Nordargentinien II (20.1. – 25.2.2014)

Zum zweiten Mal in El Bolson fühlen wir uns auf dem Campingplatz nun schon fast wie1 Bier in Bolson zuhause – ausser dass es extrem viel mehr Touristen hat als bei unserem ersten Besuch hier. Die Feriensaison ist definitiv angebrochen! So lernen wir auch Jacqueline&Christian kennen, denn sie haben ihr rotes CH-Gigathlon-Zelt ganz in unserer Nähe aufgestellt. Wir treffen uns beim Nachtessen im Dorf wieder und verstehen uns sofort sehr gut. Wir haben grössten Respekt und Bewunderung für ihre Art zu reisen: mit Auto, Zelt und Liegevelo, obwohl Christian seit einem Unfall im Rollstuhl ist – aber lähmen lässt er sich dadurch überhaupt nicht – im Gegenteil: jemanden mit soviel Energie und Enthusiasmus haben wir auf unserer Reise noch selten getroffen!

Und da wir uns für den nächsten Abend eh schon mit Susann&Claudio in der Colonia Suiza bei Bariloche verabredet haben und die zwei auch dorthin wollen, verabreden wir uns gleich zu einem gemeinsamen Grillabend. Zuerst fahren Kölbi und ich aber noch zu einem Aussichtspunkt über el Bolson hoch mit anschliessender Wanderung zum „Refugio“ (Schutzhütte). Schliesslich müssen wir trainieren, da wir mit Susann&Claudio eine zweitägige Wandertour unternehmen wollen… Die Aussicht übers Tal ist toll und das schön warme Wetter hebt unsere Laune beträchtlich.Aussicht

Am späten Nachmittag treffen wir die zwei auf dem Campingplatz in Colonia Suiza und wir springen gleich für ein erfrischendes Bad in den angrenzenden See. Danach steigen wir sofort ins Apero, zu dem uns wildfremde Argentinier ein zart gegrilltes Stück Fleisch (fast ein Kilo schwer!) spendieren, das sie zuviel gemacht hätten… sowas kann auch nur in Argentinien passieren – dem Land der Fleischliebhaber! Und dabei jammert die Regierung, dass in Folge der Krise der pro-Kopf-Jahres-Verbrauch von über 60 Kilo auf fast 40 Kilo gesunken sei…Wir dürfen auch gleich die restliche Glut übernehmen und so grillieren wir unsere Lammkeule für das Nachtessen auch ganz Asado-mässig auf kleiner Hitze – so bleibt länger Zeit fürs Apero… 😉

Und die brauchen wir auch, denn Jacqueline&Christian trudeln erst um neun Uhr auf dem Camp ein: grad richtig fürs Abendessen mit uns, doch für argentinische Verhältnisse immer noch zwei Stunden zu früh, denn hier wird extrem spät gegessen! Mit reichlich Wein wird es ein lustiger Abend – und dabei sollten wir doch am nächsten Morgen früh los zur Wanderung… Aber glücklicherweise führt der grosse Teil durch schattigen Wald, sodass es nichts macht, dass wir etwas später aufbrechen als geplant. Christian ist nämlich nicht nur Hochleistungssportler, sondern auch Arzt und er gibt mir am Morgen noch ein paar wertvolle Tipps für meinen Fuss mit auf den Weg.steiler Aufstieg

So verabschieden wir uns vier Wandervögel von den zwei lieb gewonnenen Kameraden und machen uns auf die schöne Tour zum Refugio Italia. Lange Zeit geht‘s sanft bergan durch schattigen Wald einem glasklaren Bach entlang. Kurz nach der Mittagsrast erreichen wir den Talkessel und nun geht‘s steil bergauf an einem Wasserfall vorbei und immer weiter im zigzag hoch. Gut, dass die sengende Sonne durch einen zugigen Wind gekühlt wird! Trotzdem müssen wir immer öfter Rast einlegen und vor allem Claudio leidet sehr, denn ihn hat auch grad noch eine Darmgrippe erwischt 🙁

Refugio ItaliaOben beim Refugio bläst der Wind dann heftig quer über den Bergsee und wir sind froh im geschützten Refugio ein Bett im Massenlager gebucht zu haben. Viele junge Argentinier kommen nämlich mit dem Zelt hier hoch – und das stelle ich mir nicht sehr gemütlich vor bei den Sturmwindstärken hier… für den nächsten Abend ist hier oben ausserdem eine vielgerühmte Vollmond-party mit viel Musik angesagt und wir wundern uns, wo denn die alle hier ihr Zelt aufschlagen wollen? Und da es nur eine Toilette gibt, trinken wir ab sofort auch kein Wasser aus dem Hauptbach mehr, glasklares Wasser hin- oder her!!!Gipfelfoto

Da sich Claudio gleich zurückzieht, geniessen wir das angebotene „Gourmethüttenmenü“ (Quicksuppe, Teigwaren mit Champi-gnonsauce und Büchsenfruchtsalat mit Caramelsauce) nur zu dritt… dabei ergötzen wir uns beim Beobachten des ewigen Hin und Hers der verschiedenen jungen Leute auf der Hütte hier. Ich hätte nie gedacht, dass so viele jugendliche Argentinier wandern gehen in ihren Ferien… meist noch mit Gitarre oder Trommel im Gepäck! Und am nächsten Tag auf dem Rückweg kommen uns endlos immer mehr junge Leute entgegen… da scheint wirklich was los zu sein an dieser Vollmondparty! Für die dazugehörenden sanitären Verhältnisse fühlen wir uns zwar schon etwas zu alt – aber so kurz mal darübergeblickt und hingehört hätten wir ja gerne 😉Abendstimmung

Nach einer erholsamen Nacht im Camp zeigt uns Claudio einen schönen Strand, den er entdeckt hat. Für die Zufahrt müssen wir mit unserer Kabine zwar etwas ausholzen, aber der Platz ist wirklich schön und mit einem Lagerfeuer klingt ein weiterer schöner Tag mit unseren Freunden aus. Danach aber heisst es Abschied nehmen; sie wollen Richtung Chile und wir müssen erst noch zum guten Autoelektriker hier in Bariloche, gleichzeitig aber auch die gemeldete Kaltfront hier im Petunia-Camp aussitzen, und dabei Einkäufe, Internet, Wäsche, etc erledigen. Von den wunderschönen 32°C Autoelektrikergeht‘s in einem Tag runter auf noch knapp 10°C, rundherum sind die Berge wieder weiss verschneit und wir frieren wieder mal erbärmlich. Nach eineinhalb Regentagen hält uns hier nichts mehr!

Da wir wissen, dass knapp 50 Kilometer östlich von Bariloche knochentrockene Landschaft ist, fahren wir in einem weiten Bogen um die Seengegend nordostwärts, um da besseres Wetter abzuwarten. Aber auch hier ist es bewölkt und dazu bläst ein sturmartiger Wind, vor dem es kaum Schutz gibt. Was nun? Also doch wieder westwärts zu den Seen – irgendwann wird die blöde Front ja wohl wieder abziehen… Einen ganzen Nachmittag, Abend und die Nacht verbringen wir bei strömendem Regen, der nicht ein einziges Mal aufhört, im Auto mit lesen und Karten spielen. Eigentlich müssten wir ja über den See hinweg direkt auf den angeblich wunderschönen Lanin-Vulkankegel sehen können, aber wir bekommen ihn nicht ein Mal zu Gesicht! Nach fast 20 Stunden Dauerregen haben wir genug, geben frustriert auf und packen unsere Sachen…

Neue Strategie: wir fahren der Front Richtung Norden davon! Dummerweise ist dies auch gerade die Zugrichtung der Front und so erklärt uns der Tankwart in Chos Malal, wo wir nach einem vollen (Regen-) Fahrtag Halt machen: „oh, bis gestern war es heiss, schön und trocken hier; dann kam das langersehnte Gewitter und nun regnet es endlich wieder mal und ist schön kühl…“ Nun gut, von Kölbi erhält er mit dieser Aussage sicher kein Trinkgeld mehr 😉

Nachdem auf uns der Campingplatz den gleich trostlosen Eindruck macht wie der Platz gegenüber am Fluss, stellen wir uns dorthin wo es wenigstens nichts kostet und lassen unserem Frust erst mal freien Lauf. Um die Situation etwas zu entspannen, gehe ich auf einen Spaziergang entlang der neuerstellten Promenade hier und siehe da: die Sonne schaut zwischen den Wolken hervor und bescheint Traumwetterdie weissverschneiten Berge und Hügel rundherum…!

Am nächsten Morgen begrüsst uns ein strahlend schöner Tag und wir machen uns auf zu einer unserer schönsten Rundtouren hier in Argentinien. Erst fahren wir westwärts Richtung chilenischer Grenze, biegen dann nordwärts ab an Andacollo vorbei ins Varvarco-Tal, das bizarr erodierte Gesteinsformen hat und weit hinten auch noch die heissen Quellen von Aguas Varcaro-TalCalientes, wo wir erst noch gratis übernachten dürfen. Diese Naturthermen sind bekannt für ihre Algenkultur, die heilende Wirkung auf die Haut haben soll und zugleich Nistplatz für Millionen von Fliegenlarven… speziell!

Gesteinserosionenalte Häuser

Ich wandere dem heiss sprudelnden Bach entlang den Berg hinauf bis an den Ort wo die ersten kleinen Quellen zutage treten und geniesse die wunderbare Luft hier oben. Nach dem Morgenbad dürfen wir einem Einheimischen zuschauen, wir er die Sonntagsgrillade für die Familie – ein Zicklein aus eigener ZuchtBrücke – fachgerecht am nächstbesten Baum tötet, sein Fell abzieht und es ausnimmt. Wir spüren wieder einmal, wie nah diese Menschen noch am wirklichen tolle StrasseLeben sind – und wie weit weg wir uns in unserer sogenannten zivilisierten Welt davon wegbewegt haben…! Wer von uns könnte dies noch auf so natürliche, routinierte Art bewerkstelligen?! Obwohl wir eingeladen werden, an diesem Festmahl teilzunehmen, zieht es uns weiter – wir möchten das gute Wetter ausnutzen…

 WildwestWeil wir höchst unterschiedliche Beurteilungen von der vor uns liegenden Strecke bekommen haben, fahren wir sicherheitshalber bis nach las Ovejas zurück, um nochmals aufzutanken (falls wir umdrehen müssten).

Dann geht es – mehrere kleine Bäche kreuzend – alles dem Neuquenfluss entlang Vulkan Domuyonordwärts bis an seine Quelle und da weiter über einen wenig befahrenen Pass hoch auf 4000 müM um schliesslich dem Barrancasfluss entlang wieder runter auf Bergseendie Ruta 40 zu kommen. Einfacher ausgedrückt: wir fahren in 4 Tagen rund um den 4700 Meter hohen, schneebedeckten Vulkan Domuyo herum. Eine tolle Tour, die jedoch wirklich nur mit einem Auto mit genügend Bodenfreiheit zu bewältigen ist!

Varvarco-Pass

Hochmoor

HochtalHöhlentourZurück auf der „Hauptstrasse“, statten wir den „Cavernas de las brujas“, den Hexenhöhlen einen Besuch ab. Wir dürfen in einer geführten Tour durch die Höhle klettern – das einzig Interessante ist eigentlich nur das argentinische Brimborium drumherum, denn die meisten Tropfsteine Caverna de las Brujassind bereits abgeschlagen worden und auch die ursprünglich in-stallierte Solarbeleuchtung funktioniert nicht mehr, was die doch recht anspruchsvolle Kletterei zuweilen aben-teuerlich macht… trotz Stirnlampen (die auch nicht alle funktionieren…)!

Kurz vor Malargue campen wir am Fluss und können einem imposanten Gewitter um uns herum zuschauen. Das Wetter ist immer noch recht kühl und dies ändert sich erst, als wir für ein paar Tage nach San Rafael fahren. WeingebieteUnd sofort fühlt sich mein Fuss viel lockerer und gelöster an… Wir nutzen unseren Aufenthalt hier, um unseren Schweizbesuch zu organisieren und buchen auch unsere Flüge von hier aus. Die paar Tage hier ohne jede „Sightseeing-Tour“ tun uns gut und waren dringend nötig.Trauben

Durch das ausgedehnte Weinan-baugebiet des Valle de Uco erreichen wir das Manzano-Tal, wo wir nach einer kurzen Wanderung auf einen Aussichtspunkt am Bergbach übernachten können.

 im ManzanotalJa, und dann sind wir bereits in der Nähe von Mendoza… weil wir wieder mal Geld wechseln müssen, checken wir erst mal die Colonia Suiza ab, ob jemand Schweizerfranken brauchen könnte. Diese Suche verläuft erfolglos, dafür lernen wir jede Menge interessante Leute und die Geschichte dieser kleinen, bereits wieder zerfallenden „Schweizerkolonie“ kennen.

Nach dem Geldwechsel in Mendoza fahren wir auf den uns bereits bekannten Camping „Suizo“ – nur, dass wir ihn dieses Mal kaum wieder erkennen, so proppenvoll ist er! Doch dies ist auch unser Glück: so werden wir nämlich im schön grünen Privatgarten des Besitzers einquartiert! Und am nächsten Nachmittag kommen zufällig noch Iris&Wolfram dazu und ein weiteres deutsches Reisepaar, die auch unsere Freunde Susanna&Peter von ihrer früheren Südamerikareise her kennen… So verschieben wir unsere Weiterreise um einen weiteren Tag und profitieren noch etwas von der guten Internetverbindung hier zum Telefonieren und um die Termine in der Schweiz zu fixieren.am Stausee

Einen Tag gönnen wir uns noch am neuen Stausee bei Mendoza, wo das kristallklare Wasser ideale Badetemperatur bietet. Dann geht‘s los Richtung Norden alles entlang der Vorkordillere der Anden. Vielfarbige Gesteinsschichten wurden hier vor Jahrmillionen aufgefaltet und von Wasser und Wind bizarr erodiert. Heute ist diese Hügelzone fast wüstenartig trocken, einzig entlang der Andenflüsse kann mit Hilfe Calingasta-Talausgeklügelter Bewässerungssysteme Landwirtschaft betrieben werden.

KordillereWir durchfahren grandiose Landschaften und können uns kaum sattsehen an all den Farben und Formen.Wanderung

VorkordillereAber wehe, wenn es dann mal regnet… nichts hält die Gesteins- und Schlammmassen Wassermassenzurück und viele Strassen werden unpassierbar. Und jetzt beginnt die Regenzeit…Schlammbach

So werden auch wir nach einer Gewit-ternacht zu einem Papstwahlalte KircheUmweg von mehreren hundert Kilometern gezwungen.

Doch nach fünf Fahrtagen haben wir Cafayate erreicht.endlose Strassen

In diesem sympathischen Kolonialstädtchen bleiben wir gleich vier Tage. Tagsüber kurven wir mit unseren Fahrrädern durch die Gassen, trinken auf der Plaza ein Glas Wein und profitieren vom Schwimmbad Gewitterstimmunggleich neben un-serem Campingplatz. Und wir probieren natürlich auch all die kulinarischen Spezialitäten dieser Gegend: Ziegenkäse im Fladenbrot gebacken, grilliertes „Chivito“ (Ziegenfleisch), getrocknete Feigen, fruchtiger Torrontéswein…

Hier ist die Indio-Kultur noch sehr lebendig. Wir besuchen das PachamamaPachamama-Museum in Amaicha und auch ein Gauch0-Pachamama-MuseumReiterfest in der Gegend.Gaucho

Gaucho-ReiterTraditionenQuebrada de CafayateNur mit Mühe können wir uns von hier losreissen, aber uns lockt eine der tollsten Schlu-chten auf den Weg Richtung Salta: die Quebrada de Cafa-yate mit ihren gigantischen braun-roten Erosionsformen.beiCafayate

Quebrada

Quebrada

Quebrada

45QuebradaJe weiter runter wir kommen, desto bewölkter ist der Himmel, umso grüner wird aber auch die Umgebung… meterhohes, sattgrünes Gras säumt den Strassenrand, üppige Vegetation mitQuebrada hohen Bäumen und Büschen, Tabak- und Zuckerrohrplantagen – all dies haben wir schon seit langem nicht mehr gesehen!

Dafür lässt aber auch der Regen nicht lange auf sich warten… 😉

Wir verbringen die Nacht an einem Stausee und fahren am nächsten Morgen in die Bezirkshauptstadt Salta rein. Sie gilt als Saltaeine der schönsten, elegantesten Städte Argentiniens, doch wir können ihr nicht soviel abgewinnen und sind schon nach ein paar Stunden wieder auf dem Weg raus in Richtung Berge.zum Obispo-Pass

Leider erwischen wir einen schlechten Tag um den spektakulären Obispo-Pass zu fahren, denn stockdichter Nebel verhindert jede Aussicht und macht das Fahren zu einem gefährlichen Abenteuer… teilweise sehen wir kaum in welche Richtung die nächste Kurve dreht! Vielleicht gut, dass wir auch nicht sehen, wie tief der Abgrund gleich neben der Strasse ist.

Kakteen im NebelOben über den Pass lacht uns dann schon bald die Sonne entgegen: typisches Tessinerwetter… Wir durchqueren den „Los Cardones“-Nationalpark, der nach den hier unzählig wachsenden mehrarmigen Kandelaber-Kakteen benannt ist. los Cardones NPUns faszinieren aber auch wieder die erodierten rotleuchtenden Lehmcanyons und spontan biegen wir in eines der ausgetrockneten Flusstäler ein und fahren hoch bis wir einen geeigneten, Blumen im Canyongeschützten Platz zum Campieren finden.toller Campingplatz... Von da aus erkunden wir die tolle Umgebung zu Fuss, backen Colomeein feines Brot und lassen den ereignisreichen Tag am Lagerfeuer ausklingen.

Für den nächsten Mittag haben wir uns im ColomeColomé-Weingut des Schweizers Donald Hess angemeldet. Wir sind etwas früh dran und haben nach der Führung noch Zeit uns dieses schöne ColomeColomeGut und das zugehörige Hotel etwas genauer anzusehen.

Nach einem feinen Zmittag dürfen wir dann das eigens dafür gebaute Turrell-MuseumMuseum des Lichtinstallationskünstlers James Turrell ansehen. Na ja, wahr-scheinlich sind wir zu sehr Kultur-banausen, dass wir die Grossartigkeit dieses Künstlers weniger zu wür-digen wissen, als all die ausserordentlich faszinierenden Skulpturen, die die Natur hier um uns herum geschaffen hat… Aber der Besuch auf dem Weingut ist absolut empfehlenswert; umso mehr, als dass all dieser Luxus nur über eine bei Regen schlecht – gar nicht zu befahrende Erdstrasse erreichbar ist!Friedhof in den Bergen

Weiter fahren wir über die kurvige Bergstrasse bis wir gegen Abend dann Cachi erreichen, wo wir neben einem Schweizer Kirche in den BergenPaar aus dem Berner Oberland campieren. Weiter geht‘s nordwärts die Ruta 40 hoch über den Abra del Acay, einen (fast) 5000er Pass hoch an schneebedeckten Bergen vorbei. Da es in den letzten Tagen auch  Richtung Abra del Acayhier geregnet hat, ist die Strasse streckenweise in schlechtem Zustand, mehrmals müssen wir recht tiefe Bäche durchqueren.Bachquerungen

Bei einem dieser Wasserdurchfahrten laden wir auch einen jungen argentinischen Fahrradfahrer samt Abra del AcayVelo in unser Auto, um ihm die nass-kalten Füsse zu ersparen. Scheinbar hat er so wenig wie wir mit diesem hohen Pass gerechnet, so dass er ganz glücklich ist, dass wir ihn bis in die Ortschaft nach dem Pass mitnehmen. 61Abra-SchildFür die Strecke hätte er sonst sicher noch mindestens zwei Tage gebraucht…

und hatte nicht mal gescheit Essen dabei!

SalinasWir tanken und fahren noch weitere 60 Kilometer bis zum Salar „Salina Grande“, wo seit Urzeiten Salz abgebaut wird. Wir stellen unseren Cruisie unten auf eine Sanddüne um von der tollen Aussicht zu profitieren. Ich klettere sie bis ganz hoch und geniesse den tollen Rundblick – …mit Schlangeund entdecke eine Schlange, die sich vor mir im Sand in Sicherheit bringt…

Als ich von meinem Spaziergang zurückkomme, hat der Abendwind dermassen zu blasen begonnen, dass wir unsere exponierte Lage aufgeben und im Windschatten der Düne Schutz suchen müssen. Am nächsten Morgen grasen dann Vikuñas um unser Auto herum… wohl die letzten, die wir für lange Zeit sehen werden!

Denn die heutige Pass – Strecke wird die letzte in der Andengegend sein, danach geht‘s runter ins Flachland und quer durch den Kontinent Brasilien entgegen! Richtung HumahuacaAber erst einmal steht uns noch diese abenteuerliche Strecke bevor… Wir haben diese „Abkürzung“ ins Humahuaca-Tal auf einer unserer diversen Karten entdeckt – aber eben auch NUR auf dieser, was uns verdächtig vorkommt 😉 Ein einheimischer Mopedfahrer, Kakteenblüteder uns entgegenkommt, weiss auch nichts von diesem Weg und schickt uns weiter die Hauptroute entlang. Aber als wir den Abzweiger entdecken, zwar nur eine kleine Piste, aber mit Hinweisschild ins Humahuaca-Tal, ist es uns den Versuch wert. Wieder müssen wir Bäche queren, die Piste ist ausgeschwemmt und ein paar Mal etwas abgebrochen und schlammig, aber nach vielen Kurven, toller und teils völlig abgeschiedener Landschaft mit blühenden Essen in HumahuacaKandelaber-Kakteen erreichen wir am Mittag schliesslich Humahuaca.

Nach einem traditionellen HumahuacaMittagessen bummeln wir noch durch das hübsche Städtchen um uns anschliessend im tiefer gelegenen Tilcara auf dem recht heruntergekommenen Campingplatz einzuquartieren. Der Ort ansonsten ist ganz Pucara bei Tilcarahübsch.

Haus-InnenansichtAm Morgen früh besuchen wir die teilweise rekonstruierte präkolumbianische Ausgrabungsstätte Pucarà. Von dort oben bietet sich ein weiter Blick über die erodierten Gesteinsformen, die in allen Farben leuchten und für die die Quebrada de Humahuaca berühmt ist.

Kakteenholz

PurmamarcaSo auch in Purmamarca, wo wir uns nach der Wanderung Gesteinformationdurch die Gesteins-formationen ein Bierchen auf der Plaza gönnen und dabei dem bunten Markttreiben Markt in Purmamarcazuschauen können.

Purmamarca

Kurz darauf fahren wir aus dem Tal heraus und kommen ins Tiefland runter. Fast auf einen Schlag ist alles üppig grün und es dauert nicht lange, tröpfelt auch schon wieder der Regen gegen die Autoscheiben… genau das richtige Wetter um die heissen Quellen von Reyes zu besuchen! Den Abend entspannen wir im heissen Pool, um am nächsten Morgen früh fit zu sein für die lange Fahrt Richtung Osten, quer durch Argentinien.Sumpfhirsch

Nach drei Tagen erreichen wir das Sumpfgebiet „Estero del Iberà“, das uns Mitreisende empfohlen haben. Da es die letzten Tage geregnet hat, rechnen wir mit einer schlimmen Piste, Schlammpisteaber richtig schlammig ist es nur auf den ersten paar Kilometern, wo die Strasse neu gebaut wird. Unterwegs sehen wir schon nach kurzer Zeit die ersten Tiere: Störche und Ibisse, Kaimane,im Sumpf Caipibarras und Sumpfhirsche, die überhaupt keine Scheu zeigen. Schon bald haben wir die Lagune erreicht und Estero del Iberanach einem kurzen Besuch im Informationszentrum rattern wir über den Verbindungssteg und auf den wunderschön gepflegten Campingplatz. Wirklich der schönste, den wir hier in Argentinien angetroffen Blütenhaben in all den Monaten! (Gut, ist auch nicht ganz so schwierig, bei allKaiman den abgewirtschafteten Plätzen, die es hier gibt…)

Wegen einem heftigen Gewitter müssen wir die gebuchte Bootstour zwar auf den nächsten Morgen Parkplatz?verschieben, aber das lohnt sich: bei strahlendem Sonnenschein …wohl doch nicht!entdecken wir ganz viele Tiere und sehen so innert kürzester Zeit die ganze Artenvielfalt für die das Sumpfgebiet berühmt ist.

Der Gewitterregen hat natürlich auch die Piste völlig aufgeweicht und die Weiterfahrt wird zur Schleuder- und Drecktour… Kölbi ist voll in seinem Strasse nach dem GewitterElement und geniesst das „dräckelen“ wie ein kleiner Junge 😉 und unser Auto Sliding...wiegt wohl grad 20 Kilogramm mehr vor lauter Schlamm…

Unser letztes Mal in Argentinien übernachten wir in San Ignacio, einer historischen Jesuiten-Missionsstation, von denen wir ja bereits in Bolivien welche besucht haben. Hier bieten sie jeden Abend eine Licht- und Tonshow, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Am Eindrücklichsten für uns sind jedoch all die Indiokinder, die uns im Restaurant um unsere Essensreste anbetteln… keine „Show“, sondern traurige Wirklichkeit!Dreckauto

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