Südafrika (30.10. – 31.12.12)

1KrügerIn froher Erwartung auf ein herzliches „Willkommen in Südafrika“ reichen wir der Dame auf dem südafrikanischen Grenzposten unsere Pässe… – und bekommen, nebst einem Stirnrunzeln Richtung Computer, folgendes zu hören: „well, Ihr habt Eure 90 Tage Aufenthalt hier in Südafrika im Mai dieses Jahres bereits bekommen, ich kann Euch jetzt nur noch 7 Tage Transit erlauben!“ Unsere Gesichter hätte man in diesem 5Elefant,KrügerMoment wohl filmen sollen… 🙁 Das gibt‘s doch nicht! In jedem Reiseführer steht, dass man bei der Einreise 90 Tage kriegt… und im Mai sind wir ja nur 2 Wochen in Südafrika geblieben… Aber die Grenzbeamtin bleibt stur. Wir könnten uns ja in der nächsten Ortschaft auf dem Homeaffairs-Office melden und da nachfragen, was zu tun sei. Mit einem Schlag ist unser ganzer Enthusiasmus für Südafrika und den 2KrügerKrüger-Nationalpark verschwunden. Mit hängenden Ohren steigen wir ins Auto und beratschlagen was zu tun sei. Gleich wieder ausreisen in Richtung Namibia? Oder nach Botswana und über einen anderen Grenzposten versuchen wiedereinzureisen? Schliesslich einigen wir uns erst mal dieses Office aufzusuchen und zu schauen, was die uns für Möglichkeiten vorschlagen. Denn das kann doch gar nicht sein, dass die uns nicht ihr schönes Land besuchen lassen…!

6Hyäne,KrügerAuf der zweistündigen Fahrt dahin, quer durch den Krüger-Nationalpark, haben wir kaum Augen für die Tierwelt, zu sehr bewegt uns unser Visa-Problem. Wir fahren direkt zum Office und haben Glück: es ist offen und nach kurzer Wartezeit werden wir auch freundlich vom Chef selber empfangen. Er versteht unsere Abweisung auch nicht so 3Schildkröten,Krügerrecht und erkundigt sich noch telefonisch, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Schliesslich kristallisiert sich folgende, in unseren Augen recht „afrikanische“ Lösung heraus: wir müssen ein Gesuch um die Verlängerung unseres ersten Visas vom Mai beantragen (und bezahlen…) und während dessen Bearbeitungszeit8Nilpferd,Krüger

9Buffalo,Krüger(erfahrungsgemäss 2-3 Monate(!)) dürfen wir frei im Land herumreisen, es aber nicht verlassen um wiedereinzureisen (um z.B. Leshoto oder Swaziland zu besuchen). Sonst würden wir wiederum nur 7 Tage Transit bekommen… Nach längerer Diskussion entscheiden wir uns schweren Herzens für diese Lösung, obwohl sie viele Unsicherheiten beinhaltet und wir doch so gerne unsere Töff-Freunde in Leshoto besucht hätten. Aber erst müssen wir noch x-Formulare ausfüllen, 10Löwen,Krügeralle möglichen Kopien machen, Bankauszüge ausdrucken und zwei Begründungsschreiben verfassen. Wir versprechen mit dem ganzen Papierkram am nächsten Morgen wieder auf dem Office zu erscheinen. Also gilt unser erster Gang einem Internetcafe für die Bankauszüge, dann muss unsere Telefonkarte aufgeladen werden und erst dann können wir endlich in das nächste SPAR-Shoppingcenter, um das südafrikanische Einkaufsparadies zu erkunden, auf das wir (oder wohl eher nur ich 😉 uns schon so lange gefreut haben. 7Hyänehoch,Krüger Und zu unserer Überraschung treffen wir da drin auch noch auf Christine&Bill, unsere südafrikanischen Freunde, die wir seit Zambia nun schon so oft wiedergetroffen haben…! So kaufen wir gemeinsam ein paar schöne Steaks und Bier&Wein ein und fahren zusammen auf den Campingplatz. Die zwei „retten“ dann unseren verknorksten Tag mit einem gemütlichen „Braai“-Abend, wie das Grillen hier in Südafrika genannt wird. Bill hat ja in Kenia säckeweise Grillkohle eingekauft, die er seitdem jeden Tag ein- und ausladen muss. Jetzt können wir sie austesten… ;-)Irgendwann mitten in der Nacht entlädt sich auch noch ein heftiges Gewitter: oha, die Regenzeit hat offenbar auch hier bereits begonnen…!

11Mistkäfer,Krüger Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Christine&Bill mit dem Versprechen sie dann auf ihrer Farm zu besuchen und liefern unsere Papiere auf dem Homeaffairs Office ab, was fast den ganzen Vormittag in Anspruch nimmt… Aber ab Mittag können wir uns dann – mit einem leicht flauen Gefühl zwar – voll auf den Krüger Nationalpark und die Tierwelt konzentrieren. 15Wildhundefamilie,KrügerWir verbringen fast eine Woche darin, übernachten in unterschiedlichen Camps und treffen natürlich auch auf viele andere Touristen. Mit den meisten haben wir guten Kontakt und wir verbringen ein paar schöne Abende mit Mitreisenden aus aller Welt. Die Regenzeit hat auch hier bereits eingesetzt (fast einen Monat zu früh) und die 16Wildhund,KrügerLandschaft ist herrlich grün, überall spriesst frisches Gras und die Tiere sind wohlgenährt, verteilen sich aber auch viel mehr, da sie nicht mehr auf die Wasserlöcher angewiesen sind. Trotzdem sehen wir viele Büffel, Antilopen, Giraffen und Elefanten. Auch Löwen können wir beobachten, ganze Familien teilweise. 12LeoBaum,Krüger 13LeoKopf,Krüger Den Höhepunkt macht dann eine Abendfahrt, wo wir auf ein ganzes Rudel Wildhunde treffen und später dann auch noch einen Leoparden mit seinem „Kill“, einem erlegten Wildschwein, auf dem Baum oben liegen sehen. Wir wussten, dass Leoparden ihre Beute vor anderen Wildtieren auf Bäumen in Sicherheit bringen, aber wir sind erstaunt wie weit sie diese den Baum hochschleppen…! (er liegt im Baum auf dem Bild oben im untersten rechten  Ast…!)

17BlydeCanyon 18BlydeCanyon Nach sovielen Tagen, wo wir hochkonzentriert in den Busch starren, ist es eine angenehme Abwechslung wieder einmal mit „normalem“ Tempo ausserhalb des Parks rumkurven zu können. Wir fahren durch tolle Hügellandschaften zum Blyde River Canyon, wo der Fluss eine tiefe Schlucht in die roten Felsberge geschnitten hat. Wir geniessen die tollen Ausblicke auf die runden Bergkuppen, machen eine Velotour und erkunden einen versteckten Wasserfall auf einer Dschungelwanderung. Einfach toll hier! Nur… – leider setzt über Nacht Regen ein, alles ist wolkenverhangen, es kühlt merklich ab… und die Wetterprognosen sagen keine Besserung für die nächsten Tage voraus 🙁 Also fahren wir zurück in den Krügerpark: Tiere kann man auch bei schlechtem Wetter beobachten! Und da wir noch in Kontakt mit Gaby&Marcel sind, zwei Schweizern Reisenden, die wir in Botswana getroffen haben und die auch hier sein sollen, machen wir übers Internet ein Treffen auf einem der Campingplätze aus. Marcel hat ähnliche 21AGaby&Marcel,KrügerProbleme mit seinem Visa wie wir und so ist für Gesprächsthema gesorgt… 😉 Sobald das Wetter wieder aufklart, fahren wir 19Blyde Canyonzurück zum Canyon, diesmal von der andern Seite her und geniessen die Ausblicke von der Höhe runter. Leider ziehen bald wieder Wolken auf, es fängt an zu regnen und so fliehen wir weg von den Bergen, raus in die Ebene und Richtung Küste. 20BlydeCanyonDer St. Lucia Wetlandpark ist einzigartig durch seine Sümpfe entlang der Küstendünen, hier wurden viele Nashörner wiederangesiedelt und wir sehen auch etliche davon. Ausserdem verbringen wir unsere Tage mit dem Wegscheuchen der frechen Affen auf dem Campingplatz: die getrauen sich sogar in den Cruisie währenddem wir drinnen sind…! Aber Kölbis Steinschleuder jagt ihnen doch etwas Respekt ein und nach

17aNashorn,Krügerzwei Tagen intensivem Steine schleudern haben wir wenigstens während dem Essen Ruhe vor diesen Plagegeistern. Wir stehen hier mit Simon und seiner Frau, die wir vom Krügerpark her kennen. Ihnen haben die Affen sogar das Moskitonetz am Mietauto aufgerissen um besser an die Esswaren zu kommen!

21GoldenGate22GoldenGate Fürs Unterhaltungsprogramm auf dem Platz ist also gesorgt, und da das Meer hier zum Schwimmen wegen der starken Brandung schon nicht mehr geeignet ist, ziehen wir ein paar Tage später weiter südwärts, Richtung Durban und fahren dann landeinwärts zum Golden Gate Nationalpark an der Nordseite der Drakensberge. Diese Bergkette umschliesst ja Leshoto – und da wir mit unserem Visaproblem nicht nach Leshoto reindürfen, so wollen wir an seiner Flanke entlang der Drakensberge drumherumfahren. Die Landschaft ist einzigartig mit imposanten Sandsteinfelsen, die im Abendlicht golden-rot leuchten. Und wir treffen uns da auch wieder mit Gaby&Marcel und 23CampStaudamm24Fonduenach einer Wanderung am vormittag fahren wir zusammen an einen Stausee, wo sie mit Hannes, den auch wir bereits von Nairobi her kennen, abgemacht haben. Wir verbringen relaxte Tage mit plaudern, fischen (ohne Erfolg), wandern, baden und -dank Hannes‘ Vorräten und vor Ort selbstgebackenem Brot- sogar einem Gerber-Fondue bei stürmischem Wind! Als wir dann kurz darauf auch noch an einem 25bLittleSwitzerland„Little Switzerland“-Schild vorbeifahren, fühlen wir uns schon fast wie zuhause… 😉 Aber zuerst unter-nehmen wir mit Hannes noch einen abenteuerlichen Ausflug zu einem der höchsten Aussichtspunkte in den Drakensbergen. Um diesen zu erreichen geht es erst mal mit den Autos über eine hohe Passstrasse um nach zweistündiger SONY DSCWanderung über ziemlich wacklige und extrem lange Stahlleitern zwei senkrechte Felswände zu erklim-men… oben werden wir dafür aber mit einer tollen Aussicht auf 3000müM belohnt. Leider nur in die eine Richtung, da auf der andern Seite dicker Nebel die Sicht behindert. Aber nur schon die Leitern sind die Wanderung wert! Kölbi fühlt sich leider nun schon zum dritten Mal innert ein paar Tagen nicht sehr wohl und wir befürchten schon, dass er Malaria haben könnte. Wir machen einen der vorsorglich mitgeführten Tests, aber der ist glücklicherweise negativ: also doch keine Malaria! Wir sind froh und dankbar, dass wir bisher von dieser heimtückischen Krankheit verschont geblieben sind. 28Bill&ChristinesHausEtliche Mitreisende haben uns nun schon von ihren Malaria-Erfahrungen erzählt und keiner von ihnen möchte es noch mal erleben! Wir verabschieden uns von Hannes, der Richtung Namibia fährt, und zwei Tage später dann auch von Gaby&Marcel, die Freunde auf einer Farm besuchen wollen. Das wollen wir auch, denn Bill&Christines Farm ist ganz in der Nähe hier und bei ihnen dürfen wir ein paar Bills Kücheinteressante Tage verbringen. Ich darf mich im Garten austoben und Kölbi versucht an ihrem alten Dach zu flicken, was noch zu retten ist… Aber die zwei sind ein goldiges, herzensgutes Paar und wir verbringen viel Zeit zusammen mit Diskussionen über die Zukunft unserer Welt und Südafrikas im Speziellen. Und dazu bekochen wir uns gegenseitig mit leckeren Gerichten und ich lerne wieder einmal ein paar neue Rezepte kennen. Der Abschied fällt dann schwer, aber wir wollen nun die südlichen Drakensberge besuchen, wo wir auf einem schönen Campinglatz ganz alleine stehen. 26DrakensbergeNach einer Wanderung am Vormittag beschliessen wir das gute Wetter zu nutzen und gleich noch ein Stück weiterzufahren. Je näher wir an KwaZulu Natal kommen, dem Gebiet mit fast nur schwarzer Bevölkerung, desto weniger Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich und schlussendlich fahren wir dann gleich bis an die Wild Coast durch. Den Abschluss dieses erlebnisreichen Tages macht dann eine unheimlich kurvige, schlechte Schotterpiste durch eine Hügellandschaft, gegen die das Emmental noch fast flach wirkt… und das bis zuvorderst an die Küste ran! Es dunkelt bereits als wir ankommen, dazu weht ein heftiger Wind… – wir zwei sind fix und foxi und gehen bald einmal schlafen.Am nächsten Morgen können wir uns dann erst mal umschauen, wo wir da eigentlich gelandet sind und nach kurzer Besprechung beschliessen wir gleich weiter in die nahe Coffee Bay zu fahren. 26WildCoastDort hat es einen wunderschönen Campingplatz in einem kleinen Stück übrig gebliebenem Urwald direkt am (stürmischen) Meer. Und nahebei noch ein paar flippige Gästehäuser und Kaffees. So ein bisschen ein Aussteiger-Paradies mit viel Trommelmusik, wie uns scheint. Wir geniessen es, dem Treiben ein wenig zuzuschauen, doch leider holt uns das schlechte Wetter wieder einmal ein und es fängt an zu regnen. Als es am nächsten tag dann mal eine Stunde lang trocken bleibt, schlägt Kölbi vor wir könnten ja doch noch mal die Wanderung der Küste entlang zum „hole in the wall“ starten. Es geht über Stock und Stein, Hügel rauf und Hügel runter, über Bäche und dem Strand entlang, an einfachen Hütten vorbei und immer wieder grüssen uns die Einheimischen oder laufen uns Kinder bettelnd nach: „sweets, sweets“ oder sogar: „two Rand, two Rand“ („Süsses, Süsses“ oder „20 Rappen, 20 Rappen“). Etwa auf halber Strecke fängt es an zu regnen, wir stellen uns unter einen Dachvorsprung und warten auf ein Nachlassen, um weiterwandern zu können. Das ist jedoch von kurzer Dauer und schon bald einmal wandern wir in strömendem Regen… – nur hat es jetzt keinen Dachvorsprung mehr, 27WildCoastwo wir uns unterstellen könnten 🙁 Nach einer Stunde erreichen wir schliesslich die nächste Ortschaft, ziehen im einzigen Restaurant unsere tropfnassen Kleider aus und bestellen uns was zum Essen. Währenddessen versuchen wir uns einen Transport zurück zu organisieren – doch oh weh: weil die Strasse wegen dem vielen Regen nun so rutschig geworden ist, kann uns auch kein Auto mehr zurückbringen! Also marschieren wir tropfnass auch wieder zurück! Die heisse Dusche auf dem Campingplatz wärmt uns dann wieder auf, nur unsere Kleider und Schuhe brauchen noch ein paar Tage um richtig trocken zu werden… Als es am nächsten Morgen immer noch regnet, ist unsere Stimmung genauso grau und wolkenverhangen wie der Himmel draussen und wir wollen nur noch weg von hier! Wir fahren nun an die westliche Seite von Leshoto und trotz dem schlechten Wetter können wir erahnen wie wunderschön diese Berggegend sein muss bei gutem Licht… Telefonisch haben wir Kontakt aufgenommen mit August, dem Motorradfahrer, den wir am Tanganikasee mit seinen Söhnen getroffen haben. Wir haben ja immer noch seinen defekten Kocher mit dabei, den wir versprochen haben bei ihm zuhause in Leshoto abzuliefern. Nun gibt er uns eine Wegbeschreibung zu einer Farm in der Nähe, wir könnten den Kocher da abgeben und gleichzeitig den Schlüssel zu einem sehr speziellen Platz mit heissen Quellen und Flusspools in Empfang nehmen um dort zu übernachten. Wow, das tönt ja toll! Genau das Richtige für uns bei dem Sch…Wetter!! Als wir auf die Farm einbiegen, sehen wir grade noch ein Auto abfahren. Es dreht dann aber um und der Farmer steigt aus mit seinem Grosskind, sie wollten eben auf Jagd gehen… Er gibt uns den Schlüssel und erklärt uns nur kurz den Weg – er will auf die Jagd! Wir fahren erwartungsvoll zum angegebenen Gatter, versuchen alle Schlüssel(3) an allen Schlössern(4)… nix! NIX! Wir versuchen es mit Ölspray, mit sanfter Gewalt, mit grober Kraft… nix tut sich!! Kölbi meint, wenn er jetzt noch mehr Gewalt anwendet, brechen wir den Schlüssel ab – und das wollen wir ja eigentlich auch nicht! Also fangen wir an rumzutelefonieren, damit wir den Farmer erreichen können… wieder Fehlanzeige! Also fahren wir mit hängenden Köpfen wieder zurück zur Farm 30OwlHouse(wo natürlich keine Menschenseele ist, die sind ja zur Jagd!), lassen den Kocher und die Schlüssel mit einem netten Briefchen zurück und fahren enttäuscht weiter. Ihr wisst bestimmt wie das ist, wenn man sich auf etwas so richtig freut und es dann nicht klappt… in der Vorstellung wird es immer noch schöner… und die Enttäuschung noch grösser… 🙁 Als dann auch noch der nahegelegene Campingplatz (auch mit heissen Quellen) wegen Verwahrlosung (meine Theorie) geschlossen ist, kann ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Warum ist nur alles gegen uns??! 29OwlHouseAber auch solche Momente gehen vorbei – auf Reisen wie im „normalen“ Leben – und wir finden einen hübschen kleinen See zum Campieren. Als es am andern Morgen immer noch regnet, ist unsere Fahrrichtung klar: Richtung Zentrum, Richtung Karoo, wo es am trockensten und heissesten sein soll in Südafrika! Entlang der Strecke liegt ein kleiner Abstecher, ein hübscher Ort in einem Seitental versteckt, wo einst eine Künstlerin gelebt hat, die ihr einfaches Elternhaus mit Hilfe von gemahlenem Glas in ein farbenfrohes Traumgebilde verwandelt hat mit phantasievollen Skulpturen, die den Garten bevölkern. 31CamedooAussichtAls wir in Graff-Reinet in den Campingplatz fahren wollen sind wir zeitgleich mit einem Touristen-Mietauto da und es stellt sich heraus, dass Philipp&Stefanie aus Südtirol sind, hier ihre wohlverdienten Ferien verbringen nach einer strengen Sommersaison im eigenen Restaurantbetrieb… – da ist natürlich für Gesprächsstoff gesorgt 😉 Wir fahren gemeinsam zu einer kurzen Wanderung in den nahen Nationalpark, von wo aus wir32Schildkröten,Karoo wunderbare Ausblicke auf die tieferliegende Karoolandschaft haben. Zurück im Camp wird unsere Hoffnung auf einen gemütlichen Grillabend durch ein heftiges Gewitter erst mal zunichte gemacht, aber der Himmel hat dann doch Erbarmen mit uns und es klart33Karoo – merklich kühler – doch nochmal auf, so dass wir nach dem Grillen noch eine ganze Weile zusammen sitzen können. Vom eigentlichen Karoo-Nationalpark sind wir dann eher enttäuscht; trotz toller Landschaft ist der Campingplatz dermassen unter Bäumen versteckt, dass wir gar keine Aussicht darauf haben. Dafür entschädigen die hier ansässigen Riesenschildkröten mit gegenseitigem Wegschubsen für Spektakel und abends schleicht sogar ein Karakal, eine Art Luchs, durchs Camp auf der Suche nach Futter! Die Fahrt durch den Park verläuft relativ ereignislos, alle 4×4 Routen (für die der Park eigentlich bekannt ist) sind gesperrt und am zweiten Abend kommen wir dann sogar hier in der Karoo in den (seltenen) Genuss von ein paar Regentropfen verbunden mit einem spektakulären Gewitter… 34Swartbergpass36StrassezurHelDie Fahrt nach Prince Albert und auf den Swartbergpass ist dann Genuss pur, aber den Höhepunkt macht die Strasse in die Hölle, „die Hel“ genannt! Wilde, unberührte Karoo-Berglandschaft über 50 km weit in ein 37aDieHelabgeschiedenes Tal, wo einst weisse Siedler ein Auskommen als Selbstversorger fanden. Der einzige Weg aus dem Tal raus führte über steile Felspässe und konnte nur per Maulesel bewältigt werden, was mehrere Tage dauerte, weshalb das Tal seinen abschreckenden Namen bekam. Heute leben nur noch zwei Familien dort hinten und beide haben ihr Auskommen dank dem bescheidenen Tourismus. Die alten Häuser wurden stilgerecht renoviert und in 35SwartbergAussichtGästehäuser umgewandelt, sogar zwei Campingplätze gibt es… Auf der Fahrt zurück füllen wir dann noch unsere Tanks mit dem klaren Bachwasser auf und ich pflücke einen ganzen Strauss herrlich stark riechender Minze. Wir fahren alles den Swartbergen entlang Richtung Osten bis wir entlang einer wilden Schlucht in den Bavianskloof gelangen, einem weiteren abgeschiedenen Tal, in dem sich weisse Siedler niedergelassen haben. Der untere Teil des Tals ist ein Naturreservat und wir haben Glück überhaupt durchfahren zu dürfen: wegen der starken Regenfälle und Überschwemmungen war die Strasse gesperrt und ist nun erst den dritten Tag wieder offen! 37Bavianskloof38BavianskloofDementsprechend schlecht ist auch der Strassenzustand und wir sind froh, dass wir eine Übernachtung auf dem einsam gelegenen Camp am Fluss eingeplant haben. Den Fluss müssen wir auf unserem Weg ein paar Mal queren, jedes Mal wird er grösser, tiefer und breiter…! Aber es ist ein tolles Abenteuer und wir sehen auch prompt ein paar Paviane durchs Tal streifen, von ihnen kommt ja der Name der Gegend hier. Aus dem Park raus ist es dann nicht mehr weit bis zur Küste, wo die Gardenroute ihren Anfang nimmt. Auf einmal ist alles sehr touristisch, überall hat es hübsche Restaurants, gut besuchte Campingplätze (die Ferienzeit hat begonnen!), es wird Bungeejumping und alle möglichen 39GardenrouteAbenteuer-Sportarten angeboten, Ferienhäuser spriessen wie Pilze aus dem Boden… hier ist was los, wir sind in Südafrikas Touristenecke angekommen! Irgendwie ist es eine ganz anderes Leben hier, fast wie in Europa, alles sehr modern und „stylish“, wir gehen zum Italiener Pizza essen, trinken Espresso – wir fühlen uns fast wie zuhause in der Schweiz – 40Gardenrouteausser dem Meer natürlich und der andersfarbigen Bedienung… (- und den Preisen)! Wir übernachten mal in Plettenberg, wo wir am Morgen Delfine im Meer beobachten können und einmal in Mossel Bay, wo wir von Roussow, einem netten und sehr aufgeschlossenen Farmer spontan zum Nachtessen eingeladen werden. Er verbringt hier mit seiner Familie die Ferien und wir verbringen einen sehr gemütlichen Braai-Abend bei ihm und Mosselbayseiner Frau Belinda in ihrer (familieneigenen) Ferienwohnung. Wir schliessen die zwei sofort ins Herz mit ihrer spontanen, herzlichen Art und Gastfreundschaft. So nehmen wir auch ihre Einladung, sie dann auf ihrer Farm im Nordwesten von Kapstadt zu besuchen, sehr gerne an. Erst mal fahren wir aber nach Oudtshoorn, zurück in die Berge, denn hier an der Küste wird es wegen der Weihnachtsferienzeit nun definitiv zu voll und zu teuer für uns…! Oudtshoorn ist das Zentrum der Straussenfarmen, überall sehen wir die Riesenvögel die Köpfe recken und über die Felder stolzieren. Wir parkieren für ein paar Tage im Hof eines Backpackers und geniessen es, mit unseren Velos das nette Städtchen zu erkunden. Auch lernen wir viele Touristen kennen undStrausse besonders freut uns, dass eines abends ein hübsch bemalener VW-Bus mit VD-Kennzeichen (Schweizer) neben uns parkiert! Die zwei Jungs sind über die Ostroute hierher runter gefahren und so können wir uns beim gemeinsamen Nachtessen viel erzählen… Oudtshoorn liegt ganz in der Nähe vom Swartbergpass und der „Hel“ und so machen wir auf Empfehlung von Touristen hin nochmals eine Rundtour durch die schöne Gegend, machen eine (recht anstrengende!) Wanderung über den Pass und übernachten anschliessend oben in den Bergen. Wir geniessen es total wieder einmal frei campieren zu können, ohne eine Menschenseele um uns herum! Über kleine Bergsträsschen fahren wir weiter, durch einsame Täler bis zu einem uns von Marcel empfohlenen Camp bei heissen Quellen, wo wir unseren Muskelkater herrlich im warmen Pool kurieren können. Dort lernen wir auch einen ansässigen Farmer kennen, der uns bei einem Bier seine eigene Version der 41CapeAgulhasBibelgeschichte kundtut… ein etwas verschrobener Charakter, aber äusserst amüsant und gesprächig 😉 Durch weites Farmland fahren wir schliesslich dem südlichsten Punkt Afrikas, dem Cape Agulhas entgegen. Das Meer ist rau und stürmisch, hier trifft der indische Ozean auf den Atlantik, es weht ein strammer Wind und das Wasser hat für mich absolut keine Badetemperatur mehr! Aber die Südafrikaner sind da abgehärteter als ich und wir treffen sogar noch an der Westküste immer wieder auf Badende im eisig-kalten Wasser… 43Pinguine44PinguineWir gönnen uns eine herrlich frische Portion Fisch&Chips, fahren dann aber wegen dem kühlen Wind noch ein gutes Stück weiter, alles der Küste entlang bis nach Kleinmond. Von da ist es am nächsten Tag nur noch ein Katzensprung bis nach Gordons Bay zum Overlander Camp, aber wir lassen uns Zeit, schauen uns noch die Pinguin-Kolonie in Pringle Bay an und geniessen die schön gelegenen Aussichtsplätze dem Meer entlang mit einem Picknick – wer weiss, vielleicht entdecken wir ja auf dem Meer draussen noch Wale, für die diese Gegend hier berühmt ist…?! (Leider ist uns das nicht vergönnt, aber wir müssen uns ja auch noch etwas für Südamerika aufsparen, nicht?! 😉 )45Richtung GordonsBay Und zum Abschluss fahren wir auch noch zum Stausee, der hoch über Gordons Bay in den Bergen liegt und von wo aus man tolle Ausblicke über die False Bay bis hinüber zum Tafelberg und dem Kap hat. Im Overlander Camp ist etwas mehr los als bei unserem letzten Besuch im Mai! Die Zeit vergeht wie im Fluge mit interessanten Gesprächen, auch die Waschmaschine nutzen wir fleissig und unsere Wassertanks warten schon lange auf eine gründliche Reinigung… 46CapeofGoodHopeDazwischen unternehmen wir einen Ausflug ans Kap der guten Hoffnung, besuchen Gaby&Marcel ein letztes Mal vor ihrer Heimreise und erklettern zum Abschluss sogar noch den Tafelberg, bei strahlend-schönem Wetter und auf der direkten 47auf dem Weg zum TableMountain„India Venster“- Route, die zwar anstrengend ist und einige knifflige Kletterstellen beinhaltet, uns dafür aber mit wunderbaren Ausblicken auf Kapstadt belohnt. Diese Stadt und ihre Umgebung haben es uns angetan und wenn die Probleme mit der schwarzen Bevölkerung nicht wären, so könnten wir uns sogar vorstellen hier einige Zeit zu leben! Aber da diese Probleme eben da sind und es aus unserer Sicht alles andere als nach einer guten, sicheren Zukunft aussieht hier, kommt dies für uns erst gar nicht in Frage und wir können unbeschwert weiterreisen. geschafft!Wir besuchen Paternoster an der Westküste, wo wir uns am nächsten Morgen in den Felsen eine tolle Portion frischer Miesmuscheln sammeln. Wir nehmen sie mit nach Clanwilliam, wo wir uns mit Iris&Ralf treffen wollen, die wir letzten Juni im Kgalagadi NP kennengelernt haben und die zufällig auch gerade in der Gegend weilen. – Und sogar noch ein paar Tage Zeit haben mit uns die Cederberge zu erkunden! Das trifft sich super, denn die Weihnachtstage stehen vor der Tür und was gibt es Schöneres als sie mit Gleichgesinnten zu verbringen…! Wir campieren in den Bergen, gehen wandern, faulenzen und kochen uns was Feines. 48Camp im CederbergIn Wupperthal besuchen wir die alte Missionars-Schuhfabrik, wo ich mir ein paar handgemachte Kuduleder-Sandalen kaufe. Die erste Nacht stehen wir wild zwischen tollen Sandsteinfelsen, am nächsten Tag dann auf einem einfachen Campingplatz 49Steine im Cederbergan einem Fluss, wo wir auch baden können. Hier herrscht allerdings ziemlich Aufregung, schon von weitem haben wir Rauch und Feuer gesehen – und hier war der Buschbrand schon so nah, dass sie fast den Platz evakuieren mussten! Immer wieder rückt das Farmeigene Feuerwehrauto aus und abends kommen die Jungs mit russgeschwärzten Gesichtern zurück ins Camp vom Flammen löschen. So sind für einmal alle erleichtert, als spätabends Blitze am Himmel zucken und schlussendlich die ersten Regentropfen fallen. KartenspielenUnd als es am Heiligabend dann den ganzen Tag regnet, lehrt Ralf uns ein spannendes Kartenspiel, das wir bis nachts um 2 Uhr spielen. Fast wie bei uns zuhause mit dem Jokern 😉 Aber unser feines Weihnachtsmenü, das wir zwischen zwei Spielrunden hingezaubert haben, möchte ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten: perfekt grilliertes Rindsfilet am Stück mit Steinpilz- und Champignonsrahmsauce, überbackenem Fenchel, glasierten Rüebli, Zuchini und Zuckerschoten und dazu Teigwaren….mmmmhhhh! 50WeihnachtenUnd erst noch alles auf dem Holzfeuer gekocht! Irgendwie waren wir Frauen an dem Abend mit Kochen erfolgreicher als mit dem Kartenspielen…gell, Iris? Dafür haben wir das dann mit dem Abschieds-Match am anderen Tag wieder gut gemacht! Die zwei mussten sich auf den Weg nach Kapstadt machen, denn sie wollen übers Neujahr einen „Heimaturlaub“ einlegen. Kölbi und ich verbringen noch einen Tag länger in dieser schönen Berggegend, bevor wir unseren versprochenen Besuch auf der Farm von Roussow&Belinda einlösen, die uns bereits in Mossel Bay so spontan eingeladen haben.51RoussowsFarm Dieser Besuch wird eines unserer intensivsten und schönsten Erlebnisse hier in Südafrika, zum einen weil diese zwei Menschen uns so herzlich willkommen heissen und uns offen an ihrem Leben und ihren Sorgen teilhaben lassen, was uns tiefe Einblicke in die Freuden, Sorgen und Denkweisen in diesem Land beschert; zum andern, weil Roussow ein ganz aufgeschlossener, moderner Farmer ist, der mit den Erfordernissen des Weltmarkts mitzuhalten versucht und sich durch blitzgescheites Denken, Rechnen und Handeln einen Vorsprung gegenüber seinen Mitkonkurrenten herausholt um damit seinem Sohn den bestmöglichen Start ins Farmerleben zu ermöglichen.53Familientisch Und das alles in Dimensionen, die für uns Schweizer fast unvorstellbar gross sind: 3000 Hektar Farmland (+ 6000 Hektar seines Bruders im Nordosten von Südafrika, das sein Vater damals nur dank unterschiedlicher Regen- und Erntezeiten gleichzeitig bewirtschaften konnte!), hauptsächlich wird Weizen angebaut, er hat aber auch ca 380 Rinder, 54BelindasVorratskammersein elfjähriger Sohn baut gerade einen Hühnerstall auf (35 Stück inzwischen) um zur Aufbesserung seines Taschengeldes Eier zu verkaufen; Weinreben und Olivenbäume haben wir auch gesehen… auch der Traktoren-Fuhrpark ist beeindruckend: da werden die Traktoren per GPS gesteuert und die Saat- und Spritzmittelmenge vom Computer errechnet… – alleine die Spannweite des einen Sprayers beträgt 35 Meter! Roussow erzählt uns, wie er jede 52bei den TraktorenWoche mit Farmfreunden in der ganzen Welt telefoniert – nicht etwa um zu plauschen, sondern um die Wetter- und somit Ertragssituation in den jeweiligen Ländern herauszufinden und somit die Richtung des Weltmarktpreises für Weizen zu evaluieren. Er zeigt uns die riesigen Silos und Lagerhallen mit angeschlossenem Labor, wo er die Qualität seines Weizens selber bewerten und ihn lagern kann und erst dann zum Verkauf freigibt, wenn der Preis stimmt.Uns brummt schon nach kurzer Zeit der Schädel ob so vieler Daten, aber Roussow erklärt uns alles sehr offen und in einfachen Worten und nimmt sich endlos viel Zeit für uns; wir spüren seinen (berechtigten!) Stolz auf das Erreichte und doch scheint es auch immer ein Balancieren mit den finanziellen Mitteln zu sein. Alwins HühnerAlles wird wieder in die Farm investiert. Bisher hat er – trotz schwieriger Jahre – immer eine glückliche Hand gehabt und wir mögen es ihm und seiner Familie von Herzen gönnen und drücken ihm die Daumen, dass es so weitergeht! Nach diesen drei intensiven Tagen fällt uns allen der Abschied schwer; doch wir wissen, dass wir jederzeit hierher zurückkommen dürfen und hoffen, sie dereinst auch einmal in der Schweiz begrüssen zu können.

55RichtersveldNPNun bleiben uns nur noch ein paar wenige Tage in Südafrika, das Home Affairs-Office hat sich glücklicherweise bisher noch nicht gemeldet, also ist unser Antrag immer noch hängend und so fahren wir entlang der Westküste hoch in Richtung Namibia. Und mit dem Länderwechsel steht nun gleichzeitig der dritte Jahreswechsel unserer Reise vor der Campingtüre… : Wir wünschen Euch allen ein gutes, gesundes Neues Jahr, in dem Ihr möglichst viele Eurer Lebensträume verwirklichen könnt… fast wie wir!!!

55aWeg nach Namibia

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