Iran 1. Teil (14.10. – 25.10.2010)

Wow, jetzt sind wir schon seit über 10 Tagen hier im Iran – und sind wieder überrascht !

Überrascht von der Gastfreundlichkeit, der Hilfsbereitschaft der Menschen hier, aber auch von ihrer offen gezeigten Neugier und Kontaktfreudigkeit. Das ist ein Unterschied zu unserer letzten Reise vor 18 Jahren. Da trauten sich nicht viele mit uns zu sprechen, schon gar nicht mit mir, einer Frau… Heute komme ich mir nicht mehr „wie Luft“ vor, ich darf mich ins Gespräch einmischen; ja, sogar direkt auf die Männer zugehen und sie ansprechen. Das empfand ich vor 18 Jahren als absolutes „no go“ (unmögliches Benehmen)… überrascht sind wir aber auch über den recht offen geäusserten Unmut über die momentane Politik und die Regierung. Wir wurden öfters gefragt, was denn die Schweizer über den Iran und die Iraner denken würden…

Aber der Reihe nach !

Am 16. Oktober fuhren wir über die Grenze, alles ging recht gut und nach ca 3 Stunden Papierkram waren wir drin. Um 380 Euro ärmer, dafür mit einer Versicherung und drei Dieselkarten, die uns zu 600 lt Dieselbezug zu 16.5 Rappen/lt berechtigen…der Iran hat zwar viel Erdöl, aber zuwenig Raffinerien und das wird als Grund angegeben, weshalb wir für teures Geld Berechtigungskarten kaufen müssen….

Das Mittagessen haben wir uns redlich verdient und wir landen gleich einen Volltreffer in einem urigen Truckerbeizli, wo uns der Chef persönlich ins Nationalgericht (- und wie man es isst…) einführt. Es gibt einen brodelnd heissen, tönernen Topf und eine Schüssel dazu. In die bricht man vom trockenen Fladenbrot Stücke und leert dann die Flüssigkeit aus dem Topf (ohne die festen Teile darin) darüber. Voilà, fertig ist die Flädlisuppe ! Wenn man die gegessen hat, kommt der Rest aus dem Topf in die Schüssel: Fleischragout, Tomate, Kartoffel und Kichererbsen. Das kann man so mit der gabel essen, aber die meisten Iraner zerdrücken es zu einem Brei und essen es ins Fladenbrot gewickelt. Lecker, lecker !!!!

Die erste Nacht verbringen wir ausserhalb Täbriz in einer kleinen Steingrube etwas abseits der Strasse, weil wir von der frühen Dunkelheit überrascht werden (ab 5 Uhr ist es bereits stockdunkel…). War aber ganz ok da.

Am nächsten Morgen statten wir Kandovan einen Besuch ab, einem Dorf, das in Tuffsteinhöhlen gebaut ist fast wie in Kappadokien.

Dem Bäcker können wir auch über die Schulter sehen, -und weil ich ein Foto von ihm und der Backstube mache, schenkt er mir gleich zwei Fladenbrote !

Wir fahren weiter nach Orumiyeh, einer Stadt, die an einem grossen Salzsee liegt, dessen Salzgehalt immer weiter steigt durchs Austrocknen, so dass er kaum noch Leben enthält…

Basar Orumiye

In der Stadt finden wir -dank einer persönlichen Führung durchs Museum- auch noch heraus, wie das hier mit dem Camping funktioniert. Man darf in den meisten städtischen Parks und öffentlichen Anlagen campieren, teilweise sind sie sogar speziell ausgeschildert und in grossen Städten wird er gegen ein kleines Eintrittsgeld sogar bewacht. Nun, hier wurden wir von der Polizeistreife bewacht, nachdem sie morgens um 2 Uhr(!) kontrolliert hat, ob auch wirklich alle unsere Türen verschlossen seien… dass sie uns damit aufschrecken würden haben sie wohl nicht bedacht !

Wir testen für die Fahrt zum Basar auch unsere Klappräder aus und lösen damit viele staunende Blicke, freundliche Zurufe und Gesprächsstoff aus. Frauen auf Velos gibt‘s fast nicht, das ist nicht „comme il faut“…

Unser nächstes Ziel ist der Takht-e-Soleyman, eine jahrtausendalte Tempelanlage rund um einen artesischen (Grundwasser-gespiesenen) Teich in vulkanischem Gebiet. Wir erleben eine wunderschöne Fahrt durch trockene Berge mit grünen Flussbetten und abgeernteten Feldern in den Tälern. Die Nacht verbringen wir in einem tollen Canyon am Fluss ganz alleine. Der Bauer, der in der Nähe seinen Obstgarten hat kommt vorbei und bringt uns von seinen Äpfeln mit. Schade, dass wir kein Farsi (=Landessprache) verstehen und uns nur mit Handzeichen verständigen können !

Elburz Gebirge

Über hügelige, trockene Landschaft gehts weiter, bis wir ans Elburz – Gebirge kommen, das eine Barriere zwischen dem kaspischen Meer im Norden ( niederschlag-reiches, sehr fruchtbares Gebiet ) und dem fast wüstenähnlichen Zentrum des Irans bildet. Der höchste Berg ist der Damavand, ein immer noch dampfender Vulkan, 5610 m hoch.

Wir campieren in den Bergen, mit toller Aussicht auf ein Tal mit riesigen erodierten Talflächen, immer noch alles in Sand- und Brauntönen, ausser dort wo bewässert wird.

Nachdem wir die nächste Bergkette passiert haben wird es immer grüner, es wachsen wieder Tannen an den Berghängen und unten sehen wir die ersten Reisfelder. Und plötzlich ist es da, dieses satte, dichte Grün überall, das man nur so extrem wahrnimmt, weil man längere Zeit durch trockene Gebiete gefahren ist…. Schön !

Beim Einkaufen in einem kleinen Ort werden wir gleich zur Besichtigung der Reismühle nebenan eingeladen. Ehrensache, dass ich ein Kilo von diesem frisch duftendem langkörnigen Reis kaufe.

Das Picknick gibt‘s dann am Strand des kaspischen Meers, wo wir den Fischern beim Netzeinholen mit Hilfe von uralten Traktoren zusehen können.

In Nowshar lassen wir uns dann von einem Polizisten zum Stadtstrandcamping führen, den wir sonst wohl nie gefunden hätten und der ein Ereignis für sich ist !

Hier trifft sich die Stadtjugend mit den Touristen zum Ausgang, der Rummelplatz ist auch gleich da und am Strand wird gegrillt und Wasserpfeife geraucht. Nach Einbruch der Dunkelheit trauen sich dann auch die Frauen (angekleidet, natürlich) mit ins Meer, teilweise sogar mit ihrem Partner… alles streng verboten natürlich, aber im Dunkeln…?!

Der Strandpromenade entlang stehen etwa 40 iranische Zelte, alle der gleichen Marke, aber in verschiedenen Farben. Und unser Cruisie natürlich, der viel Aufsehen erregt. Die Iraner flippen jeweils fast aus, wenn wir ihnen das Wasserbecken oder die Dusche zeigen ! Viele fangen ein Gespräch mit uns an, wollen Fotos von uns machen und üben ihr Englisch mit uns. Schon früh am Abend bin ich froh, mich ins traute Heim zurückziehen zu können. Das Kopftuch macht mich immer noch unsicher, bin ich richtig angezogen, wie sollte ich mich benehmen ?? Doch diese Unsicherheit legt sich schon in den nächsten Tagen und jetzt bemerke ich es kaum mehr….

Nun geht es wieder weg vom satten Grün der Küste eine imposante Schlucht hoch mit vielen Pappeln und Obstbäumen in wunderschönen Herbstfarben. Ich kann mich fast nicht sattsehen. Kölbi reisst mich aus meinem Schwärmen mit : „hast du den Caper da gesehen ? Das ist schon der dritte, der uns entgegenfährt ! Soviele Touristen an einem Tag, das kommt mir komisch vor, da muss irgendwo ein Nest sein…“ ( ausländische Touristen fallen auf wie bunte Hunde im Iran). Beim nächsten Stopp finden wir heraus, was es mit dem „Nest“ auf sich hat : eine organisierte Campertour durch Russland, China etc, und jetzt sind sie nach fast einem halben Jahr im Iran angelangt. Wir verquatschen sicher fast eine Stunde mit ein paar von ihnen und tauschen Informationen. Diese News sind auf alle Fälle frisch !!

Weiter geht‘s durch und über die Berge, wir fahren kleine Strassen mit Pässen von über 3150 müM. Der Cruisie raucht zwar ein bisschen mehr wie sonst, schafft die Höhe aber ganz gut. Die Nacht verbringen wir in einem Obstgarten mit Blick auf den Damavand.

Damavabund höchster Berg Irans

Der nächste Tag bringt uns viele schöne Erlebnisse. Es fängt mit einem Iraner auf der Fahrt zu seinem Geburtsort in den Bergen an. Wir stehen am Strassenrand um die Scheiben zu putzen, weil wir im Gegenlicht fast nicht mehr raussehen, da passiert uns ein Auto, bremst und fährt rückwärts wieder zu uns. Der Fahrer öffnet den Kofferraumdeckel, drückt uns zwei frische, noch warme Fladenbrote in die Hand und wünscht uns in gebrochenem Englisch „en guete Zmorge !“ . Seine Frau schenkt uns dann auch noch Gurken und Grapefruits, und nach ein paar Worten über die Schweiz und den Iran fahren sie schon wieder weiter…

Am Nachmittag sind wir auf der Suche nach den grössten Sinterterrassen, unsere Karte ist sehr ungenau in der Hinsicht, doch nach etlichem Fragen und nocheinmalfragen (was Kölbi ja so liebt…) finden wir sie doch und sie sind wirklich schön ! Scheinbar sind wir fast die ersten Ausländer an diesem Ort. Es hat ein paar Einheimische, die hier ihren Freitags-(=Sonntags) Ausflug mit Picknicken verbringen und sie wollen wissen woher wir diesen Ort kennen würden…. Natürlich werden wir zum Chai (Tee) eingeladen, kriegen Mandarinen und Granatäpfel geschenkt und junge Leute bringen uns sogar noch gegrillte Fleischspiesse zum Versuchen…! Wozu habe ich überhaupt mit Kochen angefangen ?? Die Nacht verbringen wir ganz alleine an diesem mystischen Ort, leider überzieht am nächsten Morgen dicker Nebel (!) den Himmel und verdeckt die Sonne. Doch schon hinter der nächsten Bergkette lacht sie wieder. Kein Wunder: wir nehmen Kurs auf die Dasht-e-Kabir, die Wüste !

Schon nach wenigen Kilometern entdecken wir die ersten Dromedare, und kurz darauf noch eine ganze Gruppe nahe am Strassenrand. Da müssen wir doch Fötelen !

Am Abend suchen wir uns einen versteckten Platz zwischen zwei Hügeln zum Campieren – und müssen prompt das erste Mal die Sandbleche vom Dach holen… aber der Platz ist wunderschön ruhig und am nächsten Morgen kommen wir dann ohne Probleme wieder raus… sogar noch beim zweiten Mal rausfahren, da ich ausgerechnet hier beim Einsteigen die Sonnenbrille verliere und wir nochmals zurückfahren !

Schon am frühen Vormittag treffen wir in Isfahan ein, der (für uns) schönsten Stadt Irans. An erhöhter Lage in einem Aussenquartier parken wir im Tourist Inn unseren Cruisie und treffen da auf deutsche Traveller, die mit einem Truck und vier Hunden unterwegs sind. Ihre Grenzübertritte seien auch nicht immer einfach gewesen….!

Esfahan

Wir fahren mit unseren Klapprädern den Hügel runter in die Altstadt; ein Weg, der doch etwa 5 Kilometer weit ist und etliche Baustellen aufweist, da auf der Strecke die Metro gebaut wird. Ich wünschte, ich hätte eine Helmkamera dabei ! Verkehr kreuz und quer, und doch ist immer noch Platz für noch einen… wobei ich mich eigentlich recht sicher fühle, um radelnde Frauen machen sie einen weiten Bogen ;-). Ich muss nur sehr konzentriert fahren, jederzeit kann eine Autotür aufgehen, oder das Auto vor mir hält urplötzlich, oder auf meiner Fahrspur kommt doch noch ein Töff entgegen ( bei vier getrennten Fahrspuren! ). Oder ein Auto überholt und bremst dann abrupt ab, weil sich die Insassen diesen Tourist mit dem komischen Velo etwas genauer ansehen möchten…. Auf‘s Rotlicht ist auch nicht unbedingt Verlass, mehr nur so eine Vermutung, dass die Fahrbahn jetzt frei werden könnte, aber mit entgegenkommenden Linksabbiegern ist immer zu rechnen. Dabei haben sie hier noch das clevere System, dass eine Anzeige die Sekunden bis grün wird runterzählt, – damit man noch ein bisschen früher aufs Gaspedal drücken kann…..

Welche Wohltat dann der verkehrsfreie, ruhige grosse Imamplatz mitten in der Stadt ! Mittendrin Wasserspiele, Grünanlagen, umsäumt vom überdeckten Basar und mit zwei überwältigenden Moscheen und einem alten Palast, dessen Balkon einem einen tollen Überblick gewährt.

Durch Isfahan fliesst ein grosser Fluss und mehrere grosse Brücken queren ihn, sodass die Orientierung nicht schwierig ist. Dem Fluss entlang ist eine riesige Parkanlage, wo die Menschen sich treffen, Schach spielen oder Sport treiben. Wir fühlen uns wohl hier, trotz dem Smog und dem Lärm. Auch treffen wir interessante Leute, führen zT. sehr offene Gespräche über Gott und die Welt -und das Reisen natürlich. Das tut gut und ist wichtig. Auch haben wir wieder einmal Internetverbindung und können uns übers Mail mit unseren Freunden und der Familie austauschen. Danke an dieser Stelle für alle die Kommentare auf unserer Seite ! Ich bin nicht so ein Genie mit dem Computer und verzweifle manchmal fast darob und auch mit Kölbi gibts ab und zu eine Diskussion darüber, welches jetzt das richtige Mass Computer ist auf Reisen…. verzeiht deshalb das Fehlen von Bildern und sonstigen Unzulänglichkeiten; vielleicht wird‘s ja noch irgendwann….

Esfahan

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