Goa – Nepal (8.2. – 21.3.2011)

Endlich finde ich mal wieder die Zeit und Ruhe, um etwas an unserem Reisebericht weiterzuschreiben…

Die Fahrt von Goa bis nach Nepal brachte uns wirklich wieder zurück ins „wirkliche“ Indien… der Strassenverkehr ist doch sehr nervenaufreibend! Mehr als 200-300 km am Tag liegen auch bei mehr als 10 Stunden Fahrzeit selten drin: entweder ist die Strasse derart schlecht und mit Schlaglöchern übersät, dass man sich irgendwo im Busch auf Safari wähnt; – oder sie ist gut, dann hat‘s viel Verkehr, sodass bei der kleinsten Kreuzung ein Stau entsteht, oder der Verkehr läuft so flüssig und (zu) schnell, dass die Anwohner überall „Speedbumps“ einbauen ( und zwar solche Verkehrshindernisse, dass man wirklich auf 0 runterbremsen muss, will man sich die Achse nicht abreissen…) und man wieder nicht vorwärts kommt…

Wir haben unterwegs gegen Norden einen Tag Ruhepause in Mandu eingelegt, einem kleinen Dorf auf einer spektakulären Felsenterrasse, die nur über einen schmalen Durchgang zu erreichen ist und den islamischen Moguln als Königssitz gedient hat. So konnten (Kölbi: „mussten“) wir uns wieder einmal einen Haufen Ruinen, Moscheen, Paläste und Grabmäler ansehen. Auch ein Vorläufer des Taj Mahal befindet sich hier und so verging der Tag wie im Fluge; gut, dass wir Fahrräder dabei haben, es ist doch sehr weitläufig hier!

Zwei Tage später fahren wir dann in Agra beim Taj Mahal ein; es ist Sonntag und alles ist voll mit indischen Touristen, sodass wir den Besuch auf den nächsten Morgen verschieben. Das ganze Drumherum (Inder, Eintrittspreise (Inder zahlen 25 Rp/ Ausländer 750 Rp!), Anstehen, Sicherheitskontrollen etc) nervt Kölbi gewaltig; wenn man dann aber mal drin ist, ist der Anblick dieses Monumentalbauwerks schon einmalig! Ich geniesse es und wir schlendern lange darin herum. Kölbi ist wohl einfach nur froh, dass er sein Versprechen, mit mir zum Taj Mahal zu fahren, endlich eingelöst hat…;-)

Wir fahren noch am gleichen Tag weiter Richtung Delhi, wo wir das Kirgisien-Visum einholen müssen. Dank unserem GPS Kartenprogramm auf dem I-Phone (das ich nun endlich so langsam beherrschen gelernt habe…) können wir einen Megastau umfahren und auf abenteuerlichen Seiten- und Umfahrungsstrassen, die wir sonst nie gefunden hätten, direkt ins Botschaftsviertel und zum Nehru Park fahren, wo man mit dem Auto gut, ruhig und sicher über Nacht stehen kann. Dort treffen wir auch wieder auf die Franzosenfamilie, die wir bereits im Iran und in Pakistan getroffen haben und noch zwei Franzosen stehen da mit australischen Nummernschildern, die auf dem Weg von da nach Hause sind. Natürlich gibt‘s viel zu erzählen und zu berichten! Am nächsten Tag kriegen wir gleich schon das Visum und auch eine notwendige Impfung können wir uns im nahegelegenen, sehr modernen Spital spritzen lassen und so sind wir glücklich, am nächsten Morgen früh diese Riesenstadt bereits wieder verlassen zu können. Wir starten noch im Dunkeln, so entgehen wir dem Morgenstau und stehen überraschenderweise bereits kurz nach Mittag an der nepalesischen Grenze. Pünktlich um 14 Uhr überqueren wir den schmalen Damm, den einzigen Zugang zu Nepal ganz im Westen und nur frühmorgens, spätabends und von 12-14 Uhr für Autos geöffnet…! Der Grenzübergang verläuft sehr ruhig und relaxed, auf der indischen Seite wollen die Grenzbeamten noch zu einer Hochzeit ihres Kollegen, also machen sie vorwärts mit unseren Papieren, -und auf der Nepaliseite wechselt uns der Zöllner sogar noch Geld, „so müssten wir keine Kommission bezahlen…“!

Wir fahren die ersten Meter in Nepal und irgendwie atmen wir auf: alles ist anders hier, merken wir bereits nach diesen paar Metern… kein Gehupe, kein Gedränge, freundliche, zurückhaltende Menschen, wir können uns frei ums Auto rum bewegen ohne dass gleich alle reinschauen wollen und uns mit neugierigen Fragen torpedieren. Und das Schönste: wir können einfach in den (sauberen) Wald rausfahren und dort ganz alleine und einsam campieren!! Wir atmen auf und geniessen das einfach, lassen uns viel Zeit durch den Westen auf dieser fast leeren Strasse zu fahren und im Wald zu schlafen.

Natürlich ist Nepal nicht nur das Paradies und hat auch ganz viele Probleme. Der jahrelange Bürgerkrieg gegen die Maoisten hat tiefe Spuren hinterlassen, die Infrastruktur ist am Boden, Nepal hat nur wenige Strassen und viele davon sind in einem erbärmlichen Zustand, wegen den steilen Bergflanken bilden sich sofort Erosionsschäden und das Land ist auf vielerlei Entwicklungshilfe angewiesen, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Aber die Nepali sind äusserst freundliche, hilfsbereite Leute!

Unser erstes Ziel ist Pokhara, das „Zermatt“ Nepals. Sogar das Matterhorn gibt‘s hier, es heisst „Machapuchere“, was Fischschwanz heisst, weil sich der Gipfel gegen oben teilt… tja, und er ist gut 2000 m höher als unser Matterhorn in der Schweiz! Wir finden einen schönen Stellplatz direkt am See auf dem Damm und verbringen unsere Tage mit relaxen, gut essen und uns wieder etwas Muskeln antrainieren beim Wandern. Unser erstes Trekking dauert 3 Tage und führt uns am ersten Tag über steile Steintreppen gleich auf den 2500m hohen Panchase Danda (nicht unbedingt geplant, wir haben den falschen Weg erwischt…). Eigentlich ein schöner Aussichtspunkt auf die nahegelegene Annapurna-Berge, aber leider ist es sehr bewölkt und regnerisch. So machen wir gleich schon in der ersten Nacht Bekanntschaft mit der Kälte, den zugigen Bretterbuden und den harten Betten; den 3 Minuspunkten auf Trekkingtour in Nepal…

Wir beschliessen, erst mal noch den tiefer gelegenen Chitwan-Nationalpark zu erkunden und die wärmeren Tage Ende März/April abzuwarten um trekken zu gehen. In Sauraha, dem Eingangsort zum Nationalpark dürfen wir unseren Cruisie im buntblühenden Garten vom K.C.Restaurant hinstellen, mit Blick auf den Fluss und den morgendlichen Badeplatz der Elefanten.

Wir geniessen die warmen Tage und das feine Essen im Restaurant, sehen zweimal Nashörner am Flussufer grasen und besuchen die Elefanten-Aufzuchtstation mit unseren Velos. Wirklich ein Platz um die Seele baumeln zu lassen!

Aber nach ein paar Tagen zieht‘s uns doch weiter; Kölbi hat auf unseren Karten eine „interessante“ Strasse entdeckt (d.h. auf einer ist sie gar nicht drauf , bei einer fehlt ein Verbindungsstück und bei der dritten ist ein Teil verdächtig gerade eingezeichnet…). Da muss er doch rausfinden, was jetzt eigentlich stimmt! Anfangs ist es eine ganz normale Strasse, zwischendurch wird sie ziemlich schlecht und wir denken schon, jetzt hört sie dann gleich ganz auf, aber dann plötzlich fahren wir auf einer wunderbaren, perfekt ausgebauten und gut gesicherten Passstrasse, die sich spektakulär den Berg hoch windet! Zuoberst zweigt eine Schotter-Staubstrasse zu verlassenen Militärfestungen hoch und wir verbringen einen gemütlichen Lagerfeuerabend da oben. Der nächste Morgen begrüsst uns mit einer herrlichen Aussicht aufs Himalayagebirge, sogar den Mt.Everest können wir noch ausmachen! Und auch unsere Strasse hält noch einige Überraschungen für uns bereit: im nächsten Tal treffen wir auf den japanisch-nepalesischen Bautrupp und von nun an sind wir froh um unseren Landcruiser! Über abenteuerliche Staubstrassen folgen wir dem Lauf des Sunkoshi-Flusses, überall sind sie am Bauen der neuen Strasse und wir müssen manchen Umweg in Kauf nehmen. Kölbi nennt es „wandern mit dem Auto“, es geht durch enge Dörfer und an steilen Bergflanken entlang, wir werden mit tollen Aussichten und freundlichen Begegnungen mit den Einheimischen belohnt. Am späten Nachmittag erreichen wir dann das Kathmandutal und sind überrascht, wie sehr es überbaut worden ist die letzten 20 Jahre…

Wir haben die Adresse von einer Autogarage, wo sich die Overlanders hinstellen können und so verbringen wir die ersten Tage hier. Der Platz ist nicht besonders schön gelegen, aber dafür treffen wir auf alte Bekannte aus Agonda, auch Ruedi und Romy aus der Schweiz sind hier (wir geniessen noch ein feines Fondue zusammen) und auch die drei deutschen Jungs mit dem ehemaligen Feuerwehrlaster, die mit uns durch China fahren werden. Es gibt viel zu quatschen und zu organisieren, Kölbi macht den Service am Cruisie und wir treffen uns erstmals mit Subas, dem Nepali-Freund von Grünigs in der Schweiz, die ihm geholfen haben in seinem Dorf eine Schule zu bauen. Er lädt uns spontan zu einem Dal Bhat-Essen (nepalesisches Nationalgericht bestehend aus Reis, Linsensauce, Gemüse und scharf-sauren Beilagen) bei sich zuhause ein. Mit seiner offenen Art und seinen interessanten Geschichten fasziniert er uns sehr und wir entschliessen uns recht spontan zu einer gemeinsamen Trekkingtour über den Gosaindkundpass (4600 müM) ins Langtangtal. Den Nachbarssohn engagieren wir als Porter und am übernächsten Tag geht‘s auch schon los. Wir machen ein sogenanntes „Teahouse-Trekking“, das heisst wir übernachten immer in Gästehäusern und essen auch da. Der erste Tag ist noch etwas regnerisch, aber schon am nächsten Tag scheint die Sonne wieder. Am morgen haben wir immer fantastische Aussichten auf die Berge rundherum, während es am Nachmittag meist bewölkt wird und dann auch gleich die Temperaturen in den Keller rasseln. Schnell lernen wir, dass wir am Abend genügend Tee bestellen müssen um unsere Flaschen noch damit füllen zu können: so haben wir tolle Schlafsackwärmer (trotz doppelter Bettdecken), die wir auch gut brauchen können, auf 3500 müM gefriert in der Nacht das Wasser im Zimmer… Was meint Dachdecker Kölbener zur Isolation der hiesigen Gästehäuser: in der Schweiz geht jede Hundehütte als Minergiehaus durch verglichen zur Bauweise hier! Und als Heizung dient höchstens ein kleiner Holzfeuerofen im Essraum.

Aber die Landschaft ist fantastisch! Bäume wachsen bis über 3500 müM, rundherum Berge von 7-8000 m Höhe… und gleich nach dem Pass liegt der heilige Gosaindkund-See. Im Sommer kommen hier hunderte von Pilgern hoch um Shiva mit einem Bad im See zu huldigen; da der See jetzt gefroren ist, begnügen wir uns mit Gesichtwaschen an den gefassten Quellen….

Der Abstieg am nächsten Tag geht dann mächtig in die Knie, wir schaffen fast 1500 Höhenmeter an einem Tag! Ein starker Wind pfeift uns um die Ohren, durch den Tannenwald fürchte ich mich ein wenig vor herabfallenden Ästen, auch sehen wir Rauchwolken aus dem benachbarten Tal aufsteigen. In der Nacht nimmt der Wind noch zu, die Blechdächer klappern und scheppern, Staub und Blätter fliegen umher und ich bin froh, weiter absteigen zu können und nicht mehr im Tannenwald wandern zu müssen… Der Rauch macht sich auch stärker bemerkbar, das Licht wird ganz speziell, grad wie zum Sonnenuntergang. Die Einheimischen erzählen uns von Buschfeuern im nächsten Tal, zusammen mit diesem starken Wind und dem trockenen Gras überall eine gefährliche Mischung. Das Langtangtal ist sehr eng und wenn das Feuer übergreift, kann es schnell zu einer tödlichen Falle werden, wie das scheinbar im letzten Jahr schon der Fall war. Wir beschliessen aus dem Tal rauszuwandern und nach Kathmandu zurückzukehren. Eine 5-stündige Jeepfahrt bringt uns spätabends zurück und wir übernachten erst mal vor Subas Haus, wo wir unseren Cruisie während dem Trekking parkieren durften und den seine Familie während unserer Abwesenheit gut bewacht hat. Am nächsten Tag verabschieden wir uns nicht ohne vorher einen Termin für ein gemeinsames Fondue-Essen ausgemacht zu haben. Wir finden einen schönen Parkplatz bei einem Hotel in der Nähe des Touristenviertels, wo wir auch unsere Mails wieder mal abchecken können. Und da überschlagen sich die Ereignisse wieder einmal…im Rössli (Chrigis Restaurant) steht ein Pächterwechsel an und der neue Pächter möchte unsere Wohnung mitmieten. Nach langen Diskussionen entschliessen wir uns zu einem Kurztrip in die Schweiz um unsere Wohnung zu räumen und auch sonst noch ein paar Dinge zu erledigen. Und so sitze ich jetzt hier im Transitraum des Delhi Flughafen und habe endlich Zeit unseren Bericht zu schreiben….

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