Laos und Kambodscha (17.11. – 18.12.2011)

Über die Freundschaftsbrücke reisen wir zurück nach Laos und damit auch wieder zurück zum Rechtsverkehr. Unser Ziel ist die Hauptstadt Vientiane, schön am Mekong gelegen. Gleich als erstes suchen wir das thailändische Konsulat auf um ein Visum für den nächsten Besuch zu beantragen.

Wir treffen auf viele Ausländer, die schon seit Jahren in Thailand leben und sich immer wieder aufs Neue um ein Visum bemühen müssen, was ihnen allerdings von Thaiseite immer schwieriger gemacht wird. Und das wir auch hautnah miterleben… – also ist es doch nix mit dem ewigen Paradies?! Dafür treffen wir auf mehrere Overlanders hier, was uns riesig freut! Zuerst ein englisches Rentnerpaar, Ann und
Clive, die auch schon seit langem in ihrem Truck unterwegs sind und uns Mike Murphy, einen guten Mechaniker hier in Vientiane vermitteln. In der Stadt kreuzen wir uns mit der Familie Sans, mit denen wir durch China gefahren sind und haben uns eine Menge zu erzählen. Sie stehen wie die meisten Overlander auf einem der öffentlichen Parkplätze, wo es uns aber etwas laut und zu sonnig ist. So fragen wir im nahen Wat (Tempel), ob wir da im Schatten eines mächtigen Baumes stehen dürfen und die Mönche geben uns grosszügig ihr ok. Mit dem Segen Buddhas verbringen wir so eine geruhsame Nacht, werden dafür aber schon früh durch die Gebetstrommeln geweckt… nun gut, man kann nicht alles haben! Nachdem wir beim Mechaniker einen Termin für den morgigen Tag ausgemacht haben, treffen wir beim Visa-Abholen auf Brigitte und Edy, die mit ihrem MAN-Laster schon seit Jahren unterwegs sind und von denen wir schon viel gehört hatten…! Wir verquatschen ein paar schöne Stunden in einer Beiz und versprechen uns, dann in Thailand an einer Beach mal mehr Zeit miteinander zu verbringen… sie wollen nämlich heute noch über die Grenze. Und wir sind zum Abschiedsfest von Conny und Boris hier von Vientiane eingeladen; wir haben die zwei mit Freunden in Kirgistan auf Töfftour getroffen. Es ist ihr letzter Abend hier, morgen fliegen sie zusammen nach Kuala Lumpur um an Boris Arbeitsplatz eine Familie zu gründen… wir haben sie wirklich gerade noch „last minute“ hier in Vientiane erwischt!

Nach einer kurzen Nacht fahren wir frühmorgens zur Werkstatt, wo sie wirklich gute Arbeit leisten und unser „Schwabbeln“ der Vorderräder minimieren und auch die Bremsleistung wieder auf Vordermann (bzw die Hinterachse) bringen.


Bereits am Mittag sind wir wieder on the road und Richtung Vang Vieng unterwegs, wo wir uns in der herrlichen Karstlandschaft und am Swimmingpool eines Hotels an traumhafter Lage ein paar Tage erholen können. Vang Vieng ist ein sogenanntes Backpacker-Traumziel mit vielen Gästehäusern, man kann auf aufgeblasenen Reifen den Fluss runtertreiben und schwimmend die vielen Bars besuchen, – was dann auch ausgiebig gemacht wird 😉 Leider wird dabei kaum auf die (Kleider-) Sitten und Gebräuche der Einheimischen Rücksicht genommen, spätnachts noch torkeln die Touris in Bikinis durch die Gassen und auch die Endlos-“Friends“-Folgen auf den Bildschirmen der Restaurants wirken auf uns eher befremdlich… – ist das Urlaub???

Die Weiterfahrt zur Ebene der Tonkrüge ist dann ein wirkliches Highlight! Tolle Landschaft durch senkrecht aufsteigende Hügel und Berge und zuoberst auf dem Pass sogar ein fast schweizerisch anmutendes Bergrestaurant mit atemberaubender Aussicht. Sicherlich eine der schönsten Fahrstrecken unserer Reise! Wir campieren an einem hübschen See und besuchen am folgenden Tag die faszinierenden „Tonkrüge“: bis zu 6 Meter hohe in Form von Krügen behauene Steinblocks, über deren Entstehung vor über 2000 Jahren und Gebrauch (Urnen?) man bis heute nichts genaues weiss. Betroffen hingegen machen uns die vielen Bombenkrater, die in der ganzen Gegend sichtbar sind. Dieses Gebiet gehört zu den von den Amerikanern am stärksten bombardierten Landstrichen dieser Welt – obwohl die USA Laos offiziell gar nie den Krieg erklärt und diesen Beschuss lange geheim gehalten hat!

Über eine abenteuerliche Dschungelpiste fahren wir weiter in den Süden und übernachten am Fluss bei einem kleinen Dorf. Freies Campieren ist hier eigentlich nirgends ein Problem, die Menschen und auch die Kinder sind sehr freundlich und zurückhaltend und lassen uns in Ruhe baden und kochen. Undenkbar in Indien!

Wieder geht‘s dem Mekong entlang, dann machen wir einen Abstecher durch wunderschöne Gebirgslandschaft zur imposanten KongLhor-Höhle. Auf dem Fluss, der durch die Höhle fliesst, fahren wir auf einem motorbetriebenen Holzboot während einer Stunde(!) durch riesige Hallen um auf der anderen Seite der Bergkette, die der Fluss so durchquert, ein Bierchen trinken zu
dürfen und danach wieder retour zu fahren! Welch ein Abenteuer muss das für die paar Einheimischen gewesen sein, die sich als erste auf diesen Fluss durch die Höhle wagten, ohne zu wissen wo sie rauskommen würden?!

Auf dem Weg zurück zum Mekong übernachten wir an einem netten Badeplatz, den bereits die Franzosen während der Kolonialzeit zum Abkühlen genossen; er heisst auch dementsprechend „Tha Falang“ (Ausländerquelle)… Beim Frühstück werden wir von einem Mountainbiker angesprochen: Ruedi Lüthy ist Schweizer, hat ein Praktikum auf der „Fenchnern“ in Scheuren (Bauernhof in Chrigis Nachbardorf) gemacht und arbeitet jetzt für das grösste Staudammprojekt in Südostasien! Wir verbringen einen interessanten Morgen zusammen, er weiss uns viel über Laos zu berichten.

Unser nächstes grösseres Ziel ist das Bolaven-Plateau; auf über 1000 Metern über Meer gelegen ist es berühmt für den Kaffee, der dort angebaut wird und seine imposanten Wasserfälle. Wir geniessen das erfrischende Baden und verbringen ein zwei nette Tage mit ein paar Fahrradfahrern, die wir dort kennenlernen. Vom Gebiet der „Tausend-Inseln“ im Süden Laos sind wir eher enttäuscht und so überqueren wir schon bald die kambodschanische Grenze, wo wir gleich schon mit der hier überall herrschenden Korruption konfrontiert werden… für jeden Stempel und jedes Papier noch 2 Dollar extra, aber mit einem freundlichen Lächeln und ein wenig stur bleiben kommt man auch (fast) ohne Schmieren durch! Wir verbringen die Nacht nahe Kratie, wo sich die letzten Irrawaddy-Delfine im Mekong tummeln sollen, die wir aber leider nirgends entdecken können. Dafür fahren wir durch malerische Dörfer, kriegen immer wieder ein freundliches Hallo von den Kambodschanern zugerufen und fühlen uns sofort gut aufgehoben hier.

Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Kambodscha gekommen, hatte einen Riesenrespekt vor der jüngeren Geschichte hier mit all den Gräueln, die dieses Land und seine Menschen vor nicht langer Zeit (bis Mitte der 90er Jahre) durch die roten Khmer und PolPot erdulden mussten („killing fields“). Die Kambodschaner schenken uns immer wieder ihr strahlendes Lächeln, doch manchmal frage ich mich, was (ver-)steckt (sich) dahinter? Haben sie mit dem gleichen Lächeln auch gefoltert und gemordet?

Versteht mich bitte nicht falsch: ich fühle mich sehr wohl und sicher hier – aber genau das verwirrt mich ja so! Heute sind fast genau die gleichen Leute der alten Khmer Rouge mit Hun Sen (Präsident) wieder an der Macht; wie können die Kambodschaner mit all den Narben und Verletzungen in ihren Herzen damit umgehen und weiterlächeln?

Die Landschaft selbst ist von atemberaubender Schönheit, überall steht Wasser auf Reisfeldern und in Teichen, die Häuser sind häufig auf Stelzen gebaut wegen der vielen Überschwemmungen und das Licht ist von einer unglaublichen Intensität… eines der fotogensten Länder, trotz (- oder wegen?) seiner Armut und Einfachheit, finde ich!

Kurz bevor wir Siem Reap erreichen, haben wir dann eine freudige Begegnung der anderen Art: zwei Töffler mit Alukisten kommen uns entgegen, Kölbi geht sofort auf die Bremsen, die zwei drehen um und als sie die Helme ausziehen, können wir unser Staunen kaum verbergen: es ist Thomas Bäumel mit seiner Freundin Andrea; mit ihm sind wir 1992 von Islamabad bis nach Delhi gefahren!!!


Gleich am ersten Abend in Siem Reap dürfen wir einem Konzert von Beatocello, alias Dr. Beat Richner zuhören, der auch von seiner Arbeit im Kinderspital hier erzählt. Ich bin tief beeindruckt davon, was dieser Mensch mit seinem kambodschanischen Team leistet und wie sehr er gegen die Korruption ankämpft und für die kambodschanischen Kinder. Egal ob arm oder reich, jedes wird gleich und gratis behandelt, da sich die meisten hier gar kein Spital leisten könnten, was ihm aber von der WHO zum Vorwurf gemacht wird und weswegen er von offizieller Seite kaum finanzielle Unterstützung kriegt! Wir können aber auch spüren (v.a. nach der Lektüre seines Buches), wie sehr er leidet unter dem Spendensammeln, dem „Betteln“, wie er sagt. Mitte Dezember ist er dafür wieder auf „Schweizertour“. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen viel Erfolg! Bei den Touristen hier wirbt er mit dem Slogan: „Geld oder Blut – am besten beides…!“ und so gehe ich dann auch ins Spital zum Blutspenden… 😉

Die grosse und berühmte Attraktion hier sind jedoch die Tempelruinen von Angkor. Die erste Besichtigungstour machen wir mit dem Fahrrad, was zwar unserer Kondition gut tut, aber wegen der Hitze und Weitläufigkeit der Anlage nicht wirklich empfehlenswert ist. Wir sind schnell mal gesättigt ob all der Eindrücke, auch wegen den Touristen – Busladungen, die sich unaufhörlich über die Tempelruinen ergiessen…

Abends geniessen wir den Swimmingpool des „Earthwalkers Guesthouse“, wo wir im Garten campieren, in vollen Zügen (- und machen die nächste Tour mit dem Auto)! Wir freuen uns sehr, als eines Tages noch ein anderer Landcruiser dort campiert mit CH-Nummernschildern und wir so Brigitta und Paul kennenlernen. Sie sind bereits seit mehreren Jahren auf unserer schönen Welt am Reisen und geben uns viele Tipps und Erfahrungen weiter. Und stecken uns auch mit dem Afrika-Reise-Virus an, fürchte ich…

Unsere nächste Station ist Phnom Penh, die Hauptstadt. Wir campieren auf einem öffentlichen Parkplatz nahe am Mekong, den wir hier zum letzten Mal auf unserer Reise sehen.

Die Stadt durchstreifen wir mit unseren Fahrrädern, besichtigen den Königspalast, kriegen aber schon bald einmal genug von all dem Lärm und Verkehr… wir sind halt wirkliche „Landeier“! Bevor wir aber weiterziehen, treffen wir uns noch mit Filipp, einem Schweizer Radfahrer, den wir in Tajikistan getroffen haben, zum Frühstück. Er hat eine imposante und sicherlich entbehrungsreiche Reise um Tibet herum hinter sich und weiss einiges zu erzählen!

Uns aber zieht es jetzt endgültig runter in den Süden und ans Meer… wir haben von Sihanoukville gehört und dass man am Otres-Beach gut campieren kann und das geniessen wir jetzt in vollen Zügen! Schwimmen, faulenzen, gut essen gehen, mit anderen Overlandern, die auch hier stehen, sich gut unterhalten, Lagerfeuer machen… gut, dass sich Resli, Kölbis Schwester auf den 26. Dezember in Bangkok für einen Besuchs-Urlaub angemeldet hat, sonst würden wir wohl noch ewig hier bleiben. So aber freuen wir uns riesig auf die Zeit zusammen; wir werden gemeinsam bis Phuket reisen und da nachher wohl eine Weile das Beachlife in Khao Lak geniessen.

 

Wir wünschen Euch allen schöne Festtage und ein gutes, gesundes Neues Jahr! Auf dass es uns alle unserem Traum vom perfekten Leben ein Stück näher bringt….

 

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