Namibia I (1.1. – 31.1.13)

Unsere diesjährige Silvesterparty gestaltet sich ziemlich anders als die beiden bisherigen unserer Reise, wo wir jeweils mit anderen Overländern an einem grossen Lagerfeuer feiern durften … es ist unsere letzte Nacht in Südafrika, wir befinden uns mutterseelen-alleine im Richtersveld Nationalpark – und dann erst noch meist „sitzend auf dem Häuschen“… Denn Kölbi hatte an der Küste noch einen ganzen Kübel voller Miesmuscheln gesammelt, die wir am Abend am Oranjefluss dann genussvoll verspiesen haben. Wohl etwas zuviel des Guten, denn am nächsten Morgen und den ganzen Tag über rebelliert unser Magen gegen die ungewohnte Menge Atlantikkost… 1Fähre

Nun ja, hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für‘s Neue Jahr! Das beginnt nämlich voll easy mit einem gemütlichen, problemlosen Grenzübergang per Fähre über den Oranjefluss, der die Grenze zu Namibia bildet. Vorher stutzt die Südafrikanische Grenzbeamtin jedoch noch wegen unserer Visums-Verlängerung: „ja haben die Euch denn keinen Stempel in den Pass gemacht deswegen?? Ihr hättet so irgendwo bei einer gewöhnlichen Polizeikontrolle verhaftet und ins Gefängnis gesteckt werden können…“ Eine unangenehme Vorstellung! Also waren unsere Sorgen in dieser Sache doch nicht ganz unbegründet… Wir versuchen noch herauszufinden, was wir denn nun bei einer erneuten Einreise nach Südafrika für ein Visum bekommen würden, erhalten aber keine klare Antwort und dies bestärkt uns im Vorhaben, möglichst von Namibia aus nach Südamerika verschiffen zu wollen!

2Schlucht3Weg zum FishriverEine Schotterpiste führt uns durch eindrückliche Wüsten-Gebirgslandschaft dem mit Büschen und Bäumen bestandenen Fluss entlang. Was für ein Kontrast: das saftige Grün neben dem kostbaren Wasser und rundherum nichts als Sand, Geröll, Gestein…! Auch die Temperaturen steigen konstant an und am Mittag bin ich froh über ein kühlendes Flussbad. Wir fahren bis Ai-Ais, den heissen Quellen am Fishriver, wo wir einen gemütlichen Nachmittag auf dem Campingplatz nahe beim Pool verbringen und unsere Magenprobleme auskurieren. Das warme Wasser der Quellen ist vor allem abends, wenn die Luft merklich abkühlt, etwas herrliches! Fit und munter erkunden wir am folgenden Tag dann den tief eingeschnittenen Canyon des Fishrivers. 4Fishriver-CanyonWir besuchen die diversen Aussichtspunkte entlang der Südkante und immer wieder eröffnen sich uns neue Einblicke in die Erosionskraft und auch die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen unserer Erdgeschichte. Uns wird bewusst, wie kurz wir Menschenwesen diese Erde erst bevölkern angesichts der Jahrmillionen, während derer diese Landschaft hier entstanden – und auch wieder abgetragen worden ist! 5Fishriver-CanyonDem Reiz, in den Canyon runterzusteigen und in den paar übriggebliebenen Wasserbecken des Flusses zu baden, können wir – glücklicherweise – nicht erliegen, da dies nur während den kühleren Wintermonaten gestattet ist. Jetzt ist es für solch eine strapaziöse Tour viel zu heiss und so geniessen wir die tolle Aussicht vom Rand oben bei einem Picknick direkt an der Kante des Canyons.

6Picknick FishriverKölbi erinnert sich, dass er bei seiner Motorradtour durch Namibia im 1999 irgendwo über eine Farm in den Canyon runterfahren konnte und so machen wir uns auf, diesen Ort zu finden. Nachdem wir von der Strasse abgebogen und über mehrere Farmen gefahren sind, erreichen wir schlussendlich das Gästehaus, wo Kölbi damals genächtigt hat. Doch ohjee, es ist inzwischen geschlossen und kann nur noch über Windhoek gebucht werden… Zufällig sind zwei Arbeiter anwesend, die uns anbieten nachzufragen, aber dummerweise wehren wir ab und fahren weiter. Was wir kurz darauf auch schon bereuen, denn es wäre schon eine einmalige Chance gewesen! Aber nun ist es zu spät und wir müssen uns nach einem anderweitigen Übernachtungsplatz umsehen. Wir spulen nochmals über 150 km auf Schotterpisten ab, bis wir mit einem einsamen Platz am Naute-Damm belohnt werden, wo wir uns sofort ins kühle Nass stürzen. 8CampingSeit den Cederbergen im Nordwesten Südafrikas konnten wir nun bereits ein paar Mal wieder „wild“ campieren und unsere Seelen-Grundstimmung bessert sich mit jedem Mal… Warum ist das so? Was ist so anders daran als auf dem Campingplatz? Liegt es vielleicht an unserer Jäger/Nomaden-Seele, dem Reiz am Selber-Finden und Selber-Aussuchen des Ortes, der grösseren Privatsphäre… keine Ahnung, aber es ist einfach so! Wir fühlen uns wohl hier in Namibia, das ja extrem dünn besiedelt ist: zirka dreimal so gross wie Deutschland, aber nur 2 Millionen Einwohner! Es ist ein trockenes Land mit grossen Wüstenflächen, die im Westen vom kühlen Atlantik begrenzt werden. Hier ist es also am Meer deutlich kühler als im Rest des Landes, obwohl ein 7KaktusGrossteil davon auf einem Plateau von ca 1500 müM liegt. Die meisten Flüsse führen nur an wenigen Tagen im Jahr oberirdisch Wasser, sonst fliesst das kostbare Nass unterirdisch in den Flusstälern und wird so dank des Sandes vor der starken Verdunstung geschützt. Nur Bäume und Büsche mit ihren Wurzeln erreichen es – und manche Tiere, wie die Zebras, die tiefe Löcher in den Sand graben bis das Wasser zum Vorschein kommt. Dieses Klima hat empfindliche Ökosysteme und seltene Tier- und Pflanzengemeinschaften hervorgebracht und die Farmer hier müssen sehr darauf achten, dass das Land nicht überweidet wird, was unwiderruflich die Ausbreitung der Wüste zur7Köcherbaum Folge hätte. Die namibischen Farmen sind riesig, alle umzäunt und mit nur wenigen Tieren (Rinder, Schafe, Ziegen) bestückt, daneben gibt es aber auch noch viel Wild, das wir unterwegs immer wieder zu Gesicht bekommen: Springböcke, Kudus, Oryxe, Zebras, Strausse und Warzenschweine. Nur wenige Strassen sind geteert, meist sind es Schotterpisten, aber in sehr gutem Zustand und fleissig gewartet, sie sind deshalb gut zu befahren. Wir aber besuchen jetzt erst mal Keetmanshop, dem grössten Ort hier im 13KöcherbaumwaldSüden, um aufzutanken (Benzin&Vorräte), Geld zu wechseln und Internet-tauglich zu sein. Denn für den Februar haben sich Kölbis Schwester Theres und Harald angekündigt. Sie wollen ein Auto mieten und mit uns das Land erkunden. Da gibt es etliche Mails zu senden und erfreulicherweise funktioniert sogar das Telefonieren via Internet recht gut hier in Namibia, so dass wir sogar skypen können. Nach einem Besuch im grössten Köcherbaumwald in einer Gegend, wo es aussieht, als hätten Riesen mit Bauklötzen9Fishriver-Canyon (Steinen) gespielt, fahren wir nun an die nördliche Flanke des Fishriver-Canyons und geniessen dieses Wunderwerk der Natur auch noch von dieser Seite aus. Die nächsten Tage fahren wir durch aride Gebirgsgegenden, entlang grosser Farmen und übernachten teilweise auch auf ihren Campingplätzen. Immer mehr Farmer setzen auf den Tourismus als Zusatzeinkommen und bieten meist sehr schön gelegene und fantasievoll ausgebaute Campingplätze und Chalets an. Auf einer von diesen erleben wir hautnah mit, dass auch 11Koiimasis-Farm12Koiimasis-Farmhier nicht immer nur die Sonne scheint: der Farmer erzählt uns vom Rollstuhl aus, dass es den Campingplatz infolge Scheidung nicht mehr gebe und er uns wegweisen müsse – und draussen fängt uns eine Schwarze ab und bietet uns ebendiesen Campingplatz im Namen der Exfrau an… er sei der Frau zugesprochen worden und der Mann werde das Haus in den nächsten Tagen verlassen müssen… was jetzt? Nun, diese Scheidungsgeschichte geht uns im Grunde ja nichts an und der Platz ist mit den nahegelegenen Flusspools in der herrschenden Tageshitze halt zu verlockend: wir bleiben und geniessen die Abkühlung!

13Namibias Schotterstrassen Über tolle Passstrassen gehts am nächsten Tag erfrischt weiter und wir erinnern uns an einem Aussichtspunkt auf dem Spreegdshoogte an die erste Zeltnacht auf unserer Töffreise im Jahr 1999 hier in Namibia… Eine schöne Zeit verbringen wir dann auf dem Camp Gecko, das Heidi&René, zwei Schweizer, führen. Durch sie erfahren wir wieder viel Neues und Interessantes übers Land und seine Leute und die Sorgen und Ängste der (meist) weissen Farmer unter der schwarzen Regierung. Eigentlich wollen wir ja nur einen Tag bleiben, 15Puffotteraber am Morgen können wir zuschauen, wie René eine getötete Puffotter (Schlange) häutet und verquatschen dann noch viel Zeit bei Heidi im Office, so dass wir kurzum beschliessen, noch einen Tag anzuhängen 😉 Das ist das Schöne am „Zeit haben“!

Danach geht‘s auf in die Hauptstadt Windhoek, wo wir uns im Elisenheim einquartieren, einer Farm etwas ausserhalb der Stadt gelegen und Treffpunkt vieler Selbstfahrer hier in Namibia. Und 14Puffotterwir staunen nicht schlecht, auf wen wir da treffen: Roger, den wir auf unserer Töffreise vor über 20 Jahren in Neuseeland kennengelernt haben. In der Schweiz haben wir ihn dann ein paar Jahre später mal kurz auf einem Vodoo-Treffen gesehen… da gibt‘s natürlich viel zu erzählen, vor allem weil er am nächsten Tag bereits in die Schweiz zurückfliegt. Dafür kommen immer wieder andere interessante Mitreisende nach Elisenheim und die Zeit vergeht uns wie im Fluge.

Zeitgleich versuchen wir mehr über die Verschiffung nach Südamerika herauszufinden… von Kapstadt oder Walvisbay, nach Cartagena oder Buenos Aires, alleine oder finden wir ein zweites Auto??? Jahreszeitenmässig und von der Route her wäre uns Walvisbay – Cartagena (Kolumbien) im März am liebsten. Überraschenderweise melden zwei Deutsche hier vom Campingplatz kurz vor ihrem Heimflug ihr Interesse am gemeinsamen Verschiffen an. Wir vereinbaren einen Verschiffungs-Termin so gegen Ende April; in etwa der gleiche Zeitpunkt, zu dem uns auch Duncan von Kapstadt ein zweites Auto in Aussicht gestellt hat, welche jedoch nach Buenos Aires wollen. Aber vor einer definitiven Entscheidung müssen alle  noch mal drüber schlafen und wir auch genaueres über Preise und Daten herausfinden. Der Knackpunkt beim Verschiffen sind ja vor allem die Hafenkosten am Ankunftsort, wie wir aus leidvoller Erfahrung von Kapstadt her wissen… und Buenos Aires soll da besonders schlimm sein, Duncan hat über 3000 US$ dafür veranschlagt!

16DinoSpurenBis alle ihre Entscheidungen getroffen haben, fahren wir erst mal Richtung Norden, um ein paar Routen bereits abzuchecken, bevor Theres&Harald kommen. Die erste Nacht verbringen wir an einem Ort mit Dinosaurier-Abdrücken im Felsenboden und fahren durch wunderschönes Farmland mit viel Wild durch immer grünere Gegenden. Im Norden beginne die Regenzeit immer ein bisschen früher und so halte ich meine Augen offen und17DinoSpuren schaue mir jeden Termitenhügel genau an… Urs Gamma, der Schweizer Honorarkonsul in Windhoek, hat mir nämlich von den Termitenpilzen erzählt, ähnlich unserem Perlpilz, der aber aus den Termitenhügeln wächst. Ach ja, die Geschichte mit „unserem“ Konsul hier in Windhoek habe ich noch gar nicht erzählt: da unser Reisepass mit all den Visas und Stempeln immer weniger freie Seiten hatte, müssen wir für Südamerika einen Neuen beantragen. Und da wir nicht wissen, ob uns auf der Durchreise in der Schweiz dazu genügend Zeit bleiben wird, haben wir unseren Antrag per Internet bestellt und in Kapstadt auf der Botschaft unsere biometrischen Daten erfasst, den Pass aber aufs Konsulat nach Windhoek schicken lassen. Und wie wir uns mit dem Honorarkonsul nun in Verbindung setzen wegen dem Abholen, schreibt er uns, er sei immer ab 10 Uhr im Restaurant Gathemann zu finden. „Auch ein schöner, aber etwas spezieller Ort für ein Konsulat“ denke ich mir noch, aber bei unserem Termin finden wir dann heraus, dass das nicht nur das Konsulat, sondern sogar sein Restaurant ist, er selber kocht und ursprünglich aus Biel stammt…! Das ist mir sofort symphatisch, wir essen auch gleich dort (sehr fein!) und irgendwie auch bezeichnend für Windhoek und Namibia: es ist hier alles noch sehr dörflich, klein und überschaubar. So haben wir also Urs Gamma und sein 18VingerklipRestaurant kennen und schätzen gelernt; er hat uns dann auch gleich noch ein paar kulinarische Tipps (wie eben die Termitenpilze) mit auf den Weg gegeben. Leider habe ich bisher noch keinen entdeckt.

Dafür stoppen wir beim Vingerklip, einer erodierten Felsnadel, die fast aussieht wie ein überdimensionaler Termitenhügel. Wir machen einen kurzen Spaziergang drum herum und als wir weiterfahren wollen, springt unser Auto nicht mehr an. Unser Cruisie! Tut einfach keinen Wank mehr, kein einziges Lämpchen leuchtet mehr auf am Armaturenbrett! Hmmm, was nun?? Der Blick in die Motorhaube zeigt nicht viel, auch der Sicherungen-Check bringt kein Resultat. Gut, dass wir nicht allzu weit von einer Lodge entfernt sind, so können wir zu Fuss Hilfe holen. Der freundliche Lodgemanager19Mechaniker bringt uns mit seinem uralten Landcruiser zurück, findet auch nichts heraus und bietet uns dann an uns abzuschleppen bis zur Lodge, wo sein Arbeiter mal nach dem Problem schauen könne, bevor wir einen teuren Pannendienst aufbieten würden. Gesagt, getan. Und siehe da: bereits während dem Abschleppen leuchten unsere Lämpchen plötzlich wieder auf und Kölbi kann sogar den Motor starten! Aber nur, bis wir parkiert sind, danach geht wieder nichts mehr. Bis der Mechaniker von seiner Mittagspause zurück ist, essen auch wir in der Lodge etwas z‘Mittag. Das Warten lohnt sich, denn er findet das von den Vibrationen durchgeschmorte Kabel innert kürzester Zeit und kann es auch gleich selbst reparieren. Erleichtert und happy fahren wir weiter; nur Kölbi ärgert sich ein wenig, dass er sich diese elektrische Falle selbst gestellt habe, wie er meint.

In Kamanjab bleiben wir dann gleich zwei Nächte, der freundliche Besitzer des Oppie-Koppie lässt alle Gäste mit ausländischen Schildern gratis bei sich campieren! Dafür essen und trinken wir dann bei ihm im Restaurant. Und lernen auch noch Eli&Oliver 20Richtung Palmwagkennen, das „zweite Auto“ von Duncan, mit dem er unseren Cruisie nach Buenos Aires verschiffen möchte. Wir versuchen sie von Cartagena als Ziel zu überzeugen, aber da sie mit Hund reisen, dürfen sie maximal 8 Stunden am Stück fliegen und brauchen jeweils ein Tierarztattest. Auch sie brauchen also noch etwas Bedenkzeit zum Abchecken der Möglichkeiten.

Wir verabschieden uns voneinander und fahren Richtung Südwesten in sehr dünn besiedeltes Wüsten-Berggebiet, wo es keine Farmen und somit auch keine Zäune mehr gibt. Das ideale Abenteurer-Gebiet! Die Landschaft ist toll, es gibt viele kleine Pisten und trockene Flussbette zum drin fahren. Nur unser erster Wunsch-Camping-Standort ist nicht ganz21Huab ideal gewählt: mit toller Aussicht zwar, aber kaum haben wir alle Fenster offen, bringt uns der allabendliche Wind soviel Sand in unsere „Wohnung“, dass sich auf der Bettdecke kleine Sanddünensicheln bilden… also suchen wir uns einen windgeschützteren Platz mit etwas weniger Aussicht halt 😉

Überall sehen wir Spuren von wilden Elefanten, aber die Tiere selber bekommen wir 22Termitenkreise(noch) nicht zu Gesicht. Am nächsten Tag bringt uns eine lange Fluss-Sandfahrt bis nach Twyfelfontein, wo Buschmänner vor langer Zeit auf den Felsplatten Jagdtiere und Wasserstellen eingraviert haben. Nach der Führung fahren wir entlang dem verbrannten Berg bis zum Doros-Krater, einer sehr steinigen Gegend. Die Wanderung den Kraterrand hoch bringt uns zwar Aussicht, aber vom vor langer Zeit erloschenen Vulkankrater selbst ist nicht mehr viel zu entdecken. Wir fahren noch durch ein paar trockene23Twyfelfontein Flusstäler mit viel Wild (dank Wasserloch) und übernachten dann auf einem Hügel mit Blick auf den Brandberg und inmitten von Welwitschias, den urtümlichen, extrem langsam wachsenden zweiblättrigen Pflanzen. Immer wieder halten wir Ausschau nach Elefanten und am nächsten Morgen stoppen wir, weil ich meine die Spuren von ihnen im Sand entdeckt zu Welwitschia10Welwitschia-Käferhaben: aber es sind Nashornspuren, deutlich erkennbar an den drei grossen Zehen. Noch viel interessanter also, aber wir können nirgends eines dieser seltenen Exemplare erspähen. Wir erklimmen ein paar grasbedeckte Dünen und erreichen schliesslich den Huab-Fluss, der entlang der Nordseite des Brandbergmassivs ein tiefes Bett gegraben hat. Eine wunderschöne Landschaft mit vielen erodierten Felsformationen und dem saftigen Grün der Bäume und Büsche entlang des Flusses. 26UgabflussDer Weg führt ins Flussbett hinein, es wird immer grüner und plötzlich müssen wir sogar eine Wasserfurt queren. Unbeschreiblich, wie faszinierend diese Üppigkeit nach all der Trockenheit auf uns wirkt! Eine Horde Affen flüchtet sich vor unserem Auto und wenig später, 27Ugabflussbereits wieder im trockenen Fluss-sand, erblicken wir dann auch eine Elefantenfamilie, wie sie die frischen Blätter von den Bäumen zupfen. Leider ist der Sand da gerade so tief, dass wir uns nicht getrauen anzuhalten, denn sonst würden wir uns wahrscheinlich eingraben! Und es wäre uns wohl nicht ganz geheuer, so nahe bei einer Elefantenfamilie das Auto wieder freischaufeln zu müssen. Die Elefanten hier in der Wüste sind als recht aggressiv bekannt. 27WüstenelefantenKurz darauf verlassen wir das Flussbett und fahren entlang dem Brandberg auf steiniger Piste durch eine schöne Hügellandschaft. Auf einem sandigen Abschnitt entdecken wir wiederum Nashornspuren, bekommen aber auch hier keines zu sehen. Bei einem Felseinschnitt campieren wir, unternehmen auch noch 28Brandberg29Camp am Brandbergeine Wanderung dem trockenen Bachbett entlang, was aber wegen dem tiefen Sand und der extremen Hitze schnell sehr anstrengend wird. Ich suche noch nach Buschmann-Zeichnungen, die es hier haben soll, werde aber nicht fündig. Dafür backen wir uns am Abend ein feines Kernen-Brot auf dem Lagerfeuer und geniessen die totale Ruhe und Stille hier draussen. Auch der Sternenhimmel ist unbeschreiblich, so ganz ohne fremde Lichtquellen rundherum. Auch am nächsten Tag kommen wir nicht viel weiter, so toll finden wir die Gegend hier. Uns lockt eine kleine Sandsteinformation unweit vom Brandberg, wo wir uns zwischen den Felsen schön in den Schatten stellen können. Und als wir auf den Felsen raufklettern sehen wir gerade Eli&Oliver auf der Strasse daherfahren. Wir winken und als sie unser Auto30Treffen am Brandberg erkennen, halten sie an für eine Pause. Dabei können sie uns auch ihren gefällten Entschluss mitteilen, dass für sie wegen dem Hund nur Buenos Aires zum Verschiffen in Frage kommt, was wir ja auch verstehen. Auch möchten sie gerne lieber noch etwas länger im südlichen Afrika verweilen, was für uns zwei dann wiederum zu lang würde. Also verabschieden wir uns voneinander, – aber wer weiss, vielleicht treffen wir ja in 31Einfahrt zum PlatzSüdamerika wieder aufeinander?!

Am nächsten Tag erhalten wir dann auch noch das Absage-Mail von dem deutschen Paar aus Elisenheim, so dass wir uns ab sofort wieder völlig frei um das Verschiffen kümmern können.

In Uis, der nächsten Ortschaft, tanken wir Diesel und Wasser, kaufen ein und fahren gleich weiter bis zur Spitzkoppe, einer wunderschönen Sandsteinfels – Gegend. 33SpitzkoppeErst wollen wir ins von den Einheimischen geführte Camp, aber als sie uns den Preis fürs Campieren nennen (knapp 40 SFr !) machen wir rechtsumkehrt, fahren um die Felsformationen herum und campieren frei auf der Rückseite… Eigentlich wollten wir das Dorf ja unterstützen – aber soooviel dann doch nicht! Das Rumklettern in den Felsen ist toll und fasziniert schauen wir auch den wahren Akrobaten in diesem Element zu: den Ziegen. Die folgende Strecke 34ZiegenRichtung Atlantik verläuft relativ ereignislos, am Meer weht uns dann ein kühler Wind um die Ohren. Hier in Namibia ist es am Meer viel kühler als im Landesinnern, da die Atlantikströmung das eiskalte Wasser direkt von der Antarktis hierher bringt. Dafür ist es sehr Nährstoff- und Fischreich, was wir an den vielen Angelplätzen der Küste entlang erkennen können. Die Strasse nach Swakopmund ist aus einem Salz-Lehmgemisch gebaut worden, wunderbar zu fahren fast wie Asphalt – wahrscheinlich nur, solange sie trocken ist… – aber da es hier an der Küste eh nie regnet, ist das auch kein Problem. Die namibische Küste ist bekannt für ihre stürmischen Winde und den dichten Nebel und als Folge davon auch für die vielen Schiffswracks, die an ihr gestrandet sind im Laufe der Zeit. 36SchiffswrackEines davon können wir unterwegs „bewundern“; und – wie uns die Einheimischen versichern – sind alle Besatzungsmitglieder heil von Bord und an Land gekommen.

In Swakopmund bestaunen wir die vielen „deutsch“-angehauchten Fachwerkhäuser und gönnen uns in der Flaniermeile erst mal eine Erfrischung im Biergarten. Dies ist wohl die Stadt, wo die deutsche Kolonialzeit und ihre Spuren noch am lebendigsten sind. Wir können auch in fast jedem Geschäft deutsch sprechen, sogar mit der schwarzen Kellnerin im Kaffeehaus…! Der Campingplatz liegt etwas ausserhalb der Stadt Richtung Wüste, was den Vorteil hat, dass sich der allmorgendliche Nebel früher lichtet. Der Platz gehört einer deutschen Metzgers – Familie und so kommen wir in den Genuss von feinen Steaks und Würsten. Hier lernen wir auch Monika und Martin kennen, zwei Schweizer auf Reisen, mit denen wir hier und später nochmals in Windhoek ein paar Tage verbringen. 37Richtung Walvisbay

Am letzten Tag fahren Kölbi und ich durch die Dünen nach Walvisbay, dem 30km südlicher gelegenen Hafenort, wo wir zwei Verschiffungsagenturen besuchen und uns dann für diejenige mit dem besseren Angebot entscheiden wollen. Die zweite, Transworldcargo, macht uns einen guten Eindruck und die günstigste Offerte für den 40‘Container nach Cartagena. Das Verladedatum fixieren wir auf Anfang März. Es wird dann zwar fast 2 Monate dauern, bis wir unseren Cruisie wieder abholen können, aber so bleibt uns noch Zeit für einen Abstecher in die Schweiz, bevor wir in Cartagena den Spanisch-Kurs besuchen werden. Auch schön! Aber erst mal sind wir ja noch hier in Namibia und für die38Mondlandschaft Rückfahrt nach Windhoek nehmen wir uns ein paar Tage Zeit und besorgen uns das nötige Permit um den Namib-Naukluft-Park zu besuchen. 39Mondlandschaft

Wir fahren gleich das Swakop-Flussbett hinauf und durch bizarr zerklüftete Felsentäler aufs Wüstenplateau. Diese Gegend wird nicht zu Unrecht „Mondlandschaft“ genannt!

Durch wildreiche Wildnis umrunden wir die Blutkuppe und fahren über holprige Wege bis zum Arch‘s Rock, 40Camp in Felsnischewo wir in einer windgeschützten Felsnische campieren. Abends bläst immer ein heftiger Wind über die Wüste, der sich in der Nacht dann legt. Es sind wohl thermische Winde – kein Wunder bei tagsüber 35-45°C! 41AbendstimmungAber die Hitze ist sehr trocken und viel einfacher zu ertragen als die feucht-schwüle Wärme, die wir in Malaysia hatten. Und in der Nacht kühlt die Temperatur merklich ab und wir schlafen wie die Murmeltiere…

Südwärts fahren wir bis zum Kuiseb-Fluss, wo wir das erste Lager aus Henno Martins Buch „wenn es Krieg gibt, ziehen wir in die Wüste“ (empfehlenswert!) 44Karpfenkliffbesichtigen können. Die wahre Geschichte handelt von zwei deutschen Geologen, die vor dem zweiten Weltkrieg nach Namibia geflüchtet sind, und als ihnen hier wegen des Kriegs die Internierung in einem Zeltlager drohte, zogen sie es vor während fast zwei Jahren in der Wüste zu überleben. Jetzt hier ihren Lagerplatz „Karpfenkliff“ vor Augen zu haben macht ihre Geschichte und diese Leistung noch viel eindrücklicher und faszinierender!

Übernachten wollen wir an einer Felsformation, die „Mirabib“ genannt 42Mondaufgangwird, für uns aber eher als „Bienennest“ in Erinnerung bleiben wird! Andere Reisende hatten uns bereits vorgewarnt, dass es in diesen trockenen Gegenden manchmal sehr durstige und daher aufdringliche Bienen haben kann. Man müsse einfach eine Schale mit Wasser hinstellen, damit sie trinken können, dann würden sie einem in Ruhe lassen. Gesagt, getan. Doch oha: als Kölbi sein erstes Bier aufmacht, ist den Bienen Wasser nicht mehr gut genug, auch sie finden den Biergeschmack äusserst verlockend! Kölbi findet das Teilen-müssen gar nicht lustig und geht erst mal auf Erkundungs- und Klettertour durch die Felsformationen. Ich bleibe lesend zurück und bemerke nicht, dass die Bienen das Wasser inzwischen bereits leergetrunken haben… oder doch: urplötzlich bin ich nämlich von Bienen umschwärmt und werde sie kaum mehr los! Nicht mal Wasser geben hilft mehr und sogar auf der „Flucht“ verfolgen mich noch ein paar ganz hartnäckige Biester. Ich komme aber glücklicherweise mit nur zwei Stichen davon. Als Kölbi zum Auto zurückkehrt, entscheidet auch er sich für die Variante „Flucht“, schmeisst unsere Stühle hinten rein und fährt zu einem anderen Platz auf der gegenüberliegenden Seite der Felsen. 45Service am CruisieAuch hier kommen bereits nach kurzer Zeit wieder Bienen, aber dieses Mal haben wir die Situation besser im Griff und beim Eindunkeln sind sie dann verschwunden. Einer deutschen Camperfamilie passiert übrigens genau das gleiche, auch sie verlassen ihren Platz Hals über Kopf, lassen dabei aber noch den feinen Apfelkuchen vom Solitair-Farmhaus auf dem Tisch stehen – den sich dann die diebischen Raben holen…

Wir schlafen trotzdem gut und fahren am nächsten Tag über eine tolle Passstrecke bis fast nach Windhoek, wo wir an einem Staudamm übernachten. Wieder einmal schwimmen, das tut gut nach all den heissen Tagen! Zurück im Elisenheim verbringen wir die nächsten Tage mit Autoservice, Einkaufen, Waschen und allem, was sonst noch so anfällt, wenn man wieder mal in der „Zivilisation“ ist. Und eben mit dem Schreiben dieses Berichts… – bevor wir dann am Sonntag, dem 3. Februar frühmorgens um halb sieben Therese&Harald vom Flughafen abholen, mit denen wir die nächsten drei Wochen gemeinsam den Norden, das „Kakaoveld“, die ursprünglichste und am wenigsten erschlossene Region Namibias, erfahren und bereisen wollen. Wir freuen uns darauf!

46Therese&Harald

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