtet und auch der Wein schmeckt uns sehr gut. Du Preez heisst das kleine Weingut und liegt in Rawsonville. Leider ist das Wetter zu kalt und regnerisch, sonst wären wir gerne noch etwas geblieben, vor allem weil im Nachbarort an diesem Wochenende „Weintrinket“ angesagt war… So aber fahren wir Richtung Norden und finden am nächsten Nachmittag dann auch die Sonne wieder. Bei einer kleinen Oase, Pella, besichtigen wir die Kirche und übernachten gleich in der Nähe am Orange-River, unserem ersten Wildcamp hier in Südafrika. Bisher haben uns alle, Einheimische wie Touristen, davon abgeraten in der Nähe von Städten wild zu campen und wir halten uns daran. Dieser Ort hier scheint uns aller-dings weitab von allem zu sein und wir sind ja auch schon fast in Namibia hier (auf der andern Seite des Flusses). Wir entdecken zwar viele Tierspuren im Sand, aber ausser ein paar Wasservögeln kriegen wir nichts Aufregendes zu Gesicht… wir müssen uns auf Morgen gedulden, wo wir zum Augrabies Falls Nationalpark fahren. Gleich schon auf dem Campingplatz begrüssen uns dort die Affen und die Klippschliefer, so eine Art Murmeltiere. Aber auch die Wasserfälle sind sehenswert, obwohl dieses Jahr gar nicht soviel Wasser runterdonnert wie in den Jahren zuvor, als sie Höchststände hatten. Auf der Fahrt durch den Park entdecken wir schon nach kurzer Zeit Antilopen und Giraffen, auch Strausse stolzieren vorbei. Wir sind ganz begeistert. Abends grillieren wir dann gemütlich unsere Steaks, können das Essen im Freien aber gar nicht so richtig geniessen: sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist (18 Uhr) wird es schlagartig kalt und wir müssen die dicken Pullies rausholen. In dieser Nacht fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt! Dafür scheint tagsüber die Sonne und am Nachmittag sitzen wir wieder im T-Shirt da… – auch schön, wenn das der Winter sein soll 😉 Nach einem kurzen Einkaufshalt in der nächsten Stadt fahren wir gleich weiter in den Kgalagadi-Nationalpark, der grenzüberschreitend Südafrika und Botswana verbindet und an Namibia angrenzend liegt. So erledigen wir dann unsere Grenzformalitäten gleich im Büro der Nationalparkverwaltung, wo wir auch die Eintritte und Camps buchen und bezahlen müssen. Viel Auswahl bleibt nicht, die Ferienzeit beginnt und die meisten Camps sind bereits ausgebucht. So schlafen wir die erste Nacht gleich beim Eingang, was sich aber als Glücksfall entpuppt als ein Magirus-Laster mit deutschem Kennzeichen ins Camp einfährt… Ralf hat viele Jahre in der Schweiz gearbeitet und Iris ist Solo-thurnerin (also praktisch meine Nachbarin), sie sind über Westafrika hier runter gefahren und jetzt bereits seit 1 1/2 Jahren im südlichen Afrika unterwegs. Da gibt es natürlich viel zu erzählen! Spontan entschliessen wir uns die nächsten paar Tage und Nächte gemeinsam den Park zu erkunden und wir profitieren von ihrer Erfahrung und den vielen Tipps über Afrika. Und sehen am nächsten Sätnachmittag sogar 3 Geparde, die sich gemütlich entlang der Strasse fortbewegen! Zwei schlagen sich gleich in die Büsche, einem aber können wir zuschauen wie er sich auf der Anhöhe postiert um einen guten Überblick über die Umgebung zu haben… – sucht er etwas zum Jagen? Ich klettere nach hinten, um eine bessere Position zum Fotografieren zu haben, als Kölbi im Rückspiegel einen der andern Geparde entdeckt, wie er die Strasse überquert. Sofort öffne ich die Hintertür und erschrecke fast ein wenig, so nahe dran bin ich! Irgendwann sind dann alle drei wieder zusammen auf der Anhöhe und verstecken sich dann mehr und mehr vor uns. Ausserdem geht die Sonne bereits unter und wir haben noch 60 Kilometer zu fahren bis zu unserem Camp… Dort sitzen wir dann gemütlich am Lagerfeuer zu-sammen, geniessen ein feines Abendessen, freuen uns über die Begegnung mit den Geparden vom Nachmittag als wir uns plötzlich beobachtet fühlen: ein Schakal schleicht sich immer näher um unsere Autos auf der Suche nach dem kleinen Stückchen Fleisch, das Ralf für die Mäuse im Baumstamm versteckt hat. Schakale haben eine extrem feine Nase und es dauert nicht lange und er hat es gefunden! Fasziniert schauen wir ihm zu und staunen, wie nahe er sich an uns Menschen traut. Die nächste Nacht haben wir im Nossob-Camp gebucht, wo es eine Wasserstelle mit einem versteckten Beobachtungsplatz hat. Schön, den vielen Gnus zuzuschauen wie sie sich um den besten Platz an der Tränke streiten können… ein Schakal möchte seinen Durst auch gerne löschen, aber ihn verscheuchen die Gnus immer wieder. Ein lustiges Spektakel! – und eine strenge Hierarchie im Tierreich was die Trinkordnung angeht! Wenn das bei uns im Rössli auch so streng geregelt gewesen wäre… 😉 Zum Znacht verwöhnt uns Ralf dann mit selbst-gemachten Pommes frites aus dem guss-eisernen Kochtopf vom Holzfeuer – lecker! Schweren Herzens heisst es am nächsten Morgen Abschied nehmen voneinander… aber das gehört beim Reisen halt mit dazu. Über eine holprige Piste fahren wir durch den Busch in Richtung Botswana, verbringen noch eine letzte, ereignislose Nacht im Kgalagadi Nationalpark. Die Landschaft ändert sich in den nächsten Tagen kaum: endlose Weiten mit stroh-gelbem, hochstehendem Gras einzig unter-brochen von Büschen und Kameldorn-bäumen. Die Piste ist sandig mit Wurzeln und gelegentlichen Steinen durchsetzt, und genau so einer wird uns dann zum Verhängnis: Bfffh, Bfffh, Bfffh pfufft die Luft aus unserm aufgeschlitzten Vorder-Reifen! Obwohl seitlich aufgerissen, probiert‘s Kölbi doch mit zwei Wulsten aus unserem Flickset – und sie halten tatsächlich bis wir am nächsten Mittag den ersten Reifenflicker finden. Wir machen Halt in Ghanzi zum Geldwechseln, Einkaufen und Wäsche waschen und nach zwei Tagen geht‘s weiter in Richtung Central-Kalahari-Nationalpark. Kaum sind wir etwa 80 Kilometer im Park drin, tut‘s einen Knall und der frisch-geflickte Reifen ist schon wieder platt! Der zur zusätzlichen Sicherheit eingelegte Schlauch hat ein Loch… also montieren wir erst mal das Reserverad, schauen dabei immer wieder verstohlen in die Büsche, ob nicht doch etwa einer der grossen Kalahari-Löwen auftauchen würde… kein gutes Gefühl! Und das wird auch in unserm Camp nicht besser beim runterholen des Reifens von den Felgen. Wir sind nämlich auch da „mutterseelenalleine“ und es dunkelt bereits, als wir das Flicken mangels Licht und Reifenflicken (unauffindbar in unserm „riesigen“ Auto…) aufgeben müssen. Am nächsten Morgen beschliessen wir nach erfolgloser Suche nach den Flicken halt einfach das Ersatzrad drauf zu lassen und zu Hoffen, dass wir nun vom Reifengott verschont würden… 😉 Der Kalahari-Nationalpark ist nämlich viel zu schön um sich mit Flickarbeiten aufzuhalten! Nur die Löwen zeigen sich nun auch nicht mehr, dafür sehen wir Giraffen und viele Antilopen, Strausse, Löffelhunde mit riesigen Ohren (sie hören sogar die Termitengeräusche im Boden!) und viele Schakale. Ein Wunder, wieviele Tiere sich an die trockenen Gegebenheiten der Kalahari angepasst haben und zum Teil wochenlang ohne Frischwasser auskommen.


Wir sind froh, am nächsten Mittag an der Tankstelle gleich wieder auf einen Reifen-flicker zu treffen, wo wir dann auch Reserveflicken posten können. Und der Reifen hält schlussendlich erst noch ohne Schlauch!

Unser nächstes Ziel ist die Kubu-Insel, eine Felsformation die aus einer Salzpfanne ragt und auf der viele Baobabs wachsen. Ein heiliger Ort für die Einheimischen, wo früher die Initiationsriten für junge Männer stattfanden. Auch wir empfinden die Stätte als energiegeladen und vor allem bei Sonnenuntergang verzaubert ein mystisches Licht die Felsen und Bäume. Nach zwei Tagen machen wir uns auf, die Weiten der Magdagikadi-Salzpfanne zu erleben, wo wir im 1999 mit dem Motorrad schon eindrückliche Tage erlebt haben (auch damals mit dem Reifengott im Nacken…). Rundherum ist nichts als endlose weisse Weite zu sehen, keine Geräusche als der unsrigen sind zu hören. Wir geniessen einen unvergesslichen Sternenhimmel wie wir ihn im lichtverseuchten Europa nie mehr wahrnehmen können. Am bis zu 2000 Jahren alten Chapman‘s Baobab machen wir auf dem Weiterweg nach Norden Rast, aber die Inschriften der alten Afrika-Entdecker wie Livingstone und Chapman sind in-zwischen alle überlagert vom Gekritzel „neuzeitlicher“ Reisenden… – schade! Kaum verlassen wir das Gebiet der Salzpfannen sehen wir unsern ersten afrikanischen Elefanten am Rande der Strasse laufen! Und kurz darauf auch die ersten Zebras… Wir wollen bei einer Lodge mit Wasserloch übernachten, doch die freundlichen Besitzer schicken uns weiter: sie haben während drei Monaten eine lärmige Baustelle nebenan und die könnten sie ihren Gästen unmöglich zumuten…. nett, oder?!! So übernachten wir lieber im ruhigen „Busch“ draussen und geniessen das wärmende Lagerfeuer gleich an der Zimbabwe-Grenze zu. Denn wir fahren auf der „Hunters-Road“, einer alten Jagd-Schmuggelroute entlang der Grenze, die sehr wildreich sein soll. Wir fahren extra früh los um möglichst viele Tiere zu entdecken – doch die scheinen auch eher Spätaufsteher zu sein! Die ersten Giraffen und Antilopen bekommen wir erst nach 10 Uhr zu Gesicht, dafür holpern wir stundenlang auf einem obermiesen Weg…. nicht so ganz nach unserem Geschmack! Dafür werden wir auf den letzten 15 Kilometern dann entschädigt: wir sehen Elefanten, Giraffen, Affen und viele Antilopen. Und entdecken eine schöne Campinglodge mit einer Wasserstelle für die Tiere, gut zum Beobachten! Leider ist sie ziemlich ausgebucht (die Südafrikaner haben Ferien) und so fahren wir erst mal nach Kasane um uns dort umzusehen. Kölbi stoppt abrupt als er vor einem Kaffeehaus einen Toyota mit Aargauer-Kennzeichen erblickt. Natürlich gehen wir rein und fangen an zu quatschen – und siehe da: sie stehen in genau dem schönen Camp, dem Senyati, wo wir gerade herkommen. Und bieten uns erst noch an auf ihrem Platz übernachten zu dürfen! Die Offerte nehmen wir gerne an. Im Gegenzug verschieben Gaby&Marcel dann auch gleich noch ihre Abreise um einen Tag, damit wir schön viel Zeit zusammen verbringen können, was uns riesig freut. Auf dem Camp lebt auch ein deutsches Paar, Iris&Achim. Sie sind mit ihren Toyotas überland auf der Ostroute von Europa hierher gefahren und kennen die Gegend supergut, geben uns auch viele nützliche Informationen. Am dritten Tag buchen wir eine nachmittägliche Bootstour auf dem Chobe-Fluss in den Nationalpark. Wir sehen viele Elefantengruppen, die auf den Flussinseln grasen gehen. Dort hat es ausserdem Nilpferde und Wasserbüffel und am Ufer entdecken wir bald einmal Krokodile faul in der Sonne liegen. Der Kontrast zwischen dem saftiggrünen Gras auf den Inseln und der ausgetrockneten Ufer- und Inlandvegetation könnte nicht grösser sein! Vom Boot aus sehen wir etliche Tiere, die auf dem Festland nur selten von nahe gesehen werden, die Krokodile, viele Vogelarten, aber auch einen Leguan erspähen wir am Ufer fast auf Augenhöhe. Den Abschluss der Tour macht dann ein spektakulärer afrikanischer Sonnenuntergang… Zwei Tage später stehen wir nochmals frühmorgens auf um bei Sonnenaufgang im Nationalpark zu sein. Wir fahren alles dem Chobe-Fluss entlang wie eigentlich auf der Bootstour, nur kommen wir natürlich mit dem Auto viel schneller vorwärts. Den ganzen Morgen können wir keinen einzigen Elefanten entdecken, wo es doch so viele haben soll… Dafür sehen wir jede Menge der zierlichen Impalas, Kudus und Wasserböcke, aber auch Giraffen, Warzenschweine und Affen. Ein Höhepunkt ist dann ein von einem Krokodil ins Wasser gezerrtes Impala. Krokodile können ihre Beute ja trotz all der spitzen Zähne nicht zerbeissen, sondern lassen sie im Wasser liegen bis sie sie mit heftigen Bewegungen in mundgerechte Stücke schleudern können. Nur müssen sie dazu ihre Beute die ganze Zeit über bewachen, sonst freuen sich andere Mitbewohner über das feine Mahl… Auf den Ebenen im westlichen Teil des Parks grasen dann riesige Herden von Zebras, wir können uns kaum sattsehen an all den schönen Tieren! Es gibt aber auch die sogenannt „hässlichen Fünf“, dazu gehören der Marabu, die Geier, das Krokodil und das Warzenschwein, nebst den Hyänen haben wir an diesem Tag alle gesehen und fanden sie eigentlich gar nicht hässlich! Am Abend kommen wir müde, aber glücklich über den wunderschönen „Gamedrive“ ins Camp zurück. Den nächsten Tag verbringen wir mit Einkaufen und alles Organisieren für den Grenzübertritt nach Zambia. Dort verlangen die Gesetze zwei Pannendreiecke und ganz bestimmte Reflektoren am Auto… – wir wollen der Polizei ja keinen Vorwand geben uns eine Busse aufzubrummen! Vor allem nachdem wir bereits in Kasane bei einer Kontrolle freundlich(!) darauf hingewiesen wurden, dass hier eigentlich Gurtenpflicht bestehe… ohne eine Busse zu kriegen! Überhaupt sind wir bisher trotz vieler Kontrollen nie schikaniert worden, sondern nach einem kurzen Schwatz häufig durchgewunken worden, sogar hier im berühmt-berüchtigten Zambia… Auf den Grenzübertritt sind wir dann gespannt; denn es wird ja offiziell immer noch darüber gestritten, ob Zambia und Botswana überhaupt eine gemeinsame Grenze haben, bei nur 60 Metern gemeinsamen Fluss…

Aber wir kommen mit der Fähre problemlos auf die andere Seite und auch dort ist die Zollabwicklung alles andere als chaotisch, wie uns das im Vorfeld vielfach beschrieben wurde. Die Beamten sind sehr hilfreich und auch die Geldwechsler und Schlepper nicht allzu aufdringlich, sie lassen sich recht schnell abschütteln. In nicht einmal zwei Stunden ist der gesamte Grenzübertritt erledigt und wir mit all den Gebühren und Steuern, Visa und Abgaben, Versicherungen etc. um über 200 Franken ärmer… ja, wir haben‘s bereits gemerkt: Afrika ist keine Billig-Destination!

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