China zum zweiten… (26.9. – 15.10.2011)

Nun, die Hoffnung auf eine schnelle und einfache China-Durchreise zerschlägt sich gleich schon an der Grenze… Unsere Agentur hat uns vor ein paar Tagen noch gemailt, dass wir am mongolischen Zoll noch ein Papier fürs Auto besorgen müssten. Und da wir einen Tag zu früh an der Grenze sind, wollen wir das am Abend vorher gleich noch erledigen, vielleicht können wir ja sogar zwischen den beiden Grenzen schlafen, so dass wir am nächsten Morgen schon früh an den chinesischen Zoll kämen. Das war unser Gedanke. Am mongolischen Zoll geht alles ruhig und easy, sie hetzen höchstens nur, weil sie uns klar machen wollen, dass der chinesische Zoll schon bald schliessen wird. Und als wir ihnen dann klar machen, dass wir noch so ein Papier bräuchten und eh zwischen den Grenzen schlafen wollen, geht plötzlich der Trubel los! Eine perfekt englisch sprechende Offizierin taucht auf und erklärt, dass das absolut unmöglich sei und sie die Stempel in unseren Pässen wieder annullieren müsse. Wir müssen zum Zollkommandanten, wo das dann auch geschieht. Bei der Gelegenheit frage ich nochmals nach diesem „inventory“ -Papier, aber keiner scheint so was zu kennen. Auch die Offizierin reagiert nicht auf meine Frage und sagt, wir sollen morgen wiederkommen.

Wir übernachten ausserhalb der Zollabgrenzungen und erleben am nächsten Morgen dann ein Schauspiel der besonderen Art: „unsere“ Mongolia-Rallye…. irgendwie habe ich mich ja schon gewundert, dass die Strasse zum Zoll die ganze Nacht leer geblieben ist und sich nicht schon eine Kolonne gebildet hat, vor allem weil eine Zöllnerin uns noch gesagt hat, wir sollen nicht am Morgen kommen, da habe es zu viele Autos da. Aber offensichtlich sperrt das Militär die Strasse weiträumig ab und gibt dann morgens um sieben den „Startschuss“: plötzlich tauchen aus allen Richtungen Jeeps und Autos auf und rasen wie die Gestörten auf die Grenze zu, hupen, verkeilen sich, schneiden sich gegenseitig den Weg ab, ein Zetermordio… und mittendrin das Militär, das versucht Ordnung ins Ganze zu bringen und Schlupflöcher dicht zu machen. Immer wieder jagen sie Autos nach, die versuchen sich über Schleichwege an der Kolonne vorbeizumogeln. Ein Schauspiel erster Güte! Und wir mittendrin und dürfen dann erst noch fast als die Ersten die Grenze passieren, da wir einen Grossteil des Papierkrams bereits am Abend vorher schon erledigt haben. Angesichts des Trubels geben wir auch die Suche nach dem ominösen Papier schliesslich auf, was sich ein paar Stunden später als teurer Fehler erweisen sollte…!

Die chinesische Seite ist dann soweit problemlos, wir dürfen bis in ein Hotel der Grenzstadt fahren und sollen da parkiert bleiben, bis unsere Papiere in Ordnung sind. Da stellt sich dann heraus, dass uns eben eines fehlt und es gibt lange Gesichter: ohne dieses Papier geht gar nichts, eine neue Regelung seit dem 1.

Juli. Der einzige Weg ist die illegale Beschaffung, kostet aber das zehnfache (400 Fr / Fahrzeug). Und mit der Entscheidung sollten wir uns beeilen, da am 1. Oktober die Feiertage anfangen und der Zoll dann für eine Woche geschlossen bleibt…. wir beissen in den sauren Apfel, handeln mit der Agentur aber aus, dass sie die Hälfte der Kosten übernehmen muss, da sich auch noch herausstellt, dass sie uns einen falschen Namen für das Papier genannt hat: sein richtiger Name ist „Cargo Manifest“. Wegen diesem blöden Papier können wir dann erst am dritten Abend aus der Grenzstadt rausfahren! Wir scheinen kein Glück mit chinesischen Grenzen zu haben… – oder aber das gehört wohl einfach dazu!

Wir nutzen die Wartezeit zum Einkaufen, Geldwechseln, Wäsche waschen und was sonst noch so alles anfällt unterwegs. Einen halben Tag investieren wir in die „Entstaubung“ des Cruisies, nach all den Pisten in der Mongolei ist das dringend nötig!!! Als wir am Abend des dritten Tages dann aus der Grenzstadt rausfahren fühlen wir uns wie in einem neuen Zuhause… 😉

Wir campieren bei eisigem Wind irgendwo draussen etwas abseits der Strasse und machen es uns in den Autos gemütlich. Nach einem Frühstart schauen wir uns am nächsten Nachmittag die Buddha-Grotten von Dunhuang an. Die Chinesen haben einen riesengrossen neuen Eingangsbereich um die ursprünglichen Grotten gebaut, auf uns macht es den Eindruck von Disneyworld, und dabei wurde auch gleich der Eintrittspreis verdoppelt…(25 US$/Pers). Zusammen mit den Autobahngebühren (ca 30$/Tag) und dem Tanken (ca 60$/Tag) ergibt das dann schon einen teuren China-Aufenthalt. Dazu kommen ja noch 1850$/Fahrzeug für die Reiseagentur, die die ganzen Papiere, Grenzformalitäten und den Guide während der 20 Tage organisiert. Dafür ist das Essen sehr günstig und auch sehr fein und abwechslungsreich! An diesem Abend fahren wir nur noch bis zu einem einfachen „Garagen-Restaurant“ wo wir auf einfachen Schemeln eben in einer Garage sitzen, essen dafür wie die Fürsten und bezahlen nicht mal 3$ pro Person (für die Schweizer: 1$ entspricht ca 85Rp). In China werden immer mehrere unterschiedliche Gerichte auf die Mitte des Tischs gestellt und jeder nimmt sich in seine Reisschale raus, was ihn „gluschtet“.

Die Weiterfahrt startet dann erst mal im Stau, der sich im Gegensatz zum immer häufiger auftretenden Nebel/Smog aber irgendwann auflöst. Wir fahren an riesigen Städten vorbei, staunen über die Bauwut der Chinesen: da werden ganze Hochhaus-Quartiere hochgezogen mit tausenden von Wohnungen und wir fragen uns, wer da alles wohnen soll… so hoch kann die Bevölkerungexplosion wohl nicht mehr sein bei der propagierten 1-Kind-Politik?! Wobei die ja auch nicht mehr so strikte ist wie früher: Minderheiten dürfen 2-3 Kinder haben und gegen Bestechung wird auch bei den Han-Chinesen öfter mal ein Auge zugedrückt.

Wir staunen nicht nur über den wilden Wohnungsbau,auch die gigantischen Autobahnbauten beeindrucken uns sehr: lange Tunnels und Hochbrücken durch ganze Täler und Berge! Leider fehlt uns wegen des Smogs die Aussicht auf die sicher atemberaubende Landschaft, aber da in fast jedem Ort mehrere Kühltürme von Kohlekraftwerken stehen,sehen wir auch die Sonne nur als Scheibe über die Mittagszeit schwach durchschimmern.

In den folgenden Tagen fahren wir immer grosse Strecken und besuchen dabei Pingyao, eine alte Handelsstadt, das berühmte Shaolin-Kung Fu-Kloster und Xian, die alte Kaiserstadt. Dazwischen versuchen wir immer wieder auch Übernachtungsplätze in der Natur zu finden. Einmal stehen wir am gelben Fluss, wo wir sogar Brot auf dem Lagerfeuer backen, ein andermal finden wir per Zufall einen kleinen Naturpark mit Wasserfall, wo wir hinaufwandern können. In Chengdu besuchen wir den Pandapark, wo wir in grosszügig angelegten Gehegen die drolligen Tiere aus nächster Nähe beobachten können. Dort müssen wir dann von Spring, unserer Guidin, Abschied nehmen und können dafür Kevin begrüssen. Gleich findet eine grosse Diskussion statt, weil wir unsere Gruppe gerne trennen möchten, da die Familie Sans Freunde in China hat, mit denen sie sich gerne länger treffen würden, währenddessen wir übrigen dann nach Lijang in die Berge fahren würden. Aber irgendwie scheint Kevin dafür keine Verantwortung übernehmen zu wollen, wir müssen zusammen fahren… – oder doch wenigstens an den gleichen Orten übernachten! Nur für den nächsten Tag willigt er ein, dass sie in Chengdu bei ihren Freunden bleiben und Adrian, Felix und wir zwei dafür einen Tagesausflug nach Leshan zum grossen Buddha machen. Wir übernachten an einem Stausee und treffen uns dann am nächsten Vormittag mit Sans wieder auf der Autobahnraststätte, wo sie mit der Reparatur ihres geplatzten Wasserschlauchs beschäftigt sind. Schon bald geht‘s weiter, doch dieser Tag soll uns noch manche böse Überraschung bringen! Zuerst behauptet Kevin, wir bräuchten nicht auf die Autobahn zu gehen, die sei eh gleich fertig… das beschert uns schon mal eine sehr kurvige und langsame Passstrasse, von welcher aus wir immer wieder sehnsüchtig auf die nietnagelneue Autobahn blicken können! Wo dann die Autobahn tatsächlich nicht fertiggebaut ist, kommen wir in einen Stau, wo 3 Stunden lang gar nichts mehr geht… 🙁 Als wir beim Eindunkeln dann endlich weiterfahren können/müssen, wird es eine Horrorfahrt durch dichten Nebel eine kurvige Passstrasse hoch mit gestresst überholenden Chinesen. Irgendwo ziehen wir dann einfach auf den nächstbesten kleinen Ausstellplatz direkt an der Strasse und übernachten dort. Alle sind gestresst und frustriert und es gibt eine unschöne Diskussion über das „wie weiter?“. Kevin versucht mit Versprechungen die Situation zu schlichten und am nächsten Tag können wir dann einigermassen versöhnt weiterfahren. Doch schon bald stehen wir wieder in einem Stau, diesmal sogar in einem Tunnel drin (glücklicherweise stehen wir nicht weit vom Ausgang weg)! Nach einer Stunde finden wir dann heraus, dass ein Pneukran daran ist die Ladung eines verunglückten Lasters zu bergen, der in den See gestürzt ist. Und der blockiert die Durchgangsstrasse und es kann sich nur noch um Stunden handeln… die Polizei ist zwar mit vor Ort, hält es aber nicht für nötig den Tunnel zu sperren oder eine Umleitung zu signalisieren…. chinesische Verhältnisse halt! Nach 2 Stunden meint Kevin eine Umfahrung gefunden zu haben, auch auf unserem GPS schaut es danach aus, aber die entpuppt sich dann als Tagestour durch die Berge;-) Dafür hat sich der Smog/Hochnebel verzogen und wir sehen endlich was von der schönen Landschaft und haben Einblick ins Dorfleben, wie man es von der Autobahn aus halt eben nicht sieht.

Vor der nächsten Stadt, Panzihua, müssen wir uns dann entscheiden ob wir den Umweg nach Lijang in die Berge fahren wollen und damit unseren China-Aufenthalt um 2 Tage verlängern oder gemütlich auf direktem (Autobahn-) Weg bis an die Grenze tuckern. Als Kevin uns versichert, dass die Bergstrasse in gutem Zustand und mit wenig Verkehr sei, entscheiden wir uns für Lijang. Nach einem ausgiebigen Mittagessen fahren wir los. Panzihua ist eine langgestreckte Industriestadt entlang einem Flusstal, absolut nichts idyllisches und Stadtverkehr war noch nie angenehm mit einem Camper, aber was uns dann nach der Stadt erwartet, spottet jeder Beschreibung: eine völlig durchlöcherte schmale Asphaltstrasse mit Gräben, in denen man Kleinkinder verstecken könnte und dazu voller überladener Bergwerklastwagen, die zu überholen angesichts der vielen Löcher und Gräben in der Strasse ein absolut unkalkulierbares Manöver darstellt…. Nach 20 Kilometern stoppen wir und stellen Kevin zur Rede, was genau er unter einer guten Strasse eigentlich verstehe….?! Da rückt er dann raus, dass nach 100 km (!) eine Mine sei und danach die Strasse aber viel besser werde… wir glauben seinen Streckenbeschreibungen inzwischen kein Wort mehr, haben ihn vielmehr im Verdacht da oben eine heimliche Freundin zu haben, dass er so unbedingt da rauf will 😉 Nach kurzer Diskussion wird die Übung „Lijang“ abgebrochen und wir geniessen noch ein paar entspannte Tage auf dem Weg nach Laos. Endlich können wir auch einen Ruhetag an einem Badesee einlegen, den wir in vollen Zügen geniessen. Kevin geben wir frei und lernen dabei auch mal selber Essen zu bestellen. Nun gut, der 1. Versuch verläuft eher zwiespältig: wir zeigen auf dieses und jenes Gemüse, aber Adrian möchte dann auch noch klarmachen, dass er gerne ein bisschen Fleisch dazu hätte und zeigt dabei auf eins der herumlaufenden Hühner. Prompt wird das dann auch eingefangen und brutzelt kurz darauf schon in der Pfanne! Von nun an sind wir vorsichtig mit auf Dinge oder Tiere zeigen…;-)

In den folgenden Tagen wird die Landschaft immer grüner, üppiger, tropischer. Bananenbäume, Zuckerrohrfelder und Gummibaumplantagen prägen das Bild und ich kriege endlich Mangos, Ananas und Papayas zu kaufen! Die unerwartete feuchte Hitze setzt uns aber schon etwas zu und wir sind total happy als wir ein schönes Hotel mit Swimmingpool entdecken und den Nachmittag da faulenzend verbringen können. Den letzten Tag in China verbringen wir mehr oder weniger auf einer Tankstelle am Grenzort Mohan, bereiten uns auf die Einreise nach Laos vor und gehen noch mal alle miteinander fein essen.

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