Im Norden von Laos und Thailand (15.10. – 17.11.2011)

Ich sitze hier gemütlich auf einem Liegestuhl am Swimmingpool, vor mir die grandiosen Karsthügel und die tropische Vegetation von Vang Vieng im zentralen Laos – und weiss eigentlich gar nicht so recht, über was ich schreiben soll… Die letzten Wochen sind nur so an uns vorbeigegangen, das Reisetempo haben wir massiv gedrosselt und geniessen einfach so das unbeschwerte Touristenleben Südostasiens! Irgendwie ist das zwar schön, – aber es fehlt auch das Abenteuer, das Spezielle der vorherigen Monate, wenn man zusammen mit hunderten von „gewöhnlichen“ Touristen unterwegs ist…! Also werde ich mich kurz fassen (Kölbi lacht zwar und meint, das sei eh nicht meine Art):

Kurz nach dem problemlosen Grenz-übertritt von China nach Laos treffen wir auf Bianca&Florian aus dem Tirol, die mit einem ähnlichen Autoaufbau auf ihrem Landrover unterwegs sind wie wir. Sie empfehlen uns ein nettes Gästehaus in Luang Namtha, wo am Abend dann richtig schöne Campingstimmung aufkommt. Wir haben nämlich noch Schweinesteaks aus China dabei, die wir mit Felix&Adrian, die mit uns China durchquert haben, endlich mal grillieren wollen und dazu noch Bianca&Florian und weitere Touristen aus dem Hotel… es wird ein richtig gemütlicher Abend mit vielen Reisegeschichten und auch das Bier fliesst in Strömen; – aber das trinken die Jungs ja nur für einen guten Zweck: die einheimischen Akha-Frauen basteln aus den leeren Bierdosen Schmuck, den sie an die Touristen dann ziemlich aufdringlich verkaufen. Und ebenso aufdringlich fordern sie uns halt die nächsten paar Tage zum Biertrinken auf….! Allmorgendlich geht ein prüfender Blick in die Runde, ob denn wirklich nicht noch ein paar Dosen mehr dringelegen wären. 😉

Ich glaube, Kölbi ist schon fast ein wenig erleichtert, als wir uns von den Jungs und dem Zuela-Guesthouse verabschieden um mit Bianca&Florian in den Norden nach Muangsi zu fahren… Dort erleben wir auf dem Morgen-Markt noch die einheimischen Volksgruppen in ihrer traditionellen Tracht, vor allem die Akha-Frauen dekorieren ihre Kleidung mit auffälligem Silberschmuck. Auf dem Land sehen wir vor vielen Hütten die Webstühle in Betrieb, wo Frauen sich wunderschöne Stoffe mit traditionellen Mustern weben und zu Kleidung verar-beiten. Hier scheint die Moderne noch weit weg zu sein, obwohl es natürlich auch Handys und Fernseher mit (zum Teil) selbst gebastelten Satellitenschüsseln gibt. Die Reis-Ernte ist in vollem Gange, alles wird in Handarbeit erledigt: sicheln, zu Garben binden, dreschen und das Feld anschlies-send mit dem Wasserbüffel gepflügt.

Wir verbringen eine Nacht an einem Fluss gegenüber einer Schule und kriegen dadurch viel Besuch von zwar neugierigen, aber anfänglich dennoch recht scheuen Kindern. Diese Scheu legt sich aber recht schnell und am nächsten Morgen sind wir fast schon froh, als der Schulunterricht endlich anfängt!

Zurück in Luang Namtha staunen wir nicht schlecht, als auch Adrian&Felix, die doch eigentlich Richtung Süden wollten, wieder dort auftauchen. Die Wieder-sehensfreude ist gross, auch eine Woche später treffen wir in Chiang Mai noch einmal auf die zwei…- und da schenken sie uns sogar ihren Benzinkocher und einen vollen Feuerlöscher (wir haben ja unseren letztes Jahr beim Guetslibacken einsetzen müssen.. 😉 ), da sie ihren VW-Bus in Thailand verkaufen wollen und mit dem Fahrrad weiterreisen werden!

Vorerst verbringen wir aber noch ein paar schöne Tage zusammen mit Bianca&Florian auf dem Weg nach und in Luang Prabang, der alten Königsstadt am Mekong. Heute lebt die Stadt vom Tourismus mit all den Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Wir geniessen das breite Angebot an Restaurants, Buchläden und Einkaufs-möglichkeiten; sind dann aber froh, die dritte Nacht in der Natur draussen bei den wunderschönen KuangSi-Wasserfällen zu verbringen. Nach einem erfrischenden Bad in den türkisblauen Pools geniessen wir den besten grillierten Mekong-Fisch unserer bisherigen Reise! Am nächsten Morgen verabschieden wir uns auch von den zwei Tirolern und fahren los Richtung Thailand, das wir auch nach zwei gemütlichen Fahr-tagen über eine hügelige Nebenstrasse erreichen. Unterwegs treffen wir sogar noch auf einen Arbeits-Elefanten, auch in Thailand sehen wir später noch einen; aber sonst werden Elefanten mehrheitlich nur noch für die Touristen gehalten.

In Thailand sticht uns schnell den Unter-schied im Wirtschafts- und Entwicklungs-grad der beiden Länder ins Auge: hier ist alles viel moderner, technisierter und besser gebaut als in Laos. Das Ursprüng-liche, Traditionelle, das wir auf unserer Motorradreise vor 20 Jahren hier noch vorgefunden haben, verschwindet langsam. Aber es ist immer noch das Land des Lächelns und wir werden überall willkommen geheissen! Nach Chiang Mai machen wir eine Tour durch den Norden ans goldene Dreieck und weiter Richtung Pai.

Ich entdecke wieder einmal eine „Abkürzung“ auf der Karte, welche sich dann als abenteuerliche Schlammpisten-fahrt durch den Dschungel entpuppt. Weil wir im Grenzgebiet zu Burma unterwegs sind müssen wir uns auch noch bei einem einsam im Urwald stationierten Armee-posten ins Buch eintragen… – aber ich denke, die Soldaten da sind echt froh über die Abwechslung, die unser Besuch ihnen bringt und sie bestaunen unser Auto von allen Seiten. Weiter in den Bergen besuchen wir die Tham Lot Höhle, die wir auf einer Kajaktour zusammen mit anderen Schweiz-ern erkunden. Der Fluss hat recht wilde Stromschnellen für Ungeübte wie uns, wir kentern ein paar Mal und Kölbi schlägt sich sogar sein Bein auf an einem Felsen. Wir sind wohl schon zu sehr „Grufties“ für solche Adventure-Übungen 😉 Aber die Land-schaft ist wunderschön: alles intensiv-grün und tropisch überwucherte Fels- und Hügelformationen mit klaren Bächen in den Talsohlen, dazwischen immer wieder Reis-terrassen und Holzhütten. In Mae Hongson sind wir gerade zum Loi Krathong – Fest, dem Lichterfest zum Gedenken der verstorbenen Seelen. Auf allen Gewässern treiben schwimmende Blumenarrangements mit Kerzen und Lichterballone schweben zu Hunderten himmelwärts. Und natürlich Raketen und Feuerwerk die halbe Nacht durch!

Wir fahren weiter südwärts der burme-sischen Grenze entlang, wo wir das ur-tümliche, traditionelle Thailand doch noch finden. Tief beeindruckt sind wir auch, als wir einem riesiggrossen Flüchtlingslager über mehrere Kilometer entlangfahren, wo Hütte an Hütte steht und eine für diese Leute ungewöhnliche Dichte an Menschen wohnt. Wie es wohl sein muss hier jahre-lang zu leben und zu warten… – worauf?! Später erfahren wir dann auch noch, dass die burmesische Armee auch hier Übergriffe auf ihre Leute macht, obwohl sich das Lager in Thailand befindet!

In Sukhotai, einer ehemaligen Königsstadt mit vielen alten Tempeln und Chedis ge-niessen wir dann auf einer Fahrradtour die ruhige Atmosphäre der Ruinen inmitten grosszügiger Parks mit Teichen und vielen alten, schattenspendenden Bäumen. Wir sind nun ostwärts Richtung Isaarn unter-wegs und queren dabei eine grosse Fluss-ebene, wo wir noch viele überschwemmte Felder sehen. Sonst aber kriegen wir nicht viel mit von der grossen Flutkatastrophe hier in Thailand. Die Wassermassen sollen inzwischen ja bereits Bangkok erreicht haben, das viel weiter südlich liegt. Wie lange wird es wohl dauern, bis hier das Wasser ganz weg ist und wieder gepflanzt werden kann?

Wir verbringen noch ein paar gemütliche Fahrtage im Nordosten, bevor wir dann den Mekong über die Freundschaftsbrücke nach Vientiane,Laos überqueren. Doch davon werde ich später schreiben, jetzt lockt definitiv der Swimmingpool! Tschüss!

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