Pantanal/Brasilien – Paraguay (4.9. – 20.9.2013)

Auf der brasilianischen Seite des Zollgebäudes erwartet uns ein junger, äusserst freundlicher und hilfsbereiter Mann. Nur hat er leider noch nicht mitgekriegt, dass sein Staat vor ein paar Monaten die temporären Einfuhrbestimmungen über im Ausland registrierte Fahrzeuge geändert hat. Seit Neuestem braucht es nämlich überhaupt kein Papier mehr, wie wir von anderen Reisenden erfahren haben – und da er erst seit zwei Monaten an dieser entlegenen Zollstelle arbeitet, hatte er es noch gar nie mit Touristen wie uns zu tun… Er versucht die längste Zeit das Einfuhrformular am Computer auszufüllen, was dieser natürlich nicht „schlucken“ will – und auch mein scheu vorgebrachter Hinweis auf das geänderte Gesetz nützt erst mal nichts. Ob wir noch etwas Geduld hätten, er müsse erst mal seinen Kollegen aus der Mittagspause aufscheuchen… natürlich haben wir Geduld – was bleibt uns denn anderes übrig?!1Caceres

Nach einer guten Stunde ist es dann soweit: wir dürfen ohne Papier fahren; ja, er druckt uns sicherheitshalber gleich noch den neuen Gesetzestext aus, falls wir unterwegs von der Polizei belästigt würden… nett!

Also fahren wir auf guter, neuer Teerstrasse ins 80 km entfernte Caceres, wo wir erst mal die Migrationspolizei aufsuchen müssen, damit diese unsere Pässe stempelt… – diese haben sie nämlich noch nicht an die Grenze verlegt 😉 Als nächstes müssen wir einen Bankautomaten finden, der uns mit brasilianischen Geld ausstattet. Inzwischen sind wir kreuz und quer durch das Städtchen gefahren und haben eine schöne Stelle an der Flusspromenade ausgemacht, wo wir hoffen unseren Camper (und uns!) über Nacht parkieren zu können. Zufällig befindet sich dort auch gleich die Touristeninformation und trotz unserem mangelhaften Portugiesisch stellt sich schnell einmal heraus, dass wir hier sehr willkommen sind – und sowieso schon viele Reisende hier geparkt hätten!2Filmtruppe

Gleichzeitig begrüsst und bestaunt uns noch eine Gruppe junger, flippiger Leute, die dort gerade einen Filmkurs absolvieren… Irgendwie ist uns die brasilianische Lebensart sofort sympathisch – Liebe auf den ersten Blick, sozusagen! Der einzige Wermutstropfen sind die deutlich höheren Preise hier, aber dafür ist der Lebensstandard auch deutlich höher. Wir gönnen uns trotzdem ein feines Fischgericht zum Abendessen auf der Piazza und feiern so 3Transpantaneiraunseren ersten Tag in Brasilien.

Am nächsten Tag fahren wir dann bei schönem, heissen Wetter über die Transpantaneira in den nördlichen Teil des Pantanals. Wegen der holprigen Wellblechpiste kommen wir nur langsam voran, haben dafür aber Zeit links und rechts der Strasse die Wassertümpel nach Tieren abzusuchen: Jabiru-Störche, Ibisse und Kuhreiher hat es zuhauf, auch viele Kaimane und Capibarras (Wasserschweine) entdecken wir.3Vogelwelt

Bei der Fazenda Paraiso fahren wir rein, da es hier einen Campingplatz geben soll. Und da stehen auch bereits zwei Wohnmobile neben dem Swimmigpool – also nichts wie hin! Einen Kilometer entfernt hat es zwei Wassertümpel mit einem Beo-bachtungsturm4Kaimane5Kaimankopf, den wir meist am Morgen und am Abend aufsuchen. Zuerst entdecken wir Aras, dann die drolligen 8NasenbärNasen-bären und einmal auch einen Tapir und wieder ein andermal marschiert ein Ameisenbär mit seinem Jungen auf dem Rücken direkt auf mich zu! Die scheinen wirklich fast blind zu sein…

7AmeisenbärAuch mit unseren Campingnachbarn verstehen wir uns6Tapir gut und orga-nisieren gleich einen gemeinsamen Grillabend bei Marcia und Klaus mit ihrem grossen Campingbus, in dem sie auch einen grossen Gasgrill dabei haben. Mit dabei sind auch Ute und Achim aus Deutschland, mit denen wir auch die nächsten Tage verbringen.

12zahmer PapageiWir fahren noch ein Stück weit die Transpantaneira rein, die bis zum Fluss in Porto Joffre befahrbar wäre. Geplant war sie ja ursprünglich als durchgehende Strasse bis in den Südpantanal, doch wurde dieses Projekt glücklicherweise 13Papageiaus Natur-schutzgründen ge-stoppt, bevor die Brücke über den Cuiabafluss gebaut war. Dreiviertel des Jahres ist dieses ganze Riesengebiet überschwemmt und wirkt als regulierender „Schwamm“ gegen die Hochwassermassen, die aus den Anden runter ins südliche Amazonas-Tiefland fliessen und ansonsten via Rio Paraguay bis nach Buenos Aires runter immer wieder alles unter Wasser setzen würden. Nur in den (hiesigen) Wintermonaten von Juli bis September fällt das Sumpfgebiet trocken und dann sammelt sich die ganze Artenvielfalt an Tieren um die letzten verbleibenden Wasserlöcher – und sind die Fazendas (Farmen) überhaupt auf dem Landweg erreichbar!

10PiranhafischerWir verbringen auch einen Tag und eine Nacht auf der Clarinho-Fazenda, wo wir direkt im Dschungel am Fluss übernachten dürfen. Den Nachmittag verbringen wir mit Piranha-Fischen, wobei mir ständig ein Kaiman (Alligator) meinen Schwimmer schnappen will… Dafür sehen wir plötzlich vier grosse Otter vorbei schwimmen, die anmutig immer wieder untertauchen und rausspringen um uns zu begutachten!

11PiranhaGanz in der Nähe befindet sich auch ein sehr hoher Beobachtungsturm, von dem aus wir einen schönen Blick über den Urwald haben und wo uns einmal ein zahmer, aber nun offensichtlich freifliegender Lora-Papagei besucht. Das ist es, was den Pantanal so faszinierend macht: diese Vielfalt und Menge an freilebenden Tieren…! Noch nie haben wir so viele Kaimane dicht an dicht nebeneinander-liegend gesehen wie an den Wassertümpeln entlang der Pantaneira. Aber auch die Mückendichte ist hier am Fluss leider sehr hoch, dazu kommt noch eine Zeckenplage… deshalb fahren wir nach nur einem Tag bereits wieder zurück zur Fazenda Paraiso und geniessen noch einen Tag faulenzend am Swimmingpool.

14Guimaraes-PlateauNun fahren wir in einem grossen Bogen östlich ums Pantanal herum und bekommen einen ersten Eindruck von den riesigen Landwirtschaftsflächen Brasiliens. Zuerst müssen wir aber noch durch den nächstjährigen WM-Spielort Cuiaba, wo fleissig am neuen Stadion und der Umfahrungsstrasse gebaut wird – was das Durchkommen nicht gerade 16Baumwollernteeinfach macht…! Oberhalb der Grossstadt übernachten wir an der Abbruchkante des Guimaraes-Plateau mit tollem Blick auf die Ebene hinunter, nachdem wir am Nachmittag15Wasserfall noch eine Abkühlung in einem der vielen Wasserfälle genossen haben. Auf guten Teerstrassen fahren wir durch riesige Felder Richtung Süden, kämpfen gemeinsam mit vielen Lastern ums Vorwärtskommen, bis wir schliesslich am späten Nachmittag Coxim erreichen.

Dort erkundigen wir uns beim Tanken nach dem Weg quer durch die Farmen des Pantanal. Ich habe im Vorfeld mal von dieser Ost-West-Querung in einem Blog von anderen Reisenden gelesen, konnte aber nirgends genauere Informationen auftreiben (auch das Navi zeigt dort keine Wege an).

17TankstellenjungsErst sendet mich der Tankwart zu drei herumsitzenden Cowboys, die aber nur entsetzt die Hände verwerfen: da käme man nicht durch, das sei alles unter Wasser und im Schlamm, also nein, da seien sie selber auch noch nie hin, viel zu gefährlich… dabei liegt das Gebiet doch quasi vor (oder eher hinter) ihrer Haustür! Beim Tankwart steht inzwischen der Chef der Tankstelle und der will uns bei der Suche nach dem richtigen Weg helfen. Nach ein paar Telefonaten taucht kurze Zeit später ein sympathischer Mann auf, der sich schlussendlich von einem Bekannten telefonisch die Namen der Fazendas, durch die wir fahren müssen, diktieren lässt. Na also, dann kann es ja los gehen unser kleines Abenteuer!18Einfahrt zum PantanalSüd

Kurz hinter Coxim zweigt die Strasse ab, inzwischen es aber schon fast dunkel und so übernachten wir kurz vor dem Steilstück, das in die Ebene hinabführt, auf einem freien Platz neben der Strasse. Wir sind sehr erstaunt über den vielen Verkehr, der an diesem Abend noch hier vorbeifährt – scheint ja doch ziemlich bewohnt zu sein, 19Brücken...das „Sumpfgebiet“! Am nächsten Morgen stehen wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf und werden mit schönem Licht und ganz vielen Ameisenbär-Sichtungen belohnt. Auch ein Tukan fliegt auf einen nahen Baum, so dass wir (ich!) endlich Fotos von 20Tukmandiesem exotischen Vogel mit seinem leuchtendgelben Riesenschnabel schies-sen kann.

Wir queren ein paar Brücken, danach wird die Landschaft immer trockener, schliesslich taucht das erste Viehgatter auf. Ich hüpfe raus, öffne erst und schliesse es wieder, nachdem Kölbi durchgefahren ist. Diese Aktion kann ich noch ein paar Mal üben – schlussendlich werde ich über 70 Gatter auf- und zugemacht haben – und alle mit einem etwas anderen Schliess-Mechanismus 😉 An der ersten Kreuzung kommt uns glücklicherweise grad ein Fahrzeug entgegen und wir können den freundlichen Besitzer dieser Fazenda nach dem Weg fragen.

21Rinder&GauchosDie Strasse verzweigt sich in immer mehr Pisten, einmal begegnet uns eine Rinderherde mit ihren Gauchos, die wir nach dem Weg fragen können und wann immer wir eine Farm sehen, fahren wir hin und erkundigen uns nach ihrem Namen und dem Weg zur nächsten24Sumpfhirsch auf unserer Liste. Die Landschaft ist toll und abwechslungsreich, fast wie die Savannen in22Capibarras Afrika. Wir sehen viele Sumpfhirsche und Capibarras und die Wasserlöcher sind meist voll mit Kaimanen. Bei einer weiten La-gune verbringen wir die Nacht, leider ohne noch gross spektakuläre Tierbeobachtungen zu machen. Dafür backen wir auf dem Lagerfeuer ein feines Brot.23Capibarras

Im Verlauf des nächsten Morgens finden wir dann heraus, dass wir wohl doch irgendwo mal eine falsche Abzweigung erwischt haben… die Namen auf unserer Liste stimmen nicht mehr mit den angefahrenen Fazendas überein! Aber erstens hat es ja nicht soo viele auf unserer Liste und zweitens sind unsere Portugiesisch-Kenntnisse ja auch nicht dermassen überragend, dass wir das zweifelsfrei eruieren können.27Landschaft Unter den wenigen Menschen, die wir hier angetroffen haben, hatte es doch etliche Charaktere dabei, deren „Dialekt“ wohl nicht mal alle Brasilianer verstanden hätten… 😉29Kaimane

Aber wir machen uns vorderhand noch keine Sorgen, beobachten einfach den weiteren Richtungsverlauf auf unserem Navi. Und gerade als wir zu zweifeln beginnen und ans Umkehren denken, dreht die Piste immer mehr in die von uns gewünschte südlichere Richtung ab. Irgendwo weiter westlich muss es ja einen grossen Fluss geben, von dem wir aber wissen, dass es nur eine einzige Brücke im Süden gibt, über die wir wollen (und müssen).

25Pantanal-SavanneDie Piste wird nun immer tiefsandiger, unser Cruisie muss sich zeitweilig ganz schön durchwühlen, aber zuunterst ist der Untergrund doch immer noch griffig. 26SandpistenWir erleben den Pantanal also wirklich in seiner trockenen Phase; nichts da von Schlamm und unpassierbar – aber während der übrigen Zeit gibt es hier sicherlich kein Durchkommen mit dem Auto, was wir auch an den vielen Landepisten für Klein(Wasser-?)flugzeuge bei den Fazendas erkennen können…

Am extremsten tiefsandig sind schliesslich die letzten 70 km Strasse zu fahren, die auf unserem Navi eingezeichnet ist und uns zurück auf die „Strada Parque“ führt. Dort steht33Sandpiste zu unserer Überraschung sogar ein Beizli, wo wir mit einem kühlen Bier auf unsere bestandene „Abenteuertour“ anstossen können!34EstradaParque

Die „Strada Parque“ führt uns nun durch den untersten sumpfigen Teil des Pantanals – so, wie ich mir diese Landschaft ursprünglich vorgestellt hatte. Bequem auf einem hohen Schotter-Trasse und über Holzbrücken fahrend können wir in die Tümpel auf die vielen Kaimane und Wasservögel herunterblicken.35Schwemmgebiet

Am Mirandafluss halten wir bei einem einfachen Campingplatz an. Sehr schnell freunden wir uns mit einer Gruppe junger Brasilianer an, die hier eine Woche Fischerurlaub verbringen. – Wobei das mit dem Fischen wohl der Vorwand ist, um zusammen eine gemütliche Bierwoche unter Jungs zu verbringen… 😉

36Brasilianische Koch-&JagdgesellschaftSie wollen von uns wissen, ob wir schon mal Alligatorenfleisch gegessen hätten und als wir verneinen, steht der Plan für den Abend fest: Alligatorenjagd und anschliessendes Stroganoff-Essen! Kölbi muss natürlich mit zur Jagd und mit heulendem Motor und durchdrehenden Rädern rasen sie mit viel Show und Machete davon… nachdem sie uns bereits ihre Bier-Wettkampf-Trink-Fähigkeiten demonstriert hatten! Völlig von Moskitos zerstochen kommen sie mit einem Alligatorenschwanz als Trophäe zurück. 37KaimanjagdKölbi ist alles andere als begeistert von dieser „Jagd“, denn erst mal hätten die Jungs mit ihrer (sinnlos gefährlichen) Raserei die meisten Kaimane verscheucht, dann seien sie von den vielen Moskitos ganz zerstochen worden und schlussendlich werde dem Alligator einfach der Schwanz abgehauen und der Rest des Tieres lebend ins Wasser zurückgeworfen… nicht gerade das, was wir uns unter ethischem Jagen und Verwerten vorstellen! Wenigstens schmeckt das Fleisch fein und zart, aber es wird wohl unser einziges „Versucherli“ bleiben…

38durch BrasilienAm nächsten Morgen verabschieden wir uns von den wilden Jungs, die natürlich lange nach unserem Zubettgehen noch weitergefeiert haben und entsprechend verkatert dreinschauen 😉

Wir fahren weiter südlich bis nach Bonito, ein Karsthöhlengebiet, das von glasklaren Flüssen durchzogen wird, in denen viele Fische schwimmen, wunderschön zu beobachten beim Baden. Die erste Nacht verbringen wir in dem uns empfohlenen, etwas abseits gelegenen Campingplatz „el Gordo“, wo sich der Fluss über mehrere Stufen in verschiedene Schwimmbecken ergiesst. All dies liegt mitten in einem üppigen Wald, durch den Papageien fliegen, Affen rumturnen und ich auch mal eine Schlange entdecke…

Morgens um drei Uhr ist es dann aber leider 39Bonitovorbei mit der verzauberten Ruhe: zwei Busse voller pubertierender Schulkinder kommen mitten in der Nacht an um hier ein Camping-Wochenende zu verbringen – wir aber ergreifen am nächsten Morgen früh die Flucht! In der Nähe der Ortschaft finden wir neben dem öffentlichen Schwimmbad einen ruhigeren Campingplatz, wo erst noch zwei Reisemobile stehen. Schnell freunden wir uns mit den Kanadiern und den Schweizern an und verbringen doch noch ein paar schöne und erholsame Tage hier in Bonito.

40in ParaguayFrisch ausgeruht geht‘s dann an die nächste Fahretappe: wir haben mit Tina&Marco ausgemacht uns in Paraguay zu treffen, um dann den zweiten Bolivien-Teil durch den Salar de Uyuni und die Lagunenroute gemeinsam zu fahren. Sie haben uns als Treffpunkt die Farm des Deutschen Peter in Concepcion vorgeschlagen, wo wir am Nachmittag nach langer Fahrt und problemlosem Grenzübergang nach Paraguay auch tatsächlich ankommen.

Unser Erstaunen ist gross, als wir die einzigen dort sind, aber die Farm und Peter mit seiner Familie sind sehr nett und so schauen wir uns erst mal seinen kleinen „Streichelzoo“ an. Hier werden gefangen gehaltene oder verletzte Tiere aufgenommen und artgerecht versorgt. Daneben betreibt Peter mit viel Sachwissen41Peters Fischzucht eine ökologische Fischzucht und ein Restaurant mit Unterkünften, und, und, und… ihm wird die Arbeit wohl nie ausgehen! Er weiss viel zu erzählen und zeigt uns die ganze Fischfarm, als Tina&Marco dann schliesslich eingetroffen sind. Die zwei hatten beim Eingang zur Farm grad noch einen Reifen platt gefahren und zu flicken gehabt. Wir verbringen zusammen einen gemütlichen und sehr informativen Abend mit viel frisch gebratenem Tilapia-Fisch zum Znacht.

42Museum FiladelfiaAm nächsten Tag fahren wir durch den Chaco (dorniges, trockenes Buschland) nach Filadelfia, einer Mennonitensiedlung. Marco kennt dort die Adresse eines guten Mechanikers, wo er seinen noch immer nicht recht laufenden Motor reparieren lassen will. So haben wir viel Zeit ein wenig über die Mennoniten und ihre Geschichte zu erfahren.44Führung

Diese Glaubensgemeinschaft, die ursprünglich aus Deutschland stammt, versucht nach ihren eigenen Glaubens-Prinzipien zu leben und ihre Kinder auch danach zu erziehen. Sie haben ein eigenes Erbrecht und bestehen auf eigenen Schulen. Nachdem sie sich in Russland Anfang letzten Jahrhunderts bereits einmal eine eigene Kolonie aufgebaut hatten, wurden sie unter Stalin immer mehr verfolgt und 43Museumsuchten sich schliesslich einen neuen Ort zum Leben. Paraguay sicherte ihnen ihre Glaubens- und Rechtsforderungen zu – unter der Bedingung, dass sie den unfruchtbaren Chaco urbar machen würden und sich nur dort ansiedeln durften. So kamen Anfang letztes Jahrhundert diese Russland-Mennoniten in mehreren Schüben mit dem Schiff nach Buenos Aires, danach mit der Bahn Ochsenwagenbis nach Asuncion und mussten darauf per Ochsentrek und mit nur wenig Hab und Gut die mehrtägige Reise in den unwirtlichen Chaco antreten. Es hat hier nur sehr wenig Grundwasser, wovon das meiste auch noch salzhaltig ist, dazu der dornige, undurchdringliche Busch… fast unvorstellbar, was diese Familien mit viel Durchhaltewillen geleistet haben!

45ErdnussfabrikHeute sind Filadelfia und die umliegenden Dörfer die wirtschaftlichen Motoren des Landes: hier funktioniert alles besser, genauer, exakter… und es wird immer noch Deutsch gesprochen!

Nach dem Museumsbesuch werden wir durch die „Erdnussfabrik“ geführt und dürfen uns auch eine grosse Werkstätte, wo Reitsättel für den amerikanischen und europäischen Markt kunstvoll hergestellt und verziert werden, anschauen. Überall sind die Leute stolz auf das Erreichte und wir spüren den Hauch der Geschichte förmlich durch die Strassen streichen…!46Sattelfabrik

Doch am nächsten Morgen verwandelt sich dieser „Hauch“ immer mehr in einen veritablen Sandsturm und als sich die Reparatur an Tina&Marco‘s Auto immer mehr in die Länge zieht, beschliessen wir uns nochmals zu trennen und uns dann in Sucre wieder zu treffen.

47durch den ChacoAlso fahren Kölbi und ich alleine los und nach einem halben Tag durch den zur Zeit wunderbar blühenden Chaco erreichen wir schliesslich die Grenze zu Bolivien, an der wir auch gleich übernachten. Ausser ein paar Bussen und Lastwagenfahrern scheint diese Grenze kaum jemand zu passieren und wir verbringen eine ruhige und geruhsame Nacht dort.

blühende Bäume48Grenze

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