Mexiko (Baja California) – USA (San Diego – Las Vegas) März 2017

Puerto agua verdeUnser Tagesziel ist ein Geheimtipp von Mitreisenden: Puerto Agua Verde: eine kleine, in sich geschlossene Bucht, die nur über eine Schotterpiste erreichbar ist und für die es die letzten paar Meter viel Bodenfreiheit brauche… wie gemacht für uns! Sierra la GigantaUnterwegs sammeln wir noch etwas Brennholz fürs Lagerfeuer und sind beeindruckt von der gewaltigen Bergwelt um uns herum. Im Licht des späten Nachmittags leuchten die Farben noch viel intensiver als sonst schon. Kaum haben wir die Asphaltstrasse verlassen, windet sich die Piste durch diese Berge, die zur Sierra la Giganta gehören, in engen Kehren dem Meer entgegen. Die Aussicht ist fantastisch!
Mit etwas Glück erwischen wir auch gleich den richtigen Abzweiger zur uns empfohlenen Bucht und werden auf der steilen Runterfahrt gehörig durchgeschüttelt – ahh, deshalb die Bodenfreiheit…

Zufahrt BeachUnten angekommen sitzt ein älterer Mann vor der einzigen Hütte und heisst uns herzlich willkommen. Er habe sich hier zur Ruhe gesetzt, weil er nach einem langen Leben auf See  Palmoaserund um die Baja diesen Ort als den Schönsten und Ruhigsten gefunden habe, wie er mir erzählt. Wir dürften gerne hier ein paar Tage campieren – wegen des angekündigten Sturmes habe es zur Zeit auch viele Segler hier in dieser geschützten Bucht.
Kaum haben wir uns eingerichtet, lernen wir auch ein paar von ihnen kennen und unternehmen tags darauf auch eine Wanderung zusammen. FelszeichnungenSie zeigen uns den Weg zum nächsten Strand, wo eine Quelle eine kleine Oase mit Palmen speist und ein kurzer Kletterpfad in eine Höhle mit Felsmalereien aus früheren Zeiten führt.  Wandern mit Michelle&Johanna

Innert kurzer Zeit freunden wir uns mit Michelle und Johanna aus Kalifornien an und unternehmen am nächsten Vormittag einen gemeinsamen Ausflug zum nahegelegenen Dorf. Danach heisst es für uns Abschied nehmen und wir fahren weiter nordwärts, wo wir nach zwei Tagen den Touristenort Loreto erreichen.

Loreto
Hier dürfen wir bei Paul und Jeff übernachten, zwei Amerikanern, die wir auf dem mexikanischen Festland kennengelernt haben. Sie besitzen eine grosse, schön eingerichtete Villa mit Pool und mehreren Gästezimmern – wir ziehen es jedoch vor in unserem geliebten Camper zu übernachten.  LoretoSie heissen uns auch so ganz herzlich willkommen und wir feiern gemeinsam eine Pizzaparty mit ihren kanadischen Nachbarn. Es ist ein schöner, ungezwungener Abend mit interessanten Gastgebern.

Wenn alle Amerikaner so nett und weltoffen sind wie die, die wir die letzten Tage kennenlernen durften, kann ich mich ja richtig auf unseren USA-Besuch freuen…!Paul&Jeff

Bisher habe ich nämlich noch nicht viel Gutes über die vorherrschende amerikanische Weltanschauung erzählt bekommen – inklusive derer ihres derzeitigen Präsidenten Trump 😉

Mission San JavierDurch eine enge Schlucht verlassen wir Loreto in Richtung Berge – unser Ziel ist die frühere Missionsstation San Javier in der Sierra la Giganta. Die Missionierung der einheimischen Indianer verlief auf der Baja California ja besonders tragisch:Olivenbaum wegen der durch die europäischen Missionare eingeschleppten Krankheiten dezimierte sich die Zahl der zu bekehrenden „Schäfchen“ nämlich innert weniger Jahrzehnte dermassen (böse Zungen würden hier von „Ausrotten“ sprechen), dass alle Missionskirchen – kaum erbaut – bereits nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurden. Das wüstenartige Klima und die Bodenbeschaffenheit der Baja gab den spanischen Kolonisten ausser dem Missionieren kaum Anreiz zum Siedeln – mal abgesehen von den Walfängern und Fischern. In dieser Mission hier sei der erste Olivenbaum der Baja gepflanzt und die ersten Weinreben gezogen worden und können heute noch besichtigt werden in dieser grünen Oase inmitten einer Fels- und Steinwüste.Zufahrt San Basilio

Nach einem feinen Burrito zum Zmittag machen wir uns auf den Weg zurück an die Küste. Wir haben so viele Tipps zu wunderschönen Buchten hier in der Gegend empfohlen bekommen, dass wir nun fast die Qual der Wahl haben…

Heute entscheiden wir uns für die abgelegene San Basilio-Bucht. Die früher schlechte Piste ist dieses Jahr frisch gemacht worden und so hat es mehr Camper und Segelboote hier als erwartet – aber die Bucht ist wirklich traumhaft schön!

San Basilio BuchtUnd wir haben schnell netten Kontakt zu einigen der Campeure bei einem gemütlichen Apero rund um ein Lagerfeuer.Zusammensitzen... Steve, ein „Singer-Songwriter“ ist auch dabei mit seiner Gitarre – es wird ein unvergesslicher Abend! Einige der Segler scheinen hier den halben Winter zu verbringen und wissen dementsprechend viel über die Gegend. So können wir am nächsten Tag mit Caleb zu einem lokalen Gemüsebauern wandern und frisch aus dem Garten gezogene Rüebli und Salat kaufen. UnterwasserweltUnd ich finde einen schönen Ort zum Schnorcheln mit vielen Seesternen, bunten Fischen und einzigartigen Korallenformen. Leider ist ein Grossteil der Bucht zur Zeit mit grünem Algengras überzogen, das es mit dem heftigen Nordwind vor ein paar Tagen hier hereingeschwemmt hat – sonst wäre der Ort geradezu perfekt! Aber dieser Nordwind hat leider nicht nur die Algen gebracht – es ist auch empfindlich kühl geworden… wer weiss, wie oft ich noch Gelegenheit (- oder Lust!) zum Schnorcheln haben werde?? Schon jetzt halte ich es nur noch mit Thermounterwäsche und Fleece-Pulli aus im Wasser.

Aussicht
Nach zwei Tagen drängt uns unser auslaufendes Visum weiter… schliesslich gibt es noch die vielgerühmte Bahia Conception zu entdecken! Dies ist eine weite, vom Meer durch eine bergige Halbinsel abgeschirmte Bucht – Bahia Conceptiondoch der Nordwind bläst uns auch hier mit voller Stärke entgegen… so lassen wir einige traumhaft wirkende Strände an uns vorbeiziehen, bis wir schliesslich an eine gegen Norden abgeschirmte Bucht gelangen. Hier ist es zwar auch ziemlich voll, doch dank unserem Vierrad-Antrieb können wir uns etwas abseits hinstellen. Gleich neben einen Laster aus Deutschland, aus dem wir Playa Escondidavon Kathrin und Hansjürgen freundlich willkommen geheissen werden. Wir freunden uns spontan an und verbringen die folgenden Tage zusammen. Innert kurzer Zeit bildet sich eine richtige „Overlander“-Clique, wir feiern Kathrins Geburtstag zusammen und dank Wiedersehen mit StefanAndreas Aufmerksamkeit finden wir auch noch Stefan, einen Berner aus Frutigen, den wir in Ushuaia (dem südlichsten Punkt Argentiniens) getroffen haben, an einem benachbarten Strand und lotsen ihn zu uns…

traumhafte Buchten
Doch schon bald zieht es uns weiter – es wird Zeit für eine der eindrücklichsten Tierbegegnungen, die wir je gehabt haben und die meines Wissens so nur in dieser Ecke unserer Erde erlebbar ist: das Streicheln von wildlebenden Grauwal-Babys!Waltour San Ignacio
Unsere erste Tour unternehmen wir in der Lagune von San Ignacio, wo es mehrere Anbieter hat bei denen wir auch gleich campieren können. Am nächsten Morgen um neun geht die Tour los und wir sind glücklicherweise nur 5 Leute in unserem Boot, so dass wir uns recht frei bewegen können. Nach nur 10 Minuten Fahrzeit erreichen wir die erlaubte „Begegnungszone“ (welche nur etwa einen Drittel dieser Meereslagune ausmacht, so dass die Tiere sich jederzeit auch zurückziehen können), wo sich auch schon andere Boote befinden – und dazwischen tauchen immer wieder Walmütter mit ihren Babys auf zum Luft holen!
Mutter mit BabyDurch leichtes Schlagen aufs Wasser lockt man sie ans Boot heran, wo sie uns immer wieder neugierig umkreisen und auch tatsächlich berühren lassen… – was für ein Erlebnis! Die Grauwale wandern jedes Jahr aus den arktischen Gewässern der amerikanischen Küste entlang bis zum Golf von Mexiko, um hier im Winterhalbjahr in geschützten Buchten ihre im Vorjahr ebenfalls hier gezeugten Babys zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Teil dieser Erziehung scheint zu sein, dass die Walmütter ihren Jungen hier den Kontakt zu Menschen nahebringen, da sie – wie wir es selbst beobachten konnten – unter ihre Babys schwimmen und sie regelrecht an den Bootsrand herauf heben. Einem solchen Riesentier direkt in die Augen schauen zu können ist etwas vom Ergreifendsten, Streicheleinheitenwas ich je erlebt habe!
Eine Weile fahren wir mit dem Boot kreuz und quer zu den Schwimmrouten dieser grossen Tiere, die aber beliebig tief abtauchen können und uns so auch immer wieder ausweichen, wenn sie sich verfolgt fühlen. Trotzdem: Kölbi und ich schauen uns nur kurz an und wissen sofort, dass dies der etwas unschönere Teil dieser Tour ist, wohl entstanden durch den Kon-kurrenzdruck der verschiedenen Oase San IgnacioAnbieter: jeder will seinen Kunden mehr bieten können als der andere…
Nach nur einem Tag gemütlichen Relaxen in der tollen Oase von San Ignacio mit einem Campingplatz direkt am breiten Fluss mit super Schwimmgelegenheiten fahren wir deshalb nach Ojo de Liebre. Dort werden die Waltouren nur von einem „Ejido“ (etwas wie eine Burger-Gemeinde) ausgeführt und mit strengen Naturschutzregeln überwacht. Wir dürfen wieder direkt am Rand der Lagune campieren, es weht allerdings ein zugiger Nordwind und der Himmel ist wie von Nebel überzogen… nichts von Lagerfeuer-Romantik, bei Sonnenuntergang verziehen wir uns schnellstens in unsere (noch) warme Camperkabine!
Waltour in Ojo de LiebreDer nächste Morgen startet glücklicherweise windstill, aber dennoch kalt. Wir schreiben uns als zweite Partei zur Tour ein – vor uns hat sich bereits ein anderer Schweizer eingeschrieben. Dieser stellt sich als der Motorradfahrer Aschi Widmer aus Bern heraus, der uns von seinen Diavorträgen her bekannt ist… daneben befinden sich zwei nette Amerikanerinnen mit an Bord, von denen die eine bereits über zehn mal(!) an dieser Waltour dabei war. Kein Wunder, erhalten wir Glückspilze bei so viel „Prominenz“ den besten Bootsführer zugeteilt… 😉

 Aug in Aug...
Er fährt einfach nur in die Lagune raus, lässt den Motor im Leergang laufen und wartet. Es dauert keine fünf Minuten, kommt eine Walmutter mit ihrem Baby heran geschwommen und schaut uns an! Und kurz darauf drückt sie ihr „Kleines“ (das sicher auch bereits sechs Meter lang ist) zu uns ans Boot herauf und lässt auch sich selbst streicheln… und die beiden bleiben die ganze Stunde über bei uns am Boot, schwimmen zwischendurch mal ein paar Meter weg und sind kurz darauf gleich wieder da! Boot-StupferUnglaubliche Momente… Raffael, unser Bootsführer, erklärt, dass nicht alle Mütter mit ihren Jungen ans Boot kommen würden, sondern nur ein paar und diese hier kenne er bereits aus mehreren Begegnungen, sie sei sehr zutraulich.

Die Tour ist viel zu schnell wieder vorbei, doch wir sind alle tief zufrieden und sitzen noch eine Weile zusammen um das gemeinsam Erlebte Revue passieren zu lassen. Ich erinnere mich an eine Geschichte vom Vortag in San Ignacio, wo ein älterer, kräftiger, mir wildfremder Amerikaner mich spontan angesprochen hat und ganz bewegt und mit leuchtenden Augen von seiner Begegnung mit den Grauwalen erzählt hat… wenn das nicht nachhaltiger Tourismus ist?!

 die Wüste blüht!
Beim Aufstocken unserer Vorräte im Cirio-Baumnahegelegenen Guerrero Negro entdecken wir Stefans Auto in einem Hotelhof und halten natürlich bei ihm – er hat uns noch unseren beim letzten Treffen vergessenen Hocker mitgebracht…! Dann starten wir zu einer unserer schönsten Fahrtouren auf der ganzen Baja California: der Regen von vor vier Wochen zeigt Wirkung und die ganze karge Wüste steht in einem grünen Kleid da mit unzähligen Farbtupfern aus Millionen von Blumen. ÜbernachtungsplatzÜber eine gute Schotterpiste fahren wir zur Mission von San Borja und weiter an die Bahia los Angeles. Unterwegs campieren wir in einem schönen Tal voll grosser Saguaro-Kakteen und bizarrer Cirio-Bäumen, wie es sie fast nur hier gibt und von denen der Regionalpark seinen Namen hat. Überall blüht und duftet es unwiderstehlich – ich fotografiere, bis die Kamera voll ist 😉

 tolle LandschaftAgavenblüteAgavenblüte nah

Alice im Wunderland
Als wir am nächsten Tag die Bahia los Angeles erreichen, steht da bereits Stefans Auto beim Aussichtspunkt – Als ob wir abgemacht hätten…

Bahia los Angeles

unterwegs mit StefanWir sitzen den ganzen Nachmittag und Abend beisammen und fahren dann am nächsten Tag gemeinsam weiter. Wir haben auf der Karte eine interessant aussehende Piste entdeckt. Sie ist allerdings bei weitem nicht so gut ausgebaut wie unsere vorherige, dafür führt sie durch einen interessanten Canyon in dem wir mehrmals den Fluss kreuzen müssen.durch den Fluss

Gut, dass Stefan auch einen Toyota Landcruiser fährt… so bewältigen wir die rauhe Strecke ohne Probleme. Und werden mit einem Meer von Blumen belohnt!Kakteenblüte

auf Tour

bei CocoDie grösste Überraschung erwartet uns am Ende dieser Strecke: da steht Coco’s Corner, ein uriges Pub mit einem Original von Besitzer – und auf wen treffen wir da?? Coco's Beiz & Schlafraum...Elvira und Ingo, mit denen wir in Bahia Concepcion gestan-den sind…

Schnell ist klar, dass wir ein paar Kilometer zurückfahren, wo wir einen wunderschönen Übernachtungsplatz zwischen roten Fels-formationen inmitten eines Camp zu drittBlumenfeldes ausgespäht haben und einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer zusammen verbringen.

Da wir alle das gleiche Fahrziel haben, nämlich die Grenze USA, bleiben wir auch den folgenden Tag zusammen und übernachten in San Felipe, wo wir uns noch ein letztes Mal mit mexikanischer Küche und (bezahlbaren) Riesencrevetten verwöhnen lassen. Dann trennen sich unsere Wege, damit jeder sein eigenes Tempo fahren kann und auch diejenige Grenze wählt, die ihm am besten passt.

toller Schlafplatz
und noch mehr BlütenWir haben uns für den kleinen Grenzübergang bei Tecate entschieden und übernachten kurz davor auf einem Weingut. Geschlafen habe ich eher schlecht – denn ich hatte einen gewaltigen Bammel vor dem ganzen Einreiseprozedere in die USA: Viele hatten uns gewarnt, dass es Stunden dauere und wie streng die Zöllner seien, dass man ja nicht widersprechen dürfe, dass sie einem ganz viele Fragen stellen würden nach dem woher, wohin und warum – und dass das Auto ganz genau gecheckt und untersucht werde auf Drogen, Waffen und unerlaubte Lebensmittel und Arzneien…
Kölbi und ich haben den Abend lang alles Mögliche in unseren Geheimfächern versteckt…

Weingut La Cetto

Ja, und dann dauert der ganze Spuk nicht mal eine halbe Stunde (wovon wir die Hälfte der Zeit erst noch mit dem Warten auf den Zöllner verbracht haben), keiner hat uns was gefragt – und unser Auto wollte auch kein Mensch sehen – weder von aussen noch von innen!!! Die ganze Büez für dKatz! Die haben uns einfach rausgewunken: „you can go now, welcome to America“ – unsere amerikanischen Freunde, denen wir dies kurz darauf erzählt haben, reiben sich verwundert die Augen und fragen sich (und uns), wo denn da die Sicherheit ihres Landes bleibe…? Wir können ja auch nichts dafür, dass wir so vertrauenswürdig aussehen, oder??! 😉

Einfahrt in San Diego Stefan und Anneliese in Safnern haben uns die Adresse ihrer Freunde Delsee und Jeff in San Diego gegeben, wir müssten sie unbedingt besuchen gehen. Da wir etwas früh dran sind, statten wir erst noch Downtown San Diego einen Besuch ab.

Krass, wie unterschiedlich der Sprung von Mexiko in die Staaten ist! GaslampquarterHier glitzern und glänzen die Hoch-hausfassaden, die Strassen sind breit und teilweise bis zu achtspurig, Yachten, Cabriolets und Sportwagen jedwelcher Grösse und Klasse – Hauptsache es sieht gut und protzig aus… wir reiben uns verwundert die Augen! Wohin wurden wir denn nun katapultiert in den letzten Stunden??
 EinkaufsweltenDer Empfang bei Delsee und Jeff ist sehr herzlich. Sie besitzen eine grosse Villa etwas ausserhalb der Stadt und da der Parkplatz vor ihrem Haus schräg ist,Delsee&Jeff nehmen wir ihr Angebot, das Gäste-zimmer zu benut-zen, gerne an. Sie laden reisebegeis-terte Freunde zu sich ein, denen wir unser Auto und Dias von unserer Reise zeigen. Gemeinsam besuchen wir auch den Biogemüse-Strassen-Jungs beim EinkaufenMarkt in San Diego, dies scheint ein grosses Ding zu sein hier – fast mehr ein Volksfest…       bisher habe ich auch kaum einen von den richtig dicken Amerikanern gesehen, von denen mir immer Wursttestererzählt wurde – es scheint zu stimmen, dass in Kalifornien und im Speziellen in San Diego die Menschen umwelt- und ernährungs-bewusster sind… oder vor allem diejenigen, die einen „organic market“ besuchen 😉

Blumenwiesen im Anza Borrego

wilde Lilien

Am Sonntagvormittag verabschieden wir uns von unseren lieb gewonnenen Gastgebern und machen uns auf den Weg zum Nationalpark Anza Borrego, einem Wüstenpark, der momentan ganz in der Frühlingsblust stehen soll. Es hat auch entsprechend viel Verkehr unterwegs – glücklicherweise kommen uns die meisten entgegen! Wir verbringen zwei Tage hier und geniessen die Blumenpracht und den Kontakt mit all den Besuchern hier – es herrscht wirklich Hochsaison und in den leicht zugänglichen Blumenwiesen wimmelt es nur so von fotografierenden Touristen.

BadlandsSchluchten und FelswändeDer Park hat aber auch ein paar tolle Pisten und Canyons zum Entdecken und wir unternehmen auch ein paar kurze Wanderungen. im SlotcanyonUnter anderem durch einen sogenannten Slotcanyon, hier wirds engeine sehr enge, ausge-waschene Schlucht, die mit ihren Formen und dem einfallenden Son-nenlicht begeistert. Und auch Spass macht zum Durch-wandern, da es teilweise wirklich eng wird und wir uns fast schon durchquetschen müssen… hat da wer was von „dick“ gesagt??

Joshua NP

JoshuatreesDurch Palm Springs und an vielen Windkrafträdern vorbei erreichen wir den Joshua-Tree-Nationalpark, wo wir zum ersten Mal die berühmten roten Felsformationen bestaunen und besteigen können… umrahmt von bizarr gewachsenen Agavenbäumen, den Joshuatrees. Die stehen auch gerade in Blüte, blühende Joshuaswie viele der Kakteen hier – und da gerade Frühlingsferien sind im nördlichen Amerika, ist der Park dementsprechend überlaufen. Wir haben keine Chance auf einen freien Campingplatz innerhalb des Parks und so fahren wir am Abend einfach ein wenig raus und übernachten auf einem freien Stück Land mit toller Aussicht… etwas, das im Westen der USA einfach möglich ist, da der Staat hier grosse Flächen von landwirtschaftlich uninteressantem Land urige und liebenswerte Amis(BLM) und die Wälder (National forests) verwaltet – alles mit der Idee, dass es möglichst vielen Leuten zu Nutzen sein solle: „land of many uses“, wie die Schilder verkünden. Da treffen wir dann schon mal grössere Camping-Gemeinden an, die dies zu ihrer Lebensform erkoren haben und einfach mit den Jahreszeiten in unterschiedliche Klimazonen ziehen – moderne Nomaden!

Mojave-Wüste

kalte WanderungWir fahren einen grossen Bogen über den Mojave-Park, wo wir beim „Hole-in-the-rock“ Camping eine tolle Schlucht erwandern und erklettern, mit wunderschön ausgewittertem Gestein, das an Feen und Geistergestalten erinnert. Kakteenwelt

Hole-in-the-rock

Dann treffen wir auf den unteren Lauf des Coloradoflusses, der weiter nördlich den Grand Colorado-BeckenCanyon durchfliesst – und geformt hat! Durch die vielen Staustufen hat er hier alle Kraft verloren und dient als Erholungsgebiet. Es reiht sich ein Campingplatz an den nächsten, dazwischen stehen Kasinos und Yachthäfen. Beim Bluewater-Kasino finden wir einen tollen Aussichtspunkt, wo wir die Nacht verbringen können. Wir haben freien Blick auf den Yachthafen davor und beobachten die Vorbereitungen zu einem Bootswettbewerb vom morgigen Sonntag. Verrückt, wie hier alles auf „Showtime“ basiert… riesige Yachten, laute Quads, aufgemotzte Offroadmobile.

Camping beim Kasino
Da ziehen wir die ruhige Natur vor und fahren weiter Richtung Sedona, das für seine tollen roten Berge und Canyons und unter Esoterikern als starker Kraftort berühmt ist. Unterwegs überqueren wir mehrere Pässe, Saloon unterwegsauf denen ein zugig-kalter Wind weht, beim Mittagshalt in Prescott werden wir von einem kräftigen Regenschauer überrascht und auf dem letzten Pass können wir auf über 2200müM sogar noch Schneereste am Strassenrand berühren! Dafür kreuzen wir da Ina & Ralf aus Deutschland, die wir von Mexiko her kennen, überraschend und stoppen für einen (der Kälte wegen) kurzen Schwatz. Sie haben sich in der Zwischenzeit einen Hund zugelegt, wie so viele Reisende, die wir unterwegs getroffen haben. Wir hoffen, uns an einem wärmeren Ort dann wieder einmal zu einem längeren gemeinsamen Aufenthalt zu sehen und verabschieden uns recht schnell wieder. Unterwegs besuchen wir das von ihnen empfohlene ehemalige Minenstädtchen Jerome, das hübsch hergerichtet und am Wochenende gut besucht ist.

Wetterstimmung bei SedonaIndianerruinenUnweit von Sedona finden wir auf BML-Land einen netten Übernachtungsplatz in freier Natur mit tollem Blick auf die roten Felswände im Hintergrund. Am nächsten Morgen können wir mit viel Glück (es ist Sonntag und hat immens viele Besucher) gerade noch auf eine geführte Tour zu einer historischen Wohnstätte Felszeichnungender Indianer mitgehen und zu tollen Felsgravuren am Aussichtspunkt über das wunderschöne Tal. Da hätte ich auch wohnen wollen…!

– Aber wahrscheinlich auch nur jetzt im Frühling, wo alles grün ist und herrlich blüht…im Sommer muss die Hitze unerträglich sein. Nachmittags wandern wir die Boyntonschlucht hoch und bewundern all die roten Felsauswaschungen. Kölbi meint zwar, ich würde die nächsten Wochen und Monate wohl noch rote Steine und Felsen bis zum Überdruss sehen können – aber hier und jetzt kann ich nicht genug davon kriegen…

Sedona

Deshalb fahren wir am folgenden Tag (fast) alle sehenswerten Punkte hier rund um Sedona an – und es hat viele, viele rote Felsen und Formationen! Nachmittags fahren wir durch den eher schattigen Oakcreek-Canyon und winden uns die engen Kurven hoch bis aufs Colorado-Plateau nach Flagstaff. Schnee im Sunsetcrater NPHier auf über 2000 Metern Höhe empfängt uns dann prompt ein Donnergrollen, das in einem quirligen Schneeflockenschauer endet. Wir erkundigen uns auf der Touristeninformation nach der Situation im Grand Canyon und fahren dann zum Übernachten raus zum Sunset-Crater-Vulkanpark. Der Sonnenuntergang wird zwar von Schneegestöber verdeckt,  tolle Farbenaber die Landschaft mit der schwarzen Vulkanerde, den Pinienbäumen und den gelb-ausgedörrten Grasbüscheln wirkt fast wie von einer anderen Welt. Das wäre toll bei Sonnenschein!

Doch die zeigt sich auch auf unserer Rundfahrt am nächsten Morgen noch nicht. Erst als wir uns von Osten her dem Grand Canyon nähern blinzelt sie uns verschlafen an.

Richtung Grand Canyon

Die ersten Aussichtspunkte haben wir bereits am „little“ (kleinen) Coloradoriver, einem Zufluss zum „grossen“ – und auch hier ist es schon spektakulär! Der Colorado hat sich hier über Jahrtausende durch eine Hochebene in die unterschiedlichsten Gesteinsschichten sein Bett gefräst und farbige Felsbänder und -Linien freigelegt.

Grand Canyon

Grand Canyon mit Sicht auf ColoradoriverDen ganzen Tag fahren wir von einem Aussichtspunkt zum nächsten, steigen aus und wandern ein Stück rauf und runter, bis ich am Abend dann vor lauter Muskelkater kaum mehr gehen kann 😉 Je näher wir dem Hauptbesucherzentrum kommen, desto mehr Autos und Menschen hat es. Irgendwann haben wir – trotz all der wunderschönen Ausblicke – genug von dem ganzen Rummel und verziehen uns ins Imaxx-Kino, wo uns die Geschichte des Canyons in grossformatigen Bildern erzählt wird. weidende HirschküheIm nahegelegenen National Forest dürfen wir gratis campieren und erwachen am nächsten Morgen mit weidenden Hirschkühen vor unserer Haustür.
Flug über den CanyonWir fahren zum nahegelegenen Flugplatz und können uns für nur 140 US$ für einen Rundflug einschreiben. Um zehn Uhr geht’s los und da wir nur vier(!) Passagiere sind, dürfen wir uns die Sitzplätze aussuchen. im Flieger

Tolle Sache – und von oben sieht man die Dimensionen und die Tiefen gleich noch viel besser!Schnee über dem Nordrim

Die fünfundvierzig Minuten Flug sind im Nu vorbei, haben sich für uns  aber ganz sicher gelohnt.

Aussicht

Coloradoriver
 in WilliamsVoller toller Bilder im Kopf fahren wir glücklich weiter. In Williams verdrücken wir unseren ersten Hamburger stilgerecht im von Jenny&Vince zuhause empfohlenen Restaurant, das ganz im amerikanischen „Diner“-Stil dekoriert ist.

Sandsturm über VegasNach einer weiteren Nacht in freier Natur, allerdings mit etwas schrägen, eher abgewrackten Nachbarn, erreichen wir schliesslich Las Vegas. Von Weitem ist allerdings nichts von der Glitzerstadt in der Wüste zu sehen – es bläst ein heftiger Wind und wirbelt den Sand und Staub hundert Meter hoch in die Luft… Auf den verwirrenden Autobahnkreuzungen und -Brücken muss Kölbi extrem aufpassen, dass unser Camper nicht etwa umgeblasen wird! Kurz darauf erreicht uns dann auch prompt ein Unwetter-Warn-SMS der Region: Sandsturm! Wir parken auf dem CircusCircus-Campingplatz in der Nähe des sogenannten „Strips“, einem Boulevard, an dem sich alle grossen Hotels Seite an Seite aufgereiht haben.

Vegas by night
Zusammen mit unseren Campnachbarn teilen wir uns ein Taxi ans andere Ende des Strips mit der Idee, gemütlich an all den Sehenswürdigkeiten entlang zurück zu wandern… Doch der Sturm macht uns einen Strich durch unsere Pläne: wie wir aus dem Mandalay raus die Hoch-Bahn nehmen wollen, hat die den Betrieb wegen zuviel Venedig lässt grüssen...Wind eingestellt und beim Kreuzen der Strasse müssen wir aufpassen, dass uns keine Plakate oder -teile um die Ohren fliegen! Dazu ist die Temperatur um etwa 15 Grad gefallen und rotsandige Tropfen fallen vom Himmel… Also nehmen wir den Bus bis in die Nähe unseres Platzes und streifen noch etwas durch diese verrückte Welt der Kasinos und Unterhaltungswelten, bevor wir uns erst mal duschen und wärmer anziehen gehen. Abends unternehmen wir nochmals einen Ausflug in die Glitzer- und Glamourwelt. Wir staunen über die Illusionswelten aus anderen Ländern wie Italien und Frankreich, die hier mit viel Aufwand nachgebaut wurden und wundern uns über all die Konsum-, Spiel- und Partysucht darin. Ist wohl definitiv nicht unsere Welt… und wir sind froh darüber!

Glitzerwelt Las Vegas

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.