Indien-Beachlife (6.12. – 6.1.2011)

Sorry, dass ich so lange nichts habe von uns hören lassen ! Wir haben wohl Ferien von den Ferien gebraucht und es uns hier an diversen Stränden einfach mal gutgehen lassen… rumhängen, am Cruisie schrauben, schwimmen, mit anderen Reisenden schwatzen, mir von Spezialisten meinen Computer erklären lassen, Brot backen, Ayurveda-Massagen geniessen, auf dem Fischmarkt einkaufen und dann den „Fang“ grillieren… die Tage fliegen nur so vorbei und ich habe einfach keine Zeit zum Schreiben gefunden. Aber das ist ja auch ok so….

Jodhpur

„die blaue Stadt“

der Palast

Zimmer

Marionetten

In Rajasthan haben wir noch Jodhpur mit seiner total imposanten Burg besucht, für mich eine der sehenswertesten und eindrücklichsten, wie sie auf einem Felsen über der „blauen“ Stadt trohnt. Wir sind dann auch gleich da oben auf dem Parkplatz übernachtet, fühlten uns über alles erhaben, konnten Feuerwerken zuschauen und waren fast alleine da. Leider sind dann mitten in der Nacht ein paar Jungs raufgekommen, haben unser Auto gesehen und hätten wohl gerne einen Schwatz mit uns gehabt, so wie sie immer wieder auf Englisch ums Auto rum Fragen gestellt haben (where are you from, how can you drive here, what is your mission…). Zu guter Letzt haben sie sich auch noch auf unsere Stosstange und die Werkzeugkiste gesetzt (was ein ziemliches Geschaukel im Bett verursacht) und Kölbi war sich wieder einmal reuig da keinen Strom drauf geben zu können…. that‘s India ! Irgendwann sind sie dann wieder abgezottelt und wir hatten eine ruhige Nacht und einen wunderschönen Sonnenaufgang.

Ranakpur

Weiter südlich fahren wir in hügelige, grün bewaldete Gegend und besuchen den grössten Jaintempel Indiens in Ranakpur. Von aussen wirkt er gar nicht so imposant, aber innen drin kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Jede seiner 1440 Säulen ist anders gestaltet und verziert, die ganze Decke ist voller Verzierungen und dem Jainglauben entsprechend sind die Seitenwände offen, so dass die Luft und Tiere ein- und ausgehen können. Ein junger Mönch erklärt uns die diversen Eigenheiten dieses heiligen Ortes und weiht uns ein wenig in die Eigenheiten seines Glaubens ein. Jains sind extrem friedliebende, naturverbundene Menschen, die mit Hilfe von Yoga und Meditation das innere Gleichgewicht und die göttliche Energie in sich finden wollen. Sie versuchen auch das Schlechte in jedem Menschen zu akzeptieren und ihm einen Platz zu geben; so ist

Jaintempel

zum Beispiel eine der Säulen absichtlich schräg eingebaut um zu zeigen, dass der Mensch nicht vollkommen ist… wir verlassen diesen Ort tief bewegt und freuen uns danach riesig über einen wunderschönen Übernachtungsplatz im Wald an einem überraschend sauberen Fluss. Wir sind mit uns und Indien wieder einmal im Reinen… – was absolut nicht immer der Fall ist!

Vielleicht muss ich an dieser Stelle mal wieder auf den indischen Verkehr zu sprechen kommen, obwohl Kölbi das ja viel besser könnte… Grundsätzlich ist hier auf der Strasse alles möglich, das man kaum erwarten würde! Also Überholen ohne zu sehen was entgegenkommt ist sowieso normal, meist haben auf einer zweispurigen Strasse ja eh drei Fahrzeuge Platz, manchmal passt auch noch ein viertes rein… auf der Autobahn kommt einem auch mal ein Traktor oder Ochsenkarren entgegen und wenn man auf die geschlossene Bahnschranke zufährt halten alle zuvorderst und nebeneinander an… dass das auf beiden Seiten der Schranke geschieht, merkt man spätestens wenn sie wieder geöffnet wird und sich dann halt alle gegenüberstehen! Aber in Indien ist das nicht wirklich ein Problem, mit ein wenig Gehupe und Geschiebe und zentimetergenauem Aneinandervorbeifahren löst sich das grösste Chaos irgendwann wieder auf… schlimm wird es erst, wenn Polizisten den Verkehr zu regeln versuchen, dann geht meist gar nichts mehr!

Auch die Rückspiegel (falls überhaupt noch vorhanden) werden dann eingeklappt und nie wieder ausgefahren – wozu auch, was ich nicht sehe, ist nicht da und spart ein Haufen Probleme… deshalb muss man auch zwingend alles anhupen das man überholen will, sonst fahren sie urplötzlich einfach quer über die Strasse; die Hand ein bisschen raushalten spart das Blinkerlicht, nur dass Kölbi das im Linksverkehr leider nie sehen kann…

Am nächsten Morgen fahren wir ein kurviges Strässchen durch wunderbare Landschaft nach Kumbalgarh, einem weiteren Fort, diesmal einsam in den Hügeln gelegen. Rundherum haben sie eine imposante Festungsmauer gezogen; sieht fast aus wie die indische Version der chinesischen Mauer. Nur schade, dass die Fernsicht nicht sehr gut ist…

Kumbalgar

die“indische“ Mauer

am Abend erreichen wir dann Udaipur, die Stadt am Wasser. Sie ist an einen See gebaut und durchzogen von Wasserkanälen (Klein-Venedig). Wir finden einen schönen, ruhigen Stellplatz etwas ausserhalb an einem kleineren See und fahren am nächsten Tag mit unseren Fahrrädern in die Stadt. Ich lerne dabei gleich noch eine weitere Gefahr im indischen Verkehr kennen: überhole nie einen indischen Bus zu nahe, weil eventuell einer der Insassen am Betelnusskauen ist und zum Fenster rausspeit… natürlich alles mir über die Kleider!!! Teeverkäufer an der Strasse geben mir etwas Wasser um mich zu reinigen und weiter kann die Fahrt gehen. Ich mache in Zukunft einen grossen Bogen um anhaltende Busse…. Udaipurs Palast haben wir schnell mal gesehen – irgendwie sind wir in den letzten Tagen in zu vielen Forts und Palästen rumgestapft und so machen wir lieber eine kleine Velotour ins Grüne. Dass wir überhaupt nicht da hinkommen, wo wir eigentlich hinwollen spielt nicht so eine Rolle.

Als wir mit dem Cruisie aus Udaipur rausfahren hält Kölbi schon nach wenigen Metern wieder an: der Carthago-Camper von Romy und Ruedi steht am Strassenrand und wir wundern uns was sie an dieser vielbefahrenen Strasse machen… Ihrem Motor ist die Drosselklappe kaputt gegangen und sie warten schon seit Tagen hier auf das Ersatzteil aus der Schweiz… – und wir haben nur ein paar hundert Meter von ihnen entfernt gecampt und es nicht gewusst! Irgendwie funktioniert unser E-Mail nicht richtig in der Zeit und wir empfangen einfach keine Mails… ein paar Tage später löst sich das Problem in Nichts auf und wir wissen nicht warum und wieso. Nach einer guten halben Stunde quatschen fahren wir weiter in der Hoffnung, dass sie ihre Ersatzteile wirklich bald kriegen werden… – was dann aber nicht der Fall ist und sie müssen ziemlich lange auf ihre Ersatzteile warten.

Wir aber fahren Richtung Diu, das der Ruedi uns empfohlen hat und wohin er nun selber nicht fahren kann… manchmal ist das Leben schon ungerecht!

Treppensteigen ist angesagt…

Wir kommen auf guten Strassen flott voran, übernachten bei einem Restaurant und am nächsten Vormittag erklimmen wir den Mt. Girnar, einen heiligen Hindu- und Buddha-Berg, wohinauf 6000 Stufen führen… und natürlich auch wieder runter! Dummerweise ist gerade Sonntag und wir machen unsere Wanderung zusammen mit hunderten von indischen Pilgern, die sich sehr für uns interessieren. Halt wieder die üblichen Fragen nach dem Woher und Wie und Warum und können wir ein Foto zusammen machen??? Komischerweise fragen uns viele ob wir aus Australien kämen und ich wundere mich schon woher die wissen, dass Kölbi einen Hut aus Australien trägt… erst am nächsten Tag finden wir heraus, dass eine österreichische Familie (Austria) auch da am Wandern ist und die Inder die zwei Länder halt verwechseln… so wie Sweden und Switzerland immer!

Sunset in Diu

unser Campingplatz

Zimmersicht…

beim Guetslen

In Diu treffen wir dann auf diese nette Familie, Tanja und Michael mit der fünfjährigen Ipi und wir verbringen eine wundervoll entspannte Woche am Strand zusammen, kurieren unseren Muskelkater, backen Weihnachtsguetsli und Früchtebrot, wobei unser Benzinkocher zu heiss wird und mitsamt dem Backofen in Flammen aufgeht…. so kann Kölbi doch auch noch den Feuerlöscher mal testen!!!

Nachdem Kölbi noch eine Kiste vom hier billigen Bier gebunkert hat, trennen wir uns schweren Herzens von hier und der Familie. Diu ist uns richtig ans Herz gewachsen; bis 1960 war diese Halbinsel eine portugiesische Kolonie, die Leute hier sind viel entspannter als im übrigen Indien, es hat supergute Strassen und wenig Verkehr, der Strand wird recht gut saubergehalten – und eben: es gibt das billigste Bier (ausser Goa); doppelt gut, wenn man bedenkt dass 400 km rundherum überhaupt keins erhältlich ist….(Gujarat ist der einzige „trockene“ Bundesstaat von Indien). So ausgerüstet wagen wir uns nach Palitana, die ersten 100 km über schreckliche Strassen, was wahrscheinlich auch eine Art Alkoholpolitik von Gujarat ist, sonst hat es in diesem Staat nämlich sehr gute Strassen, nur rund um Diu nicht…

auf dem heiligen Berg

Palitana hat auch einen heiligen Berg, Shetrunjaya, auf dem über hundert Jaintempel und -schreine stehen. Und es führen „nur“ 3000 Stufen hinauf, ein Klacks nach dem letzten Muskelkater… Wir parken den Cruisie gleich unten an der Pilgerstrasse hin, was ziemlich lärmig ist und viele Inder anzieht, die unseren Camper gerne mal sehen wollen… Irgendwann wird es Kölbi zuviel und er zieht die Türe zu und wir gehen früh zu Bett. Am nächsten Morgen um halb fünf werden wir vom lauten Lärm auf der Strasse geweckt: die Pilger machen sich bereits auf die Wanderung! Also stehen wir auch auf, Kölbi entdeckt mit Schrecken, dass er den Cruisieschlüssel draussen hat stecken lassen(!) – aber er hängt immer noch da, trotz der vielen Leute, die um den Camper rumgestanden sind. Auch das ist India: wir können vieles offen herumliegen lassen und haben nie das Gefühl, dass was gestohlen wird…obwohl viele Inder uns immer wieder warnen wir sollten vorsichtig sein; die Kriminalitätsrate ist hier im Vergleich mit zuhause sehr viel tiefer!

Wir wandern also im Dunkeln los die Treppen rauf zusammen mit hunderten von Pilgern und es ist wunderschön! Zum einen erkennen uns die anderen nicht als Touristen (keine lästigen Fragen) und zum andern sehen wir erst den Vollmond untergehen und dann erleben wir den Sonnenaufgang auf dem heiligen Berg inmitten all der wunderschönen Tempel… Wir spazieren eine Weile darin herum, spüren die Kraft, die von diesem Ort ausgeht und wandern danach gemütlich wieder runter. Um zehn Uhr sind wir bereits wieder auf der Strasse und können noch eine gewaltige Etappe Richtung Ahmedabad und in die Berge um Mumbai (Bombay) herum hinlegen. Bei einem kleinen Resort nahe bei einem Stausee dürfen wir dann für die Nacht parkieren und Kölbi revanchiert sich dafür mit einem Federspielmatch mit den Jungs vor Ort…

die Höhlentempel von Ajanta

Den nächsten Tag verbringen wir wieder mit Fahren und pünktlich zum Eindunkeln kommen wir in Ajanta, bekannt für seine Höhlentempel, an. Am Morgen sind wir dann fast die Ersten, die die Höhlen besichtigen und geniessen die Ruhe und Stille hier. Ajanta ist vor über 2000 Jahren entstanden, als buddhistische Mönche an dieser Flussschlaufe Tempelhöhlen in den Sandstein gehauen haben. Sie wurden reich bemalt und verziert und dienten zur Meditation und der Ausbildung junger Mönche. Irgendwann im 7. Jahrhundert wurden sie jedoch zu Gunsten der Höhlen im nahen Ellora verlassen und gingen vergessen, bis sie von einem britischen Jagdtrupp 1819 zufällig entdeckt wurden.

Ellora ist dann ein wenig enttäuschend für uns, wegen Ferienbeginn sind viele Inder und Touristen hier, es herrscht viel Betrieb und auch die Höhlen sind weniger bemalt und vieles wurde von den Moslems kaputtgeschlagen. Nach dem 20. Mal „can we take a photo from You???“ ergreifen wir die Flucht und fahren weiter. In Puna wollen wir die German Bakery besuchen, doch leider wurde sie diesen Sommer bei einem Anschlag in die Luft gesprengt…. Ganz in der Nähe befindet sich auch das ehemalige Baghwan-Zentrum. Puna macht auf mich einen recht modernen Eindruck, es hat viel Industrie drumherum und beim Rausfahren entdecke ich sogar den ersten indischen Fahrradweg unserer Reise!!!

Die nächsten zwei Nächte verbringen wir in Mahableshwar, einem Höhenkurort auf 1300müM. Wir campieren einsam auf einem Aussichtspunkt, nur am Abend und bei Sonnenaufgang kommen indische Touristen vorbei. Fast alle sprechen gutes Englisch und sehr gebildete Leute, es sind sehr nette Bekanntschaften die wir hier machen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Ort so etwas wie eine „Eintrittskurtaxe“ erhebt, so dass es sich nur die Oberschicht leisten kann hierher zu kommen. Am Weihnachtsabend werden wir sogar von einer zoroastrischen Familie zum Apero und Essen eingeladen, leider haben wir bereits vorher gegessen. Meher, die Frau, hat sogar eine Zeitlang in Basel gewohnt während ihrem Studium und wir erfahren viel Interessantes über ihren Glauben und die Gegend hier. Auf dem Markt kaufe ich mir neue Sandalen und frische Erdbeeren, die hier in dieser Höhe wachsen. Richtig dekadent: ein schönes Lagerfeuer und Erdbeeren mit Rahm zu Weihnachten….!

Über eine kurvige Bergstrasse geht‘s dann Richtung Küste, die Vegetation ist richtig tropisch geworden, immer wieder sehen wir Affen in den Bäumen rumturnen. Bei einem Pinkelhalt treffen wir auf Thierry, einen Töffahrer aus Basel, der auch schon seit längerem am Reisen ist. Wir essen zusammen zu Mittag, auch ein deutscher Töffahrer stösst noch zu uns; es tut gut, sich wieder mal mit Gleichgesinnten austauschen zu können und über den aberwitzigen indischen Verkehr lästern zu können…

Wir fahren zusammen bis nach Goa nach Arambol, wo wir Romy und Ruedi wissen und können neben ihnen unweit dem Strand parkieren. Ein Deutscher Senior steht mit seinem Lastwagen auch noch da und so wird es richtig gemütlich. Ich bekomme meine erste ayurvedische Massage verpasst; gut, dass Romy mich vor dem Öl gewarnt hat, so dass ich die ältesten Kleider anziehe. Irgendwie ruhe ich mich danach zuwenig aus und reagiere mit Übelkeit auf die ansonsten eigentlich wohltuende Massage. Aber einmal das Essen ausfallen lassen schadet mir gar nicht, das feine, reichhaltige indische Essen schlägt sich eh schon an meinen Hüften nieder….

Für Sylvester zieht es uns dann weiter südlich nach Agonda, wo sich scheins viele Overlander treffen und wir werden nicht enttäuscht: an einem wunderschönen Strand stehen am Ende der Bucht etwa 10 Fahrzeuge auf einer ruhigen, aufgeräumten(!) Wiese und geniessen die Erholung vom indischen Alltag. Es sind viele Deutsche hier, aber für kurze Zeit gewinnen wir Schweizer sogar fast die Überzahl… die Tage vergehen wie im Fluge mit all die neuen Leute kennenlernen, Reise-Infos tauschen, auf den Fischmarkt fahren und die gekauften Fische, Tintenfische und Riesencrevetten dann grillieren, die Fahrzeuge wieder auf Vordermann bringen und und und…

Auch finde ich hier einen guten Masseur, der sich intensiv um mein letzten Winter gebrochenes Bein kümmert und nehme inzwischen sogar schon Yogastunden bei ihm. Es kommen jeden Tag wieder neue Leute an hier, auch die Österreicher – Familie aus Diu ist wieder hier. Die vielen Kinder geniessen das Herumtollen und Spielen miteinander und so ist immer etwas los. Unser Kocher – Brennspritproblem, das uns seit längerem Sorgen macht (er ist nicht erhältlich in Indien) können wir auch lösen hier in Goa, der hiesige Apotheker kann uns 20lt bestellen.

Kölbi und ich sind auch fleissig im Internet am Informationen sammeln für den weiteren Verlauf unserer Reise. Erst wollten wir ja über den Karakorum und China nach Kyrgisien und zurück in die Schweiz fahren.

Jetzt haben wir aber etliche getroffen, die von Laos über China und Tibet nach Nepal gefahren sind…. eine tolle Reise, denken wir: dann kann man ja von der Schweiz aus nach Singapore fahren ein Bier trinken gehen… das war vor 18

Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit, wer weiss, wie lange diese Grenzen offen bleiben?? Jetzt sind wir am Zusammenstellen einer Gruppe von Fahrzeugen, die nächsten Herbst diese Tour mitmachen möchten, dann würde das chinesische Visum auch bezahlbar! Über den Sommer würden wir dann wahrscheinlich mal in die Schweiz fliegen um das Nötige zu erledigen und danach ginge unsere Reise in ganz eine andere Richtung als ursprünglich geplant – aber das macht ja nichts, oder? Genau um dieses Gefühl der Unabhängigkeit wieder zu finden sind wir ja schlussendlich losgefahren!

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